Hi,
es kann mMn gut sein, dass Dir einfach der Charakter der Boss-Speakersimulation nicht behagt. Ehrlich gesagt finde ich gegenüber den eingebauten digitalen auch oft die analogen Versionen besser. Vielleicht liegts also gar nicht an der fehlenden Röhre, sondern an der Speaker-Sim. Eine Redbox 5
hat sogar noch ein paar Einstellmöglichkeiten, um den eigenen Lieblingssound zu finden. Es muss also nicht unbedingt ein sündteures Torpedo sein (mal abgesehen davon, dass dann die Speakersim ein vielfaches der eigentlichen Vorstufe kosten würde, was ich doch als etwas merkwürdige Ressourcenverteilung empfände...).
Soll es unbedingt eine Röhrenendstufe sein, aber kleiner und handlicher: Der Randall RD-1 ist einer der wenigen Miniamps mit Send/Return zum Umgehen der Vorstufe, hat auch einen XLR-Ausgang mit Speaker-Sim á la Redbox, aber keinen Lastwiderstand. In der Größenordnung kann man sich sowas aber auch selbst bauen, mit 10 Watt bei 8 Ohm wärst Du schon bei der 10-fachen Nennleistung des Amps (1 W) und damit auf der sicheren Seite.
Möglich wäre es aber auch umgekehrt, statt einer Endstufe zum Nachschalten einen Röhrenbooster zu suchen, den Du vorschalten kannst - nicht zum Übersteuern des Eingangs am ME-70 (eher keine gute Idee), sondern clean, einfach zum "Anwärmen". Da wären zB die alten Vox Cooltron zu nennen oder der aktuelle Vox Tone Garage Flat 4 Boost. Eventuell könnte man den auch zweckentfremden und nachschalten, also das Signal samt Speakersimulation durch das Teil schicken und dann zum Mischer. Das Boss hat ja grundsätzlich Gitarrenpegel und keinen Linepegel, von daher müsste das gehen.
Ich ganz persönlich finde allerdings, dass Du damit das Pferd ein wenig von hinten aufzäumst.
Es stellt sich die Frage, ob Du nicht ein einziges Gerät suchen solltest, das die gesuchten Sounds einfach von sich aus besser abdeckt. Das ME-70 ist 5 Jahre alt - seither hat sich einiges getan auf dem Gebiet, und es war ja ohnehin die günstigere Produktlinie gegenüber der GT-Serie mit ihrer wesentlich aufwendigeren Amp- und Speakersimulation.
Wenn Dir der Boss-Sound grundsätzlich gefällt, wärst Du mit einem aktuellen GT-100 ja vielleicht besser bedient, da sind die Vorstufensounds und die Speakersimulationen qualitativ doch nochmal eine ganz andere Hausnummer. Erst recht die Line 6 HD-Serie, die für meine Ohren deutlich wärmer und runder als das ME-70 klingt. Oder Du suchst nach einem der (nicht mehr hergestellten) Vox Valvetronix Tonelabs, die schon früher eine zusätzliche Mini-Röhrenendstufe im Effektbord hatten.
Ob eines dieser Geräte dann den Sound hat, der Dir vorschwebt, kannst Du leider nur selbst ausprobieren, aber ich würde das auf jeden Fall der Aussicht vorziehen, einen Haufen Peripherie (Röhrenendstufe, Lastwiderstand, Simulator...) rumzuschleppen, die auch wieder mehr Kabel und Anfälligkeiten mit sich bringt. Günstiger als eine Engl-Endstufe wärs allemal.
En Nachtrag zu Deinem letzten Post: Das Brummen hat nichts mit der Endstufe zu tun, das ist in erster Linie den Singlecoils der Tele zu verdanken. Die fangen einfach alles ein, was so an elekromagnetischen Feldern rumschwirrt, insbesondere eben das Netzbrummen aus allen Geräten. Tatsächlich verschlimmert sich das eher durch die
Vorstufe bzw. das Gain, weil das Brummen eben mit dem Gitarrensignal hochverstärkt wird. Dagegen hilft eventuell das Noisegate an Deinem ME-70 (siehe Boss-Manual) oder Du packst das Übel an der Wurzel, sprich, Du baust brummfreie PUs ein.
Gruß, bagotrix