Billig Amp Review - Stagg AA 40 R

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Götz
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Review zum Stagg 40 AA R Akustik Amp

Vor einigen Monaten, etwa zu Weihnachten rum fragte mich eine Freundin ob ich nicht auf einer Party von ihr vorbei kommen wollte und nicht Lust hätte meine Gitarre mit zu bringen. Es sollten so etwa 20 - 30 Leute werden, die sich bei Keksen und Glühwein einen netten Abend machen wollte.

Da ich solche Anfragen schon öfter hatte, habe ich auch schon mal über die Anschaffung eines kleinen Akustik Amps nachgedacht. Natürlich haben wir für die Band im Proberaum eine vernünftige PA aber das wäre für eine kleine Private Party natürlich totaler Quatsch. Andererseits können 30 Leute, wenn einige Mitsingen, sich andere Unterhalten, einige Lachen und Spaß haben schon eine ordentliche Lärmkulisse veranstalten und unverstärkt geht da nichts mehr. Gitarre vielleicht gerade noch (aber eigentlich auch nicht), Stimme allerdings schon längst nicht mehr. Also erst mal zum Musikhaus und da ein paar Sachen angespielt, aber eigentlich wusste ich schon vorher dass ich keine 350 Euro für nen Marshall AS 50 R oder sogar mehr ausgeben wollte und auch nicht konnte denn die Kohle war schlicht und ergreifend einfach nicht übrig.

Also mal im Internet schlau gemacht und bei Ebay geguckt obs nicht zufällig irgendein Superschnäppchen gibt und nach einigen Tagen hab ich dann nen Stagg 40 AA R Akustik Amp bei Ebay entdeckt der gerade bei 1,50 Euro (Normaler Strassenpreis ca. 100 Euro) stand. Ne Woche später hatte ich ihn dann für den endgültigen Preis von ca 42 Euro ersteigert, dazu kamen noch 9,90 Euro Porto. Verkäufer war Wolfsoft, also einer der großen, zuverlässigen Ebay Händler mit zigtausend positiven Bewertungen, Risiko war also gleich null. 3 Tage Später war der Amp dann da und wurde aus der sehr ordentlichen Verpackung geschält.

Verarbeitung:
Der Amp hat eine ordentliche Verarbeitung. Das Combo Gehäuse ist sehr stabil, der goldbraune Tolex sauber verklebt und nix rasselt, wackelt oder sonstiges. Speaker ist gut eingesetzt, alle Kabel sind fest, da wackelt nichts, das Gitter sitzt fest, alle Schrauben sind fest, nirgendwo muss was nachgezogen oder nachgearbeitet werden, also von der Verarbeitungsseite gibt's nicht zu bemängeln. Sehr gut

Features:
Sparsam aber ausreichen. Der Amp hat für die Verstärkung der Stimme einen XLR Mikrofon Anschluss und für die Gitarre einen Klinkeneingang. Die Klangregelung -Bässe, Mitten, Höhen und Parametrische Mitten - teilen sich die beiden Kanäle, was nicht optimal ist, aber man kann damit arbeiten. Weiterhin gibt's eine Hallspirale, die, wenn man sie vernünftig einsetzt einen schönen, praxisgerechten Raumhall erzeugt. Höhere Einstellungen sollte man lassen, dann klingt es nicht mehr. Aber sparsam eingesetzt eine nette Sache. Ausserdem gibts noch einen Knopf mit dem man zwischen Aktiv oder Passiv Abnehmersystem umschalten kann. Praktisch.

Die Parametrik arbeitet ausreichend gut, man bekommt einen schönen warmen Akustik Sound damit hin. Der 10er Speaker bringt die 40 Watt RMS (80 Watt Max.) ordentlich zum Publikum. Ganz tiefe Bässe schafft er dabei nicht, aber das muss er ja auch nicht. Außerdem kann man noch einen Mp 3 Player oder sonstige über die IN Buchse einstöpseln und zu guter letzt habe ich noch einen Line Out Ausgang um den Amp direkt in die PA einstöpseln zu können.

Von der größe her ist er etwa so groß wie ne aufgestellte Kiste Bier und ca. 12 Kilo schwer, also optimal um ihn einfach mal irgendwo auf einen Tisch oder Stuhl zu stellen und direkt loslegen zu können. Sollte man des Sounds wegen auch machen, denn leider hat er keinen Stativflansch. Haben Akustik Amps aber sowieso selten, ist also kein Manko.

Sound:
Kommen wir jetzt zum wichtigsten Kriterium, dem Sound. Der Amp macht an meinen Gitarren (Yamaha APX 700, Fender Unlucky 13) einen guten Job und entschärft das Piezo Zirpen auf sehr angenehme Weise. Die 40 Watt waren Laut genug für die Party und da war sogar noch ein bisschen Platz.

Außerdem nehme ich ihn jetzt immer mit in meinen Stamm - Irish Pub wenn ich da spiele, da stöpsle ich ihn in den Monitor Ausgang von der Hausanlage (Yamaha EMX 212 Powermixer) und habe dann da einen guten Monitor Sound der auch nicht so schnell koppelt wenn man mit der Lautstärke nicht übertreibt, denn die 40 Watt sind lauter als man denken würde. Ich hab aber dann auch einen Feedback Buster im Schallloch, das sollte man dazu sagen. Das mach ich Live aber sowieso immer, das spart Stress. Das Rauschen hält sich sehr in Grenzen. Bei weit aufgedrehten Reglern hört man es ein bischen, aber dann ist das auch schon egal.

Für ne Bandprobe mit Schlagzeuger war er dann aber doch knapp zu leise. Es ging gerade eben noch so, aber das Ende der Fahnenstange war erreicht. Es sind halt doch nur 40 Watt über einen 10er Lautsprecher. Für ne Jam Sassion mit nem Kontrabass und nem Cajon brauchte ich ihn aber dann wieder nur zu einem Drittel aufzudrehen.

Gesangssound war o.k. aber nicht Weltklasse. Da merkt man dann, das ein einzelner 10er Speaker keine Wunder vollbringen kann. Geht für Party und Kleinkram aber. Ist als Monitor ausreichend oder wenn man keine Möglichkeit hat eine PA aufzubauen, klingt aber eindeutig besser als Gitarrenamp denn als Gesangsbox. Getestet mit Beyerdynamic TG-X 58 und Shure SH 55 II.

Ich hab vor dem Amp noch zwei Günstige Danelectro Bodentreter, einmal ein Echo für den typisch 50er Slapback Sound und einen Chorus. Macht Spaß und Klingt. Ich hab zum Spaß mal meine Squire Tele eingestöpselt und siehe da: Durchaus auch für E-Gitarren Cleansounds zu gebrauchen.

Fazit:
Guter günstiger Amp der Einsteigerklasse. Laut genug für ne Party oder nen kleinen Kneipengig bis vielleicht 30 - 40 Personen. Einfache aber Praxisgerechte Ausstattung für wenig Geld und insgesamt ein guter Kauf. Ich persönlich finde den Klang jetzt nicht viel schlechter als von dem vorher von mir angetesteten Marschall, aber dafür kostet der Stagg sehr viel weniger Geld. Natürlich nicht zu vergleichen mit AER, Schertler oder einer sehr guten Aktivbox aber für das bisschen Kohle kann man das wohl auch kaum verlangen. Wer wenig Geld hat oder ausgeben will und sich bewusst ist was er dafür bekommt (eben keinen High End aber einen soliden Amp für Kleinkram) kann IMO hier unbesorgt zuschlagen. Ein Fehlkauf war es jedenfalls nicht und wäre es auch für den regulären Strassenpreis nicht gewesen.
 
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Ist das Review so super oder so sch***e das sich keiner was zu schreiben traut? :D
 
Ich habe nichts geschreiben, weil ich Bedenken bei solchen Geräten ansich habe, aber Deinen Beitrag einfach als Meinung so stehen lassen wollte, ohne gleich was zu sagen. ;)

Auf einer Fete habe ich bisher nie einen Verstärker gebraucht, weil es immer eher so war, dass die Leute, die singen wollten, das zusammen in einer Ecke gemacht haben. Bei Dir war das ja mehr Ersatz für eine Mini-PA.
Bei Kneipen Einsatz glaube ich eher, dass Du Dich da täuscht, da geht es mit dem Geklapper an der Theke viel lauter zu als Du denkst. Es wird auch nicht so der Hit sein, wenn auch noch Gesang drüber läuft, dafür sollte der Verstärker auch nicht am Boden stehen.

Also ich empfehle solche Geräte immer nur unter großem Vorbehalt, wobei Du gewisse Bedenken im Deinem Review schon erwähnt hast.

Das Reviews selbst ist gut ordentlich strukturiert, nur ein kleines Bildchen der Verstärkers hättest noch reinbauen können, dann sieht es netter aus, das macht viel aus.
 
Zwei Jahre, 2000 Klicks und viele Veranstaltungen später......hier mal ein paar Langzeiterfahrungen :D
ich hab den Amp immer noch. Und auch heute (trotz gestiegener Ansprüche) benutze ich den Amp für kleine Sachen immer noch gerne. Z.b. wenn ich mit meinem Akustik Duo Partner auf Geburtstagen in Restaurants oder Kleinen Kneipen spiele. Wir haben beide jeweils so einen Amp, stellen ihn auf den Tisch oder Stuhl oder sonstwo wo Platz ist und legen einfach los. Klanglich ist der wirklich o.k. wenn man die Kirche im Dorf lässt. In den Stamm Pub nehm ich ihn auch mit, denn die haben da zwar eine kleine PA die für den Laden reicht, aber keinen Monitor. Da stell ich ihn schräg vor mich und bisher hats noch immer von der Lautstärke her gereicht. Man kann also auch mit kleinem Buget glücklich werden, solange man realistische Ansprüche hat und bereit ist, kleine Kompromisse zu machen. Ich hatte auch mehrmals die Gelegenheit ihn "gegen" einen Marshall AS 50 zu spielen und auch da hält er gut mit. Für meine Ansprüche reichts jedenfalls. Und wenn ich mehr Power brauche, dann hab ich immer noch Zugriff auf eine ordentliche, große PA Anlage. Aber für Sachen wo es nicht ZU laut zugeht, man mit so wenig Gepäck wie irgendwie möglich anreisen möchte und/oder nicht viel Platz hat, ist der echt zu gebrauchen. :)
 

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