Stelle mich vor --- und eine unbekannte alte Geige

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Geigen-Andi

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Hallo!
Tag zusammen. Ich bin neu hier im Forum. Früher war ich mal sehr aktiv auf einem Geigen-Forum, das dann leider geschlossen wurde. Tausende interessante Bilder von Geigen und ihre Geschichten gingen dabei verloren. Dann hatte ich erst mal jahrelang keine Lust mehr. Nun habe ich dieses Forum entdeckt und stelle euch eine Geige vor, die ich vor kurzem bekommen habe. Gleich mal die Bilder:


Der Zettel verweist auf eine Reparatur von J. Filla, Striegau (bei Breslau) 1857. In einer Zeitung von 1857 hat dieser Filla tatsächlich ein Inserat für seinen Instrumentenhandel. Könnte natürlich auch ein Fake sein. Ein paar Sachen sprechen für ein hohes Alter: Schäftung der Schnecke, einige Reparaturen auch an der Decke, unterfütterte Risse. Der Obersattel ist schmal (20mm), die Schnecke sehr fein gearbeitet, aber nicht symmetrisch. Der Klang der Geige ist sehr schön und weich. Der letzte Besitzer meinte, sie ist aus dem Vogtland. Würde ich auch so sehen.

Mich erinnert sie an Seidel-Geigen aus Klingenthal. Es gibt Fotos, da ist die Schnecke (mit original Barock-Hals) genauso verdreht wie bei meiner.

Was meint ihr, könnte die noch etwas wert sein? Zettel evtl. sogar echt? Bin auf eure Meinungen gespannt.
 
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Willkommen im board:hat:,

geh doch mal zu einen Geigenbauer, der sie in Augenschein nehmen kann. Wenn sie echt ist, ist sie bestimmt nach einer etwaigen
Restauration auch was wert, allein weil sie dann ja schon 170 Jahre alt ist.
 
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  • #3
Danke!
Ja, ich werde bald zum Geigenbauer gehen. Laut Aussage des letzten Besitzers hat sie beim Geigenbauer neue Saiten
bekommen. Der hat sie angeblich als „wertlos“ eingestuft. Die Aussagen sind etwas merkwürdig, zumal die Saiten sehr
dumpf klangen, gar nicht wie gute neue Saiten. Und wertlos ist eine so gut klingende Geige, die aufwändig repariert wurde
(Decke geöffnet, Schnecke geschäftet usw.) sicher nicht. Sonst macht man sich nicht die Mühe.
Also dann, ich werde berichten.
 
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Hallo Andi,
herzlich willkommen in der Streicherabteilung des Musiker-Boards!
Deine alte Geige hat schon einiges durchgemacht und so eine Reparatur der Schnecke hat bei meiner alten sächsischen Geige, die wohl in den 30ern des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, einiges am Wert gemindert - trotz hervorragender Ausführung!
Wie @rmb schon sagte: Nur ein Geigenbauer kann dir irgend etwas über den wahren Wert deiner Geige sagen.
 
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  • #5
Hallo! Meinst du die Reparatur an dem Wirbelloch der A-Saite? Könnte Käufer abschrecken, die eine perfekte Schnecke wollen,
andere wiederum stört es gar nicht. Ich denke, die Risse an der Decke machen da mehr aus. Na, wir werden sehen ...
 
Ich finde die unsymetrische Schnecke sehr cool. Funfact: Schnecken (mit Atemloch) gehören zu den ganz wenigen Tieren die äußerlich nicht symetrisch sind.

Ich kann deinen Verlust mit dem anderen Forum gut fühlen, das Internet ist in den letzen 10 Jahren nicht besser geworden, Foren sterben oder ziehen um auf Redit oder ein jämmerlicher Ersatz wird über Discord geschaffen. Und hier im MB ist auch lange nicht mehr so viel los wie vor der Pandemie.

Deine Geige sieht sehr nach Voigtland aus, hab da ein ganz ähnliches Teil. Auch mit weichem Klang und goldenem Lack. Ja, die sind bei Geigenbauern nicht gerade populär, werden gerne schlechtgeredet, dabei haben die oft in Sachen Klang mehr zu bieten als ihr Preis vermuten lässt. Ich suche ja schon etwas länger nach einem Upgrade, aber natürlich nehme ich die "Z" dann auch mit, und im Raum hält sie klanglich viel länger mit als ich vorher vermutet hätte.

Die Wirbelochreparatur ist -aus meiner Sicht- nicht schlimm, in der Ecke wird ja immer mal wieder gearbeitet. Der Riss auf der Stimme wär für mich ein NoGo, da könnte auch die geringe Einschätzung des Geigenbauers ihren Ursprung haben. Ist aber alles mutmaßend ohne die Geige wirklich in der Hand gehabt zu haben. Bei Kleinanzeigen kann man öfters mal ähnliche Instrumente entdecken, die werden rissfrei und "spielfertig" oft um die 400€ +- gehandelt, sauber eingestellt und eingespielt mit einer 1 vorne dran. Am Ende entscheidet der Markt was dein Instrument wert ist, kein Geigenbauer.
 
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  • #7
Hallo liebe Geiger und Fiddler,

ich war inzwischen beim Geigenbauer.

1. Er hält die Geige mit dem Reparaturzettel für authentisch, gebaut 20 Jahre vorher, dann wäre sie also ca. 190 Jahre alt.
2. Der Geigenbauer fand sie klanglich sehr gut. Auch im Vergleich mit 8 Geigen, die ich dort anspielen durfte und 2 sogar
mit nach Hause nehmen durfte.
3. Sie hat einen ca. 7 cm langen Längsriss unter dem Kinnhalter. Nicht dramatisch, wir beobachten den Riss weiter.

Der monetäre Wert ist schwer zu beziffern, der Riss mindert sicherlich enorm, eine Reparatur von 1000,- EUR muss man
abziehen ... für mich ist sie jetzt jedenfalls viel wert. Ich spiele sie jetzt als Hauptgeige und der Klang fasziniert mich
jeden Tag aufs Neue. Daher würde ich die auch notfalls reparieren lassen (Decke runter, Riss belegen etc.)

Danke für euer Interesse.

Ich stelle hier gerne bei Interesse auch noch eine Johann Stadelmann Geige aus Wien vor, von ca. 1800 ... seit 80 Jahren
in Familienbesitz und früher viel gespielt, heute leider nicht mehr, viell. sollte ich sie jemandem vermachen ...?

Gruß
Andi
 
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