[Amp] Laney RB-7 Bass-Combo

von Ima_Derek, 08.06.10.

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  1. Ima_Derek

    Ima_Derek Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.06.10   #1
    Laney RB-7

    Vorwort
    Ich wollte schon die ganze Zeit einen Erfahrungsbericht zum RB-7 schreiben – und jetzt, wo ich dazu komme, spiele ich ihn nicht mehr! Weil aus der Band nix wurde, für die ich ihn eigentlich hernehmen wollte, und ich dann ganz woanders gelandet bin. Gaaaanz woanders.

    Aus dem Erfahrungsbericht wäre also fast eine Art Erinnerungsbericht geworden. Aber dazu mehr im Nachtrag …
    Zu allem Überfluss habe ich wenig Erfahrung mit Bassequipment, weil ich erst vor zweidrei Jahren zum Bass gewechselt bin. Von daher kann ich leider auch keine Vergleiche zu anderen Amps anstellen. War halt mein erster. Aber – um das vorweg zu nehmen – ich habe ihn gemocht. Irgendwie …

    Eckdaten laut Laney-Manual
    Combo mit 2*10 (Celestion) und HF-Horn
    Leistung: 300 W an Volllast (8 Ω Zusatzbox), also ungefähr 180 W an den eingebauten Speakern
    „Extras“: schaltbarer Compressor und schaltbarer (Endstufen-)Limiter mit jeweiliger Kontroll-Leuchte, Kick-back-Gehäuse
    Bedienelemente: je ein Eingang für aktive/passive Bässe, Gain, Enhancer, Bassregler, 2 semi-parametrische Mittenregler (100 Hz–1kHz/400 Hz–4 kHz), Höhenregler, (Endstufen-)Limiter, Master-Vol, HF-Horn, DI
    Rückseite: 1/4“-Jack Zusatzbox (max. 8 Ω), serieller FX-Weg, Tuner-Out
    Gewicht: 25 kg
    Größe: 58/46/40 cm B/H/T
    Preis: inzwischen (2010) um die 400 Euro, ich habe ihn Ende 2008 neu mit Garantie und ohne dass er vom Laster gefallen wäre noch für 320 Euro bekommen

    Praxis
    Zwei Dinge fallen sofort angenehm auf: Das Teil ist zwar kein Fliegengewicht, das mit in die U-Bahn kann, aber man braucht auch keine Roadcrew, um es vom Auto zum Gig (s.u.) zu tragen. Zumal die beiden Seitengriffe auch etwas längere Wege gut überstehen lassen. Und dank der Keilform lässt sich der Amp um ca. 45° nach hinten kippen, was die Hörbarkeit deutlich erhöht, wenn man im Nahfeld steht. Das geht auch noch sehr gut, wenn der Amp auf einer Erweiterungsbox steht.

    Die Bedienung ist ziemlich selbst erklärend. Gain regelt die Vorverstärkung (ach?!), eine leichte Zerre bekommt man damit auch hin – ist halt Transistorzerre. Der Compressor ist abhängig von der Vorverstärkung. Damit sind die Regelungsmöglichkeiten ziemlich gering. Ich hatte ihn immer aus, weil der Kompressionsgrad eher minimal ist.
    Enhance ist wie so oft eine Art Loudness-Regler (Bass und Höhen rein, Mitten raus). Bei mir stand er nie über 9 Uhr, die eigentliche „Klangverbiegung“ lässt sich besser über die eigentlichen Regler erledigen. Ist aber praktisch, um auf die Schnelle während des Spiels ein bisschen nachzuregeln.

    Die „echte“ Klangregelung ist klasse. +/- 15 dB am Bassregler und +/-12 dB an den restlichen lassen schon einiges an Veränderung zu. Besonders schön ist die doppelte Mittenregelung. Damit lässt sich für uns arme Schlucker, die sich keinen Custom-Bass leisten können, der so einzigartig klingt, dass er einfach bloß noch verstärkt muss, schon einiges anrichten. Mit diesem EQ-uartett ist man klanglich für so ziemlich alle Stilrichtungen gewappnet. Was der Hauptgrund war, weswegen ich ihn mir dereinst zugelegt habe.

    Der „Limiter defeat“-Knopf. Tja, ich weiß nicht, wer von Euch auf Transistor-Endstufen-Zerre steht, oder wer seinen Amp gerne NICHT vor dem Zerschießen retten möchte – für Euch ist auf jeden Fall dieser Knopf. Bei mir war er immer an.
    Anders als das nicht regelbare Horn, das bei höheren Pegeln für meinen Geschmack ein bisschen zu schepperig-hell klang.

    Der DI-Out ist vor der Klangregelung abgezweigt. Meine Meinung: Wenn es herstellungsökonomisch nicht machbar ist, den DI dahin zu legen, wo er bei einem Amp dieser Größenordnung hingehört – vor den Master –, dann sollte man ihn weglassen, weil ihn sonst ihn eh keiner benutzt, und die Herstellung wird noch mal günstiger. Aber wie gesagt, imho.

    Ein Effektweg ist eine feine Sache bei einem Gitarren-Röhrenamp. Wofür man ihn bei einer Bass-Transe braucht, weiß ich nicht so recht, zumal die Effekte, sollen sie auf dem DI-Out landen, hier ohnehin vorgeschaltet werden müssen.

    Butter bei die Fische
    Die Sache mit dem Gig (s.o. und s.u.): Ich habe nie einen mit dem Laney gespielt. Das wäre mit der Band, in der ich letztlich gelandet bin, auch nicht gegangen. Ich nenne die Richtung mal Retro-Heavy … Das wäre klanglich kein Problem, stilmäßig hält der Laney wirklich einiges aus, aber für/gegen einen sehr entschlossen spielenden Drummer und – Overkill – einen Herrn Leit/d-Gitarristen am 100 Vollröhren-Watt Engl Fullstack (2*4*12) fehlen dem Laney die Muskeln, dafür wurde er einfach nicht gebaut. Habe ich erwähnt, dass ich mit einer Bande von Wahnsinnigen und Ohrenstöpseln im Probenraum spiele? Deswegen habe ich sehr schnell (drei Wochen nach Einstieg in der Band) mit einer 15“ Warwick nach- und auf die theoretischen 300 Watt aufgerüstet, das brachte für den Probenraum etwas Linderung.

    Aber Vorsicht: Der Master ging nie über 2 Uhr hinaus (bzw. die Limiter-Leuchte zeigte Dauerbetrieb – aber immerhin in einem sehr schönen Blauton), denn zum Durchsetzen in meiner Band musste ich die Bässe und Tiefmitten sehr heftig fahren. Das aber leistet der Laney nicht bei den Stadion-Pegeln, die in unserem Probenraum herrschen.

    Noch eine Klippe, die er in meinem speziellen Fall nicht nehmen konnte: Blöderweise geben wir nicht nur Retro-Sachen, sondern ich habe auch Slap-Einlagen, und die saugen einem ja gerne auch das eine oder andere Watt aus dem Amp. Und wenn der eh schon heftigst ackern muss, sind zackige Impulse oben drauf einfach nicht mehr drin. Das Resultat war nicht, dass der Amp platzte, dafür hat er ja den Limiter, sondern dass ich dermaßen auf die Saiten dreschen musste, um mich noch ein bisschen zu hören, dass ich regelmäßig meine ohnehin dürftigen bassistischen Leistungen noch unterbieten konnte.

    Aber das liegt tatsächlich an uns und nicht so sehr am Amp, denn der – hatte ich es schon erwähnt? – ist für so was echt nicht gebaut.

    Zusammengefasst
    Miese: Der Augenwischwer-Schnickschnack, also Kompressor und DI. Der Limiter gehört unabschaltbar in den Schaltkreis, imho. Kein Mute-Schalter – damit macht der Tuner-Out keinen Spaß, weil jedes Mal beim Stimmen der Master genullt werden muss.

    Gute: Klang, Klangregelung, Preis, Gehäuseform, Gewicht.

    Fazit
    Ungewichtet scheinen die Miesen in der Zusammenfassung zu überwiegen, aber nach wie vor ist meine ehrliche Meinung zum RB-7: Ein toller, sehr vielseitiger Amp. Und ich hätte ihn zwar nicht blutenden Rektums, aber zumindest schweren Herzens verkauft.

    Er hat für mich nie wirklich den Schwanz eingezogen, sondern unsere Eigenheiten haben ihn platt gemacht. Der Pegel, den wir fahren, ist nicht seins. Die Frequenzen, gegen die er sich durchsetzen soll, sind nicht seins (zumindest bei dem Pegel). Denn eine Schwierigkeit ist sicherlich die, ich nenne es mal Frequenzüberlappung mit vielen Beteiligten in einem Raum. Stell Dir vor, Du läufst als 1,90 großer Normalsterblicher (Laney) gegen wie-heißt-nochmal-dieser-4-Meter-große-russische-Boxberg (Engl-Fullstack) an. Wobei selbst das noch ok war. Aber in der Vollbesetzung, mit 2 Ketarren und 2 Sängern und (zurecht) selbstbewusstem Drummer, und das alles ohne sich jemals klanglich aufeinander abgestimmt zu haben – aber ich schweife ab –, hat der Laney wenig Chancen.
    Für so was wurde er auch nicht gebaut (erwähnte ich es bereits?). Und dafür hatte ich ihn auch nicht gekauft. Prädestiniert wäre er für die Ursprungsüberlegung, mal mit einem/zwei Kumpel/s und einer Computer-Schlagzeugerin (Drumette) gepflegte Jazz-/Rock-Musike (am besten nach Feierabend auf dem Balkon ;-) zu pflegen und vielleicht mal in den Hinterzimmern von kleineren Bewirtungsstätten aufzutreten. Geworden ist es – aber ich denke, das sollte inzwischen deutlich geworden sein …

    Nee, im Ernst: Ich denke, für ein Trio oder ein diszipliniertes Quartett, die mit vernünftigen Pegeln spielen, ist der Laney eine tolle Sache. Wer also auf der Suche nach a) einem „Mein-allererster-Amp-und-ich-mache-keinen-Mordsradau“ b) einem tragbaren und durchaus leistungsfähigem Zweitamp c) einem überdimensionierten, aber toll klingenden Heim-Amp ist, sollte mal die Kleinanzeigen-Bucht nach gebrauchten durchsuchen.

    'Tschuldigung, aus dem Erfahrungsbericht, der dann zum Erinnerungsbericht wurde, wurde Feuilleton, aber schließlich ist das hier nicht die Schule, und ich bin auch kein Journalist.
    t

    P.S.: Ach so, wer wissen will, wie es weiterging, sollte mal bei den Reviews unter „Warwick Tubepath“ nachschauen … Aber das kann noch ein paar Tage dauern, weil Gig nächstes Wochenende, und den will ich natürlich für einen Erfahrungs(!)bericht abwarten :-)
    P.P.S: Soundbeispiele ergeben wenig Sinn bei einem DI, der vor der Klangregelung liegt, und außerdem sind sie wenig aussagefähig a) bei der Menge an Equipment, das mitspielt (Mikros, Kabel, Mischer, Rechner), und b) MP3.
    P.P.P.S: Habe gerade meine bislang großartigste Spam-Mail erhalten: „Female dogs are more liable to urinary incontinence than male dogs.“ Gut zu wissen …

    Nachtrag
    Ist schon toll, wenn man eine richtig fette, neue Bassanlage hat. Besonders, wenn am Samstag Gig ist und man am Freitag merkt – hoppala, die 6*10 passt ja gar nicht in den Kofferraum. Na gut, nehm’ ich halt die 15er – hoppala, die passt ja auch nicht! Und da geht doch sonst ein halbes Eckhaus rein! Auch doof, dass die Herren Mitmusiker (nicht meine eigentliche Combo, sondern die Jungs, mit denen immer mal wieder was machen wollte, wofür ich den Laney auch gekauft hatte) schon vor Ort und weit weg waren.

    Hilft nix, Zähne zusammengebissen und den Laney mitgenommen. Zum Glück ist es ein kleiner Gig mit 50, 60 Leuten in einem ziemlich halligen Raum, allerdings ohne PA, in die man sich reinhängen könnte.

    Langer Rede kurzer Sinn: Wir standen ziemlich gedrängt, ich direkt vor dem Amp in der Ecke. Habe ihn schräg gestellt und konnte mich erstklassig hören. Wegen der Aufstellung in der Ecke (und des Raumklangs) war der Sound etwas dröhnig, das konnte ich aber mit der Klangregelung problemlos abstellen, so dass der Laney richtig lässig geklungen hat – das Programm war eine ziemlich krude Mischung von B-52’s bis Infectious Grooves. Und leistungsmäßig war noch lange nicht Schluss, ich bin über 11 Uhr nie rausgekommen (ok, es war halt 'ne Hochzeit und kein Bikerfest).

    Das Ende vom Lied: Falls es finanziell irgendwie geht, behalte ich den Laney, weil er für kleine Gigs oder Sessions richtig geil ist :-)

    So, jetzt Licht aus und ins Bett.
    t

    Hier noch ein paar schöne Bilder von unserem Probenraumteppich:


     

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  2. Cadfael

    Cadfael HCA Bass Hintergrundwissen HCA HFU

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    Erstellt: 09.06.10   #2
    Danke für deinen Review!

    Was mir als ehemaligem RB-7 Besitzer als Zustz noch einfällt ...

    Lustig ist, dass (zumindest bei meinem) zwei Celestion Speaker mit 70 Watt Belastbarkeit eingebaut waren.
    Eine 115er Zusatzbox ist mMn angebracht beim RB-7. Da stimme ich zu.

    Der Laney war einiges leiser als mein GK Backline 210 und hatte deutlich weniger Bässe und Tiefmitten. Er ist aber ideal für Leute, die einen hellen metallischen Basssound wollen! Das kann der Laney viel besser als der GK Bacline 210. Das mit dem "Master nie über 14 Uhr" kann ich bestätigen. Wer sich mehr durchsetzen will, sollte das mit dem Hochmittenregler probieren. So schneidet man sich durch den Bandsound.

    In halligen mumpfenden Räumen kann der Laney voll auftrumpfen, da er von Natur aus mit seinem Hochmitten betondenden Sound für Klarheit sorgt.

    Gruß
    Andreas
     
  3. Ruhr2010

    Ruhr2010 Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 10.06.10   #3
    Tolle Schreibe, das Lesen hat echt Spass gemacht.:)
    Da ist wohl eine Portion eines beliebten Gebäcks fällig.;)
     
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