Schmerzen beim Singen

  • Ersteller KirschBanane
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Das ist ein ähnlicher Streitpunkt wie "was ist besser, Mac oder Windows-Rechner?

Näääää .... das hinkt. Es gibt kein Pendant zu CVT und manche GL nutzen es als Ergänzung, als zusätzlichen Werkzeugkasten. Was auch nicht schlecht sein muss.

Das Problem bei CVT ist das, was alle Methoden haben: Eine gilt für alle und kann daher nur schwer Rücksicht auf individuelle Vernanlagungen nehmen. Zudem geht es direkt in die Praxis. Und das ist mMn besonders bei AnfängerInnen mit Vorsicht zu genießen.

Daher als Ergänzung vielleicht sogar sinnvoll, als Basis aber nichts für jede/n.

Und dann kommt es natürlich auch drauf an, mit wem man es zu tun hat: Ist es ein/e authorisierte/r CVT-Diplom-LehrerIn mit dreijähriger Ausbildung oder hat er/sie nur eine Instensivkurs gemacht oder gar nur ein paar Workshops belegt.
 
Eine gilt für alle und kann daher nur schwer Rücksicht auf individuelle Vernanlagungen nehmen.

Und nicht nur das.... auch das Alter spielt eine Rolle. Gut, das wird jetzt den Großteil derer, die hier posten, nicht betreffen, weil sie noch jung sind. Aber die Singstimme ändert sich, wenn die Sängerin älter wird, sprich die Wechseljahre anstehen (bei Männern kenne ich mich nicht so aus).
Meine Stimme ist zum Beispiel (obwohl gesund) bei weitem nicht mehr so robust und belastbar wie früher. Und auch etwas unberechenbar, manchmal cracky, plötzlich wieder glasklar, der Tonumfang hat sich verändert. Da ich weiss, dass es hormonell bedingt ist, mache ich mir keinen Kopf mehr drum und passe sie den neuen Gegebenheiten an. An Unterricht denke ich zwar schon lange nicht mehr, da ich als Künstlerin eigentlich "fertig" bin und sich da nichts mehr verändern wird. Aber ein spezielles Coaching habe ich durchaus hin und wieder in Erwägung gezogen. Allerdings würde ich niemanden an meiner Stimme herumwerkeln lassen, der sich mit der Thematik nicht auskennt, und das tun hierzulande wohl die wenigsten. Und ganz bestimmt nicht mit "One size fits all"-Methoden á la CVT. Einmal zuviel "Overdrive" und ich bin für den Rest des Tages heiser. Das war früher eben ganz und gar nicht so.
Wen es interessiert, der kann mal nach "Singing through change" googeln, ein sehr interessantes Buch für die älteren Semesterinnen unter uns. Es gibt auch eine Facebook-Gruppe, allerdings ist beides englischsprachig.
 
Auch meine Erfahrung mit CVT ist, dass diese Technik ein Aufsatz-Baustein in der Stimmbildung ist. Und wenn das Basismodul (das Zusammenspiel von Atmung, Körpergefühl und Stimme) nicht oder unzureichend etabliert ist, kann man sich mit dieser Herangehensweise an die Stimme auch so richtig selbst schaden. Als Weiterführung finde ich persönlich CVT aber interessant und bereichernd.
Dass das nur was für Sänger bis 40 sein soll, kann ich so nicht bestätigen. Nur gibt es in den älteren Semestern kaum Sänger, die sich noch Gedanken um Grundlagen machen, und ich bin mir nicht sicher, ob Lehrenden die Notwendigkeit dieser Basis immer bewusst ist.
 
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Nur gibt es in den älteren Semestern kaum Sänger, die sich noch Gedanken um Grundlagen machen
Na ja, ich kenne persönlich eine 79-jährige Gesangsschülerin, die erst ca. vor einem Jahr mit Gesangsunterricht angefangen hat. Da ist das Thema Grundlagen trotz Alter immernoch aktuell, klar. Aber kein CVT, alles konventionell - Atem, Körper, Resonanzräume ohne Anstrengung im Hals usw.
 
Finde ich super, und ich freue mich über jeden, der sich auch im fortgeschrittenen Alter noch Gedanken drum macht, aber sie ist damit eher die Ausnahme als die Regel, oder trügt meine Beobachtung da?
 
Finde ich super, und ich freue mich über jeden, der sich auch im fortgeschrittenen Alter noch Gedanken drum macht, aber sie ist damit eher die Ausnahme als die Regel, oder trügt meine Beobachtung da?
Zumindest im klassischen Bereich ist das nicht ganz so selten: gibt immer mal wieder ältere Chorsänger resp. v.a. Chorsängerinnen die ein bisschen Stunden nehmen um bei nachlassender Stimme weiter im Chor bleiben zu können. Bei uns gibt es glaub sogar spezielle Kurse und Workshops für solche ü60- oder ü70-Chorsänger.

Und auch viele GLs sagen, dass es im Prinzip nie zu spät ist, mit GU zu beginnen und dass immer noch irgendwas verbessert werden kann, auch wenn dann daraus natürlich keine Solisten mehr resultieren, aber das ist bei älteren Sängern ja auch nicht mehr das Ziel.
 
Und auch viele GLs sagen, dass es im Prinzip nie zu spät ist, mit GU zu beginnen und dass immer noch irgendwas verbessert werden kann, auch wenn dann daraus natürlich keine Solisten mehr resultieren, aber das ist bei älteren Sängern ja auch nicht mehr das Ziel.
Verbessern oder verschlimmbessern. Kommt immer darauf an, an wen man gerät. Es müsste halt jemand sein, der sich sozusagen mit "alterndem Material" auskennt. Ich zitiere mal aus "Singing through change":

"A violinist opens her case one day, noticing it feels a bit awkward. The latches are a bit further apart, the lid a bit heavier. Then she picks it up and she feels like her arms have shortened. She starts to play and her tuning is off, even though she places her fingers where she normally does. In fact, not by any choice of her own, she is now a violist. It feels like a bad dream until she stops trying to make it sound like a violin and starts to embrace this new instrument and accepts her future as a violist, as something she can celebrate and learn to maneuver differently than the violin.
Many of us female singers can relate to this dream. We reach a point in peri-menopause or menopause, when we feel our voices are not the voices we have enjoyed freely for the last several years. But try as we might, our old way of doing things is not working. Our thyroid and cricoid cartilages are completely ossified and less able to move with agility, the elasticity of our lung tissue has decreased, there is less mobility in the joints of our ribs and chronic dryness often seems insurmountable. "

Verknöcherte und dadurch weniger bewegliche Knorpel, weniger Elastizität des Lungengewebes, genereller Abbau und Verlust .... man arbeitet halt mit einem anderen Material und muss dem Rechnung tragen, sowohl die Sängerin als auch der/die GL. Ich bezweifle, dass CVT dafür geeignet ist, aber was weiß ich schon.
Auch wenn ich den Wechsel von der Violine zur Bratsche nicht wirklich vollziehen musste, so fühlt sich das Singen doch anders an als vor ein paar Jahren. Damals konnte ich mir sowieso nicht vorstellen, dass mich das alles mal selbst betreffen würde. Aber das Thema ist eigentlich sehr spannend. Ich fühle mich als Musikerin jedenfalls nicht beeinträchtigt, weil ich dem anstrengenden Kommerz endgültig den Rücken gekehrt habe und hoffe, mit meiner Nischenmusik noch ein paar Jährchen auf der Bühne zu stehen (wenn es denn wieder geht). Es ist nicht schlechter und nicht besser als früher, nur anders.
 
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Und auch viele GLs sagen, dass es im Prinzip nie zu spät ist, mit GU zu beginnen und dass immer noch irgendwas verbessert werden kann, auch wenn dann daraus natürlich keine Solisten mehr resultieren, aber das ist bei älteren Sängern ja auch nicht mehr das Ziel.
...die betroffene Dame ist meine Alt-Kollegin aus dem Kirchenchor. Sie hat Null Ansprüche, singt/übt aber JEDEN Tag, macht es aus Genuss und Leidenschaft. GU hat sie angefangen, weil sie inzwischen der Meinung ist, ihr Restleben ist jetzt zu kurz um Sachen zu tun die man nicht möchte. Und umgekehrt, man sollte jede Möglichkeit nutzen, weil es eben nicht mehr viele geben wird - umso wertvoller jede einzelne... Geld und Zeit hat sie. Ich habe ihr zum GU geraten, weil ich ihre Motivation und Leidenschaft gemerkt habe (in einem Kirchenlaienchor jeden Tag üben?), und weil sie eigentlich immer sehr schön und supersauber (!) gesungen hat... nur hat nicht soooo laut. Auf jeden Fall macht sie jetzt GU jede Woche, wegen Corona jetzt online, und ist einfach nur glücklich.
Und, bytheway, jetzt höre ich auch bei ihr tatsächlich den Unterschied - sie traut sich jetzt mehr rauszusingen, und bei unserem Online Schülerkonzert im Februar hat sie in der Tat mitgemacht (erstes Solo, und auch noch online!), und hat das Konzert eröffnet... von lauter Aufregung ihr Deko zum Lied (ein Glas-Herzchen) mitten im Lied runtergehaut, und tapfer weitergesungen...und dann 1h mitten in Scherben gesessen... das ist aber another story :) ...sie ist im Sommer mit einem Rippenbruch mit Drogen zum GU gekommen... der Arzt hat gesagt sie darf sich nicht schonen und muss weiter tief atmen. Tja.

Also, GU, wenn gut gemacht, kann zur Therapie für Körper und Seele werden.
 
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aber sie ist damit eher die Ausnahme als die Regel, oder trügt meine Beobachtung da?
Das ist eine gute Frage, die wahrscheinlich eher die GesangslehrerInnen unter uns beantworten können. Ich schätze 78 als Anfang dürfte eher eine Ausnahme sein. Aber was ist der Schnitt? Bei meiner GL gibt es einige Schüler 45+ , manche haben aber schon >10 Jahre GU hinter sich. Es gibt aber auch Jüngere und Ältere. Ich könnte mir vorstellen, dass die Jüngeren es eher über Musikschule machen (weil günstiger), und manche dann womöglich sogar Musik zum Beruf machen? Und Segment 30+ sind die Hobbysänger, die einen anderen Beruf haben, aber dann endlich auch Geld haben, ihren Träumen nachzugehen. :)
 
Verknöcherte und dadurch weniger bewegliche Knorpel, weniger Elastizität des Lungengewebes, genereller Abbau und Verlust .... man arbeitet halt mit einem anderen Material und muss dem Rechnung tragen, sowohl die Sängerin als auch der/die GL.
Ich verfolge eher die Theorie, dass mit zunehmendem Alter das Päckchen, das man an Belastungen und Sorgen mit sich herumträgt, immer größer wird. Und die daraus resultierenden und oft dauerhaft bestehenden Muskelverspannungen wirken sich dann halt behindernd auf die Körperhaltung / Atmung / Stimme aus. Zumindest spielt auch dieser Aspekt mit in die Gesamtproblematik rein, denke ich, denn das habe ich sowohl bei mir als auch bei anderen Sängerinnen schon beobachtet. Das Gute an diesem Ansatz ist, dass man damit gezielt arbeiten und bezüglich der stimmlichen Voraussetzungen wirklich viel verbessern kann. In dreißig Jahren werde ich dann wissen, wie groß welcher Anteil ist :geek:
 
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Ich verfolge eher die Theorie, dass mit zunehmendem Alter das Päckchen, das man an Belastungen und Sorgen mit sich herumträgt, immer größer wird. Und die daraus resultierenden und oft dauerhaft bestehenden Muskelverspannungen wirken sich dann halt behindernd auf die Körperhaltung / Atmung / Stimme aus.

Das weiss ich nicht. Bei einigen mag das so sein, aber sicher nicht bei allen.
Zufällig habe ich gestern die Francoise Hardy-Doku aus dem Jahr 2016 auf Arte gesehen, da wurden auch einige aktuelle Studiosession-Szenen mit ihr eingeblendet. Abgesehen davon, dass sie immer noch eine Göttin ist, hat sich ihre Stimme trotz der Schicksalsschläge in ihrem Leben kaum verändert. Sie sang allerdings immer schon sehr stimmfreundlich und ohne ihrer Stimme je Gewalt anzutun.
Ich verfolge eher die Theorie, dass es der biologische Alterungsprozess an sich ist, der auch die Stimme verändert, und zwar aufgrund der im englischen Zitat beschriebenen physiologischen Tatsachen.
Wer Haustiere hat, kann ihn sehr schön und quasi im Zeitraffer beobachten. Mein Hund beispielsweise hinkt mittlerweile, hört nicht mehr gut und hat generell abgebaut. Als Jäger auf freier Wildbahn hätte er keine Chance mehr, weil er nicht mehr schnell genug zum Beutejagen wäre. Deshalb gibt es in freier Wildbahn auch kaum den Tod durch Altersschwäche, so lang schafft kein Wesen das Überleben. Auch hier wieder: klarer Vorteil für homo sapiens.
Ich schaffe kein dreigestrichenes C mehr und womöglich auch keinen sechsstündigen Silvestergig, aber ich muss das auch nicht, dafür kann ich jetzt andere Sachen besser als früher.
Der Vorteil des ganzen Schlamassels: man fällt nicht mehr so schnell auf Wundermethoden rein ;)
 
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Verbessern oder verschlimmbessern. Kommt immer darauf an, an wen man gerät. Es müsste halt jemand sein, der sich sozusagen mit "alterndem Material" auskennt.

Dass der GL was können muss, sich mit verschiedenen Stimmen auskennt, nicht 0815 unterrichtet, dem Schüler mit Empathie begegnet und mit der Zeit dessen Möglichkeiten aber auch dessen Grenzen (letzteres besonders bei älteren Stimmen) erkennt, etc., setze ich als Selbstverständlich für guten GU voraus, egal ob der Schüler 18 oder 74 ist!

Wenn jemand aber das Pech hat an einen schlechten GL zu geraten, weiss ich nicht was schlimmer ist: wenn eine alte Stimme mit Problemen beim Chorsingen noch restlos vermurkst wird oder eine junge Stimme mit Potential, wo sogar ein professioneller Werdegang daraus hätte entstehen können! (Konjunktiv!)
Im ersten Fall wird ein geliebtes ev. langjähriges Hobby nicht mehr ausgeübt werden können, was für den betroffenen Chorsänger natürlich sehr traurig ist, wo er/sie sich aber gleichzeitig bewusst sein muss, dass das Ende des Chorsingens, auch mit adäquatem GU, in absehbarer Zeit vermutlich ohnehin gekommen wäre. Beim jungen Gesangsschüler kann durch den unfähigen GL hingegen ein ganzer Lebenstraum zerplatzt sein oder, wenn der Schüler es nicht professinell machen wollte, zumindest ein mögliches intensives, jahrzehntelanges und wunderbares Hobby bereits in seinen Anfängen zerstört worden sein.

Auch glaube ich nicht, dass ältere/alte Stimmen im GU gefährdeter sind als junge! Viele Chorsänger die GU nehmen wollen, wenden sich damit vermutlich zuerst mal an den Stimmbildner des Chores. Und da in den Laienchören mit klassischer Ausrichtung oft sehr viel ältere Sänger sind und die Chorstimmbildner zudem nicht selten gleich mehrere Chöre betreuen, werden sie schon allein durch die Praxis mit Möglichkeiten und Problemen von älteren und alten Stimmen vertraut sein.
Zudem: beim älteren Gesangsschüler geht es sozusagen "um nichts". Er muss keine Gesangsprüfungen bestehen, bei keinen Vorsingen reüssieren, kein Publikum und Kritiker von seinen solistischen Fähigkeiten überzeugen. Er wird auch in kein Fach reingedrückt werden, wozu die Stimme (noch) nicht fähig ist, nur weil dort gerade ein Mangel an Stimmen herrscht und die Chance auf ein Engagement somit grad etwas besser wäre, etc. etc.
Der GU mit älteren Schülern kann also locker und entspannt von statten gehen, man kann auch mit kleinen Fortschritten zufrieden sein und es gibt keinen Grund, irgendwie zu forcieren (diesen gibt es, wenn nur die gesunde Stimmentfaltung im Vordergrund stünde, selbstverständlich auch bei der jungen Stimme nicht!! in der Praxis sieht das aber leider manchmal anders aus! ☹️)
Es ist nicht schlechter und nicht besser als früher, nur anders.

Das prinzipiell mit höherem Alter ein gewisser Elastizitätsverlust im Gewebe eintritt, ist sicher unbestritten.
In weit der sich dann aber auch tatsächlich auf die Stimme auswirkt, wage ich nicht zu beurteilen. Hängt wohl von der individuellen Konstitution ab und davon, wie pfleglich die Stimme ein Leben lang behandelt wurde: langjähriger guter GU mit resultierender gesunder Technik, ein dauerndes Singen ohne lange Unterbrüche aber auch ohne die Stimme durch zeitlich exzessives Singen zu überfordern, eine jederzeit kluge Literaturauswahl, ein verschont bleiben von schweren Krankheiten, ein allgemein gesunder Lebenswandel, etc. tragen sicher dazu bei, dass auch im höheren Alter die Stimme noch gut mit tut!

und ich vermute: auch der Stimmtyp selber kann noch eine Rolle spielen. Selbstverständlich ohne hier verallgemeinern zu wollen: eine Koloraturstimme bleibt ev. länger "frisch" als eine schwere Stimme, denn bewegte Stücke mit vielen Läufen halten auch die Stimme beweglich! Koloraturstimmen wo das die heimatliche Literatur ist und wo sich die Stimme hauptsächlich darin aufhält, profitieren automatisch davon, schwere Stimmen die dann im etwas fortgeschritteren Alter allenfalls im hochdramatisch Fach singen, werden dadurch noch schwerer, sie täten deshalb vermutlich gut daran, als Übung und Ausgleich leichte bewegte Literatur zu singen, ob sie es aber auch effektiv machen, keine Ahnung.

Das alles, wie immer bei mir 🙂, natürlich nur bzgl. klassischen Gesang! was davon auch in anderen Genres Gültigkeit hat, kann ich nicht beurteilen!
 
Da eh diese eine Seite ausgiebig beleuchtet wurde möchte ich doch noch eine andere beleuchten.
Ich (als Beispiel) kann kein Balletttänzer werden. Ich kann Balletttanzen lernen (habe ich sogar gemacht, bin als Heber für Hebefiguren brauchbar) aber für den Balletttänzer fehlen mir die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen (Genetik), Talent ist nicht das Problem.
Beim Singen (Tennis, ...) ist es ganz genau gleich. Jeder kann singen lernen, aber nicht jeder kann Sänger werden weil die Genetik es möglicherweise nicht hergibt. Das gilt insbesondere und vor allem bei der Abwesenheit eines "robusten Stimmapparates". Ich kann noch so perfekt trainieren und kompensieren, wenn meine Knöchel "weich" sind wird es beim Fußballspielen schwierig anspruchsvolleren Anforderungen zu genügen.

Jeder kann singen lernen, das bedeutet nicht, dass jedem singen beigebracht werden kann. Der Betroffene Sangeswillige selbst muss ich um das Lernen (und alles rundherum incl. Lehrer) kümmern, ist auch verantwortlich Entscheidungen (+ Information) zu treffen die im Sinne seiner Stimme und oder seines Werdeganges liegen.

Genetik hin oder her, es ist dennoch jeder bis zu einem gewissen Grad auch dafür verantwortlich für (innerhalb seiner Grenzen) für das bestmöglich robuste Organ zu sorgen (wie auch immer). Die wichtigste Voraussetzung beim Training (egal wovon) ist die Fähigkeit Trainieren zu können. Nichts wirft einen mehr aus der Bahn als eine Trainings(zwangs)pause.

Im Sinne eines robusten Organs (Stimmapparates) auch bis ins hohe Alter ist es (aus meiner Sicht) zwingend notwendig die Register getrennt zu trainieren. Wo die Grenze (zwischen Komfortzone und Überbeanspruchung) liegt ist wieder eine ganz andere Frage, aber nur innerhalb der Komfortzone tut sich halt auch wenig. Davon ist wieder die "Bruststimme" immer (egal als was mach sich identifiziert) zu trainieren, das ist die Basis, die Grundlage, ohne Brust geht nix.

Jedem Gesangsinteressierten kann ich nur mal Tutorials zu Beatboxing (Throat-Bass, ...) und oder Screaming (whatever) nahelegen. Hier geht es überall in die Richtung Anfangs nur 5min pro Tag, Pause bei Heiserkeit und dann weiter und die "Last" erhöhen. Anfangs hat mich das schockiert und ich dachte was für Banausen und Stimmvernichter, aber die haben alle glasklare, saubere, gesunde Stimmen (und exorbitanten "Range"). Danach habe ich herausgefunden, dass das Stimmtraining (Klassik) (bis vor 100 Jahren) ganz genau gleich funktioniert hatte. Wie singt man 4h Wagner? Ganz einfach täglich 7h Vollgas (dann sind die 4h ein Klacks, sind keine 7h möglich, dann 6 (5,4,3,2,1,...)). Aus meiner Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Beim letzten (Vocals-Forum)Treffen 2x5min im Kurs gescreamt-> 3 Tage heiser. Jetzt bin ich schon bei täglich 10-15min, die Stimme läuft perfekt.

So ein ganz klein wenig muss man sich fragen ob die Vorstellung des "sensiblen Sängers" der auf den kleinsten Windhauch achtet und kein lautes Wort im Gespräch aus Rücksicht auf seine Bänder spricht ein Lernziel oder verdrehte Realität ist. Sänger sollten jene mit den best trainierten (und daher auch robustesten) Apparaten sein.

Wer "singen" lernen möchte, bitte singt, immer wenn möglich, laut, falsch, aus Freude, aus Schmerz, beim Geburtstag der Oma, in der Dusche, vorm Computer, zum Einschlafen der Kinder, eine Serenade der Geliebten, übt die freie Lautgebung beim Sex, gebt Ton bei Anstrengung im Sport, macht´s an Juhaza wenn´s an Spaß gibt. Alles andere ergibt sich dann schon, ihr werdet merken wenn Unterricht, Lehrer, ... notwendig wird (und ob diese passen). Aber ein Lehrer (Unterricht) kann all das andere niemals ersetzten.
 
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So ein ganz klein wenig muss man sich fragen ob die Vorstellung des "sensiblen Sängers" der auf den kleinsten Windhauch achtet und kein lautes Wort im Gespräch aus Rücksicht auf seine Bänder spricht ein Lernziel oder verdrehte Realität ist. Sänger sollten jene mit den best trainierten (und daher auch robustesten) Apparaten sein.
Ich wüsste nicht, wo das irgendjemand behauptet hätte. Es ist doch sonnenklar, dass man seine Stimme regelmäßig benutzen sollte. Ist doch bei jedem anderen Instrument dasselbe. Wenn ich nicht übe, verbessere ich mich nicht.
Allerdings kann ich an Trainingspausen nichts Schlimmes erkennen. Wenn man mal ein, zwei Wochen die Klappe hält, macht das der Stimme nicht zwangsläufig was. So schnell atrophiert der Gesangsapparat nun auch wieder nicht.
Ich bin mit meiner Tochter seit 1 Woche in Quarantäne, d.h. wir sind in einer Zweizimmerwohnung eingesperrt, und das Wetter ist so scheiße, dass wir auch nicht auf den Balkon gehen können. Ich könnte üben, an meinen Songs arbeiten und weiter recorden. Aber ich habe aktuell null Bock, wirklich null Bock zum Singen und weiss aus Erfahrung, dass es dann auch keinen Sinn hat und sogar äußerst kontraproduktiv sein kann. Ja mei. Vielleicht hab ich nächste Woche wieder Lust dazu, dann werden die ersten 10 Minuten vielleicht etwas krächzig und mühsam, aber nach ein paar Aufwärmübungen geht eh wieder alles. Es ist wie mit dem Fahrrafdfahren, das verlernt man doch nicht.
Allerdings screame ich nicht und singe auch keine Wagnerpartien - Gottseidank, kann ich jetzt nur sagen - wäre etwas ungünstig in einem Wohnblock ;)
 
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Auch wenn @KirschBanane schon seit 10 Tagen nicht mehr hier war, würde mich interessieren, ob sie und ggf. was und wieviel sie an den Tagen ohne Unterricht übt (geübt hat?).
 
Im Sinne eines robusten Organs (Stimmapparates) auch bis ins hohe Alter ist es (aus meiner Sicht) zwingend notwendig die Register getrennt zu trainieren.
In Anbetracht dessen, dass ein häufiges Problem von alternden Frauenstimmen in einer massiven Überbrustung liegt (so u.a. nachzulesen im immer noch sehr aktuellen Buch "Der Opernsänger" von Martienssen-Lohmann und wie ich es auch in meinen persönlichen Umfeld bei mind. 2 Fällen miterlebt habe), halte ich bei Sängerinnen, gerade im etwas fortgeschritteren Alter, ein Registertrennen nur insofern sinnvoll, um dann ganz gezielt Kopfstimmtraining zu machen! 1-2 Bruststimmübungen ev. nur mal kurz, um sich wieder etwas in Erinnerung zu rufen, wie sich das Bruststimm-Ding anfühlt (bei hohen leichten Sopranen oft etwas in Vergessenheit geraten) um es sofort zu erkennen, wenn es sich zu sehr einschleichen will!
Davon ist wieder die "Bruststimme" immer (egal als was mach sich identifiziert) zu trainieren
Wie das bei Männerstimmen ist, weiss ich nicht. Bei Frauenstimmen ab einem gewissen Alter ist das aus obigen Grund meiner Ansicht nach aber ein falscher und gefährlicher Rat. Kopf- und natürlich auch Mittelstimme müssen trainiert werden, bei letzteren aber sicher so, dass der Bruststimmanteil nicht plötzlich dominant wird.
So ein ganz klein wenig muss man sich fragen ob die Vorstellung des "sensiblen Sängers" der auf den kleinsten Windhauch achtet und kein lautes Wort im Gespräch aus Rücksicht auf seine Bänder spricht ein Lernziel oder verdrehte Realität ist.
Im Prinzip glaube ich ja auch, dass da z.T.etwas übertrieben wird.
Der Operntenor der sich an Auftrittstagen nur durch Nicken und Kopfschütteln verständigt, die Sopranistin die einen Schreikrampf kriegen würde (wenn sie denn dürfte :evil:) wenn jemand in ihrer Umgebung 2x hustet (ok in heutiger Zeit ist das vllt sogar begründet ;)). Solches Verhalten ist wohl mehr ein Ritual, als dass es einen tatsächlichen Nutzen hätte. Aber: wenn diese Rituale dem Sänger das Gefühl geben, er/sie habe alles in seiner Macht stehende getan, um am Abend eine optimale Leistung bringen zu können, dann haben sie durchaus einen Nutzen. Eine (wenn ev. auch nur vermeintliche) optimale Vorbereitung stärkt auf jeden Fall das Selbstvertrauen und dieses ist bekanntlich ein wichtiger Faktor für eine gute gesangliche Leistung, nicht nur bei Neulingen sondern auch bei ganz arrivierten Sängern!
Wer "singen" lernen möchte, bitte singt, immer wenn möglich, laut, falsch, aus Freude, aus Schmerz
Halte ich (im klassischen Gesang) nicht für zielführend! Sicher schadet ein ab und zu vorsichhinträllern oder sonstwie unkontrolliertes oder technisch falsches Singen nicht. Die kontrollierten Trainingseinheiten sollten meiner Ansicht nach aber immer überwiegen.
"Kontrollierte Trainingseinheit" bedeutet für mich, man sucht sich eine stimmige Umgebung und tut unabgelenkt nichts anderes als Singen. Mit ganzem Körper, ganzem Verstand, den technisch korrekten Einsstellungen und einer auf den Inhalt des Stückes fokussierten, starken aber gebündelten Emotion.

Wenn häufiges aber unkontrolliertes Singen einem automatisch zu einem guten Sänger machen würde, könnte man gewisse unausgebildete Laienchorsänger aus klassischen Chören sofort als Solist auf die Opern- oder Konzertbühne stellen! Denn da gibt es solche, die tun genau das: sie singen viel, in mehreren Chören und üben zuhause, aber halt mehr oder weniger nur so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, was leider der Stimme ab einem gewissen Ausmass dann nicht mehr wirklich gut tut. Das Resultat: man kann sie definitiv nicht als Solist auf eine Konzertbühne stellen! Und irgendwann ist bei solchen Hobby-Vielsängern dann vllt noch vorzeitig Schluss, weil ihnen das unkontrollierte falsche Singen die Stimme geschreddert hat.
 
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Sicher schadet ein ab und zu vorsichhinträllern oder sonstwie unkontrolliertes oder technisch falsches Singen nicht. Die kontrollierten Trainingseinheiten sollten meiner Ansicht nach aber immer überwiegen.
"Kontrollierte Trainingseinheit" bedeutet für mich, man sucht sich eine stimmige Umgebung und tut unabgelenkt nichts anderes als Singen. Mit ganzem Körper, ganzem Verstand, den technisch korrekten Einsstellungen und einer auf den Inhalt des Stückes fokussierten, starken aber gebündelten Emotion.
Meiner Meinung und Erfahrung nach ist das auch eine Frage der Persönlichkeit. Singe ich lieber filigran oder brachial? Das kann man sich vielleicht gar nicht aussuchen. Da sind zunächst die anatomischen Gegebenheiten. Es spielt aber mindestens genauso eine Rolle, ob ich introvertiert oder extrovertiert bin, wie eitel und geltungsbedürftig ich bin (heute nennt man das auch gern narzisstisch, und bis zu einem gewissen Punkt muss das jeder Sänger sein, zumindest jeder exponierte), wie selbstsicher oder unsicher, und dann natürlich auch die ästhetische Prägung, die musikalischen Vorlieben. Das macht mich letztlich zu diesem oder jenem Sängertyp. Und das kann man kultivieren (oder auch nicht).
Ich höre gerne Rockmusik, gerne auch der härteren Genres, aber selbst würde mir im Traum nicht einfallen, diese Richtung zu machen. ich kann´s nicht, werde es nie können und will es auch nicht können müssen. Insofern könnte man sagen, ich kultiviere das Filigrane. Daher praktiziere ich auch eher diese "kontrollierten Trainingseinheiten" (wenn ich Lust dazu habe, was auch mal wochenlang nicht der Fall ist). Und ein anderer macht es vielleicht genau andersherum.
 
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Eine (wenn ev. auch nur vermeintliche) optimale Vorbereitung stärkt auf jeden Fall das Selbstvertrauen und dieses ist bekanntlich ein wichtiger Faktor für eine gute gesangliche Leistung, nicht nur bei Neulingen sondern auch bei ganz arrivierten Sängern!
Jedes Ritual kann helfen!

Ich habe z.B. meine "Solo-Uhr". Wenn ich solistisch auftrete, trage ich immer diese. Mitlerweile eigentlich nur noch zu diesem Anlass.
Ich bin, denke ich, nicht abergläubisch oder so. Wenn ich die Uhr mal nicht trage geht die Welt auch nicht unter (bzw. schmeiße ich deswegen nicht mein Programm). Aber sobald ich nach dem duschen und ankleiden die Uhr anlege bin ich im "Auftrittsmodus".

Halte ich (im klassischen Gesang) nicht für zielführend! Sicher schadet ein ab und zu vorsichhinträllern oder sonstwie unkontrolliertes oder technisch falsches Singen nicht. Die kontrollierten Trainingseinheiten sollten meiner Ansicht nach aber immer überwiegen.
100%ige Zustimmung.
Ich singe (laut meiner Frau) eigentlich den ganzen Tag vor mich hin. Aber das ist kein Üben. Zum Üben gehe ich in´s "Musikzimmer", wärme mich und meine Stimme auf und spule dann mein Programm für diese Einheit ab. Das kann mal kürzer und mal länger ausfallen, aber immer mit vollem Einsatz. Wenn ich nicht bei der Sache bin, lasse ich die Einheit lieber sausen.

lg Thomas
 
Ich praktiziere es eigentlich auch so wie durch @Tonja und @Koksi0 beschrieben.

Aber... ich finde trotz allem die Idee von @FerdinandK charmant, für allem für die Gesangsanfänger, zu denen ich mich auch mitzählen kann, es sich zu erlauben, dem Gesang und der Stimme mehr Platz im Leben einzuräumen. Hilft auch der Psyche, sich irgendwie etwas natürlicher zu äußern, und nur immer sehr höflich, nett, ruhig, leise zu bleiben. Singen hat schon irgendwas mit aus sich rausgehen zu tun, das ist eine Äußerung, Kommunikation, Ausruf! Ich denke eigentlich alle erfolgreiche Sänger müssen es irgendwann lernen, aus der inneren Welt in die Außenwelt rauszugehen, und zwar mittels der Stimme. Viele können es einfach von Natur aus, manche (vor allem Frauen!) müssen es erst lernen.

Wir arbeiten gerade im GU intensiv daran, "aus dem Körper" zu singen, und das hängt irgendwie alles damit zusammen.

Was bei mir persönlich noch eine offene Frage ist, wie ich es schaffen soll, schon aus dem Körper und in der Vollstimme, aber trotzdem noch stark mit Kopfresonanz verbunden zu singen, nicht überbrustet zu singen (wie @Tonja es so schön beschrieben hat), sonst wird es oben nichts :) Für mich ist zum Beispiel e" so ein klassisches Beispiel und ganz gemeiner Ton. Er geht schon, es klappt aber nicht, rund um e" einen starken/dicken, aber jedoch freien und warmen Klang zu erzielen, den die Profi-Altistinnen eigentlich alle da oben präsentieren. Bei mir klingt es entweder eng und schrill oder hohl/luftig und ohne Kern. c" klappt noch in ganz anderer Qualität, und dann wird es immer dünner nach oben. Ich hätte aber schon das Gefühl es wäre im Prinzip möglich bei mir, vielleicht täusche ich mich aber auch.

So wie ich es verstehe, braucht man für die satten hohen Töne vor allem oder nur die Kopfresonanz, dabei aber nicht nur die Rand-, sondern auch Vollschwingung der Stimmlippen, und unbedingt auch noch die Atemstütze aus dem Beckenboden, über Zwerchfell, Rippenmuskulatur und was da alles noch gibt :-D
 

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