Yamaha FJX730SC

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Ein gut gemachtes Baukastensystem hat viele Vorteile. Durch sinnreiche Kombination verschiedener standardisierter Baugruppen laesst sich eine grosse Anzahl an verschiedenen Modellen erstellen. Die Beschraenkung auf standardisierte Baugruppen erleichtert die Qualitaetskontrolle, flexibilisiert das Zulieferer- und Produktionssystem und der Kunde fuehlt sich bei der Marke "zu Hause"weil eine gewollte haptische kompatibilitaet vorliegt.

Yamaha hat eines der erflgreichsten Baukaestensysteme mit der F7-Reihe am Start. In der F-Familie und der 7'er Serie teilen sich in der Regel bis zu 5 Untermodelle dieselben Designs und mehr als 20 Modelle dieselben Komponenten.

Bei den Yamaha Dreads ist die FG(X)700-Reihe das Paradebeispel. Von der FG700MS bis zur FG750S halten wir im Prinzip dieselbe Gitarre in Haenden. Dieselbe Korpusform, dieselbe Beleistung, die selben Haelse, Griffbretter, Stege, Mechaniken ... es ist ein einziger grosser Baukasten. Die FGX7-Reihe ist dasselbe in gruen - nur mit Cut und Elektrix und das gleiche Prinzip, nur mit einem mini-Jumbo Korpus finden wir bei der FJ7 und der FJX7 Baureihe. Wahrscheinlich verbaut Yamaha dieselben Komponenten auch noch in anderen Gitarren, aber ich habe hier nur eine FG730S und eine FJX730SC am Start.


Aufgrund des Baukastenrinzips ergeben sich somit fuer wohl alle F7-Modelle die folgenden technischen Daten:

Mensur: 25 9/16" oder 650 mm
Sattelbreite: 43mm
String Spacing am Sattel: 36,6 mm
String Spacing am 12. Bund: 45,3 mm
String Spacing am Steg: 54 mm
Halsdicke am 3. Bund: 23 mm
Halsdicke am 12. Bund: 29 mm
Saitenlage am Sattel im Mittel: 2,1 mm
Satenlage am 12. Bund im Mittel 3,2 mm

Das Halsprofil ist ein angenehm schlankes D, es liegt gut in der Hamd und wird wohl vom Akkordschrammler bis zum mittleren Fingerstyler alle gluecklich machen. Ambitionierte Fingerstyler werden wohl auf einem 46'er Hals besser zurechtkommen, aber ansonsten gilt hier wieder "allen Wohl - keinem Wehe".
Bei der FJX730SC finden wir das gleiche hoch qualitative Palisandergriffbrett und dieselben absolut fehlerfrei eingepassten und hervorragend abgerichteten Medium-Buende wie bei der FG730S. Auch die FG700MS hat denselben Hals, das selbe Griffbrett, das selbe Profil, nur halt etwas sparsamer ausgestattet. Die FJX730SC hat, wie die FG730S ein eigefasstes Griffbrett, die kleineren Modelle haben das nicht. Was - egal bei welcher F7 - immer wieder auffaellt, ist die hervorragende Bundierung. Das Griffbrett hat (sehr) kleine Abalone-Punkte an den Positionen 5, 7, 9, 12 und 15 und auf dem Bnding finden sich damit korrespondierende schwarze Punkteinlagen.
Ich habe bei keiner anderen Firma in diesem Preisbereich jemals so gute, so konsistent gute Bundarbeit gesehen, wie bei Yamaha. Diese hervorragende Bundarbeit hat einen nicht unerheblichen Anteil an der so guten Bespielbarkeit der Yamaha F7-Serie.

Der Korpus des Testexemplars besteht aus einer einwandfreien Fichtendecke und Palisander-Sperrholz Zargen und Boden. Ein sauberes Zedern-Kerfing haelt das ganze zusammen und die Raender des Korpus werden an der Decke von einem altweissen Binding und 4-lagigem Purfling eingefasst. Der Boden hat nur ein Binding, Purfling und Mittelstreifen fehlen. Die Korpustiefe am Halsansatz liegt bei 100 mm, am Endblock liegt die Korpustiefe bei 125 mm. Das Schalloch hat einen Durchmesser von 103 mm und ist mit einem Abalone-Ring und einem 3-lagigen Purfling eingefasst. Der Korpus ist ein relativ stark taillierter mini-Jumbo Korpus, der in den Maximalabmessungen nicht wesentlich kleiner als ein Dreadnaught-Korpus ist. Der untere Korpus ist nur 1/2 Zoll schmaler als der einer FG. Die Grundform der mini-Jumbo ist aber runder, nicht so querkant und ungeschlachtet wie eine Dread und die schon angesprochene schmale Taille macht das Spielen im sitzen sehr, sehr angenehm. Trotz meiner notorischen Abgneigung gegen "Clownburst" habe ich meine FJX730SC in "antique tobacco sunburst" bestellt, ein sehr angenehmen, dunkles two-tone burst, das auch hervorragend zu dem Tortoise Schlagbrett passt. Als "C"-Modell hat die Yamaha auch einen Cutaway.

In der Kombination der Elemente ist die Yamaha sehr gut bespielbar. Der Hals wird jedem, dem schon die FG7xx gefallen hat sofort vertraut ein, die schlanke Taille haelt die Gitarre gut auf dem Knie, der nicht allzu tiefe Korpus erlaubt auch hier eine bequeme Position, es gibt wenige Gitarren in diesem Preissegment, die so bequem zu bespielen sind. Hier hat die FJ ganz klar Vorteile vor der FG. Aber... die FJ ist kein Ersatz fuer eine FG, eher eine Ergaenzung. Warum sagt das Klangkapitel.

Obwohl die Korpusmaterialien der F7-Serie von laminiertem Mahagoni ueber laminiertem Palisander bis hin zu laminiertem Ahorn reichen, sind die Grundklaenge der FG7-Reihe recht nah beieinander. Auch die FJ7 haben einen gemeinsamen Klang, aber der FJ Klang ist Meilen von dem FG-Klang entfernt. Die FG haben einen sehr neutralen, eher hellen Grundklang, der eher bei Taylor als bei Martin zu verorten ist. Dementsprechend eignen sich die FG eher zum strumming, denn die Baesse spielen mit, ohne dass man den Gesamtklang vermatscht. Die FJ hingegen spielt klanglich in einer ganz anderen Klasse. Sie klingt weicher, suesser, runder mit mehr Mitten und Baessen als die FG. Dementsprechend mag sie auch mehr Fimgerstyle als Strumming. Genau wie die FG ist sie auch ueberall gut zu Hause, aber im Vergleich ist die FG eher ein Strummer und die FJ eher ein Picker.

Ein weiterer Unterschied zwischen der FG und der FJX ist das Yamaha Pickupsystem mit Vorverstaerker. Der Pickup ist der A.R.T. System56CB 1-way Pickup, der Vorverstaerker ist von Yamaha und beinhaltet einen 3-Band EQ mit chromatischem Tuner. Der Pickup ist ein Decken/Kontaktpickup und somit frei von dem Piezo-Quacken ... allerdings dafuer etwas empfindlicher gegenueber Korpusgeraeuschen und Feedback. Die Klangregelung hat neben den ueblichen Bss/Mid/Treble einen AMF-Regler. Dieser AMF Regler ist ein parametrisierer fuer den Midrange-Bereich, somit ist das EQ-System semiparametrisch. Laesst man den AMF-Regler in der Mitte, ist es ein "normales" EQ-System. Aber wenn man den AMF-Regeler nach unten oder oben verschiebt, verschiebt man damit die Mittenfrequenz des Mittenreglers. Kompliziert... ein bisschen und vor Allem gewoehnungsbeduerftig.

Wie fast alle Yamahas ist auch die FJX730SC eine Gitarre mit hervorragendem Preis-Leistungsverhaeltnis. Meine FG730S ist zwar mittlerweile auf meiner "zu verkaufen" Liste, aber das ist meine Martin D40 auch. Ich habe einfach zu viele Fichte/Palisander Dreads. Die FJX730SC ist nicht auf meiner Verkaufsliste, denn sie hat einen eigenen Charakter und ueberzeugt durch hervorragende Qualitaet, gute Bespielbarkeit und gutem Klang - zu einem deutlich ertraeglichem Preis.
 
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