Bleib Stehn

xXCyXx
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Hallo Forum.
Nach nem sehr erholsamen Urlaub und viel Zeit zum nach und überdenken ist mein erster Songtext endlich fertig. Anfangs kamen mir meine Texte viel zu viel dahingeschwallt und um den heissen Brei herumgeredet rüber..
kennt ihr das auch, dass ihr das was ihr geschrieben habt schon beim 3. Lesen am liebsten wieder wegwerfen würdet?
Die Texte versuch ich meist so wenig Kitschig wie Möglich zu schreiben, wobei ich sie meistens versuche "auszutrocknen" wenn man das so sagen kann, um von "your love is like..." und derart Redewendungen wegzukommen.
..Nicht dass ich sowas schlecht finde ; )
Die Lyrics hab ich aus meinen, ich sag mal "Umständen" heraus entkonkretisiert, verschleiert, um das Gefühl dafür bissl offener dazulegen und mehr Spielraum für Interpretationen zu geben.

Bleib stehn:

Sie sind für uns
Warum ist doch egal
Es liegt an uns
Es gibt nur ein einziges Mal
Es liegt an mir
Hier und jetzt was gut zu machen
Warum jetzt wir?
Warum das Feuer entfachen?

Refrain:
Sieh zu mir, ich zu dir
Lass uns nicht unsicher sein.
Halt nicht an, denn ich bleib dran
Fängst mich auf und lässt mich allein.
Wir haben uns Zeit genommen.
Und ich bleib stehn - Um weiterzukommen

Es liegt an dir
Jetzt auch mal was zu sagen
Denn jetzt und hier
Gibts tausend Fragen
Ists meine Schuld?
Alles zu entzauben
Bitte hab Geduld
Wir lernen uns zu verzauben

Refrain:
Sieh zu mir, ich zu dir
Lass uns nicht unsicher sein.
Halt nicht an, denn ich bleib dran
Fängst mich auf und lässt mich allein.
Wir haben uns Zeit genommen.
Und ich bleib stehn - Um weiterzukommen

Bitte hab Geduld
Wir lernen uns zu verzaubern
Bitte hab Geduld
Das Wir ist unsre Schuld.
 
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Lieber xXCyXx ,

Deinen einleitenden Text fand ich sehr interessant. Mit seiner Hilfe ahne ich, warum ich mit dem nachfolgenden Text noch (!) recht wenig anfangen kann.

Zunächst zum Text. Grün steht für Zustimmung. Rot für Unklarheit meinerseits. Überflieg es mal. Wichtiger sind mir die anschließenden Gedanken.
Bleib stehn:

Sie sind für uns
Verstehe ich als"sie ergreifen für uns Partei"
Warum ist doch egal
Wenn es egal ist, warum erwähnst Du es
Es liegt an uns
An wem könnte "es" denn sonst liegen
Es gibt nur ein einziges Mal
Naja... Wiederholungen gibt es schon... langsam wird mir der Text zu allgemein. ICH finde keine Schlüssigkeit
Es liegt an mir
An wem könnte "es" denn sonst liegen
Hier und jetzt was gut zu machen
Mir zu allgemein
Warum jetzt wir?
Mir zu allgemein
Warum das Feuer entfachen?
Mir zu allgemein... zumal Feuer entfachen auch viele Deutungen zuläßt
Ich will auch zugeben, dass ich hier schon die Lust am Text verloren habe


Refrain:
Sieh zu mir, ich zu dir
"Sieh" ist eine Aufforderung - Wenn Du Dich aufforderst müsste das heißen: sieh zu ihr (ihm)
Lass uns nicht unsicher sein.
Halt nicht an, denn ich bleib dran
Fängst mich auf und lässt mich allein.
Klingt interessant - so nach Feuerwehr mit Sprungtuch, Rettungsdienst
Wir haben uns Zeit genommen.
Ist mir zu allgemein
Und ich bleib stehn - Um weiterzukommen
Eine interessante Formulierung! Hat das Zeug zu einer Hookline

Es liegt an dir
Jetzt auch mal was zu sagen
Denn jetzt und hier
Gibts tausend Fragen
Uff... endlich verstehe ich mal was - ist mir aber wiederum zu allgemein
Ists meine Schuld?
Alles zu entzauben
Meinst Du: Dein gegenüber verliert seinen Zauber?Dann ist das schon deine "Schuld" ..."Entzaubern" heißt ja, dass sich eigene Erwartungen auf Zauber (Märchen) nicht erfüllen.
Oder reagiert deine Frage auf den imaginären Vorwurf, Du würdest alles entzaubern?
DAS fände ich unsympathisch, denn es würde dann meinen, dein Gegenüber wäre tatsächlich reizlos
Bitte hab Geduld
Wir lernen uns zu verzauben
Interessante Zeile - wobei ICH mich allerdings frage, warum ich meine Freundin entzaubern sollte?

Refrain:
Sieh zu mir, ich zu dir
Lass uns nicht unsicher sein.
Halt nicht an, denn ich bleib dran
Fängst mich auf und lässt mich allein.
Wir haben uns Zeit genommen.
Und ich bleib stehn - Um weiterzukommen

Bitte hab Geduld
Wir lernen uns zu verzaubern
Bitte hab Geduld

Mir sagt der Text in dieser Form also wenig.

xXCyXx schrieb:
Anfangs kamen mir meine Texte viel zu viel dahingeschwallt und um den heissen Brei herumgeredet rüber..
Das kenne ich. Um den "heiße Brei reden" meint aber: das KONKRETE, welches ZU allgemein umschrieben wird. Sorry: Genau dieser Gefahr erliegst Du HIER beim Texten.
xXCyXx schrieb:
kennt ihr das auch, dass ihr das was ihr geschrieben habt schon beim 3. Lesen am liebsten wieder wegwerfen würdet?
Kann ich so allgemein nicht bestätigen. Wenn ich Texte verwerfe, dann hat das unterschiedliche Gründe.
- Manchmal sind sie mir dann zu allgemein.
- Noch häufiger sind sie mir zu konkret. Das kommt daher: Ich entdecke irgendwann beim Schreiben meine Absicht und komme - wenn ich allzu sehr ins Detail gehe - CHRONOLOGISCH nicht vom Fleck. Dann baue ich meisten Gedankensprünge im zeitlichen Ablauf ein. Oder ich denke über "in medias res" nach, also über den richtigen Zeitpunkt, an dem meine Geschichte beginnen sollte.
- meistens verwerfe ich, wenn ich bemerke, das mein Text zuviel will! Wenn ich ahne, dass sich mehrere Anliegen im Text verstecken. Wenn der Text deshalb für Fremde verworren klingen muss. Ein problem, welches ich auch in Deinem Text ahne.

Und: Ich hab ne Menge eigener spontaner Texte, die gefallen mir (fast) ohne Einschränkungen noch nach Jahren

xXCyXx schrieb:
Die Texte versuch ich meist so wenig Kitschig wie Möglich zu schreiben, wobei ich sie meistens versuche "auszutrocknen" wenn man das so sagen kann, um von "your love is like..." und derart Redewendungen wegzukommen.
Was bedeutet Kitsch? -
Auszug aus Wikipedia schrieb:
  • Im Gegensatz zum Kunstwerk, das Spielraum für Interpretation zulässt (Interpretation sogar fordert), ist Kitsch nicht auslegbar.
  • Stereotypen und Klischees: Kitsch wiederholt, was dem Betrachter bereits geläufig ist. Vom Kunstwerk wird Originalität erwartet (Innovationszwang der Kunst).
  • Leichte Reproduzierbarkeit (Massenware)
Wenig Spielräume bieten natürlich Formulierungen wie: Ich liebe Dich, Du bist schön usw. Aber deshalb muss man sie nicht vermeiden. Vielmehr sollte man diesen bekannten (und für den Partner lebenswichtigen *schmunzel*) Formulierungen überraschende Sichten hinzufügen, um den Klischee zu entkommen.

Und ich finde, allgemeine Aussagen sind Massenware. Die Kunst besteht darin, eine interessante Balance zwischen Detail und allgemeiner Aussage herzustellen. Deshalb gilt eine gute Metapher ja auch als kleines Kunstwerk.

"Austrocknen" würde ICH das keinesfalls nennen. Brecht schrieb mal sinngemäß: Je mehr Leidenschaft das Thema im Autoren weckt, umso kühler sollte sein Tonfall sein. Kommt DAS deinem "Austrocknen" näher?
xXCyXx schrieb:
Die Lyrics hab ich aus meinen, ich sag mal "Umständen" heraus entkonkretisiert, verschleiert, um das Gefühl dafür bissl offener dazulegen und mehr Spielraum für Interpretationen zu geben.

Für mich ist das Gegenteil von "konkret" unkonkret, noch besser "allgemein".

Wie gesagt, das Konkrete hält oft auf - dramaturgisch gesehen. Ist aber gleichzeitig wichtig - kognitiv gesehen.
Das Allgemeine törnt ab - wenn es nicht sichtbar ist, welche Details verallgemeinert werden sollen.
Du scheinst Paradoxien zu mögen. Aber wenn ein Paradoxon weder Fakt A noch Fakt B benennt, dann kann auch kein schlüssiger Widerspruch für den Leser entstehen.

Verschleiern: Mag ich ebenfalls. Aber im Sinne von: meine Absicht verschleiern. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Ich bevorzuge die Ironie. Also etwas zu sagen, was ich SO gar nicht meine. Allerdings riskiert die Ironie Missverständnisse
um das Gefühl dafür bissl offener dazulegen

Ein Gefühl offen zu legen, in dem man es verschleiert? Klingt hübsch - aber in diesem Falle eher etwas unüberlegt. Ich glaube Du meinst ANDEUTEN... den Abdruck eines Slips bei der schönen Frau, die vor mir läuft. Dieser Abdruck ist so konkret, wie der sexy Po. den ich dahinter vermute. - Allgemein hingegen wäre: Die Frau vor mir ist sexy. Von dieser Aussage verspreche ich mir beim Leser keine Aufmerksamkeit.

Deshalb finde ich: Du schreibst noch zu allgemein!

Ich hoffe, wir kommen ins Gespräch.

Lg
 
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Erstmal danke für den post, aber bevor ich mir den durchlese erwähn ich lieber noch, dass ich ne rot-grün schwäche hab, ist jetzt nicht ganz leicht da was zu erkennen :nix:
 
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Wow, Geschichten schreibt das Leben...;)

Gut, dass mit den Farben ist nicht so wichtig. Sollte Dir nur helfen, kritische und zustimmende Reaktionen auf einen Blick erfassen zu können. In der Sache ändert das nichts. - Wichtiger sind mir sowieso die anschließenden Tipps und Gedanken.

Lg
 
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Ich seh es im Rahmen eines Poptextes nicht ganz so kritisch wie Jongleur, stimme ihm in der Tendenz aber zu. Etwas zu schwammig das Ganze. "Du und Ich" leg ich spontan als gefährdete Beziehungskiste aus, aber dann ist mir immer noch unklar, wer "sie" sind, was "sie" wollen und worin der Konflikt eigentlich besteht. Hat er sie betrogen? Ist er arm und ihre Familie reich? Hat sie Depressionen? Oder lieg ich völlig daneben?

Alex
 

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