Zwischendominanten

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MF - Piano

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Hi Community,

ich habe eine Harmonielehre App geschrieben und würde gerne den ein oder anderen Aspekt einzelner Kapitel diskutieren. . Zum Beispiel Zwischendominanten (zum Teil auch als Sekundärdominante in der Literatur genannt): Seht ihr das ähnlich, gibt es noch Sichtweisen, die nicht erwähnt wurden?

Die 3 Regeln der Zwischendominanten

Ein Dominantakkord ist eine Zwischendominante, wenn:
  • Sein Grundton diatonisch ist (= zur Tonart gehört)
  • Er sich eine reine Quinte abwärts in einen diatonischen Akkord auflösen kann, auch wenn in der Melodie ein anderer Akkord folgt.
  • Er mindestens eine nicht-diatonische Note enthält.
Das ist alles. Wenn alle drei Punkte zutreffen – dann ist es eine Zischendominante

Ein konkretes Beispiel in C-Dur

Nehmen wir folgende Akkordfolge an:

| Cmaj7 | A7 | Dm7 | G7 | Cmaj7 |

Der A7 sieht falsch aus. Der Grundton a ist in C-Dur diatonisch, aber der diatonische Akkord auf A wäre Am7 – nicht A7.
Prüfen wir die drei Regeln:
Grundton A ist diatonisch (VI. Stufe in C-Dur) -> JA
Löst eine Quinte nach unten zu Dm7 auf (II. Stufe – diatonisch) -> JA
Enthält C# – eine nicht-diatonische Note -> JA

→ A7 ist eine Zwischendominante. Symbol: V7/II (= die Dominante der II. Stufe)

Warum funktioniert das musikalisch?

Das Geheimnis ist der Tritonus. Jeder Dominantseptakkord enthält einen Tritonus zwischen seiner Terz und seiner Septime. Dieser Tritonus erzeugt eine Spannung, die sich auflösen will. Der A7 enthält C# und G – einen Tritonus, der direkt in die Töne von Dm7 hinführt. Unser Ohr akzeptiert dies, weil die Auflösung so stark ist. Der nicht-diatonische Ton C# klingt nicht falsch – er klingt, als würde er irgendwohin führen. Und das tut er auch.

Die 5 Zwischendominanten in jeder Dur-Tonart
In C-Dur:
  • I7 → IV (C7 → Fmaj7) = V7/IV
  • II7 → V (D7 → G7) = V7/V ← auch Doppeldominante genannt
  • III7 → VI (E7 → Am7) = V7/VI
  • VI7 → II (A7 → Dm7) = V7/II
  • VII7 → III (B7 → Em7) = V7/III

Hinweis: Der V-Akkord (G7) fehlt in dieser Liste. Das liegt daran, dass G7 die eigentliche Dominante der Tonart ist – keine Zwischendominante.

Ein Beispiel aus der Praxis: „Mr. Sandman“
„Mr. Sandman“ von den Chordettes (1954) ist eines der deutlichsten Beispiele für Zwischendominanten in Aktion.

| Fmaj7 | % | E7 | % |
| A7 | % | D7 | % |
| G7 | % | C7 | % |
|Fmaj7 | % |Db7 |C7 ||

Der gesamte erste Abschnitt ist im Grunde eine Kette von Zwischendominanten in F-Dur:
E7 → Am (V7/III)
A7 → Dm (V7/VI)
D7 → Gm (V7/II)
G7 → C7 (V7/V)
C7 → F (V7/I = eigentliche Dominante)
Jeder Akkord löst sich in den nächsten auf. Die nicht-diatonischen Töne G#, C#, F# und B erzeugen eine Vorwärtsdynamik, die den Zuhörer immer weiter mitreißt.
Listen to the song!

Die Frage nach der Tonleiter
Welche Tonleiter verwende ich für die Improvisation?
Einfache Faustregel:
- Zwischendominante löst sich in einen Dur-Akkord auf → Mixolydisch
- Zwischendominante löst sich in einen Moll-Akkord auf → HM5 (5. Modus der harmonischen Molltonleiter, auch phrygische Dominante genannt)

In unserem C-Dur-Beispiel also:
- C7 → Fmaj7: C-Mixolydisch
- A7 → Dm7: A HM5

Dies ist eines der Themen, die ich in meiner App JazzPopHarmony (iOS) ausführlich behandle – Welches Harmonie-Thema würdest du noch gerne sehen? Was interessiert dich am meisten? Ich würde mich freuen, darüber in den Kommentaren zu diskutieren.
 
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  • Ersteller
  • #3
Vielen Dank für den Hinweis.
Da hast du Recht, A7 mixob13 ist die Skala, die man durch das EInbettungsverfahren bekommt.
Da aber viele Musiker nach einer einfachen Lösung suchen, gebe ich den Hinweis auf die (vereinfachende) Faustregel.

Der einzige Unterschied zum (korrekten) Einbettungsverfahren ist die V7/II. Die Faustregel liefert hier HM5 = mixo b9b13, die Einbettungsvariante mixo b13.
Der Unterschied ist also nur die b9 auf einem Akkord mit b13.
Und man spart sich das üben von einer weiteren Skala, der mixo b13. Insofern mag das für viele eine gute Alternative sein, am Gesamtsound ändert es recht wenig.
 

Hallo MF - Piano,
Bei der Wahl der Chordscales für die Sekundärdominanten versucht man zunächst so weit wie möglich diatonisch zu bleiben.
Bei V7/II heißt das, MM5 ist die erste Wahl. HM5 kommt allerdings ebenso in Betracht, da Dominanten die sich nach Moll auflösen naturgemäß eine Tonleiter mit b9 und b13 nehmen.
Also bei V7/II immer beide Tonleitern aufführen.

PS
Bei V7/III kommt noch hinzu, dass bei dieser Sek. Dom. auch die Quinte alteriert werden muss, da dieser Dominanttyp in seiner Ursprungsform immer mit reiner Quinte auftritt.
D.h. Deine Regel 3 müsste geändert werden. Da eine Dominante IMMER eine große Terz und kleine Septime enthält, muss Deine Regel 3 sich nur auf die Notwendigkeit einer reinen Quinter beziehen.
 
  • Ersteller
  • #5
Das ist ein super Hinweis.
 
Zuletzt bearbeitet:
Allerdings gibt es die ‘ein tonartfremder Ton’ - Regel, um die Zwischendominanten von der eigentlichen Dominante zu unterscheiden.
Aber warum machst Du das so kompliziert? Zwischendominanten sind doch einfach alle V7 Akkorde mit diatonischem Grundton, die nicht auf V stehen. Oder liege ich da falsch?
 
  • Ersteller
  • #7
Absolutely!
 
Zuletzt bearbeitet:
... einfach alle V7 Akkorde mit diatonischem Grundton, die nicht auf V stehen ...
Dazu habe ich eine Frage:
Ist mit "diatonisch" gemeint, dass der Grundton der Zwischendominante zum Tonvorrat der zugrunde liegenden Tonleiter/Tonart gehören soll?
Ist gemeint, dass dieser Grundton auch erklingen soll, oder es auch nur der "gedachte", bzw. zugehörige Grundton sein soll?

Der Zwischen-Dominantakkord kann ja auch verkürzt sein, oder als Dv (v hochgestellt im Funktions-Symbol) erscheinen).
Verkürzt wären es bei dem A7 im Beispiel oben nur die Töne C#-E-G, als Dv die Töne C#-E-G-Bb. Der eigentliche Akkord-Grundton A erklingt bei beiden nicht.

Und in einem Satz in C-Dur kann es auch Zwischendominanten geben, deren Grundton nicht aus dem diatonischen Tonvorrat der Grundtonart stammt.
In der Romantik wäre z.B. eine tonartlich ausweichende Kadenz (die keine Modulation ist, weil nur kurz angespielt) wie folgt machbar: C - Fm - Eb7 - Ab
Eb7 als Zwischendominante nach Ab kann mit seinem Grundton Eb zwar nach C-Moll verortet werden, ist aber in C-Dur nicht diatonisch. (Ab wäre in C-Dur in Kontext der Funktionstheorie der Moll-Tonika-Gegenklang "tG").

Diese Fälle kann ich in den oben genannten Definitionen nicht wiederfinden, möglicherweise verstehe ich sie aber auch falsch.
 
@LoboMix

Du kennst Dich da besser aus als ich. Sekundärdominanten habe ich so verstanden, dass der Grundton in der Tonart-Tonleiter liegen muss. Möglich, dass das nicht stimmt. Akkord-Grundton muss aber nicht gespielt werden.

Was würdest Du für Dein Beispiel als Skala für Eb7 verwenden? MM5? oder eher Mixo?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #10
Dazu habe ich eine Frage:
Ist mit "diatonisch" gemeint, dass der Grundton der Zwischendominante zum Tonvorrat der zugrunde liegenden Tonleiter/Tonart gehören soll?
Ja
Ist gemeint, dass dieser Grundton auch erklingen soll, oder es auch nur der "gedachte", bzw. zugehörige Grundton sein soll?
Kommt drauf an.
Der Zwischen-Dominantakkord kann ja auch verkürzt sein, oder als Dv (v hochgestellt im Funktions-Symbol) erscheinen).
Verkürzt wären es bei dem A7 im Beispiel oben nur die Töne C#-E-G, als Dv die Töne C#-E-G-Bb. Der eigentliche Akkord-Grundton A erklingt bei beiden nicht.
Bei den verkürzten Zwischendominanten die sich nach Moll auflösen gilt Folgendes:
Dabei handelt es sich um o7 Akkorde die sich halbtonweise nach oben auflösen. Diese haben ebenso Dominantfunktion. Ihre Chordscale unterliegt ähnlichen Regeln wie die der Sekundärdominanten
Ihre Chordscale muss die Akkordtöne 1 b3 b5 und bb7 enthalten. Der Rest bleibt diatonisch zur Grundtonart.
In C Dur wären das:
A7 --> C#o7 --> c# d e f g bb (HM7)
B7 --> D#o7 --> d# e f# g a b c (HM7)
E7 --> G#o7 --> g# a b c d e f (HM7)

Bei den beiden Sek.Dom. die sich nach Dur auflösen wäre der verkürzte Dv ein m7(b5) Akkord. Dieser würde gleich behandelt werden wie Sek. Dom..oben
Nimmt man allerdings an seiner Stelle einen o7 Akkord wäre das -->
C7 --> Eo7 --> e f g a bb c db (?)
D7 --> F#o7 --> f# g a b c d eb (HM2)


Und in einem Satz in C-Dur kann es auch Zwischendominanten geben, deren Grundton nicht aus dem diatonischen Tonvorrat der Grundtonart stammt.
In der Romantik wäre z.B. eine tonartlich ausweichende Kadenz (die keine Modulation ist, weil nur kurz angespielt) wie folgt machbar: C - Fm - Eb7 - Ab
Eb7 als Zwischendominante nach Ab kann mit seinem Grundton Eb zwar nach C-Moll verortet werden, ist aber in C-Dur nicht diatonisch. (Ab wäre in C-Dur in Kontext der Funktionstheorie der Moll-Tonika-Gegenklang "tG").

Diese Fälle kann ich in den oben genannten Definitionen nicht wiederfinden, möglicherweise verstehe ich sie aber auch falsch.
Diese Fälle würde in einem Kapitel Modaler Austausch auftauchen, da es eine implizierte Modulation ist. Oben werden nur Sek. Dom. in Dur behandelt.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Ersteller
  • #11
Dem ist nichts hinzuzufügen
 
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