Analyse "Stella By Starlight"

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CUDO II

CUDO II

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Interessant ist vor allem der Akkordwechsel von Takt 2 auf Takt 3.
Dieser Wechsel ist in vielen anderen Standards ebenso zu sehen -->

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Tangerine (F), Victor Schertzinger
ab Takt 25

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What Are You Doing New Year's Eve? (Ab) Frank Loesser
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If I Ruled The World (F), Leslie Bricusse
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Let's Get Lost (C), Jimmy McHugh ab Takt 13
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No Ties (Bb), Russ Freeman, letzte 4 Takte
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To Brenda With Love (C), Paquito D'Rivera, letzte 6 Takte

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While We're Young (Eb), Alec Wilder, Morty Palitz, Takte25 bis 32
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Die gebräuliche Reharmonisation von #IIo7 lautet IV-7(b5) V7/III.
Da #IIo7 mit bIIIo7 enharmonisch verwechselt werden kann, ist es üblich auch bIIIo7 mit IV-7(b5) V7/III zu reharmonisieren und diese ReHa dann nach IIm7, wie man es von bIIIo7 gewohnt ist, anstatt nach IIIm7 zu führen.
Meist besteht diese ReHa des bIIIo7 allerdings nur aus der Dominante V7/III.


Im Original sind die ersten beiden Takte von Stella By Starlight übrigens bIIIo7 -->

View: https://www.youtube.com/watch?v=dudvs8q26SQ&t=10s
 

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Die gebräuliche Reharmonisation von #IIo7 lautet IV-7(b5) V7/III.
Da #IIo7 mit bIIIo7 enharmonisch verwechselt werden kann, ist es üblich auch bIIIo7 mit IV-7(b5) V7/III zu reharmonisieren und diese ReHa dann nach IIm7, wie man es von bIIIo7 gewohnt ist, anstatt nach IIIm7 zu führen.
Ich habe die die bIIIo7 immer als verkürzte Doppeldominante verstanden (eigentlich #IVo7). Die Abwärtsauflösung zur der bIIIo7 zur II funktioniert deshalb, weil auf die II in der Regel die V7 folgt, die II also die Folge Doppeldominante -> Dominante nur verzögert. Diese Doppeldominante wäre in dem im Thread thematisierten Fall aber substituiert durch die V7/III. Wenn ich die V7/III und die V7/V jeweils zu einem ganzverminderten Akkord verkürze, kommt derselbe verminderte Akkord heraus (bzw. enharmonische Umkehrungen voneinander). D.h. V7/III und die V7/V stehen in einer Kleinterzverwandschaft zueinander ("Brothers & Sisters" von Barry Harris). Könnte man das so sehen? Ist der A7(b9) in Stella also ein terzverwandt substituerter C7(b9)?

Viele Grüße,
McCoy
 
Ja, der Wechsel von Takt 2 A7b13b9 auf Takt 3 Cm11 ist schon spannend. In meinen Ohren sind aber andere Dinge für das Funktionieren dieser Verbindung viel entscheidender, als mögliche Stellvertreterfunktionen.
  • Takt 1/2 sind eine II-V-Verbindung über Dm. Das ist bei einem Song, der sich letztlich als in Bb-Dur stehend erweist, schon mal nicht selbstverständlich. Charakteristisch ist die 11 in der Melodie auf die 1 des ersten Taktes
  • Takt 3/4 sind eine II-V-Verbindung über Bb-Dur, Und schon wieder mit der 11 in der Melodie auf die 1 des dritten Taktes
Dahinter steckt das Konzept, zwei wichtige Ankerpunkte der Melodie (Takt 1 und 3) als 11.Stufe zu harmonisieren. Das hält den Song in meinen Ohren zusammen, nicht so sehr ein Verwandschaftsverhältnis zwischen A7b13b9 und Cm11 (das ich aber nicht abstreiten will). Ich höre die II-V-Verbindung in den Takten 3/4 als eine frei eintretende II-V. So ähnlich wie Joy Spring, wo ja auch frei eintretende II-V-Verbindungen den Song vorantreiben.

Der A7 aus Takt 2 taucht ja quasi in Takt 26 wieder auf, wird dort aber zu Dm7b5 in Takt 27 weitergeführt. Damit wird quasi eine Alternative zur bekannten Weiterführung Cm11 aus Takt 3 angeboten.

Ähnliche Situationen gibt es später im Song ständig, dass II-V-Verbindungen eine neue I erwarten lassen, die dann aber nicht kommt bzw. durch eine neue II-V abgelöst wird. Das treibt den Song harmonisch enorm voran, dass die I (Bb-Dur) sich erst am Ende der 32taktigen Form stabilisiert. Ich denke, auch wegen dieser harmonischen Energie ist der Song bei Sessions so beliebt.
 
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Ich habe die die bIIIo7 immer als verkürzte Doppeldominante verstanden (eigentlich #IVo7). Die Abwärtsauflösung zur der bIIIo7 zur II funktioniert deshalb, weil auf die II in der Regel die V7 folgt, die II also die Folge Doppeldominante -> Dominante nur verzögert. Diese Doppeldominante wäre in dem im Thread thematisierten Fall aber substituiert durch die V7/III. Wenn ich die V7/III und die V7/V jeweils zu einem ganzverminderten Akkord verkürze, kommt derselbe verminderte Akkord heraus (bzw. enharmonische Umkehrungen voneinander). D.h. V7/III und die V7/V stehen in einer Kleinterzverwandschaft zueinander ("Brothers & Sisters" von Barry Harris). Könnte man das so sehen? Ist der A7(b9) in Stella also ein terzverwandt substituerter C7(b9)?
Ja, genau so würde ich es auch sehen. Die bIIIo7 ist enharmonisch verwechselt der gleiche verminderte Septakkord wie der der verkürzten Doppeldominante. Er löst sich zunächst chromatisch in den IIm7 auf und dann schlussendlich in die dem IIm7 folgende Dominante. Der IIm7 ist sozusagen interpoliert.
Dass der bIIIo7 als verkürzter Sekundär-Dominantseptakkord von V7/IIIm7 aufgefasst wird und dementsprechend mit seinem rel. IIm7 vorbereitet wird ist der gebräuchlichen Reharmonisation von #IIo7 zu verdanken.

Hallo Harald,
wenn man das Original heranzieht (siehe Link in meinem ersten Beitrag) hört man in den ersten beiden Takten den bIIIo7. In all den von mir aufgeführten Beispielen kannst Du besagten Dominantseptakkord durch den entsprechenden bIIIo7 ersetzen. Der klangliche Unterschied ist minimal und die bIIIo7 Stufe ergibt einen bekannten harmonischen Ablauf.
 
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Hier ist das Stella-Manuscript von Victor Young. Im Original steht es in D-Dur, bIIIo wäre dann Fo7, und tatsächlich: d-gis-h-d-f-d-f-gis 16tel-Arpeggio im ersten Takt in der linken Hand:

Victor Young Stella Manuscript Theme.jpg


Habe ich mal durch dieses Video gefunden:


View: https://www.youtube.com/watch?v=20uNqmFQI4s

Er spielt das Original bei 5:54, seine Analyse beginnt bei 6:50.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Thanks.
 
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