Ich hab lange überlegt, ob ich mich hier noch mal einmische, aber jetzt muss ich meinen Senf doch noch mal dazu geben...
Punkt 1: Dienstleister oder Selbstverwirklicher
Ich verstehe einfach nicht, warum sich so viele Musiker weigern, das Musikbusiness als das zu sehen, was es ist: Ein Business, auf deutsch: Geschäft!
Wer Musik macht, einfach um Musik als Kunst "auszuüben", wer also weder Geld noch Applaus als Maß der Anerkennung braucht, der braucht sich um "Business" natürlich nicht zu kümmern. Dem ist aber auch egal, ob er ohne Gage vor 2 Freunden spielt oder als Star vor 20.000 Zuschauern. Wie gesagt, Geld und Applaus kümmern ihn/sie ja nicht.
Für alle anderen gilt: Die Nachfrage bestimmt den Preis! Vollkommen unabhängig davon, ob man eigene Musik, Coversongs oder undefinierbare Geräusche macht. Für das Aushandeln von Gagen und Auftrittsbedingungen gibt es dann genau zwei Varianten:
Variante 1:
Der Veranstalter ist Idealist, d.h. er bucht Bands als Förderung des Nachwuchses oder weil er's persönlich geil findet. Geld kann und will er mit solchen Veranstaltungen natürlich nicht machen - unbekannte Bands ziehen nun mal nicht genug Publikum. Geld ist also knapp, also gibt's für die Bands vielleicht Spritkosten und ein belegtes Brötchen.
Variante 2:
Der Veranstalter verdient seinen Lebensunterhalt mit Veranstaltungen. Dann kann er mit Sicherheit rechnen, denn sonst wäre er schon lange Pleite. Das wiederum heißt, er wird euch auf keinen Fall mehr zahlen, als er mit euch zu verdienen hofft. Verdient wird proportional zur Anzahl der Zuschauer, die eine Band zieht.
Anders gesagt: Robbie Williams => zigtausende Teenies, die ihr gesamtes Taschengeld für Tickets ausgeben => zigtausende Euros für Robbie. "Die sauren Gurken" bei ihrem ersten Auftritt => ca. 20 Fans, die ca. vier Euro Eintritt + zwei Bier zahlen => Ein freundliches "Hallo" und ein belegtes Brot als Gage.
Und wir alle hängen irgendwo dazwischen. Wo genau, muss jeder für sich selbst herausfinden. Ein guter Indikator ist die Gage, die ein Veranstalter bereit ist, für eine Band zu bezahlen. So einfach ist das. Einem professionellen Veranstalter ist es schlichtweg egal, ob ihr eigene Musik macht oder covert, ihr müsst Zuschauer ziehen und halten, damit er seine Rechnungen bezahlen kann. Kunst, musikalischer Anspruch, die Mühe und das Herzblut, das ihr in eure Band steckt: Geschenkt!
Der einzige echte Unterschied zwischen Coverbands und Bands mit eigener Musik ist die Art Veranstaltung, für die man gebucht wird. Zu (bekannten) Bands mit eigenen Songs kommen die Zuschauer, um die Musiker zu sehen und die Musik zu hören. Sie kommen also explizit für diese Band.
Coverbands werden (meistens) für Veranstaltungen gebucht, zu denen sowieso eine größere Anzahl Zuschauer erwartet werden, einigermaßen unabhängig davon, welche Band dort spielt. Aufs Stadtfest oder zum Schützenfest z.B. geht man, weil alle da hingehen. Eine beliebte Band ist sicher ein zusätzlicher Anreiz, aber eben nicht der einzige.
Insofern ist eine Coverband vielleicht ein bisschen mehr Dienstleister als eine Band mit eigenen Songs. Aber ALLE Bands werden ganz sicher gebucht, um eine Leistung zu erbringen. Und diese Leistung ist: Den Zuschauern ein paar nette Stunden bereiten. Wer das vergisst oder nicht nötig zu haben glaubt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er mal wieder in der Eckkneipe nebenan für ein Freibier spielt...
Die mitgebrachte Technik (PA, Licht, Bühne etc.) ist da übrigens eher zweitrangig. Das mag ein nettes Extra sein, aber wer nur gebucht wird, weil er alles selbst mitbringt, sollte am Konzept seiner Band noch mal ein wenig feilen
Bereicherung am geistigen Eigentum anderer
Eigentlich hätte ich das in Anführungszeichen setzen müssen. Was ist das denn für ein Schwachsinn? Wenn die Berliner Symphoniker mal Mozart, Beethoven oder Verdi im Programm haben - bereichern sie sich dann am geistigen Eigentum der Komponisten? Inhaber von Dauerkarten als Handlanger der Klassik-Mafia? Haben Guns N' Roses den armen Bob Dylan gnadenlos abgezockt, womöglich gar mit den Rolling Stones zusammen ein Syndikat gegründet?
Alles Quatsch! Wenn ich einen Song schreibe, der tatsächlich in die Charts geht, profitiere ich gleich zweifach von Bands, die meinen Titel covern. Zum einen schlicht über die GEMA-Tantiemen. Ich bekomme Geld dafür, dass die meinen Song spielen! Wow, nix tun, nur kassieren. Finde ich gar nicht schlecht!
Zum anderen bleiben mein Name und mein Song durch die Coverbands im Gedächtnis der Massen. Ein Song, der nicht mehr im Radio läuft und auch nicht mehr gecovert wird, ist bald tot und vergessen. Und bringt mir kein Geld mehr. Also bitte, covert meine Songs, bis euren Zuschauern das Blut aus den Ohren tropft!
Also bitte nicht drüber grübeln, warum die regional bekannte Coverband so viel Kohle bekommt, sondern vielleicht eher, warum man selbst so wenig bekommt...
