Die Stimme kratzen lassen

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Elisa Day
Elisa Day
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Hallo zusammen, ich habe eine Problem. Das ist hier auch schon des öfteren grob diskutiert worden; trotzdem habe ich eine konkrete Frage. Vorweg: es geht nicht um Growlen, Screaming oder ähnliches. Es geht um reinen rockigen Gesang.

Ich habe eine sehr klare Stimme und mir fällt es schwer, die Stimme kratzen zu lassen. Ich kann es im Prinzip (vom Sound her), aber ich mache etwas falsch dabei. Ich weiß aber nicht was.
Sobald ich diese "Technik" des Reibens über die Stimmbänder anwende, brauche ich a) viel Druck (also schon mal falsch) und b) es tut nachher weh, bzw. geht nicht lange gut. Daher lasse ich es meist sein. Ich komme nur von dieser falschen Technik nicht weg. Ich müßte den kratzigen Sound ja komplett neu technisch aufbauen, aber das klappt aus mir unverständlichen Gründen nicht. Ohne den Druck auf die Stimmbänder passiert einfach nichts.
Wer hat Tipps, wie ich von der falschen Technik zur richtigen komme - oder bin ich einfach kein "kratziger" Typ und muß es mir aus dem Kopf schlagen (das wäre extrem schade)?
Ich brauche technische Tipps, wie ich ganz ohne zusätzlichen Druck (aus der Stütze heraus) zu einem kratzigen Sound komme.
Dankeschön!!!! :rolleyes:
Elisa
 
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ich will ja hier jetzt nicht ne allgemeine Hetze losreißen,aber...son bisschen Druck muss glaube ich immer dabei, wenn man seine Stimme stilistisch verändern will.

Grundsätzlich würde ich dir raten: Versuche deine Stimme nicht total untypisch verändern zu wollen, das sollte man einfach nicht machen. Was du versuchen möchtest, ist das Einsetzen eines Rock-typischen Stilmittels, du willst dieses "Knarzige" in der Stimme haben, obwohl deine Stimme von Natur aus alles andere als knarzig ist. Wenn du sie dann trotzdem veränderst, fängt es an weh zu tun.
Tut es im Hals weh? Dann hast du zusätzlich zu dem von dir angewendeten Druck den Ton nicht sauber in die Maske gesungen, der Ton ist abgesackt in den Hals. Das würde ich vorher immer prüfen, ob der Ton in den Nebenhöhlen und in der Nasenspitze "sitzt" (Körperpartie vibriert entsprechend). Sitzt der Ton,wirst du auch nicht "eng" im Hals, der Kehlkopf muss nicht "mitstützen" und du kannst trotzdem vom Zwerchfell Druck geben, speziell die "falschen Stimmbänder", die sog. Taschenfalten sorgen oft für diesen "Reibeisenton".
Ich weiss jetzt nicht inwieweit du deinen Ton verändern willst, aber wenn du eine von Natur aus klare und helle Stimme hast, wirst du nie klingen wie Bonnie Tyler, ausser du fängst jetzt erstmal ordentlich mit Rauchen und Trinken an und selbst dann - ich weiss nicht ;)

Ich hab eher das umgekehrte Problem, höre mich immer relativ dramatisch an und kann mich auch gut gegen ein Orchester durchsetzen, auch Modulationen in den Rockbereich gelingen eigentlich immer problemlos, hätte aber manchmal gerne eine lyrische, feine Stimme... man kann nicht alles haben

Herzlichst,Claudi
 
Wahrscheinlich sind deine Versuche zu laut. Bei mir wird es deutlich leiser, wenn ich die Stimme anraue. Zudem sind die Töne immer leicht "flat", da kann man wenig machen ausser die richtige Balance finden. Wenn du also rumprobierst, dann nicht zu laut, denn das schmerzt schnell. Ausserdem geht das bei mir nur in der Bruststimme. Weiß nicht ob das hilft, ich kanns auch nicht besser erklären. Ein bisschen Druck ist jedenfalls normal, aber wirklich nicht zu viel und vor allem nicht zu laut.
 
Hallo Elisa !
Ich kenne das Problem - habe selbst eine ganz klare Stimme und möchte sie hin und wieder ganz gerne anzerren. Mittlerweile hab ich den Dreh ganz gut raus.
Einen bestimmten Trick kann ich Dir nicht nennen. Ich habe es ausprobiert - hab mir die Texte der Songs vorgenommen, habe mir einzelne Worte oder Silben herausgesucht, die ich angezerrt haben will, und habe es dann einfach gemacht. Kommt Zeit, kommt Übung. Natürlich muss man auch nicht unbedingt vorher die Lyrics durchackern, man kann auch spontan entscheiden, wo man anzerrt.
Aber auf das "hin und wieder" kommt es wohl an. Man darf es einfach nicht zu lange machen, sondern nur als Effekt einsetzen, bei einzelnen Silben oder Tönen zum Beispiel. Eine ganze (Text)Passage kann schon zuviel sein. Und keinesfalls zu laut - die Lautstärke muss beim Anzerren das Mikro übernehmen, nicht die Stimmbänder. Wird man zu laut, bzw. arbeitet man mit zuviel Druck, ist die Stimme ruckzuck heiser.
schöne Grüße
Bell
EDIT: es stimmt schon, dass die meisten Raucher eine rauhere Stimme haben, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich habe früher nicht gerade wenig geraucht - und vor allem lang. Meine Stimme war aber immer klar.
 
Hallo Elisa
dasselbe habe ich vor einiger Zeit meine Gesangslehrerin gefragt, die mir daraufhin folgendes erklärt hat:

Die Kratzstimme ist ursprünglich sehr leise und man muß sie langsam auf einen gewissen Pegel bringen. Hier ist eine sorgfältige Mikrofontechnik gefragt.

Üben kann man sie, indem man auf einzelnen Vokalen "knattert" oder "knarrt" . Ich hoffe, daß du dir da was drunter vorstellen kannst. Das Knattern ist so, wie wenn man etwas nicht weiß oder ratlos ist, und dann ganz langsam sagt, "ja, also, ähhh, das weiß ich auch nicht". Das "ääähhh" wird dann oft unwillkürlich geknattert. Ich habe das vor einem halben Jahr mal angefangen zu üben und bin auch etwas weiter gekommen, so daß ich es nach relativ kurzer Zeit auch bei nicht mehr ganz so leisen Passagen anwenden konnte.
Leider habe ich aber dann das Interesse daran verloren, weil mir die GL so viel anderen Kram zum Üben aufgedonnert hat, daß ich dazu keine Zeit mehr hatte.
Aber es läßt sich eigentlich ganz gut gezielt üben.
 
Hey!
@Cyril
Das was du beschreibst, sind ja die Taschenfalten. Die man auch beim Screamen usw. einsetzt.
Ich glaube auch, dass man das Kratzige auch mit dieser Technik lernen kann.
Die Blues Sänger machen dieses kratzige aber glaube ich durch Druck und Bruststimme.

Wenn man die Taschenfalten immer mehr trainiert, dann kann man sie viel kontrollierter einsetzen. Auch nur sehr leicht - im Hintergrund. Ich habe auch mal von einer Technik gehört, bei der man seine Stimmbänder dermaßen lockern muss, dass sie so knarzen bzw. unregelmäßig schwingen. Also genau das Umgekehrte von "Druck drauf geben"

mfg, Lape
 
Das mit dem Knarren habe ich im Internet gelesen und für ne kurze Zeit ausprobiert: http://www.online-clinics.de/ges/303.html bzw. http://www.online-clinics.de/ges/304.html
Das klappt sogar ziemlich gut, allerdings schaff ich das nur für einzelne Wörter, was aber völlig ausreicht wenn man den Klang als Effekt und nicht dauernd einsetzt. Aber sobald ich mehr Druck gebe und angespannt bin, geht es nicht und die Stimme wird glatt und platt. Bei Auftritten hab ichs also nie hingekriegt, aber bei Bandproben klappts super. Bin danach auch nicht heiser. Unser Whiskey in the Jar Cover hört sich sogar nicht mehr ganz so brav und mädchenhaft an, trotzdem möchte ich in Zukunft nicht solche Lieder singen. Das Anzerren funktioniert nicht immer und zuverlässig, es besteht die Gefahr zu übertreiben und schwupps heiser. Ganz überzeugend klingts auch nicht, weil meine Stimme einfach keine Rockstimme ist, egal wie sehr ich knarre, artikuliere, etc. Aber für ab und zu mal, wenns passt, ist das ein netter Effekt.
 
@cyril: was Du beschreibst, kenne ich als "Hundeknarzen", lustig, nicht? Man stellt sich vor, man sein ein alter Hund, der faul daliegt und gekrault wird - die geben dann nämlich genau diesen wohligen Laut von sich.
Leise und vorsichtig angewendet hilft diese Übung sogar bei Heiserkeit und Verspannungen. Anzerren kann ich meine Stimme damit allerdings nicht, ich muss dazu schon ein bisschen mehr Power einsetzen.
schöne Grüße
Bell
 
Mit dem rauhen klang, meint ihr sowas krasses wie in "What a wonderful world"?
 
Super! Schon mal herzlichen Dank.
Probiere ich bei der nächsten Probe aus.
Heute erstmal Gig... :)
Elisa
 
Hi Bell
"Leise und vorsichtig angewendet hilft diese Übung sogar bei Heiserkeit und Verspannungen. Anzerren kann ich meine Stimme damit allerdings nicht, ich muss dazu schon ein bisschen mehr Power einsetzen."
Das ist mir genauso gegangen. Ich habe das Knarzen nur ganz leise und recht unkontrolliert hingekriegt. Aber nach ca 1 Woche jeden Tag üben hat es sich stabilisiert und ist auch schon lauter geworden. Ich nehme mir jetzt mal vor das jeden Tag ein bißchen zu üben, wobei ich aber jetzt auch schon wieder von meiner GL so mit Übungen zugeballert werde, daß ich nicht weiß, ob ich das schaffe.
Noch was: Mit den Taschenfalten hat das garnichts zu tun, wenn ich das Taschenfaltensingen richtig als L. Armstrong usw. verstehe. Wenn ich falsch liege, bitte korrigieren. Ich meine, Taschenfaltensingen ist doch laut und das worüber wir sprechen, ist am Anfang viel zu leise.

Hi Elisa Day
"Probiere ich bei der nächsten Probe aus."
Ich will Dir nicht unterstellen, daß du das nicht hinkriegst, aber ich glaube, daß die Beherrschung des Knarzens eine längere Übungsdauer erfordert. Ich habe es grade im Moment wieder ausprobiert und gemerkt, daß die blöden Unstabilitäten wieder ganz wie am Angang da sind. Der Klang ändert sich und ich muß die Stütze während des Ausprobierens neu einstellen (oder wie man das ausdrückt) um den Klang wieder einzufangen.
 
antipasti
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