[Bass] - Human Base X-Over 5-Saiter

von fourtwelve, 14.06.08.

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  1. fourtwelve

    fourtwelve Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 14.06.08   #1
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    Geschichte

    Nach einigen Jahren kompletter Abstinenz von Fünfsaitern hat mich in den vergangenen Monaten zunehmend der Wunsch nach einer tiefen H-Saite umgetrieben. Im richtigen Umfeld kann ein strategisch geschickt eingestreutes tiefes D oder C doch sehr bereichernd sein.
    Das Ende dieses Entscheidungsprozesses war, dass ich meinen Human Base X-Over Viersaiter verkauft und mir den entsprechenden Fünfsaiter zugelegt habe. Da ich vom Klang und der Handhabung des Viersaiters schon voll überzeugt war, lag nichts näher, als wieder einen X-Over zu kaufen, nur eben mit einer Saite mehr. Der X-Over taucht in der aktuellen Preisliste von Human Base nicht mehr auf. Glücklicherweise hatte Musik Schmidt in Frankfurt einen vorrätig.


    Konstruktion

    Bewährte Materialien von höchster Güte sind bei Siggi Jäger auch im unteren Preisbereich der Produktpalette eine Selbstverständlichkeit. Beim X-Over (KP bei Schmidt: 1250.- Euro) bedeutet das konkret:

    - Korpus: Sumpfesche, zweiteilig
    - Hals: Vogelaugenahorn
    - Griffbrett: Ebenholz
    - Sattel: Ebenholz
    - 24 Jumbobünde plus Nullbund
    - Mechaniken: Gotoh
    - Steg: ETS
    - Tonabnehmer: Delano "MM"-Style Doppelspuler
    - Elektronik: Human Base 2-Band 18 Volt, passiv schaltbar
    - 3-Weg-Schalter für Tonabnehmer: parallel, singlecoil, seriell

    Die Sparmaßnahmen gegenüber den absoluten Edelteilen beschränken sich auf den geschraubten Hals, den zweiteiligen Korpus ohne aufgeleimte Decke und die einschichtig mattschwarze Lackierung. Es wurde also am richtigen Ende gespart. Die Verarbeitung ist ansonsten bis ins kleinste Detail auf sehr hohem Niveau. Als Beispiel möchte ich hier die leicht in der Kopfplatte versenkten Mechaniken, den Ebenholzsattel und den verstärkten Hals-Kopfplatten-Übergang erwähnen.
    Beim Tonabnehmer handelt es sich um einen Doppelspuler in typischer "Music Man"-Bauweise. Genau genommen sind aber vier Spulen verbaut. Jeder der beiden Tonabnehmerspulen ist mit einer darunterliegenden Dummyspule zu einem Humbucker verschaltet. Dadurch ist der Tonabnehmer auch im Singlecoilbetrieb absolut frei von Störgeräuschen.

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    Handhabung/Ergonomie

    Die Korpuszargen sind großzügig verrundet und der Korpus ist auf der Rückseite für die Wampe geshaped, so dass sich der Bass im Stehen wie im Sitzen wunderbar an den Körper anschmiegt. Die kleine Kopfplatte und der schlanke Hals sorgen für eine gute Balance, von Kopflastigkeit keine Spur. Das Gesamtgewicht von ca. 4 kg ist für einen Fünfsaiter absolut okay.
    Der Hals ist - wie soll ich sagen? - "massentauglich" geshaped: schön rund, nicht zu flach, nicht zu fett. Auch ein Anfänger ist mit diesem Bass nicht überfordert. Der Saitenabstand am Sattel beträgt 9 mm. Am Steg sind es 19 mm, es bleibt also genug Platz, um ordentlich in die Saiten greifen zu können. Die Saitenauflagen sind seitlich verstellbar, so dass man die Saitenabstände dem persönlichen Geschmack anpassen kann.

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    Klang

    Vorweg muss ich erwähnen, dass ich die Werkssaiten durch einen Satz Elixir 45-130TW ausgetauscht habe. Die Klangbeschreibung bezieht sich also auf den Bass mit Elixir-Saiten! Auch die Soundfiles sind mit Elixirs eingespielt.

    Unverstärkt gespielt, offenbart der X-Over bereits sein großes Potenzial: superdirekte Ansprache, voller, sonorer Ton bis in die höchsten Lagen, lebendig und resonant. Die Optik des Basses legt zwar die Vermutung nahe, man habe es hier mit einem Rocker zu tun, der geschlagen werden will, damit er ordentlich klingt. Das ist aber beileibe nicht der fall. Man muss nicht viel Arbeiten, um den Bass zum Klingen zu bringen. Bereits bei sanftem Anschlag ist der Sound "voll da".
    Am Verstärker offenbart der X-Over einen sehr definierten, mittenstarken Ton, wodurch der Bass in der Band in jeder Situation gut hörbar ist. Die Bässe sind eher schlank. Es mumpft oder wummert nichts. Das ist auch gut so, denn sonst wäre es bei einer Anhebung der Bässe mittels EQ schnell zu viel des Guten. Stattdessen lässt sich mit dem Bassregler allgemein das Fundament anfetten, was sich auch in hohen Lagen im Klang bemerkbar macht. Mit dem Höhenregler des Doppelstockpotis kann man dem Klang einen schönen Silberglanz hinzufügen. Eine Anhebung der Höhen ist aber m.M.n. bestenfalls im seriellen Betrieb des Tonabnehmers nötig, der prinzipbedingt den geringsten Höhenanteil aufweist. Auf dem Negativweg des Höhenreglers kann man nach Geschmack und Bedarf allzu vorwitzige Anschlagsklicks und Greifgeräusche dämfen. Dabei ist der Klang selbst bei kompletter Absenkung der Höhen nicht "tot". Für die Abstimmung des EQs gibt es nochmal ein Extralob an Siggi!
    Der EQ lässt sich per Zugschalter am Volumenpoti abschalten. Bei abgeschaltetem EQ ist keine Klangregelung mehr möglich, der Spulenwahlschalter und das Volumenpoti bleiben aber in Funktion. Schaltet man in den Passivbetrieb um, fällt eine leicht andere Färbung des Klanges im Mittenbereich auf. Es klingt eine Spur rauer und holziger. Offenbar glättet der EQ im eingeschalteten Zustand den Mittenbereich ein bisschen.
    Durch die fantastische Offenheit des Klanges hört man bei diesem Bass deutlich die Unterschiede der Schaltungsvarianten des Humbuckers. Im Parallelbetrieb hat man den typischen MuMan-Ton mit dezentem Growl parat. Bei Reihenschaltung der Spulen steigt der Output deutlich an. Das Extrapfund Tiefmitten verleiht dem Klang ordentlich Druck, allerdings auf Kosten des Detailreichtums. Letzteren wiederum liefert der Tonabnehmer im Singlecoil-Modus um so schöner. Der Singlecoil-Klang ist sehr reich an Obertönen, und durch den brillianten Höhenanteil vermittelt der X-Over, bei entsprechender Spielweise, fast schon den Klangeindruck eines Akustikbasses.
    Ach ja, bevor ich's vergesse: die H-Saite. Sie ist ja bei Fünfsaitern oft das Killerkriterium. Beim X-Over fällt sie weder positiv noch negativ aus dem Rahmen, sondern fürgt sich perfekt ins Gesamtbild ein.

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    Soundbeispiele

    1) Tonabnehmerspulen parallel, Bässe und Höhen geboostet

    2) Singlecoil, Höhen leicht angehoben, Bässe neutral

    3) Tonabnehmerspulen in Reihe, Höhen ganz weggedreht, Bässe neutral


    Fazit

    Der Human Base X-Over ist gezielt auf angenehmes Handling und ermüdungsfreies Spiel hin konstruiert. Klanglich hat er weitaus mehr zu bieten, als die rockige Optik vermuten lässt. Er zeichnet sich vor allem durch die straffen Bässe und die hochsensible Ansprache aus und eignet sich hervorragend als Solo- wie auch als Begleitbass.
     
  2. Bass Boss

    Bass Boss Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 16.06.08   #2
    Toller Bass! Meinen Glückwunsch. Wenn mich nicht alles täuscht haben wir uns beim Markus Setzer Workshop gesehen (ich war der Typ mit den langen Wuschelhaaren und dem Jazzbass in grün). Siggi baut einfach tolle Bässe, und deine Soundfiles belegen den knackigen Ton, der sowohl Rock wie auch Soul und Jazz super abdeckt!
     
  3. Xytras

    Xytras Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 17.06.08   #3
    ich wollt mir den X-Over urspruenglich auch holen, bis mich Siggi darauf hingewiesen hat, dass ich mit dem BaseX.oc vermutlich fuer meinen Stil noch mehr wumms bekomme :) Deshalb hab ich mich damals fuer den .oc entschieden...
    Aber vllt. muss doch noch irgendwann ein X-Over dazukommen, wenn ich das Review so lese... ;)
     
  4. fourtwelve

    fourtwelve Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 17.06.08   #4
    ja, ich erinnere mich! :) der grüne eyb.
    du hast ja auch schon einige reviews zu human base bässen verfasst.

    da gebe ich dem siggi recht. der basex.oc hat halt den zweiten pickup in halsnähe, der nochmal ordentlich bumms rüberbringt. ich habe den basex.oc fünfsaiter bei siggi in der werkstatt schon mal angespielt. der x-over hat ein kräftigeres halsprofil, was mir persönlich mehr entgegen kommt. davon abgesehen fühlen sich die beiden modelle sehr ähnlich an.
    ein weiterer unteschied ist das griffbrett, das ja beim basex.oc aus palisander ist. dadurch klingt er eine spur runder und "gefälliger" als der superdirekte x-over mit seinem dicken ebenholzgriffbrett.
     
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