Der "Sound" aktueller Homestudio Produktionen

  • Ersteller Ralphgue
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alleine die Hihat hat über 20 verschiedene Artikulationen
und mal ehrlich... wer benutzt dies und all die anderen Features.
Rocksong Homerecorder sind zu 90 Prozent Gitarristen (so kommt es mir vor), die können zwar schmerzfrei tagelang an Ihrem Sound frickeln, sowohl live als auch beim Recording plus für jedes 10 Sekunden Solo (ist ein Witz, ist immer vieeel länger) mit 10 Gitten mit 20 Pickupstellungen und 10 Bodentretern oder Plugins Sounds suchen., aber schon alleine aus mangelndem Grundverständnis des Drummens, gepaart mit "nicht wirklich Bock darauf" werden Sie (so klingt es eben teilweise) vorgefertigte Midispuren mit dem Standard Soundset einsetzen und einen passenden Fill aus der Libary reinschneiden, fertig.
Es gibt auch hier Homerecorder, aber als Ausnahme, bei denen ich die Mühe und geradezu Leidenschaft, obwohl Gitarristen, Drums spannend rüberzubringen höre.

Ach ja, und von songdienlicher Percussion will ich erst gar nicht reden...
 
Rocksong Homerecorder sind zu 90 Prozent Gitarristen (so kommt es mir vor),
die Einschätzung teile ich wohl auch, aber wo sind dann die anderen Songwriter unter den Instrumentalisten hin? oder gibt es augescheinlich viel wenige Songschreibende Schlagzeuger oder Bassisten und ist das Songwriting für Rockmusik eher traditionell gesehen an der Gitarre oder dem Klavier zuhause?
Zumindest, wenn man sich die Forenauslastung ansieht, ist der Gitarrenbereich schon eigentlich sehr gut besucht, das hängt dann mit den gesposteten Home-Recording Produktionen bestimmt auch damit zusammen das hier genügend Gitarristen unterwegs sind.
 
Da kommen halt mehrere Phänome zustande/zusammen, ich versuche es mal zu kategorisieren:

Drums:
Ein EZ- oder Super-Duper-Srummer wird nie einen echten Drummer in einem akustisch optimierten Raum ersetzen können.
Da können die zigfach rumgefrickelt haben: Es ist und bleibt digital, zufallsquantisiert usw.

Da muss man sauber die einzelnen Spuren der Soundausgabe auch sauber auf einzelne DAW-Kanäle geben.
In den einzelnen Spuren muss man wissen, welche Plugins herangezogen werden und wie sie sich auf den Gesamtsound des Schlagzeugs als ein Instrument auswirken soll.
 
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und mal ehrlich... wer benutzt dies und all die anderen Features.
Rocksong Homerecorder sind zu 90 Prozent Gitarristen (so kommt es mir vor), die können zwar schmerzfrei tagelang an Ihrem Sound frickeln, sowohl live als auch beim Recording plus für jedes 10 Sekunden Solo (ist ein Witz, ist immer vieeel länger) mit 10 Gitten mit 20 Pickupstellungen und 10 Bodentretern oder Plugins Sounds suchen., aber schon alleine aus mangelndem Grundverständnis des Drummens, gepaart mit "nicht wirklich Bock darauf" werden Sie (so klingt es eben teilweise) vorgefertigte Midispuren mit dem Standard Soundset einsetzen und einen passenden Fill aus der Libary reinschneiden, fertig.
Es gibt auch hier Homerecorder, aber als Ausnahme, bei denen ich die Mühe und geradezu Leidenschaft, obwohl Gitarristen, Drums spannend rüberzubringen höre.

Drums vernünftig programmieren ist halt 1-sch**** viel Arbeit wie alles was echt klingen soll. Streicher aus der Dose wenn sie schlecht programmiert sind klingen halt auch einfach richtig billig. (schönes Beispiel ist die letzte 5FDP Single, so eine lustlose Programmierung hab ich schon lange nicht mehr gehört)
Ich würde mir das für eine Produktion auch nie geben, ich nehme die Drums dann richtig auf. Zum Songwriting sind mir allerdings die feinsten Nuancen erstmal schnuppe weil es mir prinzipiell darum geht einen Song zu schreiben und nicht ein einzelnes Instrument perferkt zu präsentieren. Bei eigenen Vorproduktionen macht unser Drummer das, der hängt sich dann in die Details, teilweise werden die Sachen dann mit nem EDrum eingespielt oder aber am mikrofonierten Drumset aufgenommen und nachträglich midifiziert. Editing, Arrangement, feine Detailarbeit etc. ist halt über ein virtuelles Instrument für diesen Zweck viel einfacher und wenn das fertig geschrieben ist kann es dann geübt werden.
Bei anderen Bands die ich mache schaue ich mir in der Regel auch vorher an wie die arbeiten, dann weiß ich beim recording schon ein klein wenig was da auf mich zukommt. Aber ich mixe dabei nur ganz selten programmierte Drums, eben auch aus dem Grund weil die oftmals super schlecht programmiert sind und das teilweise auch vom Drummer selber, das hat für mich weniger was mit dem gelernten Instrument zu tun als mit der Motivation. Ist halt was anderes sich für die Drumrecordings eines Albums 3-4 Tage ins Studio zu setzen oder eine Woche vor den Rechner bis alles super realistisch klingt.
 
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Real abgenommene Instrumente hören sich halt natürlicher an.
Alte Hasen ziehen ziehen den Sound, dem von virtuellen Instrumenten sicherlich vor..
Ich hingegen bin froh, dass es heute etliche Möglichkeiten gibt Instrumente kostengünstig und laienhaft einzuprogrammieren, die ich sonst nicht spielen könnte. Anderenfalls müsste ich mir jedes Mal einen passenden Drummer suchen, der Zeit hat, Lust hat sich auch mit meiner Musik zu beschäftigen, auch das Aufnahmeqipment dafür hat oder ggf. dafür Sorge tragen, dass er/sie das in einem Tonstudio aufnimmt. Ziemlich viel Aufwand wenn man das nur als Hobby betreiben möchte und das der Sound ist, den man so vielleicht gar nicht unbedingt braucht oder möchte.
Wiederum Andere schwören drauf, jedes Instrument real im Tonstudio aufzunehmen und die machen das auch bloß als Hobby und nicht kommerziell. Geschmackssache halt.
Wer klassisch handgemachten Rock liebt und spielt bevorzugt ganz klar ein organisch klingende Drumset. Da finde ich im Umkehrchluss auch nicht, dass jeder Mix so super einzigartig klingt. Und es gibt viele Genre bei denen das auch gar nicht gefragt ist bzw. Nicht so gut passt. Da passen virtuelle Instrumente dann eben ganz gut.
Beides hat seine Berechtigung.


Was Hardware und Software angeht, gibt es im Amateurberreich sicherlich Überschneidungen. Ich habe auch bloß das Standard gear, verwende die üblichen DAWs und Plugins.
Dank Bonedo und Co. auch Mixing Anleitungen, bei denen sich viele Bedienen. Irgendwo muss man halt anfangen. So ganz ins kalte Wasser springen geht auch nicht.
Zusammengefasst finde ich aber, dass es es durchaus eine weite Bandbreite an kreativen Mix Ergüssen im Home Recording Bereich gibt. Obwohl natürlich auch die Wohngewohnheiten eine Rolle spielen. Welches Genre möchte ich bedienen, wie hört sich das an? Also irgendwo gibt es dann oft doch den gemeinsamen Nenner.
Die Arbeiten der Profis finde ich da schon grundsätzlich homogener. Wenn ich explizit nach Studios suche, die sich z. B. auf moderne Metal Produktionen berufen, dann hören sich deren Arbeiten auch allesamt recht ähnlich an, weil aber auch in der Regel ein Industriestandard als Referenz vorliegt, den es vom Künstler aus zu erreichen gibt, wenn diese bei den Profis produzieren lassen. Oder? Was nicht heißt, dass sie auch anders könnten. Aber kreative Basteleien sind da schon teurer als wenn man sich privat daheim austobt.
Nicht jeder betrachtet sich als vogelfreien Künstler und hat die Absicht etwas vollkommen neues, noch nie da gewesenes zu produzieren. Und diejenigen, die das tun wollen ihre Musik auch nicht zwangsläufig kommerziell vermarkten. Diejenigen, die das tun, sind da vielleicht schon spezifischer unterwegs und die fragen dann schon eher gezielt nach Feedback oder wollen einfach nur ein bisschen auf sich Aufmerksam machen.
Nicht jeder Hobbyist veröffentlicht seine Musik.
 
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Und es gibt viele Genre bei denen das auch gar nicht gefragt ist bzw. Nicht so gut passt. Da passen virtuelle Instrumente dann eben ganz gut.
Stimmt: praktisch alles was mit den Klopfgeistern im Stil von Akai MPC und NI Maschine erzeugt wird, fällt in den Bereich „nicht reale“ Drums&Percussion - und ist ausgesprochen erfolgreich, sowohl in der Produktion, wie auch der Resonanz beim Publikum.

Die meisten gescheiterten Mixe liessen sich allerdings simpel korrigieren: einfach mal alle vermeintlichen „default plugins“ aus den virtuellen Kanalzügen werfen und beim Reverb auf Qualität achten, sowie den wet-Anteil bewusst dosieren.
Jeder digitale Effekt produziert (mehr oder weniger) Artefakte, aber speziell im Bereich Dynamik wachsen die unharmonischen Verzerrungen teilweise gigantisch an, wenn quasi überall eingegriffen wird.
Wie üblich: weniger, aber besser ;)
 
Es logischerweise relativ mühsam bis unmöglich, einen Song komplett mit realen Instrumenten zu versehen.

Neben den Riesenaufwand der rein technischen Aufnahme (Drums recorden), den fehlenden Räumlichkeiten und eben dem Nicht Zugriff auf Mitmusiker.
Ich z.B. mag z.B. Hammond Sounds, werde aber nie eine besitzen und kann natürlich mit den div. B3 Vsts oder den Keyboard Sounds des Kumpel Keyboarder leben.

Ich hab kein Problem mit all den digitalen Helferlein, spz. bei Gitarren, aber auch Voice Maschinen (Helicon).

Trotz dessen meine ich, das man eine (Home) Aufnahme bez. Klangfarbe er Instrumente wesentlich interessanter alleine dadurch gestalten könnte, würde man nicht dem "Industriestandard" und Mainstreamsound nacheifern (und eben oft mangels Skills und Ausstattung nie erweichen).

Ich bin zunehmend angetan von Amateur Produktionen, die einfach nicht so klingen, weil es der/die Recorder erst gar nicht versuchen, sondern eine eigene "Note" bauen müssen, wenn auch vielleicht aus der technisch, finanziellen Not geboren, aber dann sogar plötzlich "lebendig, frisch, neu werden.

Mein Credo, wenn ich das nicht so hinkriege, versuche ich es erst gar nicht, sondern erkläre meinen Sound (für mich) zu meinem Stil, stehe dazu und arbeite kreativ mit der mir zur Verfügung stehenden Technik.
 
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Ich weiß nicht, wieso da so ein vorwurfsvoller Unterton mitschwingt. Es ist doch klar, dass Leute, die als Hobby sich mit dem Thema Recording beschäftigen, eben nicht alle Ressourcen und Know-How zur Verfügung haben, um einzigartige Klanglandschaften entstehen zu lassen. Da gibt es eben vieles von der Stange. Aber das "von der Stange" ist heute so viel besser, als noch vor 20 Jahren, da erliegen wir manchmal auch der Verführung des Presets. Darin kann ich nichts Falsches erkennen.
Es wirft ja auch (hoffentlich) niemand einem Hobbyastronomen vor, dass er nicht so viele Exoplaneten entdeckt hat, wie die zig Profis bislang.
Das alles ist ein Lernprozess und ein Prozess der Ressourcenerschließung. Nicht jedeR hat unendlich viel Zeit und Geld zur Verfügung. Und so kann das schon mal eine ganze Weile dauern, bis sich so etwas wie ein eigener Stil oder eine charakterstarke Klangsignatur erkennen lässt, wenn das überhaupt auch gewünscht ist.
Und bitte auch nicht vergessen: Vielen (mich ganz oft eingeschlossen), geht es nicht primär um das Ergebnis, sondern viel mehr um den Prozess der Entstehung eines Tracks oder Albums. Das ist es, was mir Spaß macht und mich antreibt und da spielt im Moment zB die Frage, ob das ein unverwechselbar, einzigartiges Klangerlebnis ist, nicht die größte Rolle.
Aus der Volkswirtschaft sind das Minimal-(gegebenes Ergebnis mit geringstem Mitteleinsatz) und das Maximalprinzip (maximales Ergebnis bei gegebenen Mitteleinsatz) bekannt. Beides zugleich geht nicht.
Oder anders formuliert: Gib mir zwei Jahre uneingeschränkt die Air-Studios und meine Aufnahmen werden sich definitiv anders anhören, als heute.
 
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Ich weiß nicht, wieso da so ein vorwurfsvoller Unterton mitschwingt.
Kein Vorwurf, sondern eine Meinung, sehr persönlich...
Und gerade deine Produktionen haben mich mit zu den Thread veranlasst, da diese eben nicht meinem Eindruck entsprechen, im Gegenteil mir aufzeigen, das es sehr wohl möglich ist, auch mit beschränken Mitteln eine sehr guten individuellen Sound (neben den Skills der Komposition) herzustellen.
Du warst einer der Maßstäbe, die ich angelegt habe für die Aussage, das es eben auch geht, gute individuell klingende Songs abzuliefern und es somit nicht unmöglich ist.
Und das auch auch Drummersicht bez. deiner hervorragenden Skills, als Gitarrist auch Drums sauber zu "programmieren".
Deshalb bist du (bei Rocksongs) sozusagen eine meiner Messlatten.
 
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Vielen Dank für die Blumen :oops:
 
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Deshalb bist du (bei Rocksongs) sozusagen eine meiner Messlatten.

Gibt es da auch eine Link zu einem Beispiel, welches Dir gefällt? Gerne auch mehrere, nicht nur von ein und dem selben "Produzenten"...
 
Gibt es da auch eine Link zu einem Beispiel
Ich verlinke mal zu @mjmueller Soundcloud (ich hoffe, das ist okay, sonst Rückmeldung).
Das sind m.E. hervorragend gemixte Songs zu hören...
https://soundcloud.com/search/sounds?q=mjmueller&filter.created_at=last_year

Des Weiteren stechen für mich die Songs (und eben der Sound) des Users @wolbai heraus...
https://soundcloud.com/wolbai-music

Ein letztes Beispiel für die etwas härtere Gangart ist für mich @roger.ricks
Beispiel...
www.youtube.com/watch?v=Wi5FEB10ZFo
 
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Hallo @Ralphgue :

Danke für Deine positive Erwähnung meiner Songs im Zusammenhang mit Deinem Beitrag:)

Dein Engagement, konstruktive und differenzierte Feedbacks zu MB-Hörproben zu geben, finde ich beispielhaft und sehr lobenswert!


Zu Deiner eingangs erwähnten These ...

These:
Der "Sound" aktueller Homestudio Produktionen ist unglaublich beliebig, austauschbar, langweilig und immer gleich.
(ich rede vom Klang, nicht dem musikalischen Inhalt).

... ist es mir ein Bedürfnis in diesem Thread auch noch meine Sicht zum Thema ""Sound" aktueller Homestudio Produktionen" einzubringen.



1. "Heutige digitale Recording/Mixing/Mastering-Technologie" vs. "Die gute alte analoge Recording/Mixing/Mastering-Technologie"

Mit Blick auf die heute verfügbare Recording/Mixing/Mastering-Technlogie bin ich der Meinung, dass es noch nie bessere Zeiten für kreative (Hobby)-Songwriter und Home Recorder gegeben hat als dies heute der Fall ist: Für nahezu jeden (Hobby)-Musiker ist heute qualitativ hochwertige Technologie zu sehr erschwinglichen Preisen verfügbar. Mit ca. 1.000 EUR kommt man bzgl. der Recording/Mixing/Mastering-Software da schon sehr weit.

Diese (mitunter negativ betrachtete) Homerecording-Technologie (welche teilweise davon auch in professionellen Studios verwendet wird) ist in mehrfacher Hinsicht der Technologie aus den 70er-80er Jahren, sowohl klanglich als auch in punkto Anschaffungspreise überlegen. Die in dieser Zeit entstandenen Produktionen sind zudem auch nicht durch die Bank klanglich klasse produziert. Und ich bin z.B. davon überzeugt, dass ich mit meiner heutigen Home Recording-Technologie teilweise klanglich bessere Coversongaufnahmen erstelle als dies beim Original der Fall ist.

Wenn ich mich selbst in die Zeit zurück versetze und z.B. einmal den APHEX Aural Exciter heranziehe, so finde ich diesen u.a. auf meinem Grover Washington Jr. "Winelight"-Album erwähnt.
Das Gerät wurde ab Mitte der 70er Jahre (bis ca. Ende der 70er) für einen Minutenpreis für 30 USD (!) für das Mixing an professionelle Studios vermietet. Heute bekomme ich ein entsprechendes Software-Plugin für ziemlich genau diesen Minutenpreis. (Die Diskussion, dass diese Plugins ja teilweise auch nur 90% des Originalsounds hinbekommen schenlke ich mir dabei).

Ich erinnere mich an Anfang der 80er Jahre als ich mit einem Cassettenrecorder und mitgeliefertem Mikro eine Bassspur aufgenommen habe. Zu dieser Spur habe ich dann mit einer Gitarre ein paar Powerchords gespielt und so einen Song entwickelt. Was waren das für Welten im Vergleich zu heute !!!

Ich erwähne diese Vergleiche zu früher, um zu verdeutlichen, dass es aus meiner Sicht in den überwiegenden Fällen nicht an der heutigen Technologie liegt, wenn manche Songaufnahmen "beliebig, austauschbar, langweilig und immer gleich klingen". Der Hauptgrund dafür sitzt ganz einfach:

- vor dem Gesangsmikrofon,

- an der Gitarre, am Keyboard, etc.

- vor dem DAW-PC beim Mixing/Mastering.

Dass heute vielfach (auch in professionellen Studios) immer weniger analoges Equipment (Mischpulte, Effekt-Racks, etc.) für das Recording/Mixing/Mastering von Songs verwendet wird, sondern vieles "in the Box" (also mit Software im PC) entsteht, ist aus meiner Sicht auch kein Hauptgrund für "Gleichförmigkeit, Leblosigkeit, etc." im Endergebnis. Bei Massenproduktionen ist das schlicht so gewollt, um dem Massengeschmack, der ausschließlich über Abspielraten maßgeblicher Spotify-Listen bestimmt wird, Rechnung zu tragen.

Des weiteren bin ich auch nicht von der maßgeblichen Bedeutung von Musik-Technologie an der Gesamtperformance eines Songs überzeugt.

Früher, wie heute ist es aus meiner Sicht zu ca. 80% der kreative Musiker, der Songwriter, der kreative und dafür ausgebildte Tontechniker (als Home Recorder, sehr häufig in einer Person), der einen Song als Endprodukt ausmacht. Selbt wenn es daher so wäre, dass die heutige Home Recording-Technlogie so dermaßen gleiche Sounds erzeugt, so stünden dieser immer noch ca. 80% musikalische Kreativität und Spielvermögen am Instrument gegenüber, die für ausreichend Differenzierung und Qualität sorgen sollten.



2. Home Recording - "Willkommen im schönen Wahnsinn"

Wie @mjmueller aus meiner Sicht schon sehr treffend bemerkt hat: Home Recording ist das Jonglieren mit vielen Bällen, bei dem immer wieder welche herunter fallen:

Es geht hierbei ja nicht "nur" um das Erreichen eines ordentlichen Tiefganges bei einem Instrument, sondern um das Abdecken einer Vielzahl von musikalischen/technischen Fertigkeiten in einer großen Breite. Denn im Prinzip startet man ja den Versuch von der Instrumentenseite her, das Können einer kompletten Band zu ersetzen. Im Recording/Mixing/Mastering wird man dann einmal schnell zum hervorragenden Tontechniker. Bei der Videoerstellung (falls das auch noch dazu käme) setzt man sich den Art-Director Hut auf, um dann als Socialmedia-Manager seinen Song auf Hobbyniveau-Level zu "vermarkten".

Dass da JEDER Home Recorder davon nicht alles abdecken kann ist selbstredend. Die meisten von uns Home Recordern haben da 2-3 Standbeine (z.B. das Songwriting, Gitarre, Mixing/Mastering). Bei den anderen Themengebieten (z.B. Gesang, Keys, Drums, Bass) macht man mit seinen vorhandenen Möglichkeiten das Beste daraus bzw. es gelingt einem, einen ehemaligen Musikerkollegen (oder MB-User ???) für die Mitwirkung an einem Songprojekt zu motivieren.

Und je länger man das Home Recording betreibt und durch seine Lernkurve geht, umso mehr realisiert man, dass es immer neue Türen zu neuen Räumen gibt, die man sich zuvor nicht vorstellen konnte. Das alles erfordert: Zeit, Leidenschaft für Musik, Durchhaltevermögen und eine "Stehaufmännchen-Eigenschaft".

Home Recording ist aber auch eine schöne Reise mit sich selbst, entlang einer Songentstehung. Auch wenn mir das Endergebnis schon wichtig ist, möchte ich die vielen schönen Teilerlebnisse wie eine Drumspur, eine passende Keysspur, etc. entsteht über die ich mich des Abends daran freuen kann, wirklich nicht vermissen.

Ich habe vor diesem Hintergrund daher großen Resepkt, viel Verständnis und Symphatie für Musikerkollegen, die ernsthaft und ambitioniert Songwriting und Home Recording betreiben.



3. Erstellung authentischer Drumspuren

Das spezielle Thema wurde in diesem Thread ja schon mehrfach erwähnt. Auch hier bin ich der Meinung, dass die heutigen Drum-Plugins (wie z.B. Toontrack EZ Drummer 2 oder Superior Drummer 3) hervorragende Sound-Libraries haben, mit denen sich ganz prima songdienliche Drumtracks erstellen lassen. Diese Sound-Libraries sind ja auch nicht von hirnlosen Computern erstellt, sondern von clickfesten Profi-Drummern eingespielt worden. Diese Software-Tools sind in jedem Fall dazu geeigent professionelle Songs zu veröffentlichen (und nicht nur Demos).
Dass sehr gute (professionelle) Live-Drummer noch mehr Qualität, Kreativität in eine Songrhythmik hineinzaubern können, steht außer Frage.

Darüber hinaus ist der Einsatz von Drum-Plugins für die allermeisten Home Recorder, mangels Räumlichkeiten und/oder eigener Kenntnisse, schlicht alternativlos.

Wenn ich dann noch einmal in meiner Erinnerung krame, mit welchen Live-Drummern ich es zu tun hatte, dann waren da auch einige reale Exemplare dabei, die meinen heutigen Software Drum-Plugins in punkto Variabilät, Clickfestigkeit, Durchhaltevermögen beim Loopen definitiv NICHT das Wasser reichen können. Ein realer Drummer ist, offen gestanden, daher auch nicht immer die bessere Lösung.

Gerade bei den Drumspuren von Home Recording-Aufnahmen fällt mir ebenfalls auf, dass diese bei MB-Hörenproben gelegentlich die Schwachstelle darstellt.

Das liegt aus meiner Sicht aber nicht an den verwendeten Plugins, sondern an der mangelnden Erfahrung desjenigen, der diese Drumspur erstellt. Denn eine Drumspur klingt nur dann authentisch, wenn sie nicht nur wie ein Drum klingt, sondern wenn auch die einzelnen Drumparts so erstellt sind, wie sie ein Drummer spielen würde. Alleine für die Klangeinstellung bedarf es schon einer gewissen Zeit, die man dafür investieren muss, um das Tools und dessen klanglichen Möglichkeiten, kennen zu lernen.

Die weitaus größere Baustelle ist aus meiner Sicht jedoch die fehlende Erfahrung, wie ein Drummer die einzelnen Parts spielen würde. Diese kann man sich in Teilen auch dadurch aneigenen, in dem man viele Jahre in Bands mit Drummer gespielt hat. Das ist aber ein mehrjähriger Lernprozess.

Ich finde daher den nachfolgenden Hinweis von @Ralphgue ...

Ich bleib mal bei den Drums, an den ich letztlich Kritikpunkte bei manchen Home Produktionen hatte.
Einmal die immer gleich klingenden (sowas wie "amtlich") Sounds/Sets, die ja auch z.T. vorbehandelt sind (Kompressor, EQ, FX etc.), wobei doch wohl auch bei den Platzhirschen andere Sets geben müsste (hat ja selbst Garageband).
Und einmal die entweder recht einfallslose Programmierung, da eben Skills fehlen, oder als Gegenteil, Fills und Übergänge, die ein echter Drummer nie so spielen würde oder es technisch nicht möglich ist.
Dann die oft fehlende Dynamik im Sinne von, der Drummer folgt dem Song durch nuancierte Lautstärke plus Einsatz adäquater Stilmittel wie HiHat langsam öffnen zur Steigerung, Ride Becken bei Refrain, Rideglocke zur Betonung z.B. bei Solobegleitung und vieles mehr.

... zutreffend.

Vielleicht wäre es ja auch eine gute Idee, wenn Du @Ralphgue als Drummer so eine Rubrik im MB-Forum erstellst, wo Du und andere Drummer den MB-Songwritern Feedback zur Spielweise (und ggf. auch Klang) bei ihren Drumspuren geben würdest.


Wieder 'mal ein Monsterbeitrag geworden - sorry :D


Grüße aus Franken - wolbai:great:
 
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Moin!

Warum sehr viele Home Recording Sachen gleich oder ähnlich klingen, hast du @Ralphgue ja schon selber beschrieben. Die meisten Homerecordler besitzen Interfaces mit 2 bis 4 allerhöchstens 8 Inputs. Allein das gibt technisch schon keine Möglichkeit eine Drumabnahme zu machen. Eine Mindestmikrofonierung eines Standard Drumsets braucht schon 11 Mikros. Wenn ich Studiotechnisch ordentlich abnehmen will bin ich bei 17 Plus. Allein das übersteigt Homerecording Equipment. Also was bleibt, Drums aus einem Plugin einsetzen und das dann auch noch aus Tools die wiederum erschwinglich sind oder sogar kostenlos. Die bekannten und schon genannten Werkzeuge wie EZ, IK, Ni oder auch mal BFD eingesetzt. Je nach Software kann man nun mehr oder weniger tief in die Sounds eingreifen und vor allem muss man dann auch wissen wie und was man da macht. Das alles ist insofern ja auch ok, denn es ist eben Homerecording und keine Studioproduktion.
Und wie du ja selber schon geschrieben hast, verwenden eben die User so ziemlich das gleiche Zeugs.
Nun ist der eine etwas ambitionierter und friemelt etwas besser als der andere was zurecht. Aber das ist doch auch alles völlig normal.
Du sagst du bist Fan von Orgelsounds. Als Drummer bekommst du aber bestimmt nicht so gute qualitative Sounds via Plugins gebastelt, wie ein Organist. Der wiederum bastelt nicht so gute Drumsounds wie du sie hin bekommen würdest.

Damit es "anders" klingt, muss man entweder eingetrampelte Pfade verlassen und den Mainstream stellenweise verlassen. Aber auch das fällt vielen schwer, da sie sich eben an diesem orientieren. Es sind eben keine Toningenieure, sondern nur Hobbymusiker. Und nicht jeder Musiker ist auch technisch versiert so das er einen Tontechniker abgibt. Das sind glaube nur die wenigsten. Auch wenn sich jeder heutzutage ein Interface, eine DAW und alles mögliche an Studiozubehör kaufen kann, weil es erschwinglich geworden ist, können die die meisten gerade noch einen EQ halbwegs bedienen. Bei Einsatz von Comps oder anderen Dingen ist da ganz schnell Ende Gelände.
Aber ein Hobbymusiker muss das auch gar nicht können. Leider denken die meisten, gerade weil alles erschwinglich ist und man alles selber aufnehmen kann, sie wären alle Top Produzenten und könnten es mit allen renommierten Studios aufnehmen. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Auch das bringt meiner Meinung nach das hervor was du ansprichst. Aber wie du auch sagst, bestätigen mal wieder Ausnahmen die Regel.

Greets Wolle
 
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Hallo,

Allein das gibt technisch schon keine Möglichkeit eine Drumabnahme zu machen. Eine Mindestmikrofonierung eines Standard Drumsets braucht schon 11 Mikros.

...oder man schaut sich - für den Heimbereich! - auch mal Setups wie Recorderman oder Glyn Johns an. Ein "modernisiertes" Glyn-Johns-Mikrofonsetup geht sogar mit einem vierkanaligen Interface, der Recorderman braucht nur zwei Mics. Zugegeben, das wäre nicht unbedingt die Technik für Metal, aber vor allem mit der Glyn-Johns-Anordnung kommt man schon _sehr_ weit... und ich verlinke wieder mal eines meiner Lieblingsvideos zum Thema:



Und natürlich: Praxiserfahrung gibt es weder im Laden zu kaufen noch gibt's eine App dafür :D - das Mixing muß man genauso lernen wie ein Instrument. Und üben...

...eingetrampelte Pfade verlassen...

Halte ich auch für sehr wichtig. Selbst probieren bringt weiter ;) - auch mal unkonventionelle Sachen machen. Gewagte Einstellungen können natürlich auch mal in die Hose gehen, aber dank der heutigen nondestruktiven Arbeitsweise im Rechner bleibt man ja immer auf der sicheren Seite.
Wenn ich dran denke, wie oft ich damals - Ende der 80er! - die Mischungen von unseren eigenen Band-Achtspuraufnahmen über eine Fostex 820-Konsole vergeigt habe (...oder alleine schon im try-and-error-Verfahren erst mal schauen mußte, wie ich das mit meinen damals sehr beschränkten Mitteln überhaupt auf Cassette bekam...), dann muß ich sagen, bin ich für dieses Erfahrungs-Sammeln heute noch dankbar.
Allerdings habe ich nur noch ganz selten mal eine komplette Band im "Kellerstudio" - Bands machen ihre Demos ja heute meist eh selbst... ;), sondern bewege mich mehr im Klassik-Bereich.

Viele Grüße
Klaus
 
... Die Frage ist natürlich immer wie viel Zeit- und Kostenaufwand man für die letzten 1-5% Soundqualitätsverbesserung (z.B. für die Mikrofonierung eines Live-Drumkits mit 17 Mikrofonen) durch Investitionen in Technik aufbringen kann und will.


Für die überwiegende Anzahl der im MB-Forum aktiven Songwriter / Home Recorder ist das aus besagten Gründen aus meiner Sicht jedoch keine Alternative.


Zur Veranschaulichung hierzu auch ein weiteres (englischsprachiges) YT-Video von Warren Huart, dass meines Erachtens hörbar zeigt, wie man auch mit preiswertem Home Recording-Equipment, einem guten 4-Kanal Audiointerface, einen ganzen Song inkl. Drums mit Beteiligten, die wissen, was sie tun, klanglich akzeptabel aufnehmen kann:





Das Video ist natürlich auch eine "Verkaufsveranstaltung". Aber man hört und sieht eben was man mit Erfahrung und Können aus "billigem" Home Recording Equipment heutzutage an Songaufnahmen heraus bekommt.


Es wäre auch einmal interessant, einen Blindtest zwischen gut erstellten Software Plugin Drumspuren und mikrofonierten Live-Drumspuren durchzuführen und den damit einhergehenden Zeit- und Kostenaufwand gegenüber zu stellen.

Vermutlich gibt es das ja schon :gruebel: Unter der Voraussetzung, dass die Software Plugin Drumspuren von einem Fachmann erstellt sind, wäre meine These, dass sich da klanglich nicht viel Unterschied ergibt und beim Zeit- und Kostenaufwand ein abgenommenes Live-Drumkit mit 17 Mikrofonen merklich schlechter abschneidet.


Grüße aus Franken - wolbai:great:
 
Naja, der wird sein Drumkit wohl nicht im eher wenig behandelten Keller seines Hauses abgenommen haben. Zumal der Drummer sicher auch nicht ein günstiges und einfaches Kit spielt. Dazu kommt dass hier eigentlich nicht eine fancy Mikrofoniertechnik wie Glyn Johns zum Einsatz kommt sondern straight forward Close Miking, steht ja nicht viel rum.
Alles in allem ist es halt schon so dass gute Räume und Instrumente gepaart mit viel Erfahrung selbst aus typischen Homerecording Equipment mehr rausholen wird als allerfeinstes Highend Equipment einem Homerecorder in seinem Schlafgemach bringen würde.
 
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Es wäre auch einmal interessant, einen Blindtest zwischen gut erstellten Software Plugin Drumspuren und mikrofonierten Live-Drumspuren durchzuführen und den damit einhergehenden Zeit- und Kostenaufwand gegenüber zu stellen.

Das ist schwierig, viele Drum Libraries sind ja schon bei der Produktion mindestens leicht bearbeitet. Man müsste sich auch dafür überlegen was man miteinander vergleicht, den fertigen Mix oder die Rohfassung. Dabei läuft man aber fast automatisch in ein doch unterschiedliches Bleed Verhalten, selbst bei so aufwändigen Engines wie vom BFD verhält sich das im Vergleich anders. Dann haben viele Engines natürlich auch deutlich andere Räume die gerade zwischen Near und Far Room Mikrofonen relativ viele Möglichkeiten bieten die man außer in komplexen Räumen kaum hat.

Der Kosten- und Zeitaufwand ist hier aber für mich schon relativ klar, da haben virtuelle Drummer einfach die Nase vorn wenn man mal davon ausgeht, dass das jemand macht der das auch wirklich gut kann und damit auch die entsprechende Erfahrung hat, der ist dann nämlich auch richtig schnell (wenn er das jetzt nicht noch vorher komponieren muss). Außerdem fallen Nebenfaktoren wie Felle wechseln, Tuning und das ganze Zeug weg, man spielt ja auch kein Album mit einem Satz Felle durch. ;) Mal von Kommunikation, Monitoring, Pausen, Takeauswahl und allem abgesehen. Je nach Größe der Produktion nehmen Drums da schon einen großen Teil der Kosten in Anspruch.

Ich persönlich habe bei mir auch erst dann große Fortschritte bemerkt, als ich angefangen habe andere Künstler aufzunehmen und mit denen zu arbeiten. Dabei hab ich mit viel mehr Abstand ganz neue Dinge gelernt und ausprobiert als bei der eigenen Musik. Mittlerweile mische ich die eigenen Releases gar nicht mehr weil ich gemerkt habe, dass ich da zu nah dran bin. Und wenn ich ehrlich bin sind die Sachen die ich für andere Künstler gemacht habe echt besser als die für meine eigenen Songs. Gut vielleicht waren das auch bessere Musiker, aber zumindest schieb ich auch einen Teil darauf, dass ich einfach einen ganz anderen Blickwinkel darauf habe. :redface:
 
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Der Sound ist das Produkt einer individuellen Herangehensweise, einer individuellen Philosophie der Klanggestaltung. Würde ich nicht anhand der verwendeten Produktionsmittel ausmachen wollen. Verallgemeinern würde ich da nichts. Je mehr man selbst macht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eben nicht in einem Einheitsbrei zu versinken. Der Rest ist eine Sache von Skills und inwiefern man meint, einen Sound kopieren zu müssen. Wichtig ist es einfach, eine eigene, unabhängige Handschrift zu entwickeln. Studiotechnik hat sich immer verbessert und wurde erweitert. Die guten Mischer/Tonis/Produzenten/Musiker erkannten und erkennen Potential darin, andere nicht. So isses halt. Ist aber alles keine Frage von Digitalisierung per se, oder Equipment. Es ist der Anspruch an die Kreativität, an das Ziel, das man sich setzt, welcher entscheidet. Ohren und Hirne müssten eigentlich individuell ticken können.
 
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