Akkordgrifftabelle: Akkorde basteln und mit stimmigen Tonleitern kombinieren

von relact, 23.01.08.

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pedaltrain
  1. relact

    relact Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.04.08   #21
    Hallo "little red" rooster,

    sorry, dass ich so lange nicht geantwortet habe. Ich bin im Moment grade nicht aktiv am Boardgeschehen beteiligt. Nachdem Du jetzt schon drei mal in meine Threads gepostet hast, nehme ich mir jetzt mal die Zeit, auf Dein Interesse zu reagieren.

    Vorweg will ich mal sagen, dass Deine Fragen großteils im Text des Threads beantwortet sind. Es ist aber nicht nur Zeit und Arbeit, das ganze niederzuschreiben, sondern viel, viel mehr Arbeit, es sich durchzulesen, rein zu denken, zu verstehen und dann zu üben. Und es geht nicht über Nacht sondern dauert seine Zeit.

    Ich denke das Wesentliche ist nicht die Anzahl der Möglichkeiten zu berechnen und dann an der Vielzahl der Möglichkeiten zu verzweifeln, sondern sich ganz bewusst vor Augen zu führen, dass alle sieben Modi der Kirchentonleiter "im Prinzip" ein und das selbe sind. Aber abhängig davon, welchen der sieben Töne man als Tonika definiert, ergibt sich ein gänzlich unterschiedliches Klangbild. Stark versimplifiziert könnte man sagen: Du brauchst lediglich eine einzige Tonleiter zu lernen und zu verstehen. Der Rest ergibt sich dann aus dem Zusammenhang und Kontext, wie Du diese eine Leiter einsetzt. Erst aus diesem Kontext zur Akkordfolge der Begleitung ergeben sich die vielen unterschiedlichen Pattern.

    Eine Kirchentonart ist eine diatonische, heptatonische, hiatuslose Tonleiter im Halbtonraum. Eine chromatische Tonleiter ist in dem Zusammenhang gänzlich anders zu verstehen.


    Ein Gedanke dazu aus meinem Verständnis: es ist wichtig, die Töne auf dem Griffbrett zu sehen (in dem Sinne, der von Dir beschriebenen Röntgenbrille) und auch zu wissen, welche Töne auf der Eins harmonisch (und nicht dissonant) klingen. Aber: spielen tut man in der Regel ganz, ganz anders, nämlich losgelöst von diesen Pattern. Beim Üben spielen viele Tonleiter rauf und runter. Die praktische Anwendung dieser Geläufigkeitsübungen bei einem Solo ist kaum gegeben. Ich würde empfehlen, ein Solo, dass Dir gefällt, herauszuhören und immer und immer wieder nachzuspielen. Bis es Dir in Fleisch und Blut übergeht. Dieses Solo dann durch die Brille der aufgezeichneten Pattern zu betrachten und Teile daraus transponiert auf andere Lieder umzulegen, die Du spielst. Mit ein paar nachgespielten Soli solltest Du relativ viel schneller in der Lage sein, dann Deine eigene Impro über Deine eigene, neue Akkordfolge abwechslungsreicher zu gestalten.

    Du kannst auch im Board bei den Jam Session mitspielen. Das hat den Vorteil, dass Du Deine eigene Improvisation, mit der Du auf der Stelle trittst, mit Ideen von anderen vergleichen kannst und damit Inspiration bekommst.

    Wenn Du am Anfang stehst, würde ich mit Dur und Moll beginnen und den Rest mal beiseite lassen, bis Du Dich in Dur und Moll etwas sicherer fühlst. Loops kannst Du Dir im Jam Studio, der Online Music Factory , selbst zusammenstellen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe.

    Wenn Du in C-Dur oder A-Moll improvisieren magst, verwende die Stufentheorie. Alle Details findest Du in meinem Impro-Thread an dieser Stelle :
    Stufen von Dreiklängen am Beispiel C-Dur und A-Moll:
    C-Dur: C // Dm // Em // F // G // Am // H dim
    Natürlich A-Moll: Am // H dim // C // Dm // Em // F // G

    Ich nehme an, T verwendest Du für Tonika, S für Subdominante und D für Dominante und Du beziehst Dich auf die Grundlagen der Funktionstheorie.

    Akkorde und Einzelnoten sind im Prinzip gleich zu betrachten: alles sind Töne! Die einen spielst Du nur parallele zusammen (Akkord), die anderen hintereinander (Einzeltöne). Die Anwendung der Funktionstheorie finde ich zur Verständigung unter Musikern wichtig. Beispiel: Ein Blues in C nach Standardschema basiert auf: I - IV - V. Also: C-Dur, F-Dur, G-Dur. Wenn Du also in eine Jam-Session einsteigst, reicht es, wenn Dir jemand sagt: Blues in C. Der Rest ist damit klar.

    Sobald die Akkordfolge komplexer wird, ist es sinnvoll, in Strophe, Bridge, Refrain, Solo-Teil etc. zu untergliedern und jeden Teil getrennt zu betrachten. Falls die Akkorde eines Einzelteiles nicht auf Akkorden aus der Stufentheorie aufbauen, dann würde ich nicht mehr von Improvisation sprechen. Denn dann musst Du die Teile analysieren, was nichts mit einer spontanen Impro zu tun hat. Ich würde das dann als Songwriting bezeichnen.

    Keine Ahnung, was Du meinst. Aber das tu ich sicher nicht. Warst wohl gerade lustig drauf, als Dir dieser Gedanke kam - wie? :D

    Kann ich verstehen. Ich übe mit der EGitarre ausschließlich über Kopfhörer. Bei der akustischen steck ich bei Tonleiterübungen ein Taschentuch zwischen Saiten und Resonanzkörper.

    Step by Step. Und realistische Ziele und Zwischenziele stecken.

    Dazu empfehle ich Dir, einen eigenen Thread aufzumachen. Dort kannst du Gleichgesinnte suchen und Dich mit denen austauschen, sofern Deine Idee auf Interesse stößt.

    Greetz relact
     
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  2. rooster1577

    rooster1577 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.04.08   #22
    Dank für die Antwort grad mal kuz durchgelesen. Diese Jamseite sieht witzig aus kannte ich noch nicht. Das werden lange abende. Danke ich melde mich wieder.
     
  3. Zebolon

    Zebolon Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.05.10   #23
  4. elch

    elch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.11   #24
    Hallo Allerseits,

    @relact: Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben und im Grunde ist das, was Du hier darstellst auch alles gut und richtig. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es eher hinderlich ist, wenn man sagt, dass die 7 Modi im Grunde alle dasselbe Tonmaterial darstellen. Das macht - glaube ich - auch vielen Schwierigkeiten, das Material musikalisch sinnvoll einzusetzen. Du schreibst ja völlig richtig, dass wenn man z.B. C-D-E-F-G-A-H-C über C-Dur spielt, das Ganze als Ionisch zu bezeichnen ist. Genauso schreibst Du, dass wenn man F-G-A-H-C-D-E-F über F-Dur spielt, das Ganze als F-Lydisch heißt. Das ist natürlich korrekt aber der lernende Musiker, der diesen Thread liest, folgert daraus, dass er wenn er nun erst C-D-E-F-G-A-H-C und dann F-G-A-H-C-D-E-F über die Akkordfolge C-Dur-F-Dur spielt, das ganze zunächst ionisch und dann lydisch klingt, dabei hört man nur C-Dur. Ich möchte auf den Unterschied zwischen modal klingenden Modi und "Modi" als Ordnungssystem für die Fingersätze einer Tonleiter hinaus.

    Modales Spiel erklärt man doch besser, indem man sich alle Modi von ein und dem selben Grundton aus anschaut. Das steckt in dem Thread natürlich drin aber für Leihen ist es immer schwer tonales und modales Spiel zu trennen. Wobei das mittlerweile natürlich keine gegensätzlichen Begriffe mehr sind, da man auch über tonal gebildete Akkordfolgen modal spielen kann aber dabei denkt man halt nicht mehr an die Tonart, aus der die Akkorde abgeleitet sind.

    Vielleicht hilft auch dieses Beispiel ein wenig beim Verständnis: Eine im Jazz häufig auftauchende Variante über eine Moll-II-V-I-Kadenz zu spielen, geht so: II -> Lokrisch, V -> Alteriert, I -> Dorisch. Nehmen wir mal an, das Ganze findet in A-Moll statt. Die Akkordfolge geht dann so: Hm7b5, E7(#5), Am7. Spielt man über diese Akkordfolge nun a-Moll, klingt das selbstverständlich nach a-Moll und nicht etwas nach H-Lokrisch, E-Lydisch (hier kämen sich ohnehin das g der Skala und der Domiantleitton, der ist nämlich charakteristisch für tonale Musik, in die Quere) und A-Aeolisch. Möchte man aber über diese tonale Akkordfolge modal improvisieren, verwendet man halt Modi, die sich nicht von der Ursprungstonleiter a-Moll ableiten lassen. Man wählt bewusst andere Färbungen. Hier nochmal die Skalen und im Überblick im Vergleich zu a-Moll:

    a-Moll: a, h, c, d, e, f, g
    H- Lokrisch: h, c, d, e, f, g, a (dieser Mod basiert natürlich auf a-Moll)
    E-Alteriert: e, f, g, as, b, c, d
    A-Dorisch: a, h, c, d, e, fis, g



    Ein Stück, das ich in diesem Zusammenhang (neben den erwähnte Children's Songs von Chick Corea) zur Analyse empfehlen kann ist die Gnossienne Nr.1 von Eric Satie. Das Stück lebt überwiegend vom Wechsel zwischen F-Dorisch#11 und B-Dorisch und man kann an dem Stück sehr schön sehen, wie der Komponist mit den charakteristischen Tönen der Modi (die turko ja richtigerweise schon als wichtig beim Modalen spiel herausgestellt hat) umgeht.

    LG
     
  5. relact

    relact Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.07.11   #25
    Danke für Deinen Hinweis und das erklärende Beispiel!

    Ja, das Material musikalisch sinnvoll einzusetzen ist eine echte Herausforderung. In diesem Thread habe ich auch nur durch die Brille "Ordnungssystem für Fingersätze von Skalen und Akkorden" gesehen. Ein prinzipielles Verständnis der Modi wollte ich mit dem Beitrag Klangfarbe der Modi schaffen. Modal klingende Modi wäre jetzt eigentlich eine gute Idee für einen "Praxisworkshop". Weil zwischen Verstehen und Anwenden seh ich noch einen breiten Graben. Danke darum auch für die Analyseempfehlungen!
     
  6. elch

    elch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.07.11   #26
    Oh ja - den Beitrag "Klangfarben der Modi" finde ich gut! :)
     
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