akkurates legatospiel

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hi..

wie spielt ihr eigentlich pull-offs genau?

hab neulich in einem lehrbuch für klassische gitarre (pumping nylon)
gelesen das pull-offs so ähnlich ausgeführt werden wie pizzicatospiel
mit der rechten hand.. man legt den finger auf die saite und zieht ihn bis zur nächsten wo er liegen bleibt und bis zum nächsten anschlag verweilt dabei schlägt man automatisch die saite an blos eben mit dem unterschied das man noch den jeweiligen bund runterdrückt

macht ihr es ähnlich?
 
Eigenschaft
 
Bist du Linkshänder? Widrigenfalls wirst du kaum die Gelegenheit haben, mit der rechten Hand ein Pull-Off zu machen.

Mein normaler Weg: einen Ton greifen, z. B. mit dem ersten Finger, dann entweder mit dem zweiten, oder dem dritten, oder dem vierten Finger noch einen Ton greifen, anschließen den oberen Finger mit einem winzigen Ruck von der Saite ziehen. Dadurch wird die Saite schon zum Schwingen gebracht, wenn sie es nicht vorher schon tat.
 
Der Thread heißt doch "akkurates Legatospiel" (das Substantiv habe ich mir erlaubt großzuschreiben)... Dann verweise ich mal darauf, dass die Spielhand auch "nur" die eine Hälfte der Rechnung ist. Gerade bei verzerrten Sounds muss nämlich mit der rechten Hand (bzw. Anschlaghand) eine anspruchsvolle Dämpftechnik erlernt werden, damit die Läufe auch möglichst sauber erklingen.

Der Hinweis in besagtem Lehrbuch kommt wohl daher, dass eine Nylongitarre je nach Spieltechnik für eine relativ leise Wiedergabe der "Tricks" sorgt, während dieselben Aktionen auf einer E-Gitarre, erst recht mit ordentlich Zerre, wesentlich spektakulärer/deutlicher klingen. Mörder-Sweeps klingen auf einer E-Gitarre mit clean eingestelltem Amp auch nicht sehr sinnvoll. Auf Nylongitarren mag die beschriebene Pull-Off-Technik durchaus für mehr Lautstärke sorgen. Das gilt prinzipiell auch für die E-Gitarre, ist dort aber völlig unerheblich, da man diese Besonderheit mit ausreichend Lautstärke und/oder Verzerrung mehr als wett machen kann.

Außerdem: Was heißt schon "akkurat", wenn man bei vielen bekannten Gitarristen beobachten kann, dass die es mit unterschiedlicher, ja manchmal geradezu falscher Technik weit gebracht haben? - Ach so, die Lehrbuch-Methode, alles klar.
 
Außerdem: Was heißt schon "akkurat", wenn man bei vielen bekannten Gitarristen beobachten kann, dass die es mit unterschiedlicher, ja manchmal geradezu falscher Techniken weit gebracht haben?

Interessanter Post.
Kannst du mir bitte ein Beispiel nennen? (Bitte nicht als Kritik auffassen, bin lediglich neugierig;))
 
Hallo. Nehmen wir mal Marty Friedman (einer meiner absoluten Faves) bzw. dessen Plektrum-Haltung - bei 99% aller anderen Gitarristen würde diese Haltung ein normales Spiel vollkommen unmöglich machen, bei 1% scheint es bestens zu funktionieren:
http://de.youtube.com/results?searc...ar&search_type=&aq=1&oq=marty+friedman+exotic

Oder z.B. dass Reb Beach seinen kleinen Finger der Greifhand wirklich nur im allergrößten Notfall einsetzt - und auch ohne besser spielt als die anderen 99% ;-)

Im Blues-Bereich gibt es mit Sicherheit auch viele Extrembeispiele, aber da bin ich nicht so bewandert.
 
Hallo. Nehmen wir mal Marty Friedman (einer meiner absoluten Faves) bzw. dessen Plektrum-Haltung - bei 99% aller anderen Gitarristen würde diese Haltung ein normales Spiel vollkommen unmöglich machen, bei 1% scheint es bestens zu funktionieren:
oh ja... so cool friedman auch ist - ich kann ihn mir nicht anschauen:D
gleich wie zakk wylde. sieht imo übelst falsch aus, aber es funktioniert für die beiden.

natürlich gibt es gewissen techniken und haltungen, die einem das spiel erleichtern können. aber solange es klingt, ists auch erlaubt. wir sind ja nicht in der klassik;)
 
Jedem seine Meinung, aber ist es nicht _einfach geil_ zu sehen, dass/wie jemand beim Musizieren einen Orgasmus verspürt? (Ein Freund [Nicht-Gitarrist] von mir hat beim Betrachten des Friedman-Videos einen ähnlichen Kommentar abgegeben wie Du.) Manche müssten für einen Orgasmus schon deutlich mehr Aufwand betreiben als "nur Gitarre spielen". Guck halt weg, ich unterstelle mal, dass sich nicht bei jedem Gitarristen, der vor sich hin improvisiert, gleich übelst hohe Glückshormon-Pegel einstellen. Ich finde ihn atemberaubend - soll er bei diesen coolen Lines etwa steif dasitzen, nur damit Du seinen Anblick besser ertragen kannst ;-) ? Es gibt Prioritäten, weißte. (Ich bin so ein Steif-Dasitzer, egal was ich dudle - das ist halt _meine_ Art - was innerlich und äußerlich [akustisch] passiert, sind bei mir zwei optisch nicht immer erkennbar identische Prozesse).

Der krasse Gegensatz zu Friedman wären die vielen Teenie-Japaner, die auf YouTube regungslos dasitzen und irrwitzige Dudel-Passagen runterbrettern und bei denen man denkt: Ja, Wahnsinn - einerseits. Ich würde solche Leute als "gesichtslose Dudel-Statisten mit beeindruckenden mechanischen Fähigkeiten auf der Gitarre" bezeichnen - mehr nicht und völlig ohne Charakter. Aber hätten sie sich nicht für Gitarre entschieden, würden sie jetzt in der Halfpipe an 720-Fakies üben oder so - es kommt nicht wirklich darauf an. Friedman hingegen ist Leidenschaft!

EDIT, @ Atrox:
Alles klar. Zwische "orgiastischem Spiel mit falscher Technik" und "korrektem Spiel in stocksteifer Haltung" - ich hatte Dir weder das eine noch das andere unterstellt - gibt es zum Glück viel Zwischenraum. Toll, dass Du eine "vorschriftsmäßige" Ausbildung genossen hast, das meine ich ernst! Aber auch vor einem solchen Hintergrund sind Abweichungen zulässig - muss halt jeder für sich entscheiden. Teilweise prallen auch einfach völlig unterschiedliche Welten zusammen. Ein Nachbar von mir ist Musiklehrer mit eher klassischem Hintergrund (spielt Klavier, Gitarre, Klarinette, Saxophon, Akkordeon) und unser erster musikalischer Kontakt (ich mit Rockgitarre und Heavysound) war erwartungsgemäß etwas... distanziert. Aber es hat sich gebessert. Während er meine Spieltechnik anfangs auch eher als falsch bezeichnet hat, kam dann im weiteren Verlauf doch eine gewisse Neugier, wenn nicht Anerkennung auf, welche Techniken auf einer E-Gitarre im Gegensatz zu einer Klassikgitarre möglich sind. (Strenggenommen gar kein Gegensatz, nur klingen die Spielaktionen eben bei Nylonsaiten/null Zerre und Stahlsaiten/Hi-Gain sehr unterschiedlich.)

Ich will aber nicht den Thread sabotieren, daher ist an dieser Stelle Schluss.
 
Jedem seine Meinung, aber ist es nicht _einfach geil_ zu sehen, dass/wie jemand beim Musizieren einen Orgasmus verspürt? (Ein Freund [Nicht-Gitarrist] von mir hat beim Betrachten des Friedman-Videos einen ähnlichen Kommentar abgegeben wie Du.) Manche müssten für einen Orgasmus schon deutlich mehr Aufwand betreiben als "nur Gitarre spielen". Guck halt weg, ich unterstelle mal, dass sich nicht bei jedem Gitarristen, der vor sich hin improvisiert, gleich übelst hohe Glückshormon-Pegel einstellen. Ich finde ihn atemberaubend - soll er bei diesen coolen Lines etwa steif dasitzen, nur damit Du seinen Anblick besser ertragen kannst ;-) ? Es gibt Prioritäten, weißte. (Ich bin so ein Steif-Dasitzer, egal was ich dudle - das ist halt _meine_ Art - was innerlich und äußerlich [akustisch] passiert, sind bei mir zwei optisch nicht immer erkennbar identische Prozesse).

Der krasse Gegensatz zu Friedman wären die vielen Teenie-Japaner, die auf YouTube regungslos dasitzen und irrwitzige Dudel-Passagen runterbrettern und bei denen man denkt: Ja, Wahnsinn - einerseits. Ich würde solche Leute als "gesichtslose Dudel-Statisten mit beeindruckenden mechanischen Fähigkeiten auf der Gitarre" bezeichnen - mehr nicht und völlig ohne Charakter. Aber hätten sie sich nicht für Gitarre entschieden, würden sie jetzt in der Halfpipe an 720-Fakies üben oder so - es kommt nicht wirklich darauf an. Friedman hingegen ist Leidenschaft!
das mein ich nicht. ich meine seine haltung der rechten hand. habe klassischen unterricht viele viele jahre bekommen (violine und mandoline) und da wird einem eingetrichtert, dass es immer nur eine einzig richtige technik, haltung,... gibt und alles andere nicht sein darf. und das is irgendwie noch immer in mir verankert (obwohl das eigentlich schwachsinn ist). daher meine "abscheu". hab selbst lange gebraucht bis ich die angst etwas falsch zu machen überwunden habe und einfach das alles so mache, wie es für mich am besten ist. hat jetzt nix mit steifem dasitzen zu tun.
 
ich meine seine haltung der rechten hand. habe klassischen unterricht viele viele jahre bekommen (violine und mandoline) und da wird einem eingetrichtert, dass es immer nur eine einzig richtige technik, haltung,... gibt und alles andere nicht sein darf.

Das ist definitiv ganz großer Blödsinn. Aber manche Klassik-Lehrer kapieren das wohl nicht mehr.

Menschen sind unterschiedlich. Gerade bei der menschlichen Hand gibt es eine ungeheuer große Variationsbreite - Größe, Fingerlänge allgemein, Länge einzelner Finger im Verhältnis zu anderen undundund. Es KANN gar keine Haltung gegen, die für alle Leute passt.

In anderen Bereichen hat man diese Individualitä längst erkannt. Kein Leichtathletik-Trainer, der einigermaßen seinen Job versteht, käme auf die Idee, allen Leuten ein und dieselben Bewegungsabläufe zu verordnen. Eben weil unterschiedliche Menschen ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Die Kunst besteht darin, eine Technik zu finden, mit der man mit den gegebenen persönlichen Voraussetzungen das Optimum herausholt. Hat sich nur bei manchen Musiklehrern noch nicht rumgesprochen.

Zurück zur eigentlichen Frage mit den Pull-offs:

Ich würde mich da grundsätzlich nicht an einem Lehrbuch für klassische Gitarre orientieren. Das ist ein anderes Instrument, andere Spieltechnik als bei der E-Gitarre.

In diesem Video siehst du so ab. 4:17 recht gut und in "Zeitlupe", wie eine typische pull-off Bewegung auf einer E-Gitarre aussehen kann.
http://www.justinguitar.com/en/RO-012-Legato2.php

Auch hier gilt aber: Nicht einfach nachmachen, sondern probieren und die Technik finden, die für dich am besten funktioniert. So kleine aber entscheidende Details wie der Winkel, in dem die Finger aufs Griffbrett treffen, die Einzelheiten der pull-off Bewegung etc. musst du selbst ausprobieren. Das kann dir kein Lehrer sagen, da musst du selbst ein Gefühl entwickeln. Also einfach mal in Ruhe hinsetzen und verscheidene Möglichkeiten probieren. Und wie immer: Erstmal gaaanz langsam üben - sonst wirst du die Bewegung nie wirklich verinnerlichen.

Ansonsten hat Arky natürlich völlig Recht: Gerade beim Legato-Spiel ist Dämpfen (sowohl mit der Greifhand als auch mit der Schlaghand) enorm wichtig - sonst gibt das schnellen Soundmatsch (der aber die meisten Leute genauso beeindrucken dürfte wie wirklich sauberes Legatospiel...). ;)
 
Kleine Ergänzung zum Abdämpfen: Es gibt natürlich die Möglichkeit, Unerwünschtes abzudämpfen - oder, was auch cool klingen kann, _gerade_ die angespielten Saiten, dann aber leicht, abzudämpfen, damit die zwar gemutet werden, aber durch das Abdämpfen eher klingen wie angespielt. Dieses "Muted Legato" spielt z.B. Nuno Bettencourt sehr gerne - und sehr effektiv. Klappt hervorragend mit Leersaiten und wenn dabei vielleicht nur jeder 3., 4. Ton angeschlagen wird - oder komplett alles mit Hammers/Pulls gespielt wird, ist ein hohes Tempo möglich.
 

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