Also ich hab die "kleine"
Marshall*, 4x12 im kleineren Gehäuse, die obere hälfte angewinkelt damit ich mehr auf die Ohren krieg.
Ob es kein Mensch braucht ist sowohl ansichtssache, als auch Ortsabhängig. (Nicht überall wird alles abgenommen und läuft über ne PA)
Natürlich: je länger man spielt, je besser man spielt, desto weniger braucht man es auch. (Location, Location, Location!) Als ich angefangen habe, war es keine Seltenheit dass wir unsere Gigs selbst organisiert haben. Einfach mitten in ner Wiese in der Pampa mit Einverständnis des Besitzers. Da hatte man sich von Bekannten eine Mini PA für den Gesang ausgeliehen (wenn überhaupt, lange habe ich über einen 30 Watt Gitarren-Übungsamp gesungen!) und alles andere musste von den Gitarren/Bassboxen selber kommen und dementsprechend wurde, wenn gekauft wurde, eben eingekauft, nämlich auf Reserve. Da gabs auch keine Bühne, da wurde eine Schalungstafel in die Wiese gelegt damit wenigstens das Schlagzeug stabil steht, der rest auf die nackte Erde. Den Generator soweit weg wies nur ging und das Publikum drumrum. "Bühnen" Beleuchtung = ein Bauscheinwerfer... ;-)
Lustige Zeiten warn das. Muss auch sagen: das war ne Punkband die wir da hatten, wenn wir aber spielten kam auch die ganze Dorfjugend von Normalos, Hip Hoper, Raver und was nicht und die fandens trotzdem toll auch wenns nicht 100% ihr Geschmack war. Zumindest Abwechslung, Live Musik und die ganzen Kollegen dort.
Aber auch viele kleinere Locations in meiner Gegend hatten nunmal vor 8-10 Jahren nicht so die Infrastruktur(die letzten 2-3 Jahre hat sichs etwas gebessert und es wurde am richtigen Ort investiert), oft waren die froh um alles was nicht über die (noch dazu oft nicht allzu gute) PA laufen musste, den Mikros gabs auch eher immer zu wenig als zuviel. Nicht selten waren auch Mikros einfach kaputt mit der Zeit sodass nicht mehr soviele da waren. Und man weiss ja wie das ist bei z.B. Jugendräumen aber auch sonstigen Winzig Locations für 100-120 Leute: es ist selten genug Geld da ums mit beiden Händen auszugeben, und manchmal wars eben auch so, ala´: "Mist, letztes Wochenende ging das aber noch" Und wo kriegste Samstag abend um sieben schon auf die schnelle einen Ersatz her.
Und aus den Zeiten stammt nunmal auch immer noch ein Grossteil meines Equipments. Ich bin absolut kein Gearhead, ich kaufe ganz selten mal was. Und darum nutze ich es auch immer noch.
Ich hab ein altes Kitty Hawk Junior Top mit dem ich vollauf zufrieden bin, also brauch ich entweder ne 412er oder ne 212er ums zu betreiben. 412er steht rum, also nehm ich die logischerweise auch. Das schleppen stört mich nicht so sehr dass ich jetzt losrenne und eine 212er kaufe, im Moment ist es so dass ich von dem Geld lieber ne Zweitgitarre kaufe und meine alte etwas aufrüste weil mir das erstmal wichtiger ist.
Ich kann beim Kitty das ATT auch leise drehen, ich kann so leise wies sein muss. Wenn ich laut brauch, kann ich aber auch laut und zwar mit der Box allein.
Ich weiss nicht ob heutzutage die Combos schon besser/lauter sind, aber zumindest in meiner vorherigen Band und der jetzigen können die Combo Spieler da nicht mit. (Was an den Combos liegen kann die sie nunmal haben)
Da ich wie gesagt kein Gearhead bin, kann ich auch nur sagen "Das eine ist eine
Fender* Combo, das andere ne
Marshall*". Mehr weiss ich nicht drüber, ich kenn ja nichtmal die Typenbezeichnung meiner eigenen Box.... das war mir genau 10 Sekunden beim Kauf wichtig wie die hiess damit ich nicht das falsche bestell, danach nie wieder.
Derzeit, inner Stoner Jam Band, ist der Schlagzeuger dermassen brachial dass ich die Reserven brauche damit es sich auch noch "richtig" anhört wenn er abgeht, dementsprechend kauft sich jetzt der zweite Gitarriest auch ne 4x12er und n Top weil anders gehts nicht, der Basser hat sowieso auch nen heftigen Mark Bass Würfel...
Wir proben auf 10/10 (gut, der Kitty hat nur 50 Watt) und das geht nicht viel anders weil das Schlagzeug hat keine Regler, der Drummer ist ne Maschine und das Schlagzeug auf Laut getrimmt (der Kerl hat bei jedem Kessel ein paar extra Inches in der Länge im Vergleich zu anderen Schlagzeugen, seine extralange Messingsnare haben wir ihm sogar verboten weil viel zu laut, lol. Lass mich nicht lügen aber ich glaub die Basedrum ist 22" tief bei 22" Durchmesser.....)
Dreh ich leiser oder vergesse ganz aufzudrehn, krieg ich Beschwerden ala´ "ich hör dich ziemlich schlecht heute". (Und das liegt nicht an der Ausrichtung der Box zum Drummer und zum Basser)
Und ja, das muss so, denn wenn sich der üble Schläger im Hintergrund immer zurückhalten muss, macht ihm dass auch Dauer auch keinen Spass.
Klar: Luxusproblem weil echt fettes Drumset.
Weiters gibst da das kleine Problem: der Basser ist ein Leadbassist mit 5-Saiter, die Bass-Rhytmus "Gitarre" spiele ich zeitweise was dem Basser den nötigen Raum gibt sich dem Leadbass widmen ohne dass was verloren geht und ich kriege auf der Combo auch diesen Sound nicht hin. Den probiert haben wir das, ich bin ja mit meinem Equipment nicht so, da darf jeder anstecken so auch der andere Gitarrist wenn er Lust hat. Aber auf seiner 212er Combo geht meinem Sound den ich in dieser Band brauche einfach die Luft aus. Seine Leadgitarre geht auf der Combo gerade eben noch so, das hört man noch raus. Aber ich schaffe dort kein Klang-Fundament zu legen.
Ich halte fest: ich bin der mieseste Musiker der Band, Drummer und Basser sind die Profis, die spielen seit ewig und der Basser ist eigentlich klassischer Kontrabassist. Aber dieses Fundament macht unter anderem "unseren" Sound aus. Wir drei sind der Grundstock, andere kommen und gehen bei unseren Open Jam Sessions. (Ok, gehen tun nur die die müssen, z.B. der eine Kumpel zieht jetzt 600km weg für ein spätes Studium und fällt deshalb in Zukunft leider aus)
Laut den besseren Musikern der Band ist mein Spiel aber durchaus ein wichtiges Fundament für den Gesamtsound, worauf ich eigentlich schon ein bisschen stolz bin. Wenn die weitaus besseren Musiker sagen: wir wollen aber mit dir spielen, dann muss ich wohl auch irgendwas richtig machen.
Dazu gehört mein Sound, den ich auf einer Combo nicht so hinkriege wie wir ihn brauchen: bassige Rhytm Guitar die man wie nen Bass im Körper spürt.
Mann, mann, da schreib ich einmal und dann gleich vielzuviel.
Auf den Punkt: Ich bin mit dem was ich hab recht zufrieden und hab gar keine Lust auf biegen und brechen anderes zu probieren. Mir fehlt nix, das bisschen Gewichtsnachteil ist mir egal.
Dass ein Erstkäufer mitunter mit ner Combo besser beraten ist, kann aber sein.
Es kommt auch auf die Perspektive an: Was spiele ich? Habe ich Kumpels mit denen ich gleich losproben kann und in 6 Monaten den ersten Gig machen? Oder kenn ich eh sonst keinen und werde die nächsten X Jahre allein zuhause spielen?
Das kann eigentlich nur jeder selber für sich entscheiden.
Mit nem guten Top das auch leise kann und ner 412er hält man sich auf jeden Fall mehr Optionen offen gerade dann wenn die Infrastruktur zu wünschen übrig lässt.
Und wer sich auf andere verlässt, ist verlassen... will sagen: wer einen Tontechniker und ne gute PA braucht nur um überhaupt spielen zu können, also auf andere angewiesen ist, der ist dann eben auf Gedeih und Verderb drauf angewiesen dass er in Locations spielen kann wo diese Infrastruktur besteht weils Standalone dann doch mitunter zu wenig ist.
Und auch da kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen die Regional extrem Unterschiedlich sein kann... Ich hab noch nie vor weniger als 70 Leuten Gespielt. Das erste "richtige" Konzert (nach zwei Wiesenkonzerten) das ich gespielt hatte war mit 130 Leuten schon mehr als Ausverkauft in ner Location wo eigentlich 100 rein dürften laut Gewerbeordnung..... (wir haben uns aber auch Mühe gegeben: Handgemaltes Plakat in Schwarz weiss dass dann Fotokopiert wurde, nicht so 08/15 hingeschmiert oder am Computer gebastelt... Mühe lohnt sich meist und zieht Leute an.) Und genau da waren wir das erste mal so richtig froh dass wir ausser für den Gesang keine PA gebraucht haben.
Mit Overkill, hält man sich einfach mehr Optionen offen, gerade als Beginner und wenn es brachialere Musikrichtungen sind... WENN das Stack auch leise kann zum üben zuhause.
Das ein 40 Jähriger Halbprofi mit seiner Top 40 Coverband natürlich nur noch ne Combo (wenn überhaupt, eigentlich reicht ein Emulator und eine direkte Line in die PA streng genommen) braucht, ist logisch und ergibt sich aus der vorhandenen Infrastruktur bei dementsprechenden Veranstaltungen.
Einem Anfänger der diese Gegebenheiten eben meist nicht vorfindet, würde ich trotzdem immer zu mehr ist mehr raten. Mehr Saft, mehr möglichkeiten ergeben sich wo man mal selbst was machen kann und nicht auf andere angewiesen ist dass die ne Infrastruktur stellen.
lg BobAR