Warum will ich eigentlich Improvisieren lernen?

Pianoteq
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Das habe ich mich jetzt wirklich gefragt. Ich will Klavierspielen. Das ist ganz klar. Aber was will ich spielen? Ich bleibe immer wieder bei klassischen Stücken hängen. Das ist für mich Musik. Die möchte ich lernen. Aber die sind alle nach Noten. Was mich eigentlich auch nicht gestört hat. Aber dann kam dieses „Frei Spielen“ auf. Und jedes YouTube-Video schrie einen schon auf dem Thumbnail an: OHNE NOTEN!

Als ich das vor Jahren das erste Mal gelesen habe, fand ich das nur bescheuert. Wenn man wirklich Musik macht, spielt man nach Noten. Oder singt man nach Noten. Das war für mich eine Tatsache. Weil ich das auch lange Zeit meines Lebens gemacht habe. Ich fand nie etwas dabei, es war eben einfach normal.

Und ich war auch der Überzeugung, dass das für jeden Menschen so ist. Wenn man ein Instrument lernt, stellt einem der Lehrer oder die Lehrerin Noten auf den Notenständer. Das ist normal. So lernt man ein Instrument. Wenn man in einen Chor kommt, werden einem Noten in die Hand gedrückt, und man singt danach. Normal.

Aber das war vor der YouTube-Ära. Vor der „Tastendrück-Ära“. Vor der „Frei spielen“-Ära. Die hat alles verändert.

Und ich glaube, sie hat auch mir eingeredet – obwohl ich mich lange Zeit dagegen gewehrt habe –, dass das wichtig ist. Dass man frei spielen können muss. Ohne Noten. Dass man improvisieren können muss.

Okay, dachte ich, dann beschäftige ich mich mal damit. Ich lerne ja immer gern dazu. Das Wichtigste, um seinen Kopf am Laufen zu halten, auch wenn man älter wird, ist lebenslanges Lernen. Nicht einzurosten und immer nur dasselbe zu tun.

Somit habe ich also Akkorde gelernt und Akkord-Verbindungen. Aber ich konnte nie so richtig eine Verbindung dazu herstellen. Abgesehen davon war praktisch alles, was mit dem sogenannten freien Spielen zu tun hatte, irgendetwas Richtung Jazz. Anscheinend mögen alle Klavierlehrer, die so etwas unterrichten, Jazz. Es ist anscheinend ein Teil ihres Lebens.

Aber es war nie ein Teil meines Lebens. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong – natürlich toll. Ich habe auch mal versucht, etwas von Ella nachzusingen oder etwas von Louis nachzuspielen. Keine Frage, das ist große Kunst, was die gemacht haben.

Nur eben … Es war Teil ihres Lebens. Ella Fitzgerald hat keine Opernarien gesungen und Louis Armstrong hat keine Beethoven-Konzerte gespielt. Sie hatten auch gar kein Bedürfnis, das zu tun.

Ich mag aber Opernarien, habe sogar welche gesungen, doch mit Jazz hatte ich nie etwas am Hut. Er gehört in eine andere musikalische Tradition als die deutsche. Nicht dass man nicht offen für anderes sein soll, aber ich habe lange Zeit gar nicht gewusst, dass es so etwas wie eine Bluestonleiter überhaupt gibt. Und ehrlich gesagt hat mir das auch nicht gefehlt. Man muss das nicht wissen und kann trotzdem ein sehr musikalisches Leben führen.

Nun wurde ich aber von allen Seiten in diese Richtung gedrängt, weil ich improvisieren lernen wollte. Und natürlich fand ich das auch interessant. Einfach so einen Akkord spielen und ein paar Töne dazu klimpern ist ja nun auch tausendmal einfacher, als die Mondscheinsonate zu spielen.

Obwohl ich mich immer unwohl dabei gefühlt habe, ohne Noten zu spielen, habe ich es versucht. Und es geht auch. Mittlerweile kann ich das ganz gut.

Aber es gibt mir eben nicht dieselbe Befriedigung wie beispielsweise Bach zu spielen. Ich kehre immer wieder zu den Klassikern der Klavierliteratur zurück. Wenn überhaupt, möchte ich wie Bach improvisieren können, nicht wie irgendwelche Jazzmusiker. Das ist nicht dasselbe. Es ist Welten voneinander entfernt. Und wo findet man einen Klavierlehrer, der einem beibringt, wie Bach zu improvisieren? Ich habe noch keinen gefunden. Klar, Organisten können das, aber leider gibt es solche Organisten, die das können, hier bei mir auch nicht.

Nachdem ich mich jetzt ans Klavier setzen kann und einfach ein paar Akkordfolgen spielen kann, habe ich eigentlich das Ziel erreicht, das ich erreichen wollte, merke ich. Mich mit den Akkorden und Akkordfolgen zu beschäftigen war der Schlüssel. I-V-VI-IV oder II-V-I sagt mir jetzt etwas. Früher hätte ich nichts damit anfangen können.

Insofern hat es sich gelohnt, sich damit zu beschäftigen, und ich bin ein ganzes Stück weitergekommen auf meiner Klavierreise. Aber gestern habe ich wieder einmal Clementi 36/1 als Beispiel in einem Jazer-Lee-Video gehört, und obwohl das ein sehr einfaches Stück ist, fand ich es spontan so schön, dass ich es hervorgeholt und wieder einmal gespielt habe.

Es ist schon eine Weile her, dass ich die Sonatina gelernt habe, sie wird als ein Stück für Kinder bezeichnet – na ja, für Kinder zu Muzio Clementis Zeiten –, aber ganz so einfach ist sie dann doch nicht, ein bisschen Klavierspielen muss man schon können, um sie spielen zu können.

Mittlerweile kann ich mehr als das, aber trotzdem machen mir solche Stücke immer noch sehr großen Spaß. Sie sind einfach gut komponiert, eingängig, machen gute Laune, machen Spaß, sie zu spielen.

Und ich merke immer mehr, dass das auch genau die Musik ist, die ich spielen möchte. Diese Musik gibt mir das, was ich von Musik erwarte. Jazz ist mal ganz nett, gibt mir aber nicht dieselben wunderbaren Empfindungen, dieselbe wunderbare Befriedigung wie Bach, Mozart, Clementi … wer auch immer.

Somit beende ich jetzt meine Suche nach den Geheimnissen des Improvisierens und kehre zur klassischen Musik zurück, zum Nach-Noten-Spielen, wie ich es schon immer getan habe, wie ich es seit meiner Kindheit kenne.

Ich will doch einfach nur Musik machen. Wenn andere Leute Jazz, Ragtime, Boogie mögen und das lernen möchten – bitte, ich habe bestimmt nichts dagegen. Wenn andere Leute improvisieren möchten und das gut können, applaudiere ich. Ist eine tolle Sache.

Aber offensichtlich nicht für mich. Ich möchte jetzt mal wieder in Ruhe Musik machen und das spielen, was ich mag. Mich nicht in eine Richtung drängen lassen, die andere Leute mögen, die für mich aber nur eine Randerscheinung ist, mit der ich mich nicht den ganzen Tag beschäftigen möchte. Weil sie mir nicht wirklich viel gibt.

Große Genies wie Bach hinterlassen einen Eindruck, den man nicht mehr verwischen kann. Ich bin kein Genie, aber ich mag es, zumindest einen kleinen Funken davon zu erhaschen, wenn ich diese Musik spiele. Ich spüre es in mir und kann den ganzen Tag davon zehren, wenn ich will. Es ist meine Musik.

Etwas anderes anzuschauen ist garantiert kein Fehler, und ich habe eine Menge dadurch gelernt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich möchte zu meinen Wurzeln zurückkehren.

Ich kann ja trotzdem mal ein paar Akkorde spielen und ein bisschen improvisieren, wenn mir danach ist. Warum nicht? Aber damit möchte ich nicht meine Tage verbringen.

Mal ein bisschen rumwippen nach Jazz, Boogie oder Ragtime – auch mal ganz nett. Aber diese Musik ist in einer Welt entstanden, in der ich nicht lebe, in der ich nicht aufgewachsen bin. Und deshalb sagt mir diese Musik nichts oder nur sehr wenig. Weil ich Musik eben grundsätzlich mag und musikalisch bin.

Bei Bach spüre ich, dass wir etwas gemeinsam haben, bei Jazz spüre ich nur, dass es mal ganz nett ist, wenn man gerade in einer Stimmung ist, zu der vielleicht auch mal ein bisschen Jazz passt. Oder ein Schlager. Oder ein Popsong.

Jazz ist eine winzige Nische in der Musikwelt, und ich möchte mich nicht darauf beschränken. Ich möchte in der ganzen Welt der Musik zu Hause sein.
 
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Irgendwie passen Titel und Text für mich nicht zusammen. Ist fast egal.

Der vorletzte Satz kommt mir etwas unwahrscheinlich vor - so winzig scheint mir die Jazz-Nische nicht. Und für noch unwahrscheinlicher halte ich den letzten Satz. Klassik + Jazz + Schlager + Pop ist für mich immer noch ein kleinerer Teil der Musik, wenn du wirklich den weltweiten Maßstab anlegen willst - auch wenn der Pop immer mehr regionale musikalische Traditionen zu fluten scheint.

"Ich lass das mit dem Jazz - ich fühle mich woanders zuhause" ist eine Aussage, die ich sofort nachvollziehen kann. Aber das halte ich für einen persönlichen Irrtum, dass dieses "woanders" "die ganze Welt der Musik" ist. Oder sollte ich mich so sehr täuschen, und du interessierst dich auch für mongolischen Obertongesang?
 
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Ich verstehe nicht, was du mit deinem laaangen Text aussagen möchtest. Wahrscheinlich bin ich ein zu schlichtes Gemüt.

Das hier aber ist die Kernaussage für mich

Ich will doch einfach nur Musik machen.

Dann mach das doch, herrje! 🙄

Dazu hatte ich gleich zu Beginn in deinem anderen, laaangen Thread schon mal meine Meinung geschrieben, bevor die Beiträge und Diskussion wieder akademisch wurde(n).

"Hör auf zu denken und beginne zu fühlen, respektive zu spielen."
 
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Müssen muss man erst einmal gar nichts. Vor allem nicht bei einem Thema wie Musik.
Und Musik gab es lange schon, bevor es Noten gab. Musik ist eine der ursprünglichsten Ausdrucksformen der Menschheit, neben Sprache, bildender Kunst oder Tanz.

Wenn man Musik nur nach Noten spielt, spielt man in der Regel die Musik anderer Leute nach. Das ähnelt dem (Vor-)Lesen eines Buches. Das ist Reproduktion, Covermusik.
Das ist aber nur ein kleiner Teil dessen, was Musik ausmacht. Beim Musizieren ohne eine Vorlage fügen sich musikalische und spieltechnische Erfahrungen und Kenntnisse (egal auf welchem Niveau), die eigene Stimmung oder Gefühlslage, möglicherweise auch die Umgebung (Licht usw.) zu einem einzigartigen Klangerlebnis zusammen. Das ist der eigentliche kreative Teil des Musizierens. Daraus können sich weitere Ideen oder ganze Stücke entwickeln, oder man hat einfach eine gute Zeit dabei.
 
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Das finde ich jetzt nicht hilfreich, die eine über die andere Art des Musizierens zu stellen. Klar kannst du sagen: Das freie Spielen ist das ursprünglichere. Ich persönlich wäre geneigt gewesen zu sagen: Das Musizieren in einer Untergruppe einer Gemeinschaft für gesellige Anlässe scheint mir die ursprünglichste Form zu sein.

Aber darum geht es heute doch nicht, oder? Es gibt einfach verschiedene technische Herangehensweisen: Samples abfeuern und Sounds gestalten (elektronische Musik), Platten kratzen (DJing), Loopen und schichten, klassische Kompositionen interpretieren bzw. andere Musikproduktionen covern/nachspielen, improvisieren - und wahrscheinlich noch mehr. Und da ist es extrem unwahrscheinlich, dass jemand alle Herangehensweisen zugleich praktiziert. Die scheinen mir alle irgendwie kreativ - vielleicht typischerweise mehr und weniger.
 
Wenn man das Ganze runterkocht, bleibt erstaunlich wenig Substanz übrig, im Kern steht da: Ich mag Klassik, Jazz eher nicht.
Auch ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass manche Leute lieber Rotwein als Weisswein trinken.
Völlig legitim, aber auch keine neue musikphilosophische Erkenntnis.

Die angebliche "Zeit des freien Spielens ohne Noten" ist vermutlich eher eine YouTube-Algorithmus-Erscheinung als eine kulturhistorische Zäsur. Wer ständig OHNE NOTEN!!! anklickt, bekommt… nun ja, mehr davon. Die Klassik ist deshalb nicht plötzlich verschwunden.

Und "freies Spielen = Jazz" ist schlicht Käse. Improvisiert wird fast überall, nur die Klassik hat es irgendwann erfolgreich einbetoniert und anschliessend musealisiert. Ausgerechnet Bach als Gegenpol zur Improvisation zu bemühen, ist dabei fast schon Comedy. (Der Mann hätte vermutlich kurz genickt und dann eine halbe Stunde improvisiert.)

Unterm Strich:
Spiel, was du magst. Lass Jazz Jazz sein.
Aber bitte ohne aus persönlichem Geschmack eine Welterklärung zu bauen.
 
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Ich find es super, wenn man sich selbst verorten kann. Einerseits toll für Dich, weil Du dich dann mit dem auseinandersetzen kannst, was Dich glücklich macht. Andererseits, weil man so auch anderen Leuten nicht auf die Nerven geht.
 
Einfach so einen Akkord spielen und ein paar Töne dazu klimpern ist ja nun auch tausendmal einfacher, als die Mondscheinsonate zu spielen.
Beethoven hat übrigens die Mondscheinsonate am Totenbett eines engen Freundes improvisiert ...
Auch Mozart, Bach, Haydn, Czerny, Liszt ... waren große Improvisatoren. Diese ehemals sehr verbreitete Tradition ging dann in Europa irgendwann verloren. Barry Harris sagte einmal: "Als die Europäer aufgehört haben zu improvisieren, haben wir in Amerika angefangen."

Trotzdem: Keiner muss improvisieren, keiner muss Jazz spielen. Das kann jeder so machen, wie er das will. Aber das ist ja im Grunde selbstverständlich.

Viele Grüße sendet
McCoy
(der gleich einen Auftritt mit einem Improvisationsthrater hat und eine ganze Show improvisieren muss)
 
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Ein paar Gedankenanstösse.

(1) Ein durchkomponiertes (klassissches) Stück gleicht einer Balletaufführung: so und kaum anders. Improvisierende Musiker sind eher wie Zu-Spieler (Fussball etc.).


(2)
Große Genies wie Bach hinterlassen einen Eindruck, den man nicht mehr verwischen kann.

Wenn überhaupt, möchte ich wie Bach improvisieren können, nicht wie irgendwelche Jazzmusiker.
Ich denke, das liegt daran, dass die sog. großen Meister auf die eine oder andere Weise den Kontrapunkt lernten und für Ihre musikalischen Ideen anwendeten:
  • ausgehend von einer vorgegebenen Stimme (Cantus firmus)
  • Note für Note
  • Stimme für Stimme
  • nach etablierten Regeln
Das ist Arbeit, zumindest "am Anfang". Es gleicht oft eher dem Lösen mathematischer Probleme: keine, wenige, sowie universellere Lösungen möglich. Da bleibt am vollendeten Werk kein Platz für's Zuspielen, wohl aber für Interpretation, die Art der Darbietung.

Aber selbst diese systematische Arbeit geht irgendwann so einfach und gekonnt von der Hand, dass etwa das hier möglich ist, dem, der's übte und kann: ... Handwerk, halt

Beethoven hat übrigens die Mondscheinsonate am Totenbett eines engen Freundes improvisiert ...
Auch Mozart, Bach, Haydn, Czerny, Liszt ... waren große Improvisatoren.


(3) "Damit man etwas aus dem Ärmel schütteln kann, muss man vorher etwas reintun", sagte sinngemäß z.B. der Showmaster Rudi Carrell.

Das gilt sinngemäß für alle "Zuspieler" / Improvisierer: sie greifen auf ihr sicheres Können zurück, und erforschen den klanglichen, rhythmischen, musischen Reichtum so mancher "Verspieler".

Stark vereinfacht - also: sehr stark vereinfacht - setzt die Klassik fast durchweg auf Akkorde aus 3 Tönen (1-3/b3-5), auf viele Stimmen/Instrumente verteilt ... wobei auch viele Meister meisterhaft dagegen verstießen. Die Erweiterung mit kleinen Terzen darüber hinaus (zB 1-3-5-7-9-11-13) eröffnet für Teilmengen daraus neue Klangwelten. Das machte einen Teil des Könnens der frühen Jazzer aus.

Form, als Mittel von Arrangements: einfach und wirkungsvoll. Das kannte man schon in der Klassik (zB Rondo: ABACA Teile, oder ganz "stumpf" heute eine AA*BA-Form). Ersetze A, B und C mit tonal zueinander passenden Auszügen aus Deinen klassischen Lieblingsstückem und biete sie so arrangiert an. (Das wäre eine Mischung aus "Spielen nach Noten" und "Improvisieren" ... und geht sogar spontan.)

(4) Was ich damit sagen will: Die Musik ist weit, lässt viel Raum, und glückliche Momente dem, der diese Räume betritt, erforscht, erweitert.

In diesem Sinne :cool:
 
Warum will ich eigentlich Improvisieren lernen? Das habe ich mich jetzt wirklich gefragt.
Den Wunsch hattest Du vielleicht, aber nicht das Ziel - Deshalb standen die Chancen von Anfang an gegen dein Vorhaben.
.
Sobald es ums Improvisieren geht, wird man aber sofort auf ein Genre beschränkt: Jazz.
Wenn dir das so geht: was genau hält dich davon ab, in anderen Stilen als dem - vielseitigen Genre - Jazz oder genauer gesagt, der wunderbaren Musik aus Ragtime, Blues, Swing, Bebop, Hardbop, Modern-, Cool-, Modal-, Free-, Funk-, Rock-Jazz oder Fusion zu improvisieren?
Für den Austausch über Genres nehme ich zunächst eine Improvisation von Alma Deutscher, die "neoklassisch" über zufällig gewählte Noten improvisiert:


View: https://www.youtube.com/watch?v=Ezs6S1jq6qs

Brad Mehldau spielt Blackbird (Paul McCartney) dagegen als Jazz mit ausgeprägt klassischer Anmutung.


View: https://www.youtube.com/watch?v=kruKQCY77bc

Ich möchte in der ganzen Welt der Musik zu Hause sein.
Warum auch nicht - mir scheint allerdings, als ginge es dir eher um einem Ausschnitt aus der klassischen Musik, die Du magst. Die bisher konkret benannten Klavierwerke sind allesamt aus dem klassischen Klavierunterricht der konservativen Ausprägung in den ersten zwei Jahren auf dem Instrument. Ich wüsste jedenfalls keine Erwähnung von klassischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts, geschweige denn Musik aus den letzten Jahrzehnten von dir, obwohl die reichlich vorhanden ist.
Das ist auch ok, schließlich ist es dein Hobby - nur die umfassenden Ansprüche und Bewertungen verwirren mich da ein wenig.

Ein durchkomponiertes (klassissches) Stück gleicht einer Balletaufführung: so und kaum anders.
Die neulich erwähnten 5 Interpretationen des vermeintlich in "barocker Strenge" komponierten Präludium C-Dur BWV 846 von durchweg renommierten Pianisten stützen diese Annahme allerdings nicht.

Gruß Claus
 
Grund: Ergänzung Zitat im letzten Absatz und BWV 846
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Musik ist eine Sprache. In den Kommunikationswissenschaften (zumindest an der TU Berlin), wird Sprache und Musik als Parallele behandelt.
Es gibt die Syntax, dazu die Semantik, bzw Semiotik.

Die Musik lehrt Noten, das käme der Semantik am nächsten, wenn man die "Zeichen" verstanden hat, deren Bedeutung, kann man diese anwenden und eine Syntax komponieren, eine Notenfolge, die eine Partitur ergeben.
Wenn man Noten lesen kann, kann man auch verstehen, lesen, was Andere sagen wollen. Da Musik eine Art Kommunikation ist, möchte man sicher den Anderen antworten, dem, was geschrieben steht. Das kann man mit der Notenschrift erreichen, da man die Sprache kennt und anwenden kann, oder unmittelbar durch Improvisation, durch den direkten Sprachgebrauch, durch den Gebrauch eines Instruments, im Dialog mit anderen Musikern.

Deshalb sollte man Improvisieren lernen, das wäre die freie Sprache der Musik, so wie Menschen einen Wortschatz der Schrift haben, der im Dialog mit Anderen eine Kommunikation erlaubt.

Die Besonderheit hier ist, weder muss man Noten lesen können, noch muss man Lesen oder Schreiben können, um sich Anderen verständlich zu machen, man muss nur Sprechen, das käme der Improvisation in der Musik gleich.

btw, wann ist Jazz, Jazz? Am Beispiel von Autmn Leaves, das gerne den Jazz-Anfängern vorgesetzt wird; Eigentlich ist dieses Stück in einer verständlichen Weise vermittelbar, es gibt einige Akkorde, dazu eine verständliche Melodie, die nicht überfordert. Man kann es leicht verständlich spielen (Sprechen), oder mit einem reichen Wortschatz vermitteln. Es gibt viele Variationen dieses Stücks, die die Einfachheit nicht mehr erkennen lassen, es wird sich einem reichen Wortschatz bedient, einem Vokabular, das man als rethorisch brilliant bezeichnen kann. Das macht man im Jazz.

Dazu muss man die Zusammenhänge verstanden haben, man kann es in einfachen Worten ausdrücken, oder eine brillante Rede halten, das ist Improvisation.
 

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