Brennender Boden

  • Ersteller Captain Knaggs
  • Erstellt am
Der Text verhungert mMn zwischen Links und Rechts. Bietet aber auch der Mitte keine Heimat. Er bietet mMn niemandem eine geistige Heimat.

Und genau da ist das Problem und genau da ist auch der Hintergrund des Textes. Weder Mitte, noch Links, noch Rechts können die Situation bewältigen, sondern nur alle zusammen. Ich habe mich deswegen explizit einer politischen Position enthalten, da genau diese eben das Problem nicht löst, sondern in Schubladen oder Richtungen verschiebt, die die jeweilig andere Seite verschrecken.

Der Text ist weder als Ode an die Lyrik, noch als Quantensprung der Popularmusik zu verstehen. Er spiegelt einfach nur meine Beobachtung wider. Provokation oder Eskalation war nie das Ziel des Textes. Auch soll er niemandem eine geistige Heimat bieten, denn er ist keine Propaganda.

AFD, Gutmenschen, Rechte, Linke, Mitte, was auch immer für Schubladen bemüht werden, in keiner wird eine Lösung stecken und genau darauf wollte ich hinaus. Wir verurteilen, beschimpfen und bekämpfen die jeweils andere Seite, ohne der Lösung des Problems näher zu kommen. Meiner Meinung nach kann nicht die Politik dieses Problem lösen, nur Deutschland im Ganzen. Alles sollten am gleichen Strang ziehen, am besten noch in die gleiche Richtung:)

Wie dem auch sei, jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung und ich respektiere eure und schätze diese auch sehr.

Gruß,

Thorsten
 
Gut Captain Knaggs, da sind wir wieder am Anfang und deine Worte des Dankes für interessante Anregungen verkommen, sorry, zur Floskel.

cu
 
@Jongleur So richtig nachvollziehen kann ich Deinen letzten Post nicht. Du scheinst meine Sicht nicht zu verstehen und auch nicht weshalb ich gerade nicht mit meiner politischen Position polarisieren möchte.

Mein Dank war ernst gemeinst, aber das heißt nicht, daß ich jede Anregung und jede Meinung auch akzeptieren muss. Ich respektiere sie jedoch und insofern ist es keine Floskel, sondern ernst gemeint.
 
Aber obwohl oder grad weil du dich weigerst, Kunstdefinitionen zu formulieren, steckst du voll von ihnen. Nur wer seine eigenen Maßstäbe setzt, unterdrückt fremde.

Meine Kunstdefinition zu formulieren ist mir nicht wichtig. Wichtig ist mir mein eigener Anspruch an meine Kunst. Und der sieht ähnlich aus wie bei dir.

Was nützt es dir, Zielgruppen zu beachten? Ich hab noch keinen Produzenten erlebt, der mir eine Zielgruppe für einen Text beschreiben konnte.

Wenn man eine z.B.: eine bestimmte Gruppe von Menschen provozieren oder wachrütteln möchte, wählt man die Worte so, um die entprechende Wirkung zu entfalten. Man kann sich selbst als Maßstab für die Reaktion annehmen, so wie du das tust und wie das wahrscheinlich die Meisten machen. Man kann aber auch darauf spekulieren, dass bestimmte Aussagen eine Reaktion auslösen. Die Zeilgruppenbeachtung findet eher unterbewusst statt. Du selbst bist ja praktisch auch eine Zeilgruppe. Obwohl ich davon ausgehe, dass du nicht nur für dich selbst schreibst, sondern dich selbst als einen Vertreter einer Zielgruppe wahrnimmst.

Sie orientieren sich an den aktuellen Verkaufszahlen und akzeptieren nicht den Einwand, dass die aktuellen Hits beim Erscheinen des eigenen Tonträgers garantiert die Zeitung von gestern sein werden.

Die Zielgruppe ist zwar ein Marketingbegriff, heißt aber nicht, dass maximale Verkaufszahlen im Vordergrund stehen müssen.
Es kann auch einfach heißen, dass du eine Gruppe von Menschen erreichen willst. In deinem Fall, welche die dir ähneln.

Ich finde "brennender Boden" schlecht. Da bin ich sicher. Der Text verhungert mMn zwischen Links und Rechts. Bietet aber auch der Mitte keine Heimat. Er bietet mMn niemandem eine geistige Heimat. und was ich mit meine provokanten Anfängen bezwecke ist: Meine innere Heimat zu finden. Nicht die Fremde, in der ich mich wähne, sondern mein Zuhause, mein Ziel.

Mit dem Text geht es mir ähnlich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du scheinst meine Sicht nicht zu verstehen und auch nicht weshalb ich gerade nicht mit meiner politischen Position polarisieren möchte.

Die Sicht, keine Sicht zu haben, ist eben keine Sicht. Oder man macht diese (Aus)Sicht(s)losigkleit zum Thema. Hat das geklappt?

Ach quatsch. Da kann man lang diskutieren, wie man es hätte machen können. Ich denke, deine persönliche Sichtweise, dein durchaus nicht verwerfliches Anliegen ist den meisten klar. Die Frage ist wohl eher, ob sie im Songtext überhaupt rüberkommt und ob es (für den Hörer/Leser) in dieser Form einen Songtext "wert ist", um es etwas zickig zu formulieren.

Das heißt: Bei einem politischen Thema keine Position einnehmen zu wollen, ist okay, solange man es in feinen Worten tut. Die könnten dann für sich sprechen. Du willst aber weder eine politische Position einnnehmen, noch einen lyrisch fesselnden Text verfassen, noch einen Quantensprung in der Popularmsuik hüpfen. Du willst eigentlich gar nichts, außer die Beobachtung wiedergeben, dass auch diese Münze zwei Seiten hat und es nicht nur schwarz und weiß gibt. Das ist mir persönlich etwas zu wenig, da bekannt.

Aber du hast ja durchaus Menschen erreicht: Jed mochte den Text, deltablues und glombi auch. Insofern: Alles okay, wenn es für dich okay ist.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
Du willst eigentlich gar nichts, außer die Beobachtung wiedergeben, dass jede Münze zwei Seiten hat und es nicht nur schwarz und weiß gibt.

Die Rolle des unbeteiligten Beobachters fällt eigentlich besser dem Chronisten zu als dem Künstler. In der Chronik möchte ich eine möglichst neutrale Darstellung. In der Kunst will ich bewegt werden - und dies geschieht immer dann, wenn mich der Künstler an seinen Gedanken teilhaben lässt. Diese können durchaus ambivalent sein, aber sie sollten diese Ambivalenz dann auch gern durch eine Zerissenheit aufzeigen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Mit ging es in dem Text darum darzustellen weshalb es keine einfache "Schwarz-Weiß" Sicht für dieses Thema geben kann.

Ich glaube, hier liegt das Grundproblem für Deinen Text. Das erinnert mich an meine Schulzeit, wo im Deutschunterricht Aufsätze geschrieben werden mußten mit einer These und Gegenthese. Am Ende dann noch ein Fazit.

Dieses Vorgehen mag für Aufsätze oder generell wissenschaftliche Abhandlungen absolut notwendig sein, bei Songtexten passt das mMn überhaupt nicht.

In einem „politischen“ Songtext sollte ganz klar ein Bekenntnis zu erkennen sein, in Deinem Text also ein Eintreten für die in diesem Zusammenhang erkennbar Schwächeren. Das sind nun mal die Flüchtlinge. Natürlich sind das auch nur Menschen, genau wie alle anderen, machen Fehler usw. Aber das speziell im Songtext als Gegenthese zu erwähnen geht an der Sache vorbei, weil es ja auf alle Menschen zutrifft.
 
@n****t Ja, vielleicht hast Du da recht,hmm.

Ich glaube mein Problem ist auch, dass ich dabei meine politische Position auch nicht kenne. Irgendwie kann ich mich in dieser Problematik keiner Richtung zuordnen. Vielleicht fehlt deswegen auch vielen hier das klare Statement oder meine eigene Position.
Es wäre vielleicht sinnvoll gerade diese Ungewissheit oder Unsicherheit in den Vordergrund zu stellen.

Ich bin mir auch nicht einmal sicher, ob ich die Flüchtlinge als die "Schwächeren" sehe oder einstufe. Vielmehr bin ich an einem Punkt, an dem ich eben nicht mehr weiß was richtig oder falsch ist. Es ist einfach zu rufen Obergrenze, raus mit denen, es sind zu viele. Manchmal denke ich: ja, stimmt irgendwie...

Einen Moment später lese ich dann wieder ein Gutachten über einen den ich 5 Minuten vorher mit einer Obergrenze belegen wollte und würde am liebsten heulen.

Kurz danach bringt ein Flüchtling ein Mädchen um usw...

Der Refrain zielt auch nicht nur auf die Deutschen ab, sondern eben auch auf die Flüchtlinge, die mit Hass und Gewalt agieren.

Für mich macht das alles irgendwie Sinn, aber vermutlich erreiche ich damit nicht jeden, bzw. es ist nicht genug für jeden.

Ich sehe mich auch nicht als Richter des Ganzen, sondern als Beobachter, der nicht weiß wohin die Reise geht oder gehen soll, denn genau darin liegt ja mein Problem.



Das Statement von @antipasti in #45 finde ich sehr treffend

Du willst aber weder eine politische Position einnnehmen, noch einen lyrisch fesselnden Text verfassen, noch einen Quantensprung in der Popularmsuik hüpfen. Du willst eigentlich gar nichts, außer die Beobachtung wiedergeben, dass auch diese Münze zwei Seiten hat und es nicht nur schwarz und weiß gibt. Das ist mir persönlich etwas zu wenig, da bekannt.


Genau das wollte ich und das ist eben nicht für jeden genug, das hab ich jetzt auch verstanden:)


Also nochmals Danke für euer Feedback, ich werde vor meinem nächsten Text mal den Rat beherzigen zu bedenken was ich eigentlich will. Bei dem vorliegenden Text habe ich mir diese Frage erst gestellt nachdem ihr sie aufgeworfen hattet und ich musste mir dessen erstmal selbst bewusst werden.

Viele Grüße,

Thorsten
 
@n****t Ja, vielleicht hast Du da recht,hmm.

Ich glaube mein Problem ist auch, dass ich dabei meine politische Position auch nicht kenne. Irgendwie kann ich mich in dieser Problematik keiner Richtung zuordnen. Vielleicht fehlt deswegen auch vielen hier das klare Statement oder meine eigene Position.
Es wäre vielleicht sinnvoll gerade diese Ungewissheit oder Unsicherheit in den Vordergrund zu stellen.

Ich bin mir auch nicht einmal sicher, ob ich die Flüchtlinge als die "Schwächeren" sehe oder einstufe. Vielmehr bin ich an einem Punkt, an dem ich eben nicht mehr weiß was richtig oder falsch ist. Es ist einfach zu rufen Obergrenze, raus mit denen, es sind zu viele. Manchmal denke ich: ja, stimmt irgendwie...

Einen Moment später lese ich dann wieder ein Gutachten über einen den ich 5 Minuten vorher mit einer Obergrenze belegen wollte und würde am liebsten heulen.

Kurz danach bringt ein Flüchtling ein Mädchen um usw...

Der Refrain zielt auch nicht nur auf die Deutschen ab, sondern eben auch auf die Flüchtlinge, die mit Hass und Gewalt agieren.

Für mich macht das alles irgendwie Sinn, aber vermutlich erreiche ich damit nicht jeden, bzw. es ist nicht genug für jeden.

Ich sehe mich auch nicht als Richter des Ganzen, sondern als Beobachter, der nicht weiß wohin die Reise geht oder gehen soll, denn genau darin liegt ja mein Problem.

Ich denke, damit bist du in guter Gesellschaft, ich kenne einige Leute (vor allem, die die in Ausländerbehörden oder in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe arbeiten), denen es genauso geht. Aber gerade wenn man so hin und her gerissen ist und sich nicht "als Richter aufspielen" oder "falsch urteilen" will, bremst man sich selbst vielleicht auch emotional zu sehr aus. Ich denke manchmal, dass das vielleicht gerade einer der Hauptkritikpunkte an der vermeintlichen "politischen Korrektheit" ist: Dass man so lange nachdenkt und differenziert und dreht und wendet, das am Ende nur noch leblose Worthülsen herauskommen. Ich bin dafür auch anfällig. Es hat ziemlich viel mit der Angst zu tun, etwas falsch zu machen oder jemandem auf die Füße zu treten. Es ist einerseits einegeschätzte Eigenschaft, sich selbst zurücknehmen zu können, aber wenn man dann gar nicht mehr Farbe bekennen kann, dann rutscht es ab in die Feigheit und wird als Schwäche wahrgenommen. Schwierig ist das, und ein bisschen "typisch deutsch" auch, glaube ich.

LG

Nicole
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
In einem „politischen“ Songtext sollte ganz klar ein Bekenntnis zu erkennen sein, in Deinem Text also ein Eintreten für die in diesem Zusammenhang erkennbar Schwächeren.

Im allgemeinen trifft diese Einschätzung zu. Ich beschäftige mich gerne mit den Liedern der deutschen Demokraten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Bekenntnis ist bei solchen politischen Liedern immer deutlich: für die Pressefreiheit und gegen die Zensur; für die Einheit und gegen die Vielstaaterei; für die Arbeiter und gegen die Kapitalisten, etc. Manchmal verklauseliert, um die Zensur zu umgehen; manchmal ironisch, um Kritik an die Obrigkeit wie Lobhudelei erscheinen zu lassen.
Aber: wer sind "die in diesem Zusammenhang erkennbar Schwächeren?" Arabische Kinder in Schlauchbooten, oder deutsche Mädchen allein mit dem Fahrrad unterwegs?

Frage ist, ob der hier vorliegende Text politisch ist - oder nicht vielmehr die unpolitische Stellungnahme eines einfachen Bürgers, der die Problematik erkennt aber bei den politischen Parteien keine Lösung sieht. Er ruft die Politik auf, eine Lösung zu suchen, die sowohl die "Gutmenschen" als auch die "Vaterlandsverteidiger" befriedigt. Eine Lösung, die verhndert, dass Kinder an einem Fremden Strand verenden, oder dass junge Männer aus einer von keuscher Frauenkleidung geprägten Umgebung im Umgang mit modern gekleideten deutschen Frauen ausrasten.

Und in der Tat: viele deutsche Politiker - egal ob sie alle Flüchtlinge integrieren oder alle an der EU-Grenze abweisen wollen - verwenden die Formel: "Wir müssen die Ursachen der Flucht bekämpfen."

Was ich aus dem Text von @Captain Knaggs herauslese (oder vielleicht besser: in ihn hineinlese) ist die Aussage, dass nicht der deutsche Gutmensch sich schämen sollte, dass ein Kind tot am Strand liegt; nicht der Vaterlandsverteidiger meinen sollte, in Hab-Acht-Stellung an der Grenze stehen zu müssen.
Nein, die Verantwortung fur die Flüchtlingswelle - und alle daraus entstehenden persönlichen Schicksale seitens der Flüchtlinge und der aufnehmenden Bevölkerung - tragen die Obrigkeiten in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge fliehen.

Deutsche und europäische Politiker haben (leider) kein Befügnis, die politisch-gesellschaftlichen Zustände in anderen Ländern zu ändern. So gesehen bleibt ihnen nur die Möglichkeit, auf diese ungeheuerlichen Zustände, die sie nicht ändern können, zu reagieren. Ein Dilemma, das kein Kompromiss zulässt.

Cheers,
Jed
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Vielleicht fehlt deswegen auch vielen hier das klare Statement oder meine eigene Position.

Mir persönlich würde das nicht fehlen, wenn der Text trotzdem gut gemacht wäre. Aber auch das war ja nicht dein Anliegen.

Ich selbst bin auch kein "Man muss eine Meinung haben / muss eine Position beziehen"-Typ, daher kann ich deine Gedanken voll und ganz nachvollziehen. Aber jenseits davon sollte ein Text dem Hörer/Leser ja irgendwas bieten. Und sein es einfach nur gekonnt aneinander gereihte Worte.

Aber wie gesagt: Das ist ja nur meine Ansicht. Es gibt ja durchaus Leser, die den Text mögen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
antipast schrieb:
Ich selbst bin auch kein "Man muss eine Meinung haben / muss eine Position beziehen"-Typ.....

Ich auch nicht. - Deshalb beginne ich nicht selten mit 2 Texten: Einer Pro, einer Contra dem Thema, was mich beschäftigt. Der, der mir gelungener erscheint, erhält den Zuschlag. Für mich kein Zeichen von Charakterlosigkeit - sondern nichts weiter als eine innere Bestandsaufnahme. Manchmal lassen sich mit geringen Aufwand beide Sichten zu EINEM Text vereinen....

Allerdings bin ich prinzipiell ein Fan von Details. Meine gegensätzlichen Texte sammeln Details... und bauen nicht auf fremden Meinungen oder Gerüchte...
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber: wer sind "die in diesem Zusammenhang erkennbar Schwächeren?" Arabische Kinder in Schlauchbooten, oder deutsche Mädchen allein mit dem Fahrrad unterwegs?

Beide sind schwach, oder nicht? Insofern sehe ich Deine Frage eher als rhethorisch an. Allerdings gibt es bei den genannten Beispielen einen wichtigen Unterschied. Das Schicksal des Mädchens ist ein sehr beklagenswertes Einzelschicksal. Die auf Fremdenhass basierende Ablehnung eines Teils der Bevölkerung einer Vielzahl von Menschen gegenüber, die in großer Not zu uns gekommen sind, ist kein Einzelschicksal.
Ich finde die Art und Weise, diese Geschehnisse gegenüber zu stellen als These und Antithese trifft in keiner Weise den Kern der Problematik. Dieser liegt ganz klar darin, dass es diesen unsäglichen Fremdenhass gibt, nicht nur bei uns Deutschen. Ich bin neulich noch in Marokko als Tourist von einem Einheimischen angespuckt worden. Dazu sollte der Song Stellung beziehen.
 
Ich finde die Art und Weise, diese Geschehnisse gegenüber zu stellen als These und Antithese trifft in keiner Weise den Kern der Problematik. Dieser liegt ganz klar darin, dass es diesen unsäglichen Fremdenhass gibt, nicht nur bei uns Deutschen.

Hmm!
Für mich ist nicht Fremdenhass die Ursache des Problems, sondern die moralisch genauso verwerfliche Verachtung der Staatslenker - sagen wir ruhig: Tyrannen - für ihre Bevölkerungen. Wer sein Land so regiert, dass sich Scharen von Bürgern mit kleinen Kindern überladenen Schlauchbooten anvertrauen, bloß um wegzukommen - der ist das Problem! Sei es durch Korruption, die das Volksvermögen auschließlich unter der Führungselite verteilt; sei es durch das Unvermögen, Konfliktparteien im eigenen Land auf unblutiger Weise zu versöhnen.

Ich sehe in den Darstallungen der beiden persönlichen Schicksale im Text von @Captain Knaggs keine These/Antithese. Ich sehe da kein "oder" sondern ein "und." Das Leben fremder Kinder sollte geschützt werden; das ist eine humanitäre Pflicht. Und das Leben einheimischer Bürger sollte geschützt werden - das ist der Verfassungsmäßige Auftrag deutscher Regierungen. Dass sich eine deutsche Regierung in der Lage befindet, beides gewährleisten zu müssen, ist mMn schlicht und ergreifend unfair. Ein politisches Foulspiel. Die rote Karte müsste den Tyrannen gelten. Nach deren Platzverweis könnten wir das Spiel normal weiterführen: die Afrikaner wieder in ihrem Land, die Araber in ihrem und die Europäer in der Umgebung, die sie sich über die Jahrhunderte erarbeitet und auf sich zugeschnitten haben.

Fremdenhass? Bei diesem Szenario würden wir afrikanische und arabische Musiker, Schriftsteller, Sportler, Künstler und Wissenschaftler - wie früher - gerne bei uns zu Gast willkommen heißen!

Cheers,
Jed
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Ich habe einen neuen Thread mit ähnlicher Thematik eröffnet: Lampedusa.

Es geht um ein Lied aus etwas anderer Perspektive.

Cheers,
Jed
 
Nein, die Verantwortung fur die Flüchtlingswelle - und alle daraus entstehenden persönlichen Schicksale seitens der Flüchtlinge und der aufnehmenden Bevölkerung - tragen die Obrigkeiten in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge fliehen.

Deutsche und europäische Politiker haben (leider) kein Befügnis, die politisch-gesellschaftlichen Zustände in anderen Ländern zu ändern.
Das sehe ich anders - und das ist auch anders. (Mehr als pointierte Zuspitzungen sind hier allerdings nicht möglich - und mir ist klar, dass das insgesamt ein weites und differenziertes Bild ist.)

Deine These ist ja: die deutsche und europäische Politik kann sich nicht in die internen Angelegenheiten afrikanischer Länder einmischen und damit sind ihr die Hände gebunden. Das ist einerseits richtig.
Andererseits regiert Europa und Deutschland seit Jahrhunderten (Stichwort Kolonialismus) direkt in Afrika rein und hört damit nicht auf. Nur ein paar Punkte:
  • EU-subventionierte Lebensmittel sind ein wesentlicher Faktor dafür, dass sich kein Lebensmittelbinnenmarkt in Afrika entwickeln kann. Das ist bekannt - aber es wird nichts dagegen getan.
  • Die Entwicklungshilfe ist zum verlängerten Arm europäischer Wirtschaftsexporte verkommen. Es geht darum, die afrikanischen Länder den Marktinteressen zu öffnen und sich dabei Vorteile zu verschaffen.
  • Afrika ist ein Spielball geostrategischer Interessen sowie der Sicherung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten. Diktatoren und unterschiedliche Machtcliquen werden je nach europäischen Interessen aufgebaut oder bekämpft, Bürgerkriege befeuert, Länder stabilisiert oder destabilisiert.
  • Die Globalisierung geht von europäischen Konzernen und Ländern aus, Regulierungen der Konzerne müßten über Standards ebenfalls von hier aus gehen: Dass europäische Konzerne mit Schiffen unter Billigflagge etc. hier landen und liefern dürfen ist alleine das Versagen der hiesigen Politik - nur um ein Beispiel zu nennen.
  • Der Aufkauf und der Handel von Rohstoffen passiert an hiesigen Börsen - und die Regeln werden hier gemacht - bzw. die Regelfreiheit geht von hier aus. Stichwort: Wer hat die Macht am Weltmarkt? Stichwort: Nestle und der Aufkauf von Wasserreserven: Du wirst in den nächsten Jahren haufenweise das sehen, was sich gerade im kleinen in Vittel abspielt.
  • Ab wann entstand die Seepiraterie an einigen afrikanischen Küsten? Richtig: nachdem europäische, hocheffiziente Hochseefischerei deren Küstenregionen leergefischt hat, nachdem die vorher geschützten Seemeilenzonen verändert wurden und dadurch die dortigen Fischer kein Einkommen mehr hatten.
  • Wer mal beobachten will, wie Destabilisierung, Einflußnahme und Stellvertreterkriege funktionieren, kann bei Syrien, Israel und Iran (nach Irak) gerade live zuschauen.
  • Waffenexporte wären ja auch noch mal ein Thema (Wer Waffen und Krieg exportiert, wird Flüchtlinge ernten).
Statt Afrika kann man auch andere Länder und Kontinente nehmen, und neben Europa sind natürlich auch die USA sowie Russland und China etc. beteiligt.
Und mir ist klar, dass es viel zu schwarz-weiß wäre, den schwarzen Peter alleine nach hierhin zu schieben.
Und mir ist klar, dass auch hierzulande die international agierenden Konzerne mit Samthandschuhen angefaßt werden.

Und natürlich ist Europa mehr als Deutschland und ich weiß auch, dass man das nicht von heute auf morgen in den Griff bekommt.

Aber dieses - bewußt hier und jetzt überzeichnete - Bild: hier sind die deutschen Politiker, die leider, leider, leider gar nichts an dem Elend in der dritten Welt machen können und leider, leider, leider zuschauen müssen, wie diese verrückte Welt in der dritten Welt unter dem Einfluss ihrer korrupten Eliten vor die Wand gefahren wird und leider, leider, leider nicht nur davon profitieren, sondern ungeheuerlicherweise über die internationalen Migrationsbewegungen in ihrem täglichen Betriebsablauf gestört werden.

Jed - ich will Dir das so gar nicht unterstellen.
Ich kann es nur auch nicht so stehen lassen und habe Dein Zitat mal aus Ausgangspunkt für meine Gegenrede genommen.

DAS ist es letztlich - um noch mal den Bogen zum Text zu bekommen - was es für mich so schwierig macht: In einem songtext kann man der komplexen Lage überhaupt nicht gerecht werden. Das füllt Bände.

Was bleibt, ist der Mut zur Lücke - das wäre die eigene Position, die man streitbar in den Raum wirft.
Was bleibt, wären Fragen - das wird einer Situation gerecht, in der man nicht urteilen mag, aber nicht schweigen kann.
Was bleibt, wären Beobachtungen - aber man muss sich darüber im klaren sein, dass es ohne einen Beobachter keine Beobachtung gibt: Sich als Beobachter ins Spiel zu bringen, ist für mich zwingend. Man ist nicht neutral, man schwebt nicht über den Dingen: Jeder ist eine konkrete Person mit konkreter Perspektive, verortet in Raum und Zeit, Kultur und Geschichte, Geschlecht und Alter, Erfahrungen und Träumen: keine/r ist "man".
Was bleibt, wären Geschichten - bewußte narrative Teile eines Puzzles, einer Erzählung, die genau hinschaut, aber den einfachen Schluss vom kleinen auf das Große vermeidet.
Was bleibt, wäre Widerstand - und sei es der Widerstand gegen den Sog der Verzweiflung, gegen die Gleichgültigkeit, gegen das einfache Hinnehmen des Status Quo.

Die Intention des Textes, das Schwarz-Weiß-Denken aufzulösen, die mag ich glauben. Aber für mich reiht der Text drei kurze Schilderungen, die alle schwarz-weiß sind, aneinander. Das bringt keine Differenzierung, sondern die Verdreifachung von schwarz-weiß.

Was ich damit meine, ist beispielsweise: Der Mann, der eine Frau in einer deutschen Stadt niedergestochen hat, war Flüchtling. Das kann man wissen, das kann man beobachten. Aber welche Rolle spielt dabei der Aspekt des Geflüchtetseins? Schließlich stechen auch deutsche Männer bzw. Männer jeglicher Herkunft Frauen ab. Ich will das hier nur andeuten: Es ist eine Beobachtung - aber trifft sie etwas, was die Wirklichkeit herstellt? Oder ist es nur ein äußerliches, zufälliges Phänomen? Wenn bei soundsoviel Männern so und so viele dabei sind, die Frauen erstechen, ist es doch klar, dass da auch Flüchtlinge drunter sind - genauso wie Schachspieler, Bartträger, Musiker oder Sockenträger. Was ist hier Interpretation und was Beobachtung? Und wenn es Interpretation ist: warum wird es geschildert als sei es "reine" Beobachtung?

Genug geschrieben - das heißt: immer noch zu wenig und zugleich schon zu viel.

x-Riff
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Für mich ist nicht Fremdenhass die Ursache des Problems, sondern die moralisch genauso verwerfliche Verachtung der Staatslenker - sagen wir ruhig: Tyrannen - für ihre Bevölkerungen

Du hast damit einen weiteren wichtigen Aspekt ins Spiel gebracht. In dem Songtext ging es allerdings um den Umgang mit den Geflüchteten in unserem Land. Die Ursachen, warum die Menschen in große Not geraten sind und flüchten mussten sind sicherlich in Deinem Sinne begründbar. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass ein Teil der Bevölkerung hier diese Menschen ablehnt, weil sie anders sind, weil sie eine andere Kultur, eine andere Religion haben als wir Deutschen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie anders aussehen.

Ganz ähnlich war (und ist es leider teilweise jetzt wieder) mit den Juden. Auch sie haben andere Sitten, eine andere Religion, sind häufig in Berufen tätig, die mit Geldgeschäften zu tun haben. Daraus erwuchs dann der Antisemitismus, der eben auch eine spezielle Form des Fremdenhasses ist.
Aber sind die Juden z.b. selber schuld daran, dass sie abgelehnt werden, weil sie möglicherweise moralisch verwerfliche Geldgeschäfte betreiben? Nein, sind sie nicht. Ihnen wurde im Mittelalter, als sie zu uns kamen, weil ihr Land von Türken besetzt wurde, verwehrt, „normales“ Handwerk zu betreiben, der Zugang zu den damaligen handwerklichen Zünften wurde ihnen verboten. Allein das Geldverleihgeschäft blieb Ihnen offen. Sie hatten also gar keine andere Wahl, um überleben zu können.

Sind Moslems oder Juden schuld daran, eine andere Religion zu haben als wir Deutschen? Nein. Aber warum werden sie trotzdem abgelehnt? Für mich hat das sehr wohl mit Fremdenhass zu tun.
 
Für mich hat das sehr wohl mit Fremdenhass zu tun.

Ich glaube die Situation mit den Flüchtlingen ist da etwas anders. Es ist weniger Fremdenhass, als viel mehr Fremdenangst. Der viel zitierte Antisemitismus war/ist eine hassgetriebene Strömung gegen ein bestimmtes Volk/Glaubensrichtung.

Bei den Flüchtlingen hingegen spüre ich eher die Unsicherheit der Deutschen im Hintergrund. Wer sind die, was wollen die etc... Und auf dieser Welle läßt sich eben wunderschön reiten.

Dabei gibt es nicht einmal DEN Flüchtling. Wir sprechen hier von Syrien, Irak, Eritrea, Afghanistan etc... Meine letzten Unterrichte hielt ich vor Afghanen und anschließend Eritreern. Völlig unterschiedliche Gruppen, aber in unseren Köpfen einfach nur "Flüchtlinge".
 
Zuletzt bearbeitet:
@x-Riff

Ich stimme dir bei der Globalisierungsthematik voll und ganz zu. Wir sind alle Teil eines ungerechten Systems, das Benachteiligte ausnutzt und die Kluft zwischen arm und reich immer weiter aufreist. Wenn dieses System, welches Ursache für viele Konflikte in dieser Welt ist, durch die deutsche Politik begünstigt wird, kann man nicht mit den Schultern zucken, wenn die Probleme an der eigenen Haustür anklopfen.

Wobei ich noch hinzufügen muss, dass selbst das gerechteste System nicht funktioniert, wenn einzelne Individuen nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben. Und das wird leider wahrscheinlich immer der Fall sein.
Gegen das "System" zu wettern ist halt einfach.;) Das Problem ist wahrscheinlich die vorherrschende geistige Haltung und die ist in der Summe zur Zeit tendenziell egoistisch und auf Wachstum ausgelegt.

Es muss also ein neues Bewusstsein geschaffen werden. Deinen Kommentar finde ich deshlab top!
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich glaube die Situation mit den Flüchtlingen ist da etwas anders. Es ist weniger Fremdenhass, als viel mehr Fremdenangst. Der viel zitierte Antisemitismus war/ist eine hassgetriebene Strömung gegen ein bestimmtes Volk/Glaubensrichtung.

Bei den Flüchtlingen hingegen spüre ich eher die Unsicherheit der Deutschen im Hintergrund. Wer sind die, was wollen die etc... Und auf dieser Welle läßt sich eben wunderschön reiten.

Dabei gibt es nicht einmal DEN Flüchtling. Wir sprechen hier von Syrien, Irak, Eritrea, Afghanistan etc... Meine letzten Unterrichte hielt ich vor Afghanen und anschließend Eritreern. Völlig unterschiedliche Gruppen, aber in unseren Köpfen einfach nur "Flüchtlinge".

Ich hab den Thread jetzt ne Weile mitverfolgt. Ich würde über die Emotion an den Zuhörer gehen. z.B. das aus Angst Hass und Gewalt wird.

Viele meinen jegliche Angst im Leben zu verringern, wenn sie es mit Hass(Wort) und Gewalt(Tat) vereinnahmen bzw. angehen. Und nicht nur das, sie erdenken sich dann auch noch als Helden, welche der Gerechtigkeit genüge getan haben. Sie glauben ernsthaft damit etwas gutes und gerechtes gesagt/getan zu haben. Jeder, der Hass verbreitet und jeder, der Gewalt verübt, hat ganz hintergründig Angst. Angst kein Geld mehr zu haben, Angst nichts mehr sagen zu haben, Angst nicht mehr zu leben, oder auch Angst immer so weiter zu leben. Scheinbar unscheinbar und scheinbar unwichtig ... das gilt für beide "Seiten" das sie ein Bild suchen dem sie ihre Angst unterschieben können.

Du schreibst irgendwo im Thread das das kein tiefgründiger Text ist. Das Thema selbst empfinde ich aber als ein sehr tiefgründiges. Es ist nicht einmal begrenzt auf das Flüchtlingsthema.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben