Alucone-Speaker und Papierspeaker- Konkrete Unterschiede?

von Tieftonsüchtiger, 04.11.07.

  1. Tieftonsüchtiger

    Tieftonsüchtiger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.11.07   #1
    Worin genau liegen jetzt eigentlich die Unterschiede zwischen Alu- und Papiermembranlautsprechern, vor allem im Klangverhalten? Sollen die Aluspeaker einen schlechten Wirkungsgrad kaschieren oder sowas in der Art?
    Ich sehe nämlich nur bei Behringer, Hartke und GK (die GLX 2x10) Aluspeaker, die großen und teuren Firmen wie Mesa, Glockenklang, EBS und so weiter haben überhaupt keine Alus im Angebot..
     
  2. papero

    papero Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.11.07   #2
    Hi Tieftonsüchtiger,

    die genannnten Materialien haben schon ein unterschiedliches Eigenschwingverhalten. Wenn ich mich recht erinnere, bleibt die Alumembran beim Schwingen in sich steif, schwingt also nur als Ganzes. Bei der Pappmembran verhält es sich meines Wissens so, daß sie auch in sich schwingt. In der Art, daß die wiedergegebenen Frequenzen von innen nach außen hin abnehmen. (So, jetzt kann mich jeder korrigieren, wenn ich falsch liege. ;-) )

    Ich erinnere mich, da war Hartke eine recht hochpreisige Marke. Habe um '92/'93 mal ein Stack (das damals recht neue Top, 4x10er, 1x15er) von denen angespielt und war schlichtweg begeistert von dem Detailreichtum und Druck diese Anlage (Klangregelung komplett neutral eingestellt). Das müssen die XLs gewesen sein, die TP-Serie gab es, glaube ich, noch nicht.

    Die Bass-Chassis mit Alumembran von Eminence sind z.B. auch nicht gerade billig. Deren Wirkungsgrad in 'nem geschlossenen Gehäuse, ist den Papieren nach auch recht ordentlich. (1x10, 50W, max. SPL 112dB bis 8x10", 400W, max. SPL 130dB)

    Ciao, Pat
     
  3. RAUTI

    RAUTI Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.11.07   #3
    Diese Partialschwingungen sind weder beabsichtigt, noch gewünscht. Aber leider im Prinzip unvermeidlich. Richtig ist natürlich, dass ein (biege-) steifes Material (wie z.B. Aluminium) Partialschwingungen unterdrückt, wenn auch nicht beseitigt. Idealerweise bewegt sich der Lautsprecherkonus nur vor- und zurück (eine seitliche Bewegung ist konstruktionsbedingt eigentlich auch nicht möglich :rolleyes: ), tatsächlich macht er auch noch andere Bewegungen - und zwar jene Partialschwingungen, die tatsächlich frequenzabhängig sind.

    Ob jetzt aber hohe Frequenzen eher vom Zentrum und tiefe Frequenzen eher vom Rand produziert werden, weiß ich gar nicht, wage es aber zu bezweifeln (ein basstauglicher Lautsprecher müsste demnach ja vor allem am Rand Hub machen und in der Mitte eher ruhig sein...). Aber wichtig ist auch nur die Erkenntnis, dass Partialschwingungen immer und überall auftreten. Nicht nur auf Membranen, sondern auch an Möbeln, Bauteilen wie Wänden, Türen und Fenstern usw. Aber eben auch an tonerzeugenden Instrumenten! Wo und in welchem Umfang die Schwingungen auftreten, ist dabei von entscheidender Bedeutung bei der Klangerzeugung. (Leider habe ich keine Bilder von Lautsprechern, aber immerhin eines von einer Gitarre, die ja immerhin zur Klangerzeugung gebaut wird im Gegensatz zum Lautsprecher, der Klang reproduzieren soll!!!!)

    Hat also ein Lautsprecher kräftigen Partialschwingungen in seinem Einsatzbereich (ein Tieftöner, dessen Membran im Hochtonbereich Partialschwingungen zeigt, juckt uns also nicht), trägt er zur Erzeugung des Klangbilds bei! Ziel für die einwandfreien Reproduktion von Klang ist es also eigentlich immer, die Membrane besonders steif auszulegen.

    Ob man den Eigensound des Speakers/Box trotzdem als angenehm findet, steht aber auf einem anderen Blatt! Kein Gitarrist möchte eine HiFi-Box haben, die nahezu fehlerfrei reproduziert. Und auch uns Bassisten ist die lautsprecherspezifische Klangverfärbung nicht ganz unlieb. Entscheidend ist doch nicht, was die Theorie sagt, sondern ob wir den Sound mögen. Ein erdiger und schwerer Ton mit einer kleinen Portion Rauheit passt oft doch viel besser ins Klangkonzept, als ein klarer, neutraler und - geben wir´s doch einfach zu - steriler Ton!

    Und es ist ja auch nicht so, dass die Verwendung von Alucones gleichbedeutend ist mit korrekter und verfärbungsfreier Abbildung: Eine Horde 10-Zöller kann auch keinen aalglatten Frequenzgang etc. sichern!

    Fazit:
    - Geil klingt, was gefällt!
    - Wer Alu will, soll Alu kaufen!
    - Wer Pappe mag und aus optischen Erwägungen Alu kauft, ist ein Idiot....

    PS:
    Zur Ausgangsfrage bleibt also eigentlich nur zu sagen, dass die Materialauswahl zwar eine klangentscheidende Frage ist - aber nicht die Frage nach Soundwünschen beantwortet!
     

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  4. the flix

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    Erstellt: 07.11.07   #4
    Sehr steife Membranen (Beispiel Alu) schwingen zwar über einen großen Frequenzbereich nahezu als Kolben, also eigentlich ideal, aber sie haben dann ein Problem mit Resonanzen.
    Sprich, bei einer bestimmten Frequenz resoniert die Membran stark, was sich in einem Frequenzganganstieg und einem Anstieg der Verzerrungen zeigt.
    Diese Resonanz ist zwar bei weicheren Membranen auch vorhanden. Aber da ist sie sehr viel stärker gedämpft.

    Liegt diese Resonanz nun im Übertragungsbereich des Chassis sollte sie durchaus zu hören sein und klanglich Einfluss haben.
    Ob man das als "Detailreichtum/Klarheit" oder als "schrilles Klirren" empfindet, hängt natürlich vom Geschmack und den Chassis ab.

    Ich meine, es war so, dass weiche Membranen bei tiefen Frequenzen noch am ehestens als Kolbenstrahler arbeiten und dann mit höherer Frequenz mehr das Zentrum "schwingt".
     
  5. EDE-WOLF

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    Erstellt: 07.11.07   #5
    das würde heißen, dass 2 lautsprecher gleichen antriebes vorrausgesetzt, eine alupappe (lol) weniger höhen liefern würde und mehr klirr als eine papppappe (nochmal lol)...

    ist dem so? mag ich kaum glauben ehrlich gesagt...
     
  6. the flix

    the flix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.11.07   #6
    Wieso weniger Höhen? Ich habe doch von einem Anstieg des Frequenzgangs geschrieben?
    Und ich habe nicht geschrieben, dass es Aluspeaker früher im Hochton abfällt.

    Wo liest du das raus?

    Ich war und bin wirklich der Meinung, dass der Nachteil von Hartmembranen in ihren Resonanzen liegt, die man wegfiltern muss.
     
  7. RAUTI

    RAUTI Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.11.07   #7
    Ja, diese "Resonanzen" werden treffender mit Partialschwingungen beschrieben und existieren natürlich auch bei "Alupappen" und sind technisch nicht vergleichbar mit der Resonanzfrequenz des Speakers - deshalb ist die Bezeichnung ja auch irreführend. Es dürfte auch richtig sein, dass ein 10"-Alucone bei höheren Frequenzen aufgrund dieser Phänomene keinen günstigen Frequenzgang mehr abliefert - aber da hilft dann eben eine Frequenzweiche und ein Hochtöner! Solange man das Teil also weichenlos nach oben bis zum Abwinken betreibt, gibt´s natürlich auch kein HiFi.
     
  8. EDE-WOLF

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    Erstellt: 08.11.07   #8
    naja das ist logisch, die membranmasse dürfte ähnlich sein. das heißt bei einer bestimmten frequenz geht dem chassis der antrieb aus, sofern es die gesamte membran bewegen muss, das ist ja gerade der "vorteil" von biegeweichen membranen, bzw. das ist ja gerade der grund, warum "nicht subwoofer-onlypappen" doch biegsam sind, da eben dann obere mitten oder eben der "obere frequenzbereich" den das chassis kann eben nur noch von einem teil der membran übertragen wird, eine so riesige (im verhältnis zur wellenlänge) membran mit ner hohen frequenz zu bewegen kostet ja immens viel antrieb....


    man spricht ja nicht umsonst davon, dass ein chassis die höhen "aus der mitten heraus" abstrahlt....
     
  9. the flix

    the flix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.11.07   #9
    @RAUTI
    Ja, diese Unterscheidung muss natürlich gemacht werden. Das habe ich versäumt.
    @EDE-WOLF
    Jetzt verstehe ich, was du meinst.
     
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