"wirkliche professionelle" orchester- und solo-artisten mit konservatoriumsausbildung sind da m.e.n. deutlich realistischer -was das ergebnis ihres schaffens mit ihren werkzeugen angeht - als das groß der selbsternannten voodoo-priester aus dem elektrifizierten r&r-hobbyisten-lager (und zu den hobbyisten zähle ich mich selbst).
Naja, gerade bei den Streichern unter den Orchestermusikern sieht man eher selten neuere Instrumente. Wenn man zB beim Neujahrskonzert die Nahaufnahmen der Wiener Philharmoniker sieht, kann man deutlich erkennen, daß viele der Celli und Bratschen bereits zahlreiche Lackrisse aufweisen, was doch schon auf eine nennenswerte Vergangenheit hinweist. Der Grund liegt wohl darin, daß bei einem Instrument mit mechanisch/akustischer Klangerzeugung die unmittelbar beieiligten Komponenten direkt ins Klangergebnis einfließen. Das war auch ein Grund dafür, daß sich ganze Wissenschaftlerstäbe damit beschäftigt haben, welche genauen Beimischungen der Knochenleim oder der Firnislack von Amatis oder Stradivaris Instrumenten hatte, denn diese Parameter beeinflussen die Schwingeigenschaften von Boden und Decke unmittelbar... und damit die Klangformung.
Bei elektrischen Instrumenten hängt die Klangformung dagegen im Wesentlichen von der TA-Spule, dem Material ihres Permanentmagneten und der darüber schwingenden Eisenmasse ab, nur zu einem sehr geringen Teil von dem Material, auf dem der TA montiert ist. Der einzige Einfluß des Holzes auf den Klang ist das, was gemeinhin als Sustain bezeichnet wird, also die Steifheit (oder eben Mitschwing-Neigung) des Unterbaus. Natürlich ist dieser Einfluß bei dünnem Unterbau - wie zB der Decke eines Semihollow - etwas höher als bei einem Vollholzbass, aber letztlich geht es dabei nur um eine mögliche zusätzliche Höhenauslenkung des Tonabnehmers... was sich hauptsächlich in der Lautstärke niederschlägt. Rein akademisch betrachtet fließt in diese 'Bodenbeschaffenheit' des Tonabnehmers auch noch Trocknungsgrad des Holzes, Art von Lack und Leim oder Halsbefestigung ein, aber da ist man dann wirklich im Voodoo Bereich.
Irgendwo gab es auch mal einen Blindtest gleich besaiteter Precis mit Esche-, Erle- und Ahornkorpus, die im Ergebnis niemand heraushören konnte. Bei Geigen ist das hingegen zB dramatisch anders... da hören Könner sogar kleinere Altersunterschiede raus, nicht nur den Abstand einer Stradivari zu einer neuzeitlichen Chinageige.
Ich denke insofern, daß es eher eine emotionale Bindung als ein nachvollziehbarer rationaler Grund ist, was zB B.B.King zu seiner Lucille pflegte... was ich aber auch selbst irgendwo nachvollziehen kann, wenn ich an meinen eigenen Instrumentenpark denke.
