Zelluloid Verarbeitung

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Reedfan
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Hmm, ein Freund hat ein Instrument mit Zelluloid-Schäden, d.h. es gibt die eine und andere größere / kleinere Druckstelle / Macke

Ich habe mal eine sehr winzige Macke mit schwarzem Lack ausgelegt, das hat funktioniert. Ist aber sehr aufwendig, weil der Lack nach jedem Farbauftrag stark einschrumpft. D.h. es sind zahlreiche Aufträge notwendig, bis die Macke aufgefüllt ist und extremst vorsichtig überschliffen / poliert werden kann.

Habe nun eine Bezugsadresse für Zelluloid gefunden:

http://www.tone-toys.com/shop/Echtes-Zelluloid

Hat jemand von Euch mal versucht, Zelluloidarbeiten selbst auszuführen?

Gruß
Herbert
 
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maxito
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Hat jemand von Euch mal versucht, Zelluloidarbeiten selbst auszuführen

Zelluloid kann man zusammen mit Aceton verarbeiten.

Platten in eine Schachtel legen und Ateton mit einfüllen, so dass das Zelluloid im Acetondampf liegt (nicht im Aceton direkt) . Dann wird das Zeugs weich und kann ich alle Richtungen gebogen, gezogen und um Ecken gezogen werden. Wenn der Acetondampf wieder aus dem Zelluloid rausdiffundiert ist, kann das Zelluloid wieder geschliffen und poliert werden. Es ist also nicht der exakte Zuschnitt wichtig - das der Fleck etwas in die richtige Form und Größe gezogen werden kann. Schleifen und polieren ist aber auf alle Fälle nötig, da das Zelluloid beim "einweichen" seine hochglanzoberfläche verliert.

Kleine Schrammen lassen sich mit mit Zelluloid"Lösung" ausbessern: Zelluloid zerschnipseln und zusammen mit etwas Aceton zu einer Paste verrühren. Die kann dann auf die Schramen aufgebracht werden . Wenn wieder alles fest ist : schleifen und polieren. Nachteil hierbei ist, dass sich hierbei immer winzige Poren bilden, die dann sichtbar bleiben. Drum also nur für kleine Flächen und Schrammen.

Auf keinen Fall mit Wärme oder Hitze arbeiten!

Zelluloid ist ein naher chemischer Verwandter zu Schießbaumwolle! Und zusammen mit Hitze geht Zelluloid genauso ab!

Viell Spaß beim Werkeln!

Gruß, maxito
 
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Reedfan
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Hört sich erst einmal nicht schlecht an, einen Versuch isses wert.

Vielen Dank für die Hinweise.

Gruß
Herbert
 
t-tris
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Maxito, die Poren kannst du vermeiden, indem du nach dem Antrocknen (oberflächentrocken) das Zelluloid mit dem Finger richtig anpresst.
gruß t-tris
 
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morigol
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Das interessiert mich jetzt auch.

Ich habe bisher auch immer kleine macken mit in aceton aufgelöstem celluloid ausgetupft mit dem erfolg, dass die oberfläche hinterher kleine poren aufweist. Laut 'balg' liegt das daran, dass das verdunstende aceton diese poren zurücklässt.

Da ich diese Methode eh nur für provisorisch ansehe und auch nur eher einfache Instrumente so behandelt habe, war dies immer eine preiswerte dem Wert des Instruments angepasste Methode.

Das heisst, dass man das Celuloid, wenn das aceton verdunstet und das Celuloid wieder härter wird, wieder verdichtet und so die Luftblasen herausdrückt.

Das probier ich aus.

grüße
morigol
 
maxito
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Das heisst, dass man das Celuloid, wenn das aceton verdunstet und das Celuloid wieder härter wird, wieder verdichtet und so die Luftblasen herausdrückt.

Nein, das nicht!

Wenn man mit Zelluloid und Aceton eine "Pampe" anrührt, dann hat man ja Aceton in flüssiger Form mit Zelluloid zusammengerührt, bis sich das Zelluloid auflöst - aber immer noch verhältnismäßig viel Aceton, das beim trocknen wieder verdunstet. Und weil das prozentual eine größere Menge ist, als das Zelluloid freiwillig aufgenommen hätte, verschafft sich das Aceton beim "trocknen" auch den Platz und Raum, um aus dem Zelluloid rauszukommen. Das gibt dann die Poren, die übrigbleiben. Dafür löst dich die ursprüngliche Zelluloidform aber auch komplett auf und man bekommt eine streichbare Masse.

Wenn man Zelluloidreste nur in den Acetondampf legt, dann lagert sich das Aceton an die Molekülstruktur des Zelluloids an und es wandert auch nur soviel ins Zelluloid rein, wie das aufnehmen kann. Und wenn das Aceton wieder rausdiffundiert ist, ist die ursprüngliche Zelluloidstruktur immer noch erhalten. Und drum auch genauso porenfrei wie vorher. Dafür ergab sich auch keine streichfähige Masse, sondern "nur" eine zieh und dehnbare Folie. Die wiederum lässt sich dann aber nicht so exakt an das vorhandene Zelluoid anlegen, dass kein Übergang sichtbar ist. Mindestens eine feine Linie bleibt. Und im Spiegelbild der Politur ist das bemerkbar. Wenn man es übergangslos habenwollte, müsste man das Zelluloid am Rand stärker auflösen und ineinander verschmieren - Effekte dann aber wieder : siehe oben!

Es gibt keine Reparatur ohne Kompromiss (außer komplett neu überziehen). Es bleibt immer ein Abwägen der Nachteile gegen die Vorteile.

Gruß, maxito
 

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