Cello für Linkshänder Kinder

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LinkshandTochter
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Guten Abend in die Runde!
Unsere Tochter ist 6 Jahre alt, Linkshänderin und möchte gern Cello lernen! Ihre hoffentlich zukünftig Lehrerin empfiehlt ein Linkshänder Cello in 1/8 Größe damit wir sie erst gar nicht „umpolen“ müssen! Aber genau daran verzweifeln wir gerade- einfach nicht aufzutreiben in der Größe!
Hat jemand einen Tip? Gerne auch gebraucht! Haben die andere Linkshand- Cellisten hier im Forum auch als Kinder angefangen? Woher habt ihr eure Cellos? Sonderanfertigung und Umbau finde ich für die ersten Celloversuche ein wenig übertrieben!
Über hilfreiche Tips würde ich mich freuen!
 
Über hilfreiche Tips würde ich mich freuen!
Ich habe längere Zeit in einer Gruppe gespielt, in der eine "linkshändige" Cellistin ein für rechtshändiges Spielen ausgelegtes Instrument spielte - als sei sie Rechtshänderin. Nicht zuletzt auf Grund der Gespräche mit ihr - sie spielt außerdem Querflöte als Rechtshänderin - bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass das Wort "linkshändig" ganz unterschiedliche Sachverhalte bzw. "Dispositionen" bezeichnen kann und insofern in Bezug auf Musikinstrumente nicht viel aussagt.

Im Bereich der Gitarren - aus dem im MB bei Weitem die meisten user kommen - wird die Frage immer mal wieder aufgeworfen. Bei Interesse auch mal dort gucken, z.B. hier: https://www.musiker-board.de/threads/gitarre-lernen-als-linkshaender.286622
 
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Unsere Tochter ist 6 Jahre alt, Linkshänderin und möchte gern Cello lernen!

Dann gehe ich davon aus, dass Eure Tochter noch keinerlei Vorerfahrungen mit anderen Streich- oder Zupfinstrumenten hat.

Es gibt zu diesem Thema unterschiedliche Ansichten, aber man sollte sich klarmachen, dass beide Hände "gefordert" sind (im Gegensatz etwa zum Schreiben). Und beide Hände müssen völlig neue und ungewohnte und anspruchsvolle Bewegungsmuster/Tätigkeiten erlernen.

Später kommt noch hinzu, dass Eure Tochter eventuell in einem Orchester spielen wird (alleine macht's ja viel weniger Spaß) und dort sitzt man sehr beengt. In der Regel teilen sich sogar zwei Spieler ein Pult.
Und wenn dann einer mit seinem Bogen in "die falsche Richtung" streicht, kommt er leicht mit den anderen ins Gehege.
Zudem ist ein spezielles Linkshänder-Cello natürlich teurer, wie Du ja auch schon festgestellt hast.

Viele Kinder haben überdies auch Schwierigkeiten dabei, alles, was sie von ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin gezeigt bekommen, spiegelbildlich umzudenken.

Eure Tochter muss also sowieso komplett Neues lernen, beide Hände haben vergleichbar anspruchsvolle Tätigkeiten und dann spricht eigentlich nichts dagegen, auch als Linkshänderin ein "normales" Rechtshänder-Cello zu spielen.
Eigentlich hat ja sogar die Greifhand die filigraneren Bewegungen auszuführen.

Genau aus dem Grund, dass beide Hände gleichermaßen gefordert sind, ist eben alles vor allem Gewöhnungssache und es gibt deshalb (meines Wissens) auch keine Linkshänderflöten.
Manchmal wundert man sich auch, dass bei Trompeten die Ventile mit der rechten Hand bedient werden, bei Hörnern jedoch mit der linken! Die rechte hängt da nur im Becher und dient (ausgerechnet bei Rechtshändern) nur zum Stopfen, während die linke Hand die eigentliche Arbeit verrichtet.

Viele Grüße
Torsten
 
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Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Ich würde auch emfehlen rechtshändisch lernen zu lassen und denke dass das nichts mit "umpolen" zu tun hat.

Würde Eure Tochter wirklich die Liebe zum Cello entwickeln, würde bei einem Linkshänderinstrument das Problem der Beschaffung außerdem bestehen bleiben...

*
 
Ich bin der Meinung, dass man Kinder nicht wegen kleinen Umständen womöglich die Freude nimmt.
Wenn ein Kind linkshändisch besser zurecht kommt, sollte es auch in die Richtung gefördert werden, das Umdenken auf Rechts kann hinderlich sein, zu Blockaden führen.
Ein Chello ist symetrisch aufgebaut, wenn man zu Anfang kein teures Instrument nimmt, es den Bedürfnissen für Links anpassen lässt, sollte es keine teure Angelegenheit werden, wenn das Budget eine größere Rolle spielen sollte.
 
Ein Cello ist symetrisch aufgebaut, wenn man zu Anfang kein teures Instrument nimmt, es den Bedürfnissen für Links anpassen lässt, sollte es keine teure Angelegenheit werden, wenn das Budget eine größere Rolle spielen sollte.
Auch wenn sie von außen so aussehen, sind Streichinstrumente nicht symmetrisch aufgebaut. An der Innenseite der Decke klebt der so genannte Bassbalken, der auf der Seite der tiefsten Saite befestigt ist und für den Klang wichtige Funktionen hat. Ein einfaches Umspannenden mit Anpassung von Sattel und Steg funktioniert also nicht!

Gleichwohl sehe ich, dass es ein Problem sein kann, wenn Linkshänder:innen ihr Instrument „auf rechts“ spielen sollen. Es gibt viele Beispiele, bei denen es klappt, andererseits hat es sicherlich in der rechtshändischen Tradition einen Grund, warum mit links gegriffen und mit rechts gestrichen wird.
Ich kann viele Argumente, die für ein links greifen auch bei Linkshänder: innen angeführt werden durchaus nachvollziehen, gleichzeitig habe ich in meinem Bekanntenkreis ein Kind, dass eine Querflöte als Linkshänderin nach links spielt und damit hervorragend zurecht kommt.
Ein 1/8 linkshänder Cello zu finden wird problematisch, versuche es mal bei größeren Internet Verleih Firmen.
 
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Unsere Tochter ist 6 Jahre alt, Linkshänderin und möchte gern Cello lernen! Ihre hoffentlich zukünftig Lehrerin empfiehlt ein Linkshänder Cello in 1/8 Größe damit wir sie erst gar nicht „umpolen“ müssen! Aber genau daran verzweifeln wir gerade- einfach nicht aufzutreiben in der Größe!
Hat die Lehrerin eigene Erfahrung mit linkshändischen Schüler:innen? Wenn nicht, dann würde ich der Empfehlung etwas weniger Gewicht geben.

Ich habe vor fünf Jahren, auch damals schon ziemlich mittelalt, mit dem Cello angefangen. Als lebenslanger Rechtshänder in der üblichen Haltung von links Greifen und rechts Streichen. Es ist aber gerade nicht so, dass für das Streichen mehr Feingefühl und Kraft gebraucht würde, als für das Greifen. Eher im Gegenteil.

Ich habe gerade versuchsweise mein Cello falsch herum genommen und mein spontaner Eindruck war, dass ich das Streichen mit Übung auch links recht schnell lernen könnte. Beim Greifen war es komischer, aber da hatte ich nicht nur die falsche Hand, sondern auch die falsche Saitenfolge, weshalb ich mir kein Urteil erlaube.

Es gibt aus meiner Sicht keinen guten Grund, weshalb die dominante Hand ausgerechnet den Bogen halten und Streichen muss. Dagegen gibt es viele Gründe, in derselben Haltung zu spielen wie die meisten anderen.

Was spricht dagegen, es einfach mit einem Rechtshänder-Cello auszuprobieren? Durch ein paar Wochen wird da sicher kein bleibender Schaden angerichtet, selbst wenn sich dabei herausstellt, dass es für das weitere Lernen eben doch ein linkshändiges Cello sein muss.
 
Generell sind die sehr kleinen Celli schwiebertoniriger zu finden, ein breiteres Angebot gibt es oft erst ab 1/4-Größe. Normalerweise wäre mein Gang zu einem örtlichen Geigenbauer, und da vor allem die Frage, welchen die künftige Lehrkraft empfiehlt. Die beim googlen leicht zu findenden Internet-Anbieter sollen nicht schlecht sein, ich habe aber selbst keine Erfahrung.

Murmichels Frage möchte ich mich gerne anschließen: Was spricht dagegen, es einfach mit einem Rechtshänder-Cello auszuprobieren? Ein Musikinstrument lernen ist nicht dasselbe wie Schreiben, beide Hände haben unterschiedliche, aber wichtige Aufgaben und da sehe ich für Linkshänder erstmal keinen Nachteil.
 
Über hilfreiche Tips würde ich mich freuen!
Hallo, mein erster Tipp wäre, nicht auf die Tipps von Leuten zu hören, die weder Linkshänder sind noch Cello spielen (also auch nicht auf meine).

Und (nur als Idee): Wenn es stimmt, dass ein 1/4-Cello deutlich leichter aufzutreiben ist: Wie schwierig wäre es für euer Kind, damit anzufangen? Um wieviel wäre das 1/4-Cello momentan zu groß und in wieviel Jahren (oder Monaten?) hat sich das durch natürliches Wachstum erledigt? Was sagt die Lehrerin?

Zur Wichtigkeit eines zur Händigkeit passenden Instruments möchte ich das hier zur Diskussion stellen, von einer österreichischen Linkshänder-Initiative, einmal kurzgefasst, einmal ausführlicher. Kernaussage: Im Allgemeinen sind Linkshänder, die auf Rechtshänder-Instrumenten spielen, merklich im Nachteil.
http://www.linkshaender.at/th_musik.htm
http://www.linkshaender.at/th_musikinstrumentenspiel.htm
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Eigentlich hat ja sogar die Greifhand die filigraneren Bewegungen auszuführen.
Das wird in dem linkshaender.at-Artikel übrigens aufs Entschiedenste bestritten.
 
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Ich bin Linkshänder und spiele Geige seit ich 7 bin und Gitarre, seit ich 16 bin wie ein Rechtshänder.
Ich habe mich mit dem Thema "Händigkeit" und das passende Instrument dafür, dadurch natürlich auch zwangsläufig immer wieder beschäftigt.
Zur Zeit leite ich eine Kleingruppe und bringe ihnen Gitarre spielen bei.
natürlich wäre es rein "praktisch" gesehen von Vorteil einfach eines der zahlreich vorhandenen Rechtshänder-Instrumente zu spielen.
Und es ist oft schwieriger und teurer ein Linkshänder-Instrument zu bekommen, oder bauen/umbauen zu lassen, aber trotzdem wäre das aus meiner Sicht der bessere Weg.
Als Rechtshänder, und als "Nicht-Streicher", kann man sich nicht wirklich in die Lage versetzen, was es auf Dauer bedeuten würde ein Instrument "falsch herum" zu spielen.
Vor allem bei eine deutlich ausgeprägten Händigkeit kann das dazu führen, dass man die Lust am Instrument verliert, weil es einem bewusst, oder unbewusst "gegen den Strich" geht.
Vergesst die Argumente, dass man ja später nicht in ein Orchester darf, weil es da eng ist und dann der Strich nicht so schön einheitlich aussieht.
Auch die "Herausforderung" dann von einem rechtshändigen Lehrer die Abläufe "spiegelverkehrt" abnehmen zu müssen, ist eigentlich kein Problem wenn man sich gegenüber sitzt.

Die Argumente sind alle logisch und nachvollziehbar und ich habe sie selbst ebenfalls für mich persönlich angewendet. Schließlich spiele ich ja trotz Linkshändigkeit wie ein Rechtshänder und musste mir selbst mit solchen Argumenten die Sicherheit geben, dass das kein Fehler ist.

Es ist ja auch kein Fehler. ich spiele ziemlich ordentlich Gitarre und Geige und habe auch auf der Geige alle Strichtechniken erlernen können. Wo ist also das "Problem"? Ist es durch Fleiß und Übungszeit ausgleichbar?
Ja, das ist es. Zumindest war es das bei mir und ich habe meine Rechte Hand bis zu einem gewissen Level dazu gebracht schnelle, schwere Rhythmen auf beiden Instrumenten spielen zu können.
Aber: Bei einem gewissen Tempo ist dann auch Schluss und es ist für mich extrem schwierig in die ganz schnellen Spieltechniken für schnelle Soli auf der Gitarre vorzustoßen.
Bei der Geige ist es ähnlich: ich habe zwar mit der linken Hand eine ziemlich gute Intonation und ein schönes Vibrato, musste mir aber mit der rechten Hand die schnellen Spiccato-Bogentechniken mit viel Fleiß erarbeiten. Wenn es dann sogar Richtung Martelée geht, wird es extrem schwierig.
Spiccato und Martelée sind Springbogen-Techniken bei denen bei langsamem Tempo der Bogen geführt, bei schnellem Tempo aber eigendynamisch (aber von der Hand beeinflusst und gesteuert) springen muss.
Im Legato, also mit liegendem Bogen, schaffe ich dagegen fast jedes Tempo.

Aber wie gesagt: Ich habe keine extrem ausgeprägte Händigkeit und kann mit beiden Händen realiv schnell auch schwierige Dinge erlernen und durchführen.
In meinem Gitarrenkurs habe ich erst jetzt wieder gesehen, wie schwer es ist die ganzen Schlagtechniken mit dem Plektrum zu erlernen. Trotz der "richtigen" Hand.
Man blendet nach so vielen Jahren einfach den eigenen Entwicklungsweg ziemlich aus und vergisst, wie schwer manches war und wie lange es gedauert hat.

Wenn ich es aber falschrum erlernen konnte, wäre das dann nicht auch der "richtige" Weg für jemanden der anfängt?
Nur weil es bei mir gut ging, muss es nicht der beste und richtigste Weg gewesen sein.
Für mich passt er absolut und ich bin auch nicht traurig drüber, dass ich wie ein Rechtshänder spiele, aber mit dem heutigen Kenntnisstand würde ich es anders machen wenn ich nochmal anfangen würde, trotz all der guten Argumente.

Ich spiele nämlich auch Cajon und da habe ich als "Anfänger" und auch später nochmal, ausgetestet, wie ich es denn am Besten kann: Es hat sich eindeutig gezeigt, dass ich es als "Linkshänder" viel besser kann, als als "Rechtshänder".
Wenn ich es andersrum spiele, geht es mir total gegen den Strich und ist lange nicht so rhythmisch.

Nochmal zusammenfassend:
Es wäre aus meiner Sicht und aus meiner Erfahrung heraus durchaus besser als Linkshänder ein Linkshänderinstrument zu spielen! Bleibt also dran und lasst euch zur Not bei einem Geigenbauer eine "China-Weißware" als Linkshänder-Instrument umbauen und fertig stellen.
 
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Auch wenn sie von außen so aussehen, sind Streichinstrumente nicht symmetrisch aufgebaut. An der Innenseite der Decke klebt der so genannte Bassbalken, der auf der Seite der tiefsten Saite befestigt ist und für den Klang wichtige Funktionen hat. Ein einfaches Umspannenden mit Anpassung von Sattel und Steg funktioniert also nicht!
Ist das nicht nur für den Klang entscheidend, nicht für die Funktionalität? Oder kann das Instrument die Spannung der dicken Saiten nicht halten? Der Klang ist bei einem Anfänger, der eh nach kurzer Zeit aufhört oder auf ein größeres Instrument umsteigt, vielleicht nicht das entscheidende Kriterium. Klingt das nicht eh anfangs ziemlich scheußlich?
 
Ja, der Bassbalken ist unter den tiefen Saiten, die Stimme unter den hohen. Die Stimme verbindet Decke mit Boden und ist so eine Art Schwingungslager.
Das beeinflusst nicht nur den Klang, sondern auch die Ansprache. Insofern sollte das schon umgebaut werden.
Es ist aber nicht die einzige Sache, welche geändert werden müsste. Auch die Wirbel im Wirbelkasten müssten eventuell gespiegelt aufgebaut werden um für die Hand den passenden Freiraum auf der richtigen Seite bereit zu stellen. Oder würde das auch ohne Änderung gehen @cello und bass ?
 
Vielleicht ist das Cello ja noch nicht gekauft.
Ich empfehle dringend ein normales Cello!

Gründe:
Links ist die starke Hand - links muss man kräftig und sehr präzise greifen! Später muss man mit Links sehr präzise die Lagen/ Töne weiter unten auf dem Griffbrett finden!
Recht muss man anfangs relativ wenig tun, mit der Zeit erlernt man die Bogentechnik und dadurch wird die rechte Hand immer sicherer!
Es gibt viel mehr "normale" Celli als Linkshändercelli.
Sollte eure Tochter dabei bleiben und irgendwann mal ihr eigenes 4/4-Cello aussuchen wollen, was dann ja auch sehr teuer ist, sollte sie eine Auswahl haben. Normale Celli gibt es in viel größerer Auswahl, auch ältere Instrumente, viel mehr gebrauchte Instrumente usw. Ein Instrument ist etwas sehr Persönliches, es gibt zwar gute und schlechte, aber innerhalb einer Preiskategorie gibt es sehr unterschiedlich klingende. Wer da eine Präferenz hat, sollte auch eine entsprechende Auswahl haben. Die gibt es unter normalen Celli viel breitgefächerter als unter Linkshändercelli.


Eigene Erfahrung: Ich bin Linkshänderin und habe sogar eine kleine motorische Behinderung, also ich lerne Bewegungen langsamer als andere.
Mit 21 Jahren habe ich ohne Vorerfahrung außer Blockflöte in der Grundschule mit dem Geigenspiel begonnen. Mir wurde in der ersten Stunde gesagt, Geige spielt man auf der linken Schulter, Punkt.
Anfangs konnte ich nur 2 bis 5 min den Bogen greifen, bevor die Hand verkrampfte. Ich hatte unheimlich lange mit dem Notenlesen zu kämpfen, vor allem Rhythmus. Es dauerte lange (über ein Jahr), das Vibrato zu lernen und ich musste es über die Jahre immer wieder üben bzw. verfeinern. Mit rechts hätte ich das vermutlich nie geschafft!
Wenn ich heute mal aus Spaß die Geige auf die rechte Schulter lege, kann ich gar keinen Ton spielen und selbst der Bogen fühlt sich in der linken Hand fremd an. Ich bin jetzt knapp 40, hatte aber zwischenzeitlich mal eine siebenjährige Spielpause.
Ich habe mir zweimal in meinem Leben eine Geige ausgesucht, einmal fand ich sie durch puren Zufall, einmal habe ich mehrere ausprobiert. Diese waren alle im "unteren Preissegment", einmal 800, einmal 1500 €. Der Profi lacht nur darüber. Trotzdem klangen die Geigen, die ich probegespielt habe (ca. 1500 bis 2200 € Preisbereich) extrem unterschiedlich, einige klangen für mich richtig "billig", andere hatten sehr unterschiedliche Saitenqualitäten, mal schrille E-Saiten, mal "heisere" D- und G-Saiten. Das ist alles subjektiv. Am Ende habe ich blind die beiden günstigsten (es standen keine Preise dran) zur Probe mit nach Hause genommen, also die vielen anderen teureren (es dürften so zwischen 7 und 10 weitere gewesen sein) abgelehnt. Einige davon hätte ich nicht mal geschenkt haben wollen.
Wenn nun deine Tochter irgendwann mal ihr Cello fürs Leben oder für die ersten 10 oder 20 Jahre aussucht, hätte sie bei einem Rechtshänder-Cello bei mehreren Geigenbauern so eine Auswahl, bei einem Linkshändercello vermutlich eine deutlich reduzierte Auswahl und vielleicht hätte gerade nicht mal jeder Geigenbauer eines da. Stelle dir vor, du kaufst ein Instrument für 2000 bis 5000 € (gängige Cellorpreise für Schüler) und fragst dich ständig, ob du ein besseres gefunden hättest, wenn du mehr Auswahl gehabt hättest. Also ob es unter denen, die du ob deiner Händigkeit nicht spielen könntest, eines gegeben hätte, das genau deinen Klangvorstellungen entsprochen hätte.

LG von
Fidi987
 
Unsere Tochter ist 6 Jahre alt, Linkshänderin und möchte gern Cello lernen!

Wie spielt sie denn spontan „Luftgitarre bzw. Luftcello“? Meine Erfahrung ist, wer bei dieser “Übung“ links ist, der sollte es auch so lernen, egal ob das möglicherweise ein Mehraufwand in irgendeiner Art und Weise wäre. Ich kenne einige Linkshänder, die mit dem Rechtshänder Instrument ohne groß nachzudenken angefangen haben. Selbst bin ich übrigens ein schon im Vorschulalter “Umerzogener“ und spiele Bass, Gitarre, Kontrabass rechts.
 
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Vielleicht ist das Cello ja noch nicht gekauft.
Ich empfehle dringend ein normales Cello!
Und ich wiederhole anlässlich dieses Beitrags meinen Hinweis auf:
http://www.linkshaender.at/th_musik.htm
http://www.linkshaender.at/th_musikinstrumentenspiel.htm
Gründe:
Links ist die starke Hand - links muss man kräftig und sehr präzise greifen! Später muss man mit Links sehr präzise die Lagen/ Töne weiter unten auf dem Griffbrett finden!
Wenn diese Begründung zutreffend wäre, warum streichen dann Rechtshänder mit Rechts und greifen mit Links? Sie müssten es umgekehrt machen.
Es gibt viel mehr "normale" Celli als Linkshändercelli.
Das trifft wohl nicht nur auf Celli zu. Wenn das ein Argument wäre, warum gibt es dann überhaupt irgendwelche Produkte für Linkshänder? Scheren, Computermäuse, Werkzeuge aller Art?
Mit rechts hätte ich das vermutlich nie geschafft!
Das kannst du vermuten, aber nicht wissen.
Wenn ich heute mal aus Spaß die Geige auf die rechte Schulter lege, kann ich gar keinen Ton spielen und selbst der Bogen fühlt sich in der linken Hand fremd an.
Natürlich, weil du es so nie geübt hast. Das ist aber keine Überraschung.
Wenn nun deine Tochter irgendwann mal ihr Cello fürs Leben oder für die ersten 10 oder 20 Jahre aussucht, hätte sie bei einem Rechtshänder-Cello bei mehreren Geigenbauern so eine Auswahl, bei einem Linkshändercello vermutlich eine deutlich reduzierte Auswahl und vielleicht hätte gerade nicht mal jeder Geigenbauer eines da. Stelle dir vor, du kaufst ein Instrument für 2000 bis 5000 € (gängige Cellorpreise für Schüler) ...
Was für Schüler? An der städtischen Musikschule? Oder an der Musikhochschule? Ehrlich gesagt kann ich mir nicht so ganz vorstellen, dass jeder, der als Teenie Cello lernt, ein Instrument besitzen muss, dass sich nur wenige Eltern überhaupt leisten können. Vor allem, wenn sie mehr als einem Kind eine solche Möglichkeit bieten wollen.
 
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Naja, die Preise sind realistisch. An der Hochschule hängt man eine Null hinten dran. Mindestens.
 
Okay, sagen wir es anders.
Bei einer Sechsjährigen, die sowieso gerade vieles erst lernt, würde ich zumindest die ersten Stunden mit Leihcello mal ansehen. Wenn es dann gar nicht geht, mit dem Lehrer sprechen.
Preise: Mir wurde gesagt, alles darunter, sei "Schrott". Also, man sicher auch Celli für 500 bis 1500 € bekommen, aber die Chance, dann wirklich gute Qualität zu bekommen, mit der man auch mehrere Jahre oder für immer zufrieden ist, sei gering ("Glücksgriff").

Bzgl. Scheren usw. für Linkshänder: Die sind ja weitgehend austauschbar. Also, ich kann meist irgendeine Schere verwenden und dann auch mehrere Linkshänderscheren finden. Bei einem Instrument habe ich aber, wenn ich vorher schon vier bis sechs Jahre oder so gespielt habe, eine ganz bestimmte Klangvorstellung. Zumindest eine Vorstellung, in welche Richtung es gehen und wie es nicht klingen sollte. Das könnte bei einer geringeren Auswahl an Instrumenten schwierig sein.

Wie gesagt - ich würde die ersten Stunden abwarten und dann sehen, ob man es besser mit einem Linkshändercello probiert. Also, ob es gar nicht geht. Cello lernen ist ja erst mal für jeden schwierig und ungewohnt, an beiden Händen.

Ja, ich kenne auch einen Fall, in dem es wirklich nicht ging. Mein Bruder hatte Downsyndrom und dadurch bedingt sehr kurze, dicke Finger. Er hat öfter mal meine Geige oder seine halbe Gitarre (beide auch "falsch herum") spaßeshalber "angeschlagen". Das klang sogar ganz gut, also mit dem Bogen hatte er keine Probleme, aber die Finger waren zu kurz, um die Saiten der Instrumente greifen zu können. Da wäre es also wirklich nicht gegangen.

Wie ich oben schrieb: Ich würde es mit dem normalen Cello probieren und nur zum Linkshändercello gehen, wenn das gar nicht klappt, weil dann später fürs erste oder lebenslange große Cello mehr Auswahl zur Verfügung stünde. Man weiß nicht, wie sich die Tochter entwickelt. Es gibt Hobbymusiker, die einfach irgendein gutes Instrument nehmen und sich freuen und andere, die eine sehr präzise Vorstellung haben und etwas Auswahl benötigen.

Ich persönlich war übrigens wirklich auch überrascht, wie gut das mit der Geige nach den üblichen Startschwierigkeiten ging. Die Startschwierigkeiten waren zwar groß, aber das habe ich immer aufs Alter, nie auf die Linkshändigkeit geschoben, ich hatte nie das Gefühl, hätte ich die Geige mit rechts gegriffen und mit links gestrichen wäre es einfacher gewesen, im Gegenteil.
Und, ja, ich weiß zwar, dass man den Bogen auch präzise führen muss, mir ist es aber tatsächlich ein Rätsel, wie sich zu Zeiten, als Linkshändigkeit noch stark verpönt war, linkshändiges Spielen als Standard etablieren konnte. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Profimusiker, die als Kind angefangen haben zu lernen, aber Rechtshänder sind, die Tätigkeit der Hände mal wechseln und dann gar nichts zustande bringen, obwohl rechts ihre starke Hand ist.

Anders gesagt: Klavierschüler lernen ja auch mit der Zeit, beide Hände mit unterschiedlichen Rhythmen einzusetzen, obwohl bei den meisten immer eine Hand schwächer ist. Vielleicht unterschätzen wir einfach, wie lange wir für vieles, das wir mit der starken Hand automatisch machen, gelernt haben, z.B. schreiben.
Zu den Cellopreisen noch: Man könnte ja jetzt schon mal langsam anfangen zu sparen. ein Sparkonto fürs Cello anlegen, so dass dann, wenn das Interesse fortbestehen würde, das entsprechende Geld vorhanden wäre. Dazu einfach mal online und bei verschiedenen Geigenbauern fragen, was ein solides Schülercello kostet, an dem man eventuell lebenslang Spaß haben könnte. Und dann einfach schauen, was da in sechs bis acht Jahren, je nach Interesse und Wachstum, so zusammen kommt. Wenn das Interesse nicht bestehen bleibt, gäbe es genug Anlässe, für die später Geld benötigt würde (Führerschein, erste Wohnungsausstattung usw.).

LG von
Fidi
 
Preise: Mir wurde gesagt, alles darunter, sei "Schrott". Also, man sicher auch Celli für 500 bis 1500 € bekommen, aber die Chance, dann wirklich gute Qualität zu bekommen, mit der man auch mehrere Jahre oder für immer zufrieden ist, sei gering ("Glücksgriff").
Die Frage ist aber schon, ob das sinnvoll ist, im Kinder- oder Jugendalter das Instrument "fürs Leben" anzuschaffen. Niemand kann absehen, ob es wirklich ein Hobby fürs Leben ist. Viele junge Leute geben das Musikmachen irgendwann auf, schade, aber so ist es. Und wenn dann das "Instrument fürs Leben", für das die Eltern (oder auch Großeltern) richtig viel Geld ausgegeben haben, in der Ecke rumsteht, ist das immer auch eine Belastung für die Beziehung.

Vielleicht nimmt die "Laufbahn" auch unerwartete Wendungen, und die Cellistin wünscht sich auf einmal nichts lieber als eine Bassgitarre.

Klar kann man so ein Instrument gebraucht verkaufen, aber längst nicht zu dem Preis, den es gekostet hat.

Meine Meinung dazu ist: Kindern (und auch Jugendlichen) kauft man Instrumente für absehbare Zeiträume, z.B. die nächsten paar Jahre (*). Das "Instrument fürs Leben" kauft sich das (erwachsene) Kind selbst, wenn es das entscheiden und bezahlen kann.

(*) Ausnahme: Das Kind hat (objektiv und ohne elterliches Wunschdenken) eine Begabung, aus der sich ein Beruf machen lässt.

Übrigens, es gibt doch an immer mehr Schulen Streicherklassen, und soweit ich gehört habe (meine eigenen Kinder sind schon lange aus der Schule raus, daher weiß ich das nicht aus erster Hand), werden die Instrumente von der Schule gestellt, mit Unterstützung durch Sponsoring, und ich gehe davon aus, dass da kein "Schrott" angeschafft wird. Was kostet denn ein Klassensatz brauchbare Streichinstrumente so, weiß das jemand? Nur, um mal einzuschätzen, wo die "Schrottliga" aufhört ...
 
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Hm. Kleine Kinder benötigen für den Anfang auch ein kleines Cello. Und wenn sie so Stück für Stück herauswachsen, immer wieder mal ein etwas größeres. Bis zum 4/4-Cello ist es ein weiter Weg. Daher: erstmal Miete, typischerweise 1% des Wertes je Monat. D.h. nach 8 Jahren hätte sich Kauf gelohnt - also eine recht lange Zeit aus Sicht eines Kindes.
Das ist unabhängig von Rechts- oder Linkshänderversion.
 

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