Akkordstufen heraushören

von pssaiko, 21.01.08.

  1. pssaiko

    pssaiko Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.04.07
    Zuletzt hier:
    3.01.10
    Beiträge:
    32
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 21.01.08   #1
    Servus,

    Ich will mich mal langsam etwas weiterbilden und über das Klimperdasein hinausgehen. Mein Lehrer hat mir mal die Aufgabe gestellt mal einfach Alle meine Entchen zu nehmen, und es umarrangieren. Problem: Er hat mir zwar gesagt es sei auf dem C-Dur I-II-IV-Schema aufgebaut, doch wie soll ich das nun raushören können?

    Ich hab ihm mal meine Version gezeigt die falsch war, auf die Frage wie ich das lernen könne wusse er keine Antwort, hättet ihr eine?

    Danke für jede Hilfe
     
  2. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.142
    Zustimmungen:
    1.119
    Kekse:
    49.592
    Erstellt: 22.01.08   #2
    1. Frage: Kannst Du das Lied denn pfeifen oder singen und Dich dabei auf der Gitarre mit den "passenden" Akkorden richtig begleiten?
     
  3. pssaiko

    pssaiko Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.04.07
    Zuletzt hier:
    3.01.10
    Beiträge:
    32
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 23.01.08   #3
    Singen eher, ich hab aber mal einfach die Melodie in Power Tab übertragen und dann eben daran rumgewerkelt, und mir so angehört was so am ehesten passt.

    Habs dann so gemacht:

    Schema wär ja ABBCD

    A: C-Dur
    B: F-Dur; G-Dur
    C:G-Dur
    D:F-Dur, C-Dur

    ... und irgnedwie klingts für mich eben immer noch harmonisch. Sollte ja eigtl auch kein Wunder sein wenn sich c ja durch g auswechseln lässt^^
     
  4. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

    Im Board seit:
    26.06.05
    Zuletzt hier:
    3.12.16
    Beiträge:
    1.466
    Zustimmungen:
    53
    Kekse:
    4.028
    Erstellt: 23.01.08   #4
    Aha, du sollst das Lied reharmonisieren.

    Die drei Hauptstufen habe sehr unterschiedliche Spannungsniveaus. Deswegen ändert sich auch der Klangcharakter sehr stark, wenn du die Stufe I (spannungslos) gegen Stufe V (hohe Spannung) austauschst.

    Nicht so extrem klingen es, wenn man einen Akkord gegen einen im Terzabstand austauscht. Diese beiden Akkorde haben immerhin zwei gemeinsame Töne.

    Beides ist möglich. Wichtig ist nur, daß es auch mit der Melodie paßt.

    Original:
    | C . C . | F . C . | F . C . | G . C . | G . C . |

    Eine Reharmonisation mit terzverwandten Akkorden:
    | C .Em | Am C . | F .Am | ...

    Hier ändert sich der Klangcharakter nicht so stark.

    Gruß
     
  5. pssaiko

    pssaiko Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.04.07
    Zuletzt hier:
    3.01.10
    Beiträge:
    32
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 26.01.08   #5
    Ok, mit dem Begriff Reharmonisierung kann ich nich viel anfangen, aber davon wurde mir nichts gesagt :p

    Eigtl wollte mich mein Lehrer nun eben einfach nur die Akkorde austauschen lassen, neu arrangieren eben (nennt man das Substitution?), und mein Problem liegt ja nicht darin, welche Akkorde ich (nicht) nehmen darf, sondern eben um das heraushören der Akkorde aus der Melodie.


    zB könnte ich einfach nicht die Akkordfolge von Happy Birthday oder Jingle Bells raushören, und wollte nunmal einfach erfahren, wie man sowas eben erlernen kann =)


    Die Melodie nachsingen und auf der Gitarre nachahmen kann ich ja, nur was bringt mir das, und wie kann ich das dann eben in Akkorde auswerten?
     
  6. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

    Im Board seit:
    26.06.05
    Zuletzt hier:
    3.12.16
    Beiträge:
    1.466
    Zustimmungen:
    53
    Kekse:
    4.028
    Erstellt: 26.01.08   #6
    Harmonisieren ist, zu einer Melodie Akkorde finden.
    Reharmonisieren ist das Ersetzen von Akkorden (Substitut), also neue Akkorde finden. Hier möchte man, daß es anders klingt, als das Original.

    Ich weiß nicht, in wieweit du dich schon mit den Tönen auskennst. Die Melodietöne liefern auch Anhaltspunkte: Wichtig sind immer die Schwerpunkte (Taktanfänge). Bei "Alle meine Entchen" ist der erste wichtige Ton das c bei "Alle", der nächste wichtige Ton das g bei "Entchen". Beide Töne kommen im Akkord C vor. Das g kommt auch in Em und in G vor. Somit könntest du probieren, wie es klingt, wenn du den Akkorde C bei "Entchen" gegen Em oder G austauschst.

    Letztendlich entscheidet dein Ohr, ob es dir gefällt.
    Beim Raushören hilft es, wenn du dich erst einmal auf den Baß konzentrierst. Er spielt meistens den Grundton.

    Gruß
     
  7. pssaiko

    pssaiko Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.04.07
    Zuletzt hier:
    3.01.10
    Beiträge:
    32
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 27.01.08   #7
    Genau, von mir wurde eben verlangt es zu arrangieren und dann zu substituieren.

    Allerdings wenn es so ist wie du sagst, dann ist es ja eher Geschmackssache und es gibt so etwas wie ein "richtiges" Arrangement nicht, oder?
     
  8. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

    Im Board seit:
    26.06.05
    Zuletzt hier:
    3.12.16
    Beiträge:
    1.466
    Zustimmungen:
    53
    Kekse:
    4.028
    Erstellt: 27.01.08   #8
    Das ist richtig. Für eine einfache Melodie gibt es verschiedene Möglichkeiten zu harmonisieren.

    Bei einer bekannten Melodie ist man aber oft schon voreingenommen. Wenn hier ein anderer Akkord als im Original gespielt wird, klingt es sehr ungewohnt. Zumindest wird es denen auffallen, die das Original kennen.

    Auch bei unbekannten Melodien wird man an einigen Stellen bestimmte Akkordfolgen bevorzugen, weil man die von wo anders her kennt. Z.B. die häufigste Schlußwendung V-I (in C-Dur: G C).

    Gruß
     
  9. Guendola

    Guendola Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    21.07.07
    Zuletzt hier:
    24.02.13
    Beiträge:
    743
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    1.290
    Erstellt: 14.02.08   #9
    Falls du noch rätselst: Nimm erstmal die Noten aus den schweren Taktschlägen, also
    A lle mei ne Ent chen
    und so weiter.
    Bei den meisten Melodien passen die Töne nahtlos in die Akkorde.
    Die Töne: C E G G
    mögliche Akkorde aus der C-Dur Tonleiter
    C: C-Dur, F-Dur, A-Moll
    E: C-Dur, E-Moll, A-Moll
    G: C-Dur, E-Moll, G-Dur
    Für den Rest des Liedes machst du es entsprechend.

    Der fünfte Akkord (G-Dur) ist die Dominante und will wieder zurück zur "Tonika" (Grundakkord - C-Dur).
    Der vierte Akkord (F-Dur) ist die Subdominante und will zur Dominante (G-Dur).
    Deswegen ist eine typische Schlußwendung (Kadenz) C F G C, am besten noch mit G7, das zieht noch stärker zu C.

    Dur-Akkorde kann man durch die zwei Stufen tieferen Moll-Akkorde ersetzen und anders herum, also C-Dur(I) <> A-Moll(VI), F-Dur(VI) <> D-Moll(II), G-Dur(V) <> E-Moll(III) - mehr gibt es nicht. Das verändert den Klang der Melodie wesentlich und klingt manchmal auch falsch (dann läßt man es eben).

    Auf der siebten Stufe (H) entsteht ein sonderbarer Akkord, nicht Dur aber auch nicht richtig Moll, weil die Quinte zu klein ist (deswegen heißt er "vermindert"). Den läßt du erstmal aus, allerdings kann man tolle Sachen damit anstellen.
     
  10. PVaults

    PVaults Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    11.03.08
    Zuletzt hier:
    4.05.10
    Beiträge:
    1.212
    Ort:
    Banane
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    17.604
    Erstellt: 17.04.08   #10
    Also, zuerst muß ich sagen, daß dein Lehrer wohl das II-V-I-Schema gemeint haben wird. Oder er war noch bei der Klassischen Kadenz, die da ist I-IV-V-I, also Tonika - Subdominante - Dominante - Tonika.

    Um zu verstehen, wie man Akkorde zu den Tönen setzt, mußt du den Zusammenhang zwischen beiden ermitteln, erkennen und auswendig lernen - wobei ich mit auswendig lernen das automatisierte Spielen des Instrumentes meine.

    Als Grundakkorde muß man erst die drei Hauptstufen lernen, die da sind:

    Tonika = I. Stufe
    Subdominante = IV. Stufe
    Dominante = V. Stufe

    Die Stufen leiten sich von der Stellung in der Tonleiter ab, als Beispiel nehme ich jetzt mal C-Dur, zugleich muß man sich den zugehörenden Akkord merken, der sich aber aus der STRUKTUR der Tonleiter immer ableiten läßt.

    Diese Struktur ist bei allen Tonarten gleich!!!!! - es ändern sich nur die einzelnen Töne, nicht jedoch die Tonabstände - OKAY?!?

    C = I. Stufe - Dur-Akkord (C-E-G)
    D = II. Stufe - Moll-Akkord (D-F-A)
    E = III. Stufe - Moll-Akkord (E-G-H)
    F = IV. Stufe - Dur-Akkord (F-A-C)
    G = V. Stufe - Dur-Akkord (G-H-D)
    A = VI. Stufe - Moll-Akkord (A-C-E)
    H = VII. Stufe - verminderter Akkord, der gehört auch zur Moll-Gruppe, hat jedoch eine verminderte Quinte.

    Wenn du dir die Struktur genauer anschaust, erkennst du, daß es 3 Dur- und 3 Moll-Akkorde gibt. Auf der VII. Stufe ergibt sich ein besonderer Akkord, der symmetrisch aufgebaut ist.

    Zusätzlich brauchen wir die Funktion eines Dominantseptakkordes (Dom7), das ist der Akkord auf der V. Stufe, der um eine weitere Terz, nämlich der Septime, erweitert ist. Dieser Akkord hat den größten Spannungscharakter und leitet immer weiter. Er ist also 4-stimmig, die Töne bei G7 (der Dominante zu C) sind folglich: G-H-D-F

    Sind die korrekten Töne erst einmal ermittelt, kannst du die Töne in eine beliebige Reihenfolge bringen, ohne daß sich der Akkord ändert, also kann C-Dur z.B.
    C-E-G sein oder E-C-G oder G-E-C oder... - du weißt schon.

    Wir brauchen für dein Beispiel erstmal die drei Dur-Akkorde (mit dem Dom7) und bauen nun eine Liste:

    Melodieton:........passende Akkorde:
    -----------------------------------------
    C.....................C-Dur (C-E-G-) oder F-Dur (F-A-C)
    D.....................G-Dur (G-H-D) oder G-Dur7* (G-H-D-F)
    E.....................C-Dur (C-E-G)
    F.....................F-Dur (F-A-C) oder G-Dur7 (G-H-D-F)*
    G.....................G-Dur, G-Dur7 oder C-Dur
    A.....................F-Dur
    H.....................G-Dur oder G-Dur7

    * Nach dem G-Dur7 muß dann ein C-Dur folgen, das geht nur, wenn die Melodie das zuläßt! Frage dich also, ob der darauffolgende Akkord ein C-Dur sein kann.

    Du siehst, es kann bei einzelnen Melodietönen nur EINEN korrekten Akkord geben.

    Allerdings muß klar sein, daß der entsprechende Melodieton auf einer SCHWEREN Zählzeit liegen muß. Schwer ist z.B. die 1, leicht (meist) die 2 oder (immer) die 4+ (4-und).

    So sollte es dir leicht möglich sein, die richtigen Akkorde selbst zu ermitteln. Stehen bei einem Melodieton zwei Akkorde zur Verfügung, schaust du, was der nächste Akkord ist, und dann versuchst du, den anderen passenden Akkord davor zu setzen, also z.B. beim Melodieton G könntest du G-Dur oder C-Dur spielen, nach diesem Melodieton folgt aber ein Melodieton, der nur C-Dur als richtigen Akkord gelten läßt. Nun ist klar, der richtige Akkord muß G bzw. G-Dur7 sein, klar? Probiere das mal etwas aus, dann wirst du das Hören von alleine ganz automatisch lernen.

    Wenn du dir mal den Quintenzirkel (nachschlagen) anschaust, erkennst du, daß diese 3 Akkorde direkt nebeneinander stehen, wobei C in der Mitte, F links und G rechts steht.

    Eine harmonische Bewegung entgegen dem Uhrzeigersinn nennt man QUINTFALL, so z.B. die Bewegung von G nach C, ebenso die Bewegung von C nach F, oder weiter, von A nach D, von H nach E, von Eb nach Ab usw. Was zählt, ist die RICHTUNG.

    Immer, wenn eine direkte Rechtsbewegung im Quintenzirkel erfolgt, kannst du den ersten Akkord um eine kleine Septime erweitern und so einen Dom7-Akkord bauen, der verstärkt weiterleitet.

    Wenn du mit einer II-V-I-Verbindung spielen sollst, mußt du die obige Tabelle um die Moll-Akkorde erweitern. Darfst du selbst tun, damit du was lernst. ;)

    Bei der II-V-I-Verbindung wird die Dominante ihrerseits um eine Quasi-Dominante erweitert. Quasi-Dominante deshalb, weil die II. Stufe ja ein Moll-Akkord ist, wie aus obiger Tabelle (und den "erlaubten" Tönen der Dur-Tonleiter, die wir ja als Ausgangspunkt genommen haben und aus denen die Melodie besteht) hervorgeht.

    Das ist genauso einfach wie mit der einfachen Dominante, die II. Stufe wird einfach vor eine Dominante gesetzt, jedoch auf einer leichten Zählzeit.

    Du wirst feststellen, daß du dann den Melodieton unberücksichtigt lassen kannst, selbst wenn der nicht zu dem Akkord der II. Stufe passen sollte - hier überwiegt der harmonische Kontext, nämlich der Quintfall, und der Melodieton verhält sich als Durchgangsnote, er hat also erstmal keinerlei harmonische Bedeutung.

    Bsp.
    Häns-chen klein ging all-ein, in die ...
    C...................- Dm - G7 - ...C - G7 - ...
    I....................- II ...- V7 -....I - ..........

    Violá! II - V(7) - I, wobei die V in diesem Zusammenhang logischerweise immer mit der kleinen 7 gespielt werden kann. Die II. Stufe kann hier auch auf der schweren Zählzeit, also hier der 1, liegen, weil der Melodieton hier sogar in der II. Stufe enthalten ist.

    Übrigens kannst du hier die II. mit der IV. Stufe tauschen, das nennt sich dann Mediantik, und MaBa hat da schon weiter ober was zu geschrieben.

    Ich hoffe mal, das Beispiel macht es etwas klarer.
     
Die Seite wird geladen...