[Amp] Line 6 Spider III 75

von rugbyfreak, 31.07.08.

  1. rugbyfreak

    rugbyfreak Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.07.08   #1
    Hallo meine musizierenden Freunde.
    Eigentlich bin ich ja Saxofonist, spiele aber seit ungefähr zwei Jahren Gitarre als zweites Standbein.
    Das hier soll mein erstes Review werden, habt deswegen bitte Nachsicht aber übt ruhig ausführlich konstruktive Kritik.

    Vorgeschichte
    Mein gebraucht erworbenes Anfängerset Rock Kit Deluxe von Marshall klingt zwar in Ordnung für seinen Preis, aber dank stetig wachsender Bandaktivität musste was anständiges her. Habe dann gegen Ende letzten Jahres erst eine wunderbare Artcore Gitarre von Ibanez erworben, die ich auch nicht so schnell wieder hergebe.
    Ampmäßig habe ich viel angespielt und bin dann irgendwie beim Line 6 Spider III 75 gelandet.
    Ich habe alle Amps die mir im Forum vorgeschlagen wurden ausführlich getestet, mich aber dann einfach nach dem Höreindruck gerichtet und den Amp gekauft, obwohl er im Forum anscheinend sehr polarisiert. Es folgt Erstes Review, Klape die erste:

    Verarbeitung:
    Insgesamt wirkt der Amp gut verarbeitet. Dank der Plastikfront unter den Plastikpotis wirkt er zwar nicht gerade teuer, macht aber generell einen soliden Eindruck. Das Gehäuse ist sauber mit irgendwas Kunstlederartigem überzogen und der Stoff vor dem Celestion Custom 12" Lautsprecher ist stramm gespannt und schützt gut. Alle Ecken haben Kunststoffschoner.
    Der kleine zieht generell ordentlich am Arm verglichen mit dem alten Marshall, aber das ist ja wohl klar.

    Ausstattung:
    Unter der gut zupackenden Gitarrenbuchse befindet sich ein Eingang für eine kleine Klinke mit dem man zum Mp3 Player üben kann.
    Die gleichzeitige Wiedergabe von Gitarrensignal und Mp3 Signal reißt natürlich niemanden vom Hocker, funktioniert aber besser, als ich gedacht habe.
    Eine Buchse, die an einen Lan-Kabel Steckplatz erinnert nimmt, soweit mir bekannt, leider nur die Hauseigenen Footswitches von Line 6 auf.
    Daneben befindet sich mit großer Klinke der Pod-Style-Out, den ich später noch erwähnen werde.
    Mit einem kleinen Display und einer Art Joystick kann man Durch die Presets und Presetbänke schalten, denn dieser Amp enthält von Werk aus um die Vierhundert Presets, die nach bekannten Songs erstellt wurden.

    Bedienung:
    Die Bedienung des Spider III 75 geht relativ intuitiv von der Hand.
    Schnell kann man beginnen, die insgesamt 36 belegbaren User-Presets seinen Vorlieben anzupassen.
    Einziges Bedienungsmanko: Auf Dauer ist es dezent nervig, dass der Amp keinen Modus hat in dem er einfach so klingt wie die Potis stehen.
    Die Potipositionen der User-Presets kann man sich zwar durch den Compare Mode erarbeiten, doch zur Übernahme einer bestimmten Einstellung in ein anderes Ampmodel oder Preset müssen alle Regler einmal kurz hin und her bewegt worden sein, denn erst dann übernimmt der Amp die echten Potipositionen anstelle der programmierten.

    Praxis:
    Erstmal was Cleanes eingestellt.
    Das erste Cleanmodel Kling warm und eignet sich perfekt für Jazzsounds.
    Das zweite Cleanmodel hingegen kling spitzer und wunderbar direkt. Die Bässe tönen straff aus dem Speaker und die Höhen sind definiert ohne aber zu harsch zu wirken.
    Einfach mal als Experiment den Drive Regler rechts gedreht und geschaut, wozu man so ein Cleanmodel so bewegen kann: Am Halshumbucker und klingt der Sound, wenn man nur leicht anschlägt herrlich brilliant, aber noch komplett clean.
    Also schnell rüber zum Steghumbucker und mal ordentlich in die Saiten gehauen. Wild Thing im Hendrix Style. Ich bin wirklich überrascht, wie dynamisch der Amp generell reagiert.
    Auch wie druckvoll es aus dem 12 Zoll Speaker tönt haut mich fast um. Alles in allem klingt der Verstärker für so ein doch recht kompaktes Teil sehr groß.
    Also weiter im Text...
    Die beiden Twang Models klingen Fenderlike, können Von Clean über Funky bis Rock'n'Roll-mäßig doch ziemlich viel. Mein Favorit ist aber das erste Model, da es einfach direkter Klingt. Das zweite ist meiner Meinung nach weniger brauchbar, weil es irgendwie entfernt wirkt.
    Auch hier zeigt die eingebaute Effektsektion, was sie kann. Ein Schuss Hall und Delay eine Tolle ins Haar und schon rockt man around the clock.
    Wenn wir schon bei der Effektsektion sind: Sie kling generell anständig, hat aber wenige Regelmöglichkeiten. Es gibt einen Regelweg der Stufenlos alles, was der Effekt so hat, reindreht. Nur bei den Echo oder Delay Effekten kann man das Tempo eintappen.
    Über den Tap Taster lässt sich ebenfalls der integrierte Tuner abrufen. Der tut, was er soll und mir reicht er völlig. Auch lassen sich hier der Distorsion Boost und das Noise Gate aktivieren. Diese beiden Sonderfunktionen klingen nett und tun ihren Dienst, lassen sich allerdings nur Aktivieren und Deaktivieren.
    Weiter im Text es folgen die Bluesmodels.
    Das erste Model ist brauchbar. Es soll eine Mischung aus Fender Bassman und Marshall JTM-45 darstellen. Nur in den höheren Gainbereichen muss man stark mit dem EQ arbeiten, weil es doch ziemlich anfängt zu matschen.
    Das zweite Bluesmodel ist ein Vox AC-30.
    Auch dieses Model hat durchweg seine Daseinsberechtigung, klingt gut und reagiert schön dynamisch auf Pickup, Anschlagsstärke und Volumen- und Tonepoti. Klangcharakteristik ist meiner Meinung nach klar Voxig, ich als Neuling in dem Business lehne mich hier aber lieber nicht zuuu weit aus dem Fenster.
    Die Crunch Models haben es mir angetan. Ich persönlich habe hier "meinen" Sound für das Spielen in einer Punk/ Garage Rock Band gefunden. Das erste Model stellt einen Plexi 50 Watt dar und klingt relativ "körnig".
    Das zweite Model ist ein Plexi 100 und kling meiner Meinung nach wahnsinnig gut. Es sägt schön Britisch aus dem Amp. Vintagemäßige Mitten kombiniert mit einer heißen Zerre klingen in meinen Augen einfach gut. Natürlich kann ich nicht bewerten, ob ein 100 Watt Plexi so klingt, da ich leider noch nie einen spielen konnte, aber die Zerre ist in sich einfach stimmig. Ein wenig Reglerarbeit und es klingt zum Verwechseln nach Offspring, Green day und Konsorten.
    Es folgen die beiden Metal und Insane Models.
    Da ich kein Metaler bin, kann ich nicht wirklich bewerten ob das schön klingt oder nicht.
    Besonders der Insane Kanal fasiniert mich aber, denn was hier die Wände wackeln lässt kling eigentlich nicht mehr nach einer 112 Kombo und matscht trotz unglaublichem Gain nicht. Ist meiner Meinung nach sehr gut und wäre sicher mein Lieblingsmodel, wenn ich Metal mögen würde.
    Zu den Werkspresets: Ein Durchschalten lohnt sich hier wirklich, denn viele klingen wirklich interessant und es ist auch nicht alles so Effektüberladen, wie dies oft bei Multieffekten der Fall ist.
    Wer hier mit vielen Presets voll auf die Kosten kommt ist mal wieder die Metallarbeiter-Fraktion aber in den teilweise nach Band, teilweise nach Jahrzehnt geordneten Presets ist auch viel Anderes dabei.
    Back in Black, Hey Joe, Highway to Hell - an Klassikern fehlt es nicht.
    Der Pod-Style out ist ein zweischneidiges Schwert. Mit Kopfhörer klingen Cleansounds schön und brilliant, Zerrsounds erinnern mich hingegen unglücklich an meinen alten MG 15 CDR. Ulkigerweise klingen die Zerrsounds über einen Line-In aufgenommen plötzlich toll und sehr "echt". Später fällt im Bandkontext der Aufnahme auch nicht mehr auf, dass der Sound nicht einmal durch die Luft gewandert ist. Mein Tipp: Gitarre mehrspurig aufnehmen. Eine Mikrofonspur eine vom Pod-Style-Out. Das ganze dann gegeneinander abgemischt und jeder winzigkleine Rest Unnatürlichkeit ist verschwunden.

    Wiedergabe:
    Der Spider III ist laut. Also wirklich laut. Ich hatte ihn eigentlich noch nie voll aufgerissen, war auch noch nie nötig.
    Im Bandgefüge fügt sich der Spider gut ein, ohne gleich in den Hintergrund zu treten und obwohl er nur einen Lautsprecher hat, macht er ordentlich Druck.
    Was auffällt ist, dass die zu Hause im Zimmerlautstärke erstellten Presets fürs Spielen in der Band noch bearbeitet werden müssen, da sich der Höreindruck bei lautem Spielen verändert.
    Das ist aber eine soweit ich weiß rein physikalische Gegebenheit und der Spider ist fürs Spiel auf leisen Lautstärken doch sehr gut geeignet.

    Fazit:
    Man kann sich übers Modeling streiten. Oft wird nur darauf hingewiesen, was der Amp ist oder nicht ist, aber nicht beachtet, was der Amp eigentlich sein will. Natürlich wird ein Model eines Mesa Rectifiers nicht 100% wie der echte Amp klingen. Es ist halt keiner. Der Line 6 Spider II 75 bietet aber Gitarristen ohne Goldesel die Möglichkeit den Sounds der Vorbilder nahe zu kommen und diese Aufgabe meistert er meiner Meinung nach mit bravour. Er ist aber durchaus mehr als der reine Nacheifereramp und zeigt sich als Ausgewachsenes "Instrument" und als Arbeitstier, das auch für Konzerte mehr als Ausreicht.
    Ich bin komplett glücklich mit meinem Spider und hoffe, dass mein Review bei der Entscheidung für oder gegen den Spider helfen kann.
     
  2. Narsol

    Narsol Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #2
    Ein wirklich schönes Review :)
    Man merkt sehr viel Begeisterung, ist der Amp nagelneu?
    Wenn ja, dann empfehle ich dir bei deinem nächsten Review ein oder zwei Monate zu warten, da sonst die Anfangseuphorie eine objektive Bewertung nicht mehr zulässt.
    Dennoch bin ich größtenteils deiner Meinung, vieles entscheidet ja auch der Geschmack, so gefällt mir z.B. das erste Blues Model des Amps am besten.
    So und jetzt wünsche ich dir noch nen Haufen Spaß mit deinem Amp und dass er dir noch lange so gut gefällt wie jetzt :great: *bewert*
     
  3. rugbyfreak

    rugbyfreak Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #3
    Ist genau wie die Gitarre schon um die Acht Monate alt.
    Anfangseuphorie, ist allerdings geblieben <---- Gutes Zeichen :D
     
  4. Flame-Blade

    Flame-Blade Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #4
    :eek:


    Wenn der Amp dir gefällt isses doch gut...ich könnte mich mit dem Teil niemals anfreunden:)
     
  5. rugbyfreak

    rugbyfreak Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #5
    Generell sollte man bei diesem Review bedenken, dass mein einziger Vergleich ein Marshall MG 15 CDR ist.
    Da hab ich gelernt, was matschen ist XD
     
  6. Flame-Blade

    Flame-Blade Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #6
    Ok das mag einiges erklären:)
     
  7. rugbyfreak

    rugbyfreak Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #7
    Ja, also hab mir mein Review nochma durchgelesen.
    Klingt schon etwas nach Fanboy, aber ich hab echt versucht objektiv zu sein und auch die Dinge, die nicht so toll sind mit reinzubringen.
     
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