Ausgeschlagene oder falsche Bohrlöcher in Holz reparieren.

Uli
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Fast jeden Tag erscheint ein Thread, in dem ein Gurtpin nicht mehr festgezogen werden kann, ein Stringtree ausreißt oder irgend ein anderes Holzgewinde etweder falsch oder ausgenudelt ist und eine Lösung gesucht wird, um die Schraube wieder fest zu bekommen.

Gleich zu Anfang sei gesagt, daß ich persönlich kein Fan der vielzitierten Streichholzmethode bin, auch wenn die sogar von Leuten propagiert wird, die es eigentlich besser wissen müßten. Wenn es um kleine Schrauben, wie z.B. bei Pickguards geht, habe ich in einigen anderen Threads schonmal gezeigt, wie so etwas mit Hartholz-Stäbchen zu heilen ist. (z.B. hier)

Sind die Schrauben(löcher) allerdings größer und müssen z.B. nur verschlossen werden, weil vielleicht nach einem Wechsel des Halses die alten Löcher nicht mehr passen, ist mit Zahnstochern oder Schaschlikstäbchen eh nichts mehr zu machen. Ein solcher Fall wird hier kurz beschrieben:

Wechsel eines Gitarrenhalses und Versetzen der Schraubenlöcher.

Zunächst müssen wie gesagt die unpassenden Löcher vernünftig verschlossen werden. Vernünftig heißt in dem Zusammenhang mit einer Holzart ähnlicher Härte wie der Ahornhals selbst in einer möglichst vollflächigen Verklebung mit einem geeigneten Holzleim. Benötigt wird ein Bohrer, der gerade nicht mehr in das vorhandene Bohrloch paßt und ein Hartholzstab mit genau dem gleichen Durchmesser dieses Bohrers.

In der Praxis ist die Vorgehensweise oft umgekehrt: Ich gehe in den Baumarkt und schaue, welche Durchmesser es dort bei den Hartholz- bzw Dübelstäben gibt. Oft ist das kleinste verwendbare Maß 6mm, ich habe aber Glück und finde einen 5er Stab, der für mein Vorhaben ausreicht, da auch er schon dicker ist, als die vorhandenen falschen Bohrlöcher. Weiterhin benutze ich noch einen dünneren Bohrer als 'Tiefensonde'.

stuff.jpg


Die Löcher haben durch die Schrauben auch die Gewindeform angenommen, weshalb darin kein Holzstab richtigen Halt finden kann. Das Loch muß daher zylindrisch ausgebohrt werden und mit einem Holzstab gleicher Form verschlossen werden. Um die Tiefe des vorhandenen Lochs zu testen, nimmt man den dünnen Bohrer und steckt ihn umgekehrt in das alte Loch.

depht_invest.jpg


Da er dünner ist, sollte er bis an die Spitze der Bohrung durchrutschen und wenn man ihn bei der Entnahme am Rand des Lochs erfaßt, hat man genau die Tiefe des Lochs ermittelt.

depht_invest2.jpg


Für die Aufbohrung ist es wichtig, daß tief genug, aber auf keinen Fall zu tief gebohrt wird, hier hieße das nämlich, daß der Bohrer am Griffbrett austritt. Wer eine Bohrmaschine mit Tiefenanschlag hat, stellt diesen auf die gemessene Tiefe ein. Einfacher ist die Verwendung eines Holz-Spiralbohrers mit Stellring, der auf dem Bohrer in der passenden Höhe festgeschraubt wird. Wer es sich zutraut, kann auch die poor-mans-version nehmen und diese Stelle am Bohrer markieren. Da ist dann halt die Fähigkeit gefragt, rechtzeitig die Bohrung zu beenden, bevor sich der Bohrer selbst zu weit in das schon vorhandene Loch zieht.

drill.jpg


Von der ermittelten Länge werden jetzt passende Stücke vom Holzstab gesägt und hinterher etwas mit Schleifpapier entgratet.

sticks.jpg


Jetzt gibt es die erste Anprobe. Wenn die Dübel so stramm passen wie sie sollen, darf man sie jetzt allerdings nicht probehalber zu tief versenken, sonst sind sie möglicherweise nicht mehr rauszubekommen.

anprobe.jpg


Wenn Bohrtiefe uns Sitz stimmen, wird die jeweils untere Hälfte dünn mit Leim bestrichen (die obere Hälfte bekommt beim Einschlagen genug Leim durch das Überquellen ab) und ans untere Ende des Dübels kommt ein Leimtropfen. Obwohl ich im Zusammenhang mit Musikinstrumenten normalerweise kein Freund von Baumarkt-Bastelleimen wie Ponal etc bin (schon garnicht, wenn 'Express' etc dahinter steht), kann man bei dieser einfachen Aufgabe sowas schonmal nehmen. Ein Profileim wie Titebond wäre da sicher etwas überqualifiziert, wenn man ihn nicht ohnehin da hat.

glue.jpg
 
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Ist die Klebung ausgehärtet, was je nach Leim einen Tag dauern kann, wird der Halsfuß etwas mit Schleifpapier von Leimresten gereinigt und die neuen Schraubenlöcher können angefertigt werden.

Ich nehme zu diesem Zweck eine Reißnadel, die ziemlich genau ohne nennenswertes Spiel in die Bohrlöcher der Halstasche paßt.

reissnadel.jpg


Wichtig ist, daß zu diesem Zeitpunkt der neue Hals exakt an der Stelle sitzt, an der er später befestigt werden soll, schnell ist er da nämlich ein paar Millimeter verrutscht! Ist alles genau justiert, gibt es einen kleinen Hammerschlag auf die Nadel. Ersatzweise geht auch ein dicker Nagel, der so wenig Spiel wie möglich in der Bohrung hat und dessen Spitze genau zentrisch ist.

knock.jpg


Wenn jetzt der Hals wieder abgenommen wird, kann man die Körnungen der neu zu bohrenden Löcher deutlich sehen. Im beschriebenen Fall sind die neuen Bohrungen sogar so weit von den alten weg, daß man sich das Verschließen fast hätte ersparen können, da das Einbrechen in den alten Bohrkanal bei diesem großen Abstand eher nicht zu erwarten gewesen wäre. Entscheidend ist allerdings, daß bei dieser Methode auch eine Schraube mit gleicher Haltekraft genau im Dübel oder dessen Randzone hätte sitzen können, weshalb sich das Verfahren auch für besagte Gurtpins etc eignet!

new holes.jpg


Wer für das Vorbohren der neuen Schraubenlöcher keinen konischen Bohrer zur Hand hat, bohrt zweckmäßigerweise mit einem kleineren Bohrer (ca 2mm) vor und danach etwa zwei Drittel des Bohrloches mit dem eigentlichen Vorbohrer. Dessen richtige Stärke ermittelt sich aus dem Gewinde der verwendeten Schrauben und zwar ist dafür der Durchmesser der Gewindetäler entscheidend, in der Grafik mir "d3" bezeichnet. Auch dabei wieder die Bohrtiefe beachten!

MuBo_Gewinde_Kenndaten.jpg
 
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