Die Deutsche Griffweise-ein Fauxpas?

von Gast 2197, 19.01.16.

  1. Gast 2197

    Gast 2197 Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 19.01.16   #1
    Auf der Suche nach Bärenreiterflöten habe ich auch Peter Harlan als Hersteller ausgemacht und mich mal auf die wenigen Spuren des "Erfinders der Deutschen Griffweise" gemacht, über die ja schon viel spekuliert wurde.
    Auch hier im Forum fand ich nur eine vage Aussage dazu:

    Einen sehr interessanten Artikel über ihn fand ich in der Online-Windkanal-Ausgabe 2006-3. Da gibt es eine Abschrift eines Interviews mit ihm, in dem er sagt:

    Etwas später im Text wird im Zusammenhang mit den Bärenreiterflöten von ihm noch folgendes erwähnt:

    Also scheint die Deutsche Griffweise nur "aus Versehen" in die Welt gekommen zu sein... denn es ist noch zu lesen:

    Er wollte scheinbar nicht, dass sich seine Griffweise weiter verbreitet, da er es für falsch hielt was er da gebaut hat, aber der "Siegeszug" war nicht aufzuhalten.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  2. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 19.01.16   #2
    Irgendwo habe ich einen ich glaube von Herrn Moeck geschriebenen Artikel, der sich mit diesem Fehler auseinandersetzt. Finde ihn leider gerade nicht auf Anhieb in meiner Bibliothek. Das ist ein ganz dünnes Heftchen aus einer vor vielen Jahren veröffentlichent Schriftenreihe.

    Damals war man dabei, die Blockflöten wiederzuentdecken und erarbeitete die Modelle nach alten Vorlagen. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, entstand der Fehler durch irgendein Missverständnis oder einer falschen Interpretation einer Vorlage. Genau weiß ich das nicht mehr. Sobald ich Zeit dafür habe, suche ich den Artikel mal in meiner Bibliothek. Das Heftchen st halt sehr dünn und versteckt sich gerne. Wenn es dann versehentlich mitgegriffen und anschließend falsch abgelegt wurde ... :rolleyes:


    EDIT
    Gut, wenn man eine Datenbank pflegt ...

    Jetzt hab ich das Heftchen beim 2. Anlauf mit Hilfe dieses "Wegweisers" gefunden. :-)

    Hermann Moeck: Zur "Nachgeschichte" und Renaissance der Blockflöte
    Sonderdruck aus TIBIA 1978

    Ich fand nur Verweise auf dieses Schriftstück jedoch keine Bezugsquelle.
    Daher zitiere ich die mir am wichtigsten erscheinenden Passagen daraus in geraffter Form.
    Von mir erklärende Hinweise setze ich in türkis ab.

    Es folgen Hinweise auf weitere an der Blockflöte interessierte Musiker und diverse Hersteller, die sich in der Folgezeit aufgrund der von Harlan und seinen "Mitstreitern" ausgelösten Nachfrage an Blockflöten mit diesem Instrument intensiver zu beschäftigen beginnen.

    ...
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  3. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 19.01.16   #3
    Gerade das scheint "der Fehler" von Harlan gewesen zu sein, denn er beschreibt es in dem Artikel vom Windkanal noch genauer wie er dazu kam so eine Flöte zu bauen und was daraus wurde. Man muss nur etwas querlesen, denn da steht noch einiges über andere Instrumente und Ereignisse die mit Flöte nichts zu tun haben.

    Edith sagt: @Lisa2 du warst aber schnell und hast ja schon editiert als ich geschrieben habe, danke für den Hinweis :great: Ich habe es als Downloaddatei gefunden.
     
  4. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 19.01.16   #4
    Ah! Prima und ich habe beim Lesen des Artikels die Finger mitlaufen lassen (siehe oben).
    Ich lasse das Zitat aber mal stehen, da darin verkürzt berichtet wird, was der Auslöser für den Blockflötenboom ab etwa 1926 war.
     
  5. Ralinem

    Ralinem Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.10.15
    Zuletzt hier:
    20.09.18
    Beiträge:
    697
    Zustimmungen:
    382
    Kekse:
    4.116
    Erstellt: 19.01.16   #5
    An anderer Stelle habe ich gelesen, dass es sich anfangs um eine Fehlbohrung (eines Lehrlings(?)) handelte, mit der Feststellung, dass man die Anfängertonleitern mit dieser "Fehlbohrung" einfacher greifen könne und hat dies dann weiter verfolgt.

    In späterer Zeit habe Peter Harlan aber die "Deutsche Griffweise" selbst als Fehler angesehen, da später die Gabelgriffe komplexer werden und die Intonation leide.

    Küng z.B. baut gar keine Blockflöten mit "Deutscher" Griffweise. Andere Hersteller nur Anfängerflöten.
     
  6. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 19.01.16   #6
    Klasse, das war mein "missing link". Mit dem Artikel von Hernn Moeck ergibt es so langsam ein Bild.
    Na klar, da können Interessierte erst mal querlesen :great:

    Das kannst du auch in dem Bericht lesen. Diese "Fehlbohrung" war wohl sein erster Versuch und sie existiert noch und ist in Familienhand zusammen mit der nächsten, besseren Flöte die Harlan gemacht hat.

    Die Einsicht hatte er wohl recht schnell, aber da alle erst mal begeistert waren von der scheinbar einfacheren Griffweise, hat er den Trend den er angestossen hat nicht mehr aufhalten können.
     
  7. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 20.01.16   #7
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  8. Ralinem

    Ralinem Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.10.15
    Zuletzt hier:
    20.09.18
    Beiträge:
    697
    Zustimmungen:
    382
    Kekse:
    4.116
    Erstellt: 20.01.16   #8
    Da hast Du etwas Interessantes ausgebuddelt.:great:
     
  9. blockarina

    blockarina Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.07.13
    Zuletzt hier:
    20.05.17
    Beiträge:
    506
    Zustimmungen:
    273
    Kekse:
    4.442
    Erstellt: 20.01.16   #9
    Finde den Blog auch interessant! Mit Frau Pape hatte ich schon einige nette Gespräche in Stockstadt geführt ;-)

    Blockarina
     
  10. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 21.01.16   #10
    Da musste ich nicht buddeln @Ralinem :D Die Seite ist in meiner Linksammlung, ich habe inzwischen nur schon sooooooooooooo viele schöne links gesammelt und noch viel mehr Interessen... :rolleyes:


    Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr mal schaffe in Stockstadt aufzutauchen @blockarina, letztes Jahr hat es leider nicht geklappt.
    Ich muss doch @Lisa2 noch vorführen, wie ich meine Flöten von innen poliere, ich habs versprochen...:whistle::D
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  11. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 26.01.16   #11
    Da mich dieses Thema noch lange nicht los lässt, habe ich inzwischen viele interessanten Informationen zusammen getragen. Vorab ist für mich total spannend, dass ja eigentlich keine wirklich gute Flöte mehr existierte als Vorbild. Die wenigen noch vorhanden waren fast alle unspielbar uns es war in dieser Zeit ein großes ringen darum, überhaupt wieder spielfähige Instrumente zu erschaffen.

    Kurioserweise hat aber die Flöte in aller Stille im Berchtesgadener Land überlebt. Dort werden die alten Pfeifenmacherfamilien Walch und Öggl erwähnt, die in alter Tradition immer noch ihre "Fleitln" gebaut haben und wohl ihren Ursprung in der Barockzeit hatten .

    Bei meiner Recherche stiess ich dann auf ihn :cool:

    Ein Nachfahre der Familie Öggl hat noch eine kleine, feine Drechslerei
    und da gibt es sie, das "Original Berchtesgadener Fleitl". :great:

    Wenn Herr Öggl noch nach alten Vorbildern arbeiten sollte, dann wäre es die letzte "echte Blockflöte" die die Jahrhunderte bei uns in aller Stille überdauert hat:eek:... :m_flute:
     
    gefällt mir nicht mehr 4 Person(en) gefällt das
  12. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 26.01.16   #12
    Ich habe Herrn Öggl heute morgen angeschrieben und prompt eine freundliche Antwort erhalten. Leider macht er zur Zeit keine Fleitln... :(

    Und ja, er hat das Handwerk noch von seinem Großvater gelernt und konnte das handwerkliche Wissen und die alten Werkzeuge noch von seinem Urgroßvater übernehmen.

    Mit ihm geht wohl ein großer Wissensschatz "flöten" wenn er keinen Nachfolger mehr hat und ob er nochmal welche baut lies er leider offen...
     
  13. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 26.01.16   #13
    Auf der Webseite der Drechslerei Öggl erfährt man leider nicht sehr viel über das Fleitl. Hast Du nach dem Griffsystem gefragt?
     
  14. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 26.01.16   #14
    So weit kam es garnicht, leider.

    Aber die Berchtesgardener Flöten wurden nachdem was ich gerade noch gelesen habe gerade im 1900 Jahrhundet in Norwegen beliebt und davon zeugen heute noch die Sjøfløyte und die Tussefløyte. Diese scheinen noch das Griffsystem von "damals" zu haben.

    Während man die Tussefløyte/Stadtflöte noch einfach kaufen kann und scheinbar eher einer Schulflöte entspricht, ist die Sjøfløyte/Seeflöte in alter Tradition weiter gegeben worden zu sein und nachdem niemand mehr sie baute, hat Bodil Diesen diese rekonstruiert und nachgebaut.

    Bei Blockis gibt es eine Grifftabelle von einer Sjøfløyte in Alt von Bodil Diesen , könnte das die alte Griffweise sein?
     
  15. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 26.01.16   #15
    Die alte Griffweise von der Berchtesgadener?
    Weiß nicht. Vielleicht.

    Das untere und das obere B entsprechen der deutschen Griffweise.
    Das obere F und das obere G wird ohne Mittelfinger gespielt. Diese Griffweise findet man auch beim 9-Loch-Okarina-Griffsystem.
     
  16. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 26.01.16   #16
    Da ich immer noch mit dem größten Vergnügen in Peter Thalheimers Buch: " Die Blockflöte in Deutschland 1920–1945" lese habe ich mal versucht was zu finden.

    Nicht so einfach, da ist viel verschollen. Aber die Schätze zu diesem Thema kann ich garnicht auf die Schnelle heben und es würde dem Buch auch nicht gerecht, denn vieles würde aus dem Zusammenhang gerissen. Man findet Beispiele zu allen möglichen Griffweisen und und und...

    Auf alle Fälle waren die Berchtesgardener Flötenbauer Teil eines größeren Zunftsystems von Pfeiffenmachern die sich 1581 zusammen geschlossen haben. Da war zumindest eine lange, durchgehende Tradition dahinter.
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  17. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 04.02.16   #17
    Die Homepage von Herrn Öggl wurde stillgelegt nach meiner Anfrage, ich denke da wird nichts mehr kommen, schade...

    Nun habe ich mal im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern angefragt, ob sie vielleicht eine Grifftabelle des Fleitls
    haben und ich die mal einsehen könnte.
     
  18. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 04.02.16   #18
    Ich habe die Homepage gerade noch einmal gefunden.
     
  19. Gast 2197

    Gast 2197 Threadersteller Inaktiver Benutzer

    Im Board seit:
    02.04.15
    Beiträge:
    1.363
    Zustimmungen:
    2.345
    Kekse:
    11.082
    Erstellt: 04.02.16   #19
    Es ist aber nur noch die Flötenseite eingeschaltet und man kann nicht weiterklicken, oder geht das bei dir noch?
     
  20. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.037
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.015
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 04.02.16   #20
    Ja. Am unteren Rand ist doch ein Menü.
     
Die Seite wird geladen...

mapping