Wie Songtext anfangen? Schreibblockade

  • Ersteller Michael Scratch
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Eine Idee habe ich, wenn mich plötzlich eine innerliche Hoffnung wärmt. Die Aussicht auf eine Reise. Wenn ich einen Weg sehe, meiner Einsamkeit für Momente entkommen zu können, indem ich mein Herz sofort erleichtere. Indem ich plötzlich das Kribbeln einer Hoffnung spüre

Ich packe schon freudig die Koffer, wenn ich meinen ersten Satz kreiere.., Der ist für mich über die Jahre immer wichtiger geworden. Denn jeder erste Satz soll mir ganz deutlich zeigen, ob ich nur grübeln will, die Sorgen wieder mal neu ordnen will, oder ob ich neugierig vor einer Tür stehe, hinter der ich eine andere Welt vermute! ( Egal, wie das Thema lautet)

Bei Lichte besehen, hat mir das Sorgen ordnen über die Jahrzehnte wenig gebracht. Das ähnelt aus heutiger Sicht einen Terminkalender, in dem man alle seine Pläne so lange einträgt, bis keine Sau mehr durchsieht ;)
Das finde ich jetzt auch aus psychologischer Sicht spannend. Heißt das für Dich, es genügt Dir nicht, eine momentane Stimmung zu beschreiben (und schon allein darin Trost zu finden, sie auszudrücken), sondern es braucht eine neue Idee, eine Möglichkeit der Veränderung, eine Wandlung, eine neue Richtung?
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P.S. Ich mag (oder mochte ihn in der Zeit, als ich ihn gelesen habe) Hermann Hesse sehr gerne. Eines meiner Lieblingsgedichte (neben einigen von Rilke) ist sein "Im Nebel". Gehe ich recht in der Annahme, dass Du dieses nicht magst?
 
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Doch um zu entscheiden, mit welchem Ratgeber ich zuerst folge, muss ich erst einmal verstehen, was der Ratgeber meint.
Gute Ratgeber sind auf jeden Fall Edith Jeske und Tobias Reitz, die seit Jahren das Texterseminar der GEMA-Stiftung ("Celler Schule") leiten.

Dort gehört das Betexten von vorgegeben Songs zu den Aufgaben, die man für die Bewerbung erfüllen muss.

Ich gebe aber zu bedenken: Wenn man sich selber diese Aufgabe aussucht, sollte man sich genau überlegen, auf was man sich dabei einlässt.

Mögliche Probleme:

• Die Vorlage ist so komplex und clever gereimt, dass das eigene Ergebnis immer dagegen abstinkt oder man entnervt aufgibt (an anderer Stelle hatte ich ja schon mal ein Lied von Maxime Le Forestier erwähnt, das ich übersetzen sollte: "Puis on grandit et on commence la danse de la vie" – vier Reime auf 15 Silben verteilt). Ich denke, auch die Reimschemata in dem Lied in meiner Signatur könnten den einen oder anderen überfordern.

• Die Vorlage gibt schon einen Fehler vor, den man zwangsläufig übernimmt. Zum Beispiel sind Lieder wie "Yesterday" und "Griechischer Wein" auf den falschen (nämlich ungereimten) Silben betont, was sich nur durch komplizierte Doppelreime kompensieren lässt – kein Weg für einem einfach Einstieg.

• Deutsche Lyrik ist traditionell in vierhebigen Jamben/Trochäen verfasst. Das ist bei Liedern, die überwiegend im Viervierteltakt komponiert sind, suboptimal, weil da die erste und dritte Silbe betont ist, der Reim aber auf der vierten Silbe liegt (siehe "Griechischer Wein"). Ich empfehle, wenn man es sich aussuchen kann, ungerade Silbenzahlen (drei, fünf, sieben), da aber dafür die Zeilen nicht immer gleich lang (gerade sehr lange und sehr kurze Zeilen sind in Kombination sehr reizvoll).

• Die Vorlage gibt nur schwache oder nur starke (also ein- oder zweisilbige) Reime vor. Damit halbiert sich die Anzahl der möglichen Reime.


Ich hab übrigens vor 43 Jahren eine Reihe von Bernhard Lassahn in der EISERNEN LERCHE zur Reimfindung um einen Beitrag zum Metrum ergänzt.

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Heißt das für Dich, es genügt Dir nicht, eine momentane Stimmung zu beschreiben (und schon allein darin Trost zu finden, sie auszudrücken), sondern es braucht eine neue Idee, eine Möglichkeit der Veränderung, eine Wandlung, eine neue
Ja, so ähnlich meine ich das! ;) Ich schreibe schon lange keinen Text mehr, der sich nicht über meine feigen Momente, über meine Einsamkeit glaubwürdig hinweg setzt!

Meine Texte dürfen Beichten sein… für einen Gott, der nicht straft, sondern mich mahnt, mir mehr zuzutrauen, meine Skrupel in Alternativen zu verwandeln, meine Situationen im Einklang mit meinen Gefühlen zu zeigen, meine Chance, schreiben zu können und zu dürfen, auf dem gleichen Niveau zu nutzen wie das meine Vorbilder tun! Viele von denen geben ihr Bestes und zweifeln gerade deshalb an sich selber, viel intensiver als die, die im Schutz derer Schatten auf Zufälle lauern!

Werden Künstlern geboren, um letztlich bei anderen zu klauen? Oder werden sie erst Künstler, wenn sie endlich selber beklaut werden?

Ich war vor langer Zeit auf einem Leichenschmaus, wo 20 Gäste 3 Stunden lang über Geschäfte sprachen. Laut Pfarrer war aber gerade ein wahrer Enge begraben worden . o_O

Ich beschloss damals im geschäftlichen Gemurmel der Hinterbliebenen, ein Lied über endgültig gefallene Engel wie mich zu schreiben. Dabei stellte ich mir die Frage, an wessen Grab ich am liebsten und längsten sitzen möchte! Als sich die Feier auflöste, war ich gerade so weit:

He, Fahrgast der kalten Tage und langen Nächte
Du wirst nicht einsam sein, ich bin bei dir
Gefallene Engel haben magischen Kräfte
Nur Schweigen schärft die Ohren glaube mir
Du würdest lachen könntest du sehen
was du längst hörst, was du längst weisst
Worte singen du schön wie die Krähen krähen
grade Wege gehn immer gerade im Kreis

Ich muss weinen wenn du lachst
und muss lachen wenn du weinst
und ich werde auf ewig dich erwarten
wenn die Sonne nie mehr scheint

He, Fahrgast der kalten Tage und langen Nächte ….
*Bleib oder leide, weine, werf Steine in den See * Demozeile, um Dynamikwechsel anzudeuten


Hier halte ich mal ein. kann mir noch immer vorstellen, dass mein Vorhaben irgendwann auf meiner Beerdigung landen wird. Allerdings weiß ich noch nicht, ob obige Strophe die erste, zweite, letzte oder noch gar keine Strophe ist. Und was meine ich nun mit der Form?

Ich hatte ein 5-hebige Form gewählt: xXx xXx Xxx Xx Xx

Damit kann man die Dynamik der Sprache ändern, wann immer man will. Was ich in der letzten Zeile mal vordergründig angedeutet habe. ich kann aber auch mit einem einzigen Satzgebilde mal tiefer bohren über 10 oder gar 15 Hebungen. Bewegungsfreiheit berücksichtige ich als erstes, wenn es um Leben und Tod geht. (Zu einem eher humorvollen Lied zwinge ich mich manchmal bereits mit Zeilen, die aus 3 oder gar nur 2 Hebern bestehen.)

Außerdem bietet Langzeilen für rhetorischen Stil-Figuren wunderbare Möglichkeiten, in ein oder zwei Zeilen tolle Punchlines zu entwickeln.

Da ich oben von Dynamik sprach. Ich wähle beim Schreiben gern ein Tempo von 60 b/m und die Silben sind oft gedachte 8tel-Triolen oder 16tel. Wenn ich mit dem Text etwa in der Hälfte bin, baue ich auch gern noch weitere melodische Abwechslungen ein.

Zum Beispiel:

He, Fahrgast der kalten Tage und heißen Nächte
Du musst nicht einsam sein, ich bin bei dir
Gefallene Engel haben magischen Kräfte
Ihr Schweigen schärft die Ohren glaube mir
Xx Xx Xx A
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx A

Wobei die A und B das Reim-Schema meinen! Soweit für heute! :hat:









Das finde ich jetzt auch aus psychologischer Sicht spannend. Heißt das für Dich, es genügt Dir nicht, eine momentane Stimmung zu beschreiben (und schon allein darin Trost zu finden, sie auszudrücken), sondern es braucht eine neue Idee, eine Möglichkeit der Veränderung, eine Wandlung, eine neue Richtung?
 
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P.S. Ich mag (oder mochte ihn in der Zeit, als ich ihn gelesen habe) Hermann Hesse sehr gerne. Eines meiner Lieblingsgedichte (neben einigen von Rilke) ist sein "Im Nebel". Gehe ich recht in der Annahme, dass Du dieses nicht magst?
Die Zeile "Kein Baum sieht den andern" hat mich nie überzeugen können. Auch ohne Nebel sehen Bäume nicht gut.

He, Fahrgast der kalten Tage und heißen Nächte
Du musst nicht einsam sein, ich bin bei dir
Gefallene Engel haben magischen Kräfte
Ihr Schweigen schärft die Ohren glaube mir
Xx Xx Xx A
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx A
Wobei die A und B das Reim-Schema meinen!
Ist allerdings ABAB (oder ABCB, wenn man pingelig ist, und ich bin bei Reimen pingelig).

Aber um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: "Woher bekommst Du Deine Inspiration?".

Ich bin ein Anhänger des Stichworte und Wortfetzen Sammelns, und dann dauert es auch mal einige Jahre, bis ich daraus einen fertigen Text mache. Das führt natürlich dazu, dass das dann nicht sehr viele Texte sind.

Was ich aber, ohne es selber zu praktizieren, jedem ans Herz legen kann sind Cluster.

Man erweitert den Ausgangsgedanken in vielen Durchgängen "vom Hölzchen aufs Stöckchen" um weitere Assoziationen, die auch (wenn das Thema nicht allzu streng vorgegeben ist) zu einem völlig anderen Lied führen können. Man kommt so, wenn man sich nicht sinnlos diszipliniert) sehr schnell zu einer umfangreichen Materialsammlung. Und anders als Katie Freundenschuss, die in ihrem Bühnenprogramm mit allen in den Raum geworfenen Stichworten ein Lied improvisiert (sehr beeindruckend!), können wir das Meiste anschließend auch ignorieren. Der Vorteil dieser kleinteiligen Assoziationen ist das Vorgehen, das mit dem Kaizen-Verfahren vergleichbar ist, wo diese Variationen in verschiedene Richtungen mäandern und so im Ergebnis auch große Sprünge zulassen.
 
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Was ihr alles wisst und reimt!
Ich hatte weiter oben ja den Songtitel "Immer in der Mitte bleiben" in einem Satz entdeckt. Danach ging ich spazieren und grübelte: Wie finde ich die erste Zeile?
????

Immer in der Mitte bleiben!
Das Krokodil schwimmt im Fluss.
Der Badegast sollte dort baden,
wo er baden muss.
Nur die Superschlauen sind schlauer.
Die wissen es genauer.
Sie wissen, was sie treiben!
Immer in der Mitte bleiben.
Immer in der Mitte bleiben.
Immer in der Mitte bleiben.

Daraufhin habe ich mir während des Spaziergangs verboten, die "unmögliche" (?!?) zweite Strophe zu texten. War mein dritter Songtext heute. Die haben sogar schon Musik.
😅
 
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He, Fahrgast der kalten Tage und heißen Nächte
Du musst nicht einsam sein, ich bin bei dir
Gefallene Engel haben magischen Kräfte
Ihr Schweigen schärft die Ohren glaube mir
das sind 5- Heber mit ABAB ( ich benutze sogar gern, also bewusst, unsaubere Reime. „C“ wäre für mich ein völlig von A abweichendes Versende. Also etwa: „lange Nächte / magische Sinne“
Xx Xx Xx A
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx A
Wobei die A und B das Reim-Schema meinen!
Das sind 3-Heber mit ABBA. Mir geht es in diesem Falle um einen, speziell vom Text erzwungenen, musikalischen Wechsel der Melodie und Harmonik

Ist allerdings ABAB (oder ABCB, wenn man pingelig ist, und ich bin bei Reimen pingelig).

Lieber @Burkhard Ihme , da hast du wohl etwas voreilig geschossen… oder ich hätte es noch klarer formulieren sollen:unsure:. Jetzt alles klar?
 
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Also, Schreibblockade sieht anders aus.
Soeben Strophe zwei und drei geschrieben und fertig. Was lernt jemand daraus??
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Das Reimschema ist gelungen.
 
Lieber @Burkhard Ihme , da hast du wohl etwas voreilig geschossen… oder ich hätte es noch klarer formulieren sollen:unsure:. Jetzt alles klar?
Leider nein.
Du behauptest,

Xx Xx Xx A
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx B
Xx Xx Xx A

sei ein ABBA-Schema, und das lässt sich in der Tat nicht widerlegen. Abgesehen davon, dass es überhaupt kein Reimschema ist, weil kein einziger Reim enthalten ist. Aber was soll uns dieses Schema überhaupt verdeutlichen? Dass ein nicht existierender Text sich an bestimmten Stellen reimt? Hic rhodos, hic salta!
 
sei ein ABBA-Schema, und das lässt sich in der Tat nicht widerlegen. Abgesehen davon, dass es überhaupt kein Reimschema ist, weil kein einziger Reim enthalten ist. Aber was soll uns dieses Schema überhaupt verdeutlichen? Dass ein nicht existierender Text sich an bestimmten Stellen reimt?Hic rhodos, hic salta!

Hic rhodos, hic salta? Warum nicht?

He, Fahrgast der kalten Tage und langen Nächte
Du musst nicht einsam sein, ich bin bei dir
Gefallene Engel haben magischen Kräfte
Ihr Schweigen schärft die Ohren. Glaube mir
Wellen werfen Töne
Töne werfen Licht
Lichter im Gesicht:
Schweigend singt das Schöne

Wie gesagt: Ein Beispiel, wie Text-Form- Änderungen automatisch die Musik dirigieren können - was manche Komponisten durchaus zu schätzen wissen. - Noch mehr einseitig guter Wille erwünscht? :(
 
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a b a b c d d c
Schönes Schema. Nutze ich auch oft.
Dürfte ich die Bitte äußern, zurückhaltend mit "wir" und "uns" sprachlich umzugehen? Das sind meist rhetorische Ausgrenzungen. Finde ich erstens unzutreffend, zweitens unsympathisch, drittens absolut unnötig.
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Inhaltlich ist dieser Reisebericht zu eng besetzt mit einer Metapher-Orgie. Da ist kein Sitzplatz mehr frei, man kann nicht einsteigen.
 
So, jetzt habe ich gestern mal, weil ich einen Text wollte, auf den ich Musik machen kann, einfach mal Hesses "Im Nebel" genommen und eine Akordfolge und Melodie dazu geschrieben.

Dann habe ich mir, Deiner Anregung folgend @Jongleur, erlaubt, dem Text eine Wendung, Entwicklung, Wandlung zu spendieren.

Folgendes ist bis jetzt dabei heraus gekommen. Ich stelle es mal ein, auch wenn ich mich davor fürchte, dass mir das die Kritiker hier zerreißen:

Seltsam im Nebel zu wandern
Einsam jeder Baum und Stein
Kein Mensch sieht den andren
Jeder ist allein.

Voll von Freuden war die mir Welt
Als mein Leben Licht war.
Nun, da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.

Bridge
Doch dann schieb ich meinen Hut
aus dem Gesicht
Dreh mich um, seh Dich vor mir steh'n
wie im strahlend Sonnenlicht.

Ref.:
Es ist gut, es ist gut
wenn hinter Dir jemand steht
wenn Du blind durch's Leben rennst
und Deine Freunde nicht erkennst.

Wahrlich keiner ist weise
der nicht das Dunkel kennzt
das unentrinnbar und leise
von allem ihn trennt

Bridge
Doch dann schieb ich meinen Hut
aus dem Gesicht
Dreh mich um, seh Dich vor mir steh'n
wie im strahlend Sonnenlicht.

Ref.:
Es ist gut, es ist gut
wenn hinter Dir jemand steht
wenn Du blind durch's Leben rennst
und Deine Freunde nicht erkennst.

Wahrlich keiner ist weise
der nicht auch erkennt das Licht
das strahlend sich eine Schneise
durch die dunklen Wolken bricht.

Ref.:
Es ist gut, es ist gut
wenn hinter Dir jemand steht
wenn Du blind durch's Leben rennst
und Deine Freunde nicht erkennst.
 
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Das finde ich jetzt auch aus psychologischer Sicht spannend. Heißt das für Dich, es genügt Dir nicht, eine momentane Stimmung zu beschreiben (und schon allein darin Trost zu finden, sie auszudrücken), sondern es braucht eine neue Idee, eine Möglichkeit der Veränderung, eine Wandlung, eine neue Richtung?
Eine spannende Frage. Wann suche ich „Trost“? Ich suche Trost, wenn mir etwas weh tut. Dann gehe ich zum Arzt oder verarzte mich selber. Solange ich nur die Symptome beschreibe, bleibe ich Patient. Einer, der so tut, als wolle er sein Bestes. - Es mag schon gut tun, einen verzerrten Mund zu zeichnen, der dich Fettsack schimpft. - Bewegung soll aber gesünder und erlebnisreichet sein
 
Eine spannende Frage. Wann suche ich „Trost“? Ich suche Trost, wenn mir etwas weh tut. Dann gehe ich zum Arzt oder verarzte mich selber. Solange ich nur die Symptome beschreibe, bleibe ich Patient.
Sehe ich persönlich grundsätzlich ähnlich. Um jedoch noch kurz psychologisch drauf einzusteigen (und das psychologisieren dann auch wieder zulassen) möchte ich dennoch anmerken: Bevor es zu einer Wandlung kommen kann, braucht es mitunter zuerst einmal Verständnis und Mitgefühl für das, was sich da an Symptomen zeigt. Die kommen ja nicht von ungefähr, haben eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht auch gehört und verstanden werden will, ein menschliches Mitschwingen, eine Resonanz des Gegenübers. Sonst fühlen wir uns (wenn ich das jetzt mal verallgemeinern darf) allein und fremd.
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Ich suche Trost, wenn mir etwas weh tut. Dann gehe ich zum Arzt oder verarzte mich selber.
Ich habe schon Ärzte erlebt (und habe es von berufswegen mit vielen Menschen zu tun), die genau davon erzählen: Sie leiden und gehen zum Arzt, der dann versucht, das Leiden zu heilen oder zu lindern, ohne es zu verstehen. "Alles wird gut" und "positives Denken", ein Verband oder Pflaster hilft da mitunter nicht viel, weil der Patient Mensch eben auch Mitgefühl braucht, um sich als Teil dieser Welt zu erleben.

Das ist - um jetzt nicht nur zu psychologisieren, sondern auch zu theoretisieren - in der Bindungstheorie gut erforscht und empirisch untermauert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

Eines meiner Lieblings(fach)bücher:
https://www.klett-cotta.de/produkt/...efuehl-wie-trost-gelingt-9783608205039-t-1948
 
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Was vielleicht gut klappen könnte; Einen deutschen Text auf einen ausländischen Hit schreiben. Nach Möglichkeit keine Nachdichtung. Das ergibt automatisch Probleme mit dem Urheberrecht, was automatisch ständig verunsichert.
Ich schrieb sehr, sehr bewusst „ausländisch“ und meinte damit eine Vorlage, von der man (außer der Form) kein einziges Wort begreift . Auch von Nachdichtungen rate ich prinzipiell ab, wenn man Ideen finden will, weil man als Nach-Dichter eigentlich nur mit fremden Ideen beschäftigt Ist.

Nachdichtungen lehren allerdings ausgezeichnet, wie man fremdländische Rhythmen, Reime, Satzformen usw. in deutsche verwandelt. Nachdichtungen lehren vor allem die ausgezeichneten Fähigkeiten der deutschen Grammatik.
All das ist aber meilenweit entfernt von einer Textidee! Wenn man dichten lernen will, muss man von Anfang an den eigenen Gedanken folgen...

Vielleicht ist dir noch nicht ganz klar, was ich mit Form meine. Wenn ich mit geschlossenen Augen jemand reden höre, wenn mich seine Mimik und Gestik nicht mehr beeinflussen, beeinflussen mich noch:

der Klang und
die Lautstärke
die Betonung
Die Pausen einer fremden Stimme.

Das entfällt erst, wenn ich die Worte nur noch lesen kann. Werde ich dann noch manipuliert? Aber ja doch!

Von Wortwahl,
von der Satzart (Frage, Befehl, neutrale Aussage, Ausruf und so weiter),
von Satzzeichen, die stets kleine Pausen markieren,
von Betonungen (eine Häufung von einsilbigen Worten in einer Zeile verursachen einen anderen Rhythmus als wenige vielsilbige Worte.
Von Zeilen-Brechungen usw.

Hinzu kommen noch die Möglichkeiten der Stilmittel der Rhetorik. Beispielsweise
die bewusste, Wiederholung von Worten oder Satzarten
die bewusste Gegenüberstellung von widersprüchlichen Worten oder Satzarten
die bewusste Steigerung der Spannungs beziehungsweise deren Abfall mittels Worten
die geschickte Übertragung von Wort-Inhalten auf andere Bedeutungsträger
die bewussten Verstöße gegen die gängige Sprach-Gewohnheiten.

Es ist etwas völlig anderes, ob man die eigenen Worte, Rythmen, Lautstärken, Betonungen, Pausen usw. benutzt - Oder die Fremder!!!! Letzteres behindert den Zugang zur eigenen
Gefühls-Welt

Vorschlag:

Und deshalb erkenne ich mühelos, dass ein Anfänger und ein Meister in deinem Versuch enthalten sind. Mein Vorschlag lautet also: Entwickle und vervollkommne nun mit eigenen Worten den eigenen Textbeitrag:

Doch dann schieb ich meinen Hut
aus dem Gesicht
Dreh mich um, seh Dich vor mir steh'n
wie im strahlend Sonnenlicht.

Es ist gut, es ist gut
wenn hinter Dir jemand steht
wenn Du blind durch's Leben rennst
und Deine Freunde nicht erkennst.
 
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Vorschlag:

Und deshalb erkenne ich mühelos, dass ein Anfänger und ein Meister in deinem Versuch enthalten sind.
Du meinst damit den Meister Hesse und den Anfänger Michael Scratch?

Mein Vorschlag lautet also: Entwickle und vervollkommne nun mit eigenen Worten den eigenen Textbeitrag:
Okay, da ich sowieso etwas über Herbst schreiben wollte und ich vor einigen Tagen dazu ein paar Notizen gemacht habe, greife ich Deinen Vorschlag auf und finde (mehr oder weniger) eigene Worte, die allerdings (wegen der schon entstandenen Melodie) sich noch an Hesses Rhythmus orientieren.

Eine erste Strophe könnte so lauten:

Nebel hängt über den Feldern
Die Bäume grau und leer
Die Schwalben schon fort gezogen.
gen Süden übers Meer.

Fortsetzung folgt (hoffentlich). Ein paar Ideen habe ich schon gesponnen, aber noch keine passenden Reime gefunden, die Sinn machen.
 
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greife ich Deinen Vorschlag auf und finde (mehr oder weniger) eigene Worte, die allerdings (wegen der schon entstandenen Melodie) sich noch an Hesses Rhythmus orientieren.
Das finde ich völlig in Ordnung! Wenn du dir bewusst machen kannst, dass das Kopieren fremder Kunst im besten Falle eine Vorstufe zur eigenen Kunst ist, sollte Kopieren keine Blockade mehr auslösen. Und die „Strichführung“ wird garantiert von Mal zu Mal sicherer.

ich beispielsweise kenne viele Gedichte von Rilke auswendig. Wenn ich nachts erwache, wiederhole ich in Gedanken gaaanz laaangsam irgend eines dieser Gedichte. Aber längst nicht mehr wegen des Inhaltes! Nöö, ich konzentriere mich im Dunkeln Wort für Wort auf den Satzbau. Das strengt an, macht mich glücklich und deshalb auch sehr schnell wieder müde!
Besonders, wenn ich im Dunkeln etwas entdecke, was mir bei Tage bisher durch die Lappen ging..! Am Morgen schreibe ich mit der nächtlichen Struktur-Entdeckung ein neues Gedicht - diesmal auf der Spurensuche nach meiner Kunst!
 
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Und ich kenne sein Gedicht "Der Panther" aus dem Deutschunterricht, fast 35 Jahre her, das mich fasziniert hat. Und wenn ich es jetzt (gerade) lese, dann spüre ich seine Faszination wieder so stark, dass es mir das Herz einschnürt und mir Tränen in die Augen treten.
Ja, ich bekomme nun Lust auf mehr davon und habe eben bestellt: "Rainer Maria Rilke, Werke in vier Bänden".
 
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Apropos Rilke: Ich liebe seine "Briefe an einen jungen Dicher". Nur so am Rande bemerkt.
Hm… ich studiere Rilkes Stil lieber selber, weil ich eben sehr neugierig bin. ABER: Bereits im
ersten Brief empfiehlt Rilke, am Besten, anstatt andere Menschen um Rat zu befragen, sich selber zu interviewen.

Und mit diesem kleinen Trick verabschiede ich mich aus Zeitgründen langsam aus diesem Faden. Ich wünsche dir viel Erfolg! Und zur Not habe ich ja noch ein PF! Nur keine Scheu! :)

lg

P.S. Untersuche mal das Satz-Gefüge des Panthers. Mal sehr grob gesagt, besteht das Gedicht aus 3 Strophen, die ihrerseits wiederum im Prinzip aus einem Hauptsatz und vielen ergänzenden Nebensätzen bestehen. Mit diesem formalen Trick ist automatisch gewährleistet, dass ein Autor automatisch immer mehr in die Tiefe gehen MUSS - statt sich selber ungewollt in der Breite zu verlieren.

DAS meine ich, wenn ich immer wieder empfehle, sich mit der Form des Dichtens zu beschäftigen. :)
 
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Ich bin noch drin. Deshalb fasse ich mich kurz.
Ein Songtext braucht nur wenige, kurze Strophen. Gerade eben, der nächste. Das dauert eine Tasse Kaffee. In Zeitnot kommt man nicht, das macht man nebenbei. Bei mir sind das oft nur Minuten. Schon fertig!

Sehr wichtig ist wohl der gewohnte Ort des Dichters. Ein Freund, lange tot, schrieb seine besten Stücke draußen in seiner Laube oder auf einer Gartenbank im Park. Erfolge sammeln und wiederholen.
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Also, bei Einfallslosigkeit: Gehe an den Ort deiner letzten Erfolge.
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Ich möchte noch die gewagte These anschließen, dass die jeweilige Gitarre, ein anscheinend toter Holzgegenstand, eine Co-Autorenschaft einnimmt.
Die jeweilige Gitarre hat sogar Anteil, wenn sie nur an der Wand hängt. Die Blockade kann also auch durch einen Gitarrentausch überwunden werden. Ein gutes Team aber nicht auflösen!
 
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