Zu viel üben - gibts es das?

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Ich frage mich gerade ob zu viel üben sogar den Lernfortschritt minimieren kann?

Was meint ihr dazu?
 
Eigenschaft
 
ein zuviel Üben gibt es nicht, nur ein falsches Üben. Und ein falsches Üben setzt ein, wenn der GEist ermüdet, also wenn die Bewegungen nicht mehr eine Folge von bewusstem Hören sind und die Finger schneller sind als die Ohren. Und es setzt ebenso ein, wenn der Körper ermüdet, schlimmstenfalls sogar schmerzt.
Diese "zuviel" kann nach 10 Stunden einsetzen oder nach 10 Sekunden.
 
Ok das klingt einleuchtend. Zur Zeit übe ich ca. 4-6h am Tag. Körperlich habe ich keine Probleme aber der Geist will manchmal nicht so viel aufnehmen wie ich gerne hätte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Geist lässt sich ungerne trietzen. Dann lieber Pausen einlegen. Die beste Pause ist der Schlaf. An dem Spruch, man lerne wie im Schlaf ist schon was dran.
Der Kopf speichert leider nicht nur die guten, erfolgreichen, effektiven Wege sondern auch die falschen und uneffektiven.
Dazu, wie man richtig lernt reicht hier der Platz nicht und würde dicke Bücher füllen. Das ist immer abhängig von dem zu erreichendem Ziel, dem sich stellenden Problem und der Person.
Aber nur kurz:
Ist man erst mal in einer falschen Spur, kommt man nur schwer wieder in eine andere, richtige Spur. Um zu vermeiden, Fehler zu etablieren empfehle ich, eine Aufgabe mit unterschiedlichen Lösungswegen anzugehen. Es gibt unterschiedliche Wege, um ein musikalisches Ziel zu erreichen, genauso um ein koordinatives oder rein technisches Ziel zu erreichen.

Leider betrachten zu viele Klavierspieler sich selbst als ein programmierbares Wesen, bei dem man nur oft genug bestimmte Stellen wiederholen muss, damit es irgendwie abgespeichert wird. In der Hoffnung, dann nur noch einen Knopf zu drücken, und dann spult sich alles von alleine ab. Musizieren geht anders. Vor allem verbaut man sich so die Durchlässigkeit zum eigentlichen spannenden Moment, der immer wieder anders sein kann, bei Tage anders als bei Nacht und bei Sonnenschein anders als bei Gewitter. Um dann spontan auf den Moment reagieren zu können und durchlässig zu bleiben für das. was einen noch am Anfang berührt hat, darf man sich nicht programmieren.
 
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Werde mir mal angewöhnen öfter Pausen zu machen. Manchmal versuche ich mit zu viel Druck zu lernen und genau wie du beschrieben hast wiederhole eine Stelle immef und immer wieder in der Hoffnung das es dann schneller hängen bleibt.
 
...und selbst wenn man optimal, qualitativ gut trainiert, gibt es immer wieder Phasen in denen man glaubt, nicht weiter zu kommen, im gleichen Level festzuhängen oder sogar Rückschritte zu machen. Das ist aber dann nur der Anlauf für das nächste Erklimmen eines höheren Levels.
 
Hab im Moment ein kleines Übungsburnout. Werd mal paar Tage pausieren.
 
Der Körper kann nur ein bestimmtes Pensum an neuen Informationen aufnehmen und verarbeiten. Irgendwann ist also die "Hütte voll". Erzwingen, z.B. durch übermäßiges Trainig/Üben kann man schon mal gar nichts. Mehrere kurze Sessions sind fruchtbarer, als große Blöcke. Irgendwann wirst Du müde, lustlos, unkonzentriert und läufst Gefahr, dass der Tag fürn Hintern war...

Wieso die Eile?
 
Wieso die Eile?

Gute Frage ;)

Mmm. Keine Ahnung. Bin ungeduldig und hab hohe Ansprüche kombiniert mit einer perfektionitischen Ader.

Muss noch lernen das Üben besser zu dosieren. Sonst ist es kontraproduktiv.
 
Ja, wie bei einem Sportler dessen Muskeln dann übersäuern, wenn er es übertreibt. Ich übe max. 1.5h (2 x 45Min) am Tag mit voller Konzentration. Wenn ich dann immer noch Lust habe, spiele ich einfach vor mich hin oder jamme/improvisiere zwanglos zu paar Backingtracks ohne mich noch groß anzustrengen. So ne Art langsamer Cooldown :)

Allerdings sind meine Ziele womöglich auch nicht mehr so hoch in meinem Alter :)
Ich mache das primär auch zum Abschalten und nicht um mich noch mehr zu stressen!
 
Ich frage mich gerade ob zu viel üben sogar den Lernfortschritt minimieren kann?
Ehrlich gesagt glaube ich da nicht dran. Falsches üben ja, aber zuviel üben geht nicht, nur zu wenig.

Aber all diese Sachen hier scheinen mir Indizien für eine etwas schräge Einstellung zum Üben bzw. Musikmachen zu sein.
Manchmal versuche ich mit zu viel Druck zu lernen
übermäßiges Trainig
Beim Musizieren braucht man:
Muße statt Eile.
Geduld statt Ungeduld.
Gelassenheit statt Druck.
Mit dem Sportvergleich kann ich persönlich mich auch nicht besonders anfreunden. Musik machen ist eine künstlerische Betätigung. Dafür braucht man Inspiration und Phantasie. Das kann man Üben, mMn aber nicht trainieren.
hohe Ansprüche kombiniert mit einer perfektionitischen Ader.
Hoher Anspruch ist gut, eine gute Dosis Perfektionismus auch, solange beides aus der Inspiration stammt. Zwanghafter Perfektionismus ist schlecht, aus Zwängen wird keine Kunst.

Mit Muße, Gelassenheit, Geduld, Inspiration und Phantasie gehen mMn auch 4-6h Üben am Tag oder mehr. Ich glaube sogar, Inspiration und Phantasie werden dabei immer größer und stärker.

Wenn man beim Üben Stress hat, übt man nicht. Wer langsam übt, kommt schneller vorwärts. Als Pablo Casals 90 Jahre alt war, wurde er einmal gefragt: "Herr Casals, warum üben Sie mit 90 denn immer noch 5 Stunden am Tag?" Seine Antwort war: "Ich habe den Eindruck, ich mache Fortschritte." Der Mann hatte wohl 90 Jahre lang Geduld mit sich selber.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Als Pablo Casals 90 Jahre alt war, wurde er einmal gefragt: "Herr Casals, warum üben Sie mit 90 denn immer noch 5 Stunden am Tag?" Seine Antwort war: "Ich habe den Eindruck, ich mache Fortschritte." Der Mann hatte wohl 90 Jahre lang Geduld mit sich selber.

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Ne du hast teilweise schon recht McCoy. Aber ganz so schlimm ist es auch nicht bei mit. Also als sport oder wettkampf sehe ich das Klavierspielen jetzt nicht ;)

Bin halt manmal bischen ungedultig und will ein Stück schnell erlernen.

TRztdem danke für deine Ausführliche Antwort.
 
Mit Muße, Gelassenheit, Geduld, Inspiration und Phantasie gehen mMn auch 4-6h Üben am Tag oder mehr. Ich glaube sogar, Inspiration und Phantasie werden dabei immer größer und stärker.

Da müssen die äußeren Umstände aber schon ziemlich gut passen, z.B. Berufsmusiker oder Rentner :)

OK, gestern saß ich auch fast den ganzen Tag vor den Tasten. Urlaub. Da habe ich mich allerdings an einem Transcript versucht, was mir sogar relativ gut gelungen ist (imho).
Kann man natürlich auch teilweise als "Üben" ansehen.
 
Da müssen die äußeren Umstände aber schon ziemlich gut passen
Die Zeit dafür scheint oskopik ja zu haben. ich weiß aber nicht, ob er Berufsmusiker oder Rentner ist ... :D
Berufsmusiker haben übrigens aus verschiedensten Gründen auch manchmal Stress. Durch Üben kann man sich dem Stress manchmal entziehen, z.B. üben statt stressige Steuererklärung machen ...







... naja, auch keine Wirkliche Lösung. :D
 
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Doch, zu viel Üben kann unter extremen Bedingungen kontraproduktiv sein.
Es gibt eine glücklicherweise sehr seltene Berufskrankheit bei Pianisten, bei der es leider dauerhaft zu einer Koordinationsstörung der Finger kommt.

Beim Üben werden nicht nur neue Nerven Schaltkreise gefestigt, sondern das Gehirn benutzt bei Bedarf Nervenzellen aus umliegendem Gewebe mit. Die Areale zur Koordination der Finger wachsen. Zu einem Problem wird es dann, wenn die Bereiche beginnen sich zu überlappen. Das führt in der Folge zu unbeabsichtigten Bewegungen im falschen Finger.

Davor muss man sich aber nicht fürchten. Es ist mehr eine seltsame Skurilität. Für die Betroffenen aber schlimm.
 
Sachen gibt's ... :eek:
Hat dieses Krankheit einen Namen oder hast Du einen Link? Würde mich mal interessieren.
 
Die Zeit dafür scheint oskopik ja zu haben. ich weiß aber nicht, ob er Berufsmusiker oder Rentner ist ... :D

Aber hallo.

Ne hatte die letzten Tage einfach mehr Zeit und wollte diese ins Klavierüben investieren um einen grösseren Fortschritt zu machen. Denke auch das es viel gebracht hat. Jetzt fahre ich das Pensum auf 1h am Tag runter.

Oft merkt man erst einige Zeig später den Fortschritt.
 
Mit dem Sportvergleich kann ich persönlich mich auch nicht besonders anfreunden.

...und doch gibt es dort ein paar Parallelen, oder auch KrankengymnastiK + Physiotherapie. Einstudieren von (neuen) Bewegungsabläufen, Kraft und/oder Ausdauer; setzen und Wechsel von Reizen. Also das ganz bewusste Training, wo man mit allen Sinnen bei der Sache ist; im Gegensatz dazu ist z.b. das abendliche Joggen, wo die Gedanken evtl. auf Reise sind und man das eigene Laufen gar nicht mitbekommt oder Schwimmen auf längeren Strecken, wo man nur noch Meter macht in einer eintönigen Bewegung.

Planung des Trainings oder Übens durch einen Trainer oder Lehrer, und Kontrolle der Bewegungsabläufe gehört auch dazu, um sich eben keine falschen Bewegungsabläufe anzueignen. Als Autodidakt eine kritische Selbstüberprüfung.

Beim Musizieren braucht man:
Muße statt Eile.
Geduld statt Ungeduld.
Gelassenheit statt Druck.

Es ist nicht nur die Langsamkeit an sich, sondern die extreme Konzentration auf die Bewegung, die für den Lernvorgang so wichtig ist.

Zum effektiven Lernen (egal bei welchem Instrument oder Thema) gehören eben auch Pausen und Wiederholungen dazu. 7h üben mit 1h pro Tag mit hoher Konzentration über eine Woche werden mehr bringen als 7h "Daddelei" an einem Tag.
 

Ich leide manchmal unter "Vokaler Dystonie". Da habe ich dann mein Mundwerk nicht unter Kontrolle. Ansonsten möchte ich mich natürlich nicht über Kranke lustig machen, da ich ja selber ein Leidender bin. Aber Lachen soll ja gesund sein und wer den Schaden hat.......

Andreas
 

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