Die Sterne im Brunnen

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Und wie es so geht - ein neues und auch noch sehr frisch ...

Die Sterne im Brunnen

Du spiegelst mich und ich spiegele Dich
und die Sterne schimmern silbern im Brunnen.
Der Baum darüber, seit Jahren ruhig,
schwingt die Äste und bedeckt uns mit Laub.

Du wolltest nur atmen, doch ich hielt Dich auf
und nun stehen wir hier um den Brunnen.
Das Weltall darüber, so still und so tief,
bedeckt uns beständig mit Sternenstaub.

Tatsächlich vergaß ich, wie es ohne Dich ist.
Und nun bin ich, weil ich will, hier.
Ich sehe so gerne zum Fenster hinaus
und gehe so gern durch die Tür.
So wie es Blumen und Wiesen und Täler gibt
und Sonne und Meere und Licht,
so gibt es Dinge, die sind so tief und rund,
die tragen ihr eig´nes Gewicht.

Ich stehe bei Dir und Du stehst bei mir
und über uns ziehen die Wolken.
Ich wollte nur trinken, doch Du hast geseh´n,
mein Verlangen strebt nach so viel mehr.

Wir sind manches mal so eins in eins,
dass ein neues Weltall entsteht.
Wir wollten nur schauen und weitergeh´n
doch das ist schon so lange her.

Tatsächlich vergaß ich, wie es ohne Dich ist.
Und nun bin ich, weil ich will, hier.
Ich wünsche mir manchmal gar nicht mehr
und kann doch gar nichts dafür.
So wie es Freude und Fragen und Fühlen gibt
und ein Begreifen und ein Versteh´n,
so gibt es etwas, das braucht nicht mehr,
als sich selbst im Brunnen zu seh´n.

x-Riff
 
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Katz23

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Genau mein Thema. Aktuell renne ich mit einem alten Spiegel durch die Gegend, um Szenen einzufangen.
Deine Umsetzung ist so sanft und wohltuend. Mit dem Sternenhimmel, das passt so wunderbar rein...
 
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Danke Dir, Katze.
Das Bild mit dem alten Spiegel finde ich wunderbar. Das könnte aus einem Märchen sein: jemand läuft mit einem verwunschenen Spiegel umher, der nur alte Bilder zeigt - dabei ist alles längst weiter, statt Winter schon Frühling etc. Vielleicht liegt eine wichtige Aufgabe darin, immer mal wieder die Spiegel abzustauben, die so vertraut sind und mit der Zeit beschlagen - aber so allmählich, dass man es gar nicht wahrnimmt.
Dein Feedback ist sehr wohltuend. Und ja - der Sternenhimmel: so vertraut, immer da, nah und fern und umfassend zugleich.

x-Riff
 
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wit

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Schöner Text.
Was mir sofort dazu einfällt: Ick wull wi weern noch kleen Jehann (Klaus Groth)
Hier der Text: https://nds.wikipedia.org/wiki/Min_Jehann
Die vertonte Fassung, die ich vor kurzem gesungen habe, finde ich leider im Netz nicht.
Es sind ganz ähnliche Motive - der Brunnen, der Mond/die Sterne, die Stille. Nur dass ich mutmaße, dass es in deinem Text nicht um einen verstorbenen Bruder geht.
 
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Danke für Dein Feedback, wit!
Bei Hannes Wader klingelt was, wobei die plattdütschen Lieder sind nicht dabei. Ein Grund mehr, mal zu stöbern.
Und da ist es auch schon:

Sehr schön. Und richtig: es geht nicht um einen verstorbenen Bruder und eigentlich gar nicht um den Tod. Aber Text und Melodie und musikalische Umsetzung gefallen mir gut: einfach ist so ein doofes Wort, schlicht trifft es vielleicht besser.

Und da ist die Fassung von Klaus Groth:

Danke für die Hinweise!

x-Riff
 
Izelion

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Hallo x-Riff,

ich möchte mich heute mal von der anderen Seite des Textes versuchen. Dein Text hat soviel platz für Interpretation, es steht in ihm soviel mehr geschrieben als dort steht. Ich habe mich gefragt welche Message kann ich daraus ziehen und mir war sehr schnell klar, was dein Text mir sagen würde. Der Himmel, das All und die Sterne, alles so unendlich weit weg, aber auf der gespiegelten Wasseroberfläche des Brunnens, plötzlich doch so greifbar nah.

Angelehnt an Goethes "Erinnerung"


"Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen.
Denn das Glück ist immer da.

lg vom Izelion
 
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Hi Izelion,
danke - es ist schön, dass der Text Dich auf diese Weise berührt.
Es steckt so viel Wahres darin.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
Stefan Jenniches

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Hey RIff, ich finde den Natur romantischen Ansatz sehr schön. Mir gefällt das Bild, das du in meinem Kopf damit entstehen lässt.
Diese Zeile hier hat mir am besten gefallen : "Wir sind manches mal so eins in eins,
dass ein neues Weltall entsteht."

Schöne Lyrik, danke für's teilen.
 
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