[Effekt] - Z.Vex Woolly Mammoth

von bassterix, 17.08.07.

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  1. bassterix

    bassterix Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 17.08.07   #1
    Wenn man den Effekt-Markt betrachtet gibt es eine kaum überblickbare Anzahl von Herstellern, die ein noch größeres Angebot an Sound-Lieferanten stellen, als daß man alle Geräte kennen bzw. tatsächlich das beste Pedal für sich herausnehmen könnte. Letzteres stammt für mich vom Boutique Hersteller Z. Vex, ist ein reinrassiges Bass Fuzz, hört auf den ungewöhnlichen Namen Woolly Mammoth und der Name ist Programm.

    [​IMG]


    Intro:
    Vor gut 2,5 Jahren habe ich mir den Nachfahren, eines der beliebtesten Jagdobjekte unserer Vorfahren, aus der Vitrine zum Testen geben lassen. Mittlerweile ist er auch meinem Jagdtrieb zum Opfer gefallen. Damals wurde das Mammoth in vielen Zeitschriften/Foren in den höchsten Tönen gelobt, dennoch bereitet kein Review den geneigten Leser auf das vor, was dieser Winzling aus den Boxen trötet. 1,5 Jahre habe ich bisher das Vergnügen gehabt, eine Mammutstampede nach der anderen über meine Mitmenschen hereinbrechen zu lassen und auf diese stützt sich mein Erfahrungsbericht.​

    Lieferumfang:
    Geliefert wird das Mammoth, nebst einer Pappschachtel, eingewickelt in einem kleinen roten Leinentuch, das mithilfe 2er Kugeln und Gummiband verschlossen ist. Aus einer kurzen Beschreibung der Funktionen besteht das Manual. Zu sehen auch auf der Herstellerseite.​

    Konstruktion:
    Die Pedale von Z.Vex sind für mich der Inbegriff von Boutique, mit allen Vor- und Nachteilen; Handgebaut, beste Materialien und Verarbeitung für einen entsprechenden Preis und Handbemalung inklusive.

    Auf einen Klinkenein- und Ausgang beschränken sich die Anschlußmöglichkeiten. Die Elektronik ist in einem stabilen Alugehäuse eingebettet. Bei älteren Modellen sucht man zwar einen 9V-Netzteilanschluß leider vergebens, doch hat sich Meister Zack, aufgrund der zahlreichen Kundenanfragen, etwas einfallen lassen. Powerplates heißt das Zauberwort:

    [​IMG] [​IMG]
    Bild 2 und Bild 3: Der Vorbesitzer hat hier die Gummifüsse entfernt um das Pedal mit Klettverschluß auf seinem Board zu montieren

    Sie ersetzen die originalen Bodenplatten und ermöglichen nun den Einsatz eines Netzteils. Hier ersetzt der Anschluß (Bild 2) ganz einfach die Batterie. In Bild 3 sehen wir die Unterseite und wie das Kabel samt Anschluß, über das wir nun unser Mammoth mit Saft versorgen können, aus dem Gehäuse geführt wird. Modelle aus der aktuellen Produktion verfügen bereits standardmäßig über einen 9V Anschluß und einer Status-LED (Bild 4). Was die LED angeht da kann ich mich Zack nur anschließen, daß man sie nicht wirklich benötigt, man hört wenn das Mammut lostrampelt. ;) Der Kundenwunsch hat sich aber durchgesetzt.

    [​IMG]
    Bild 4: Neue Version mit LED und Netzteilanschluß

    Output, EQ, Pinch und Wool bilden die Klangregelmöglichkeiten, auf die unten näher eingegangen wird.

    Ein true hardwire bypass, dessen Hersteller mir entfallen ist, sorgt für knackfreies umschalten und absoluter Geräuschlosigkeit im abgeschalteten Zustand.
    (Tipp: lesenswerter Artikel zum Thema bypass [​IMG])​

    Handhabung:
    It's pretty much plug and play, bekommt man in englischsprachigen Foren oft zu lesen und an das selbe Prinzip hält sich auch unser Rüsseltier. Der Hersteller gibt den Batterieverbrauch mit 0,4 mA an, was dem Saftspender, eine Lebensdauer eines Methusalems verschaffen dürfte. Nach 1,5 Jahren war noch kein Wechseln nötig.
    Einige bemängeln die Größe der Z.Vex Pedale und den damit verbundenen geringen Abstand von Schalter und Poti. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, da der Schalter ausreichend hoch ist (Bild 5), daß man, eine entsprechende Behandlung vorausgesetzt, die Potis nicht mit einem Tritt treffen kann.

    [​IMG]
    Bild 5

    Klangregelung im Detail:
    Output regelt, wie sollte es anders sein, die Lautstärke.

    EQ ist mehr als eine normale Höhenblende. In linker Position fügt es Bassfrequenzen, auch im Subbassbereich (!!!), hinzu und senkt gleichzeitig die Höhen. Je weiter der Poti nach rechts gedreht wird, desto mehr Mitten und Höhen kommen ins Spiel, wobei der Bassanteil wiederum sinkt. Ausserdem werden in dieser Einstellung noch Obertöne hinzugefügt und mit Plektrum lassen sich abgefahrene verzerrte Flageolette- bis hin zu Synthi-Sounds herauskitzeln.

    Pinch funktioniert wie ein Gate und verändert die Wellenform. Übertreibt man dessen Einsatz aber, entwickelt es sich zum wahren Sustainkiller. Eine solche Einstellung ist, wenn überhaupt, für schnelle rhythmusorientierte Stakkato Riffs geeignet, einen harten Anschlag vorausgesetzt.

    Mit Wool lässt sich im Wesentlichen die Effektintensität einstellen, wobei man in rechter Position satte Fuzzsounds erhält. Wird der Poti aufgedreht werden die Verzerrungen erstens heftiger und zweitens verfliegt der dumpfe 70er Sound.​

    Sound:
    Groß, schwer und fies präsentiert sich das Mammoth, als käme es per Knopfdruck aus den Lautsprechern angetrampelt um Wände einzureißen. Der Heimwerkerking, Tim Tayler, würde es mit "mehr Power" oder seinem berühmten "Grunzen" kommentieren. Benutzt man, wie gesagt, den Pinch-Poti sachte, wird man mit einem langen Sustain belohnt.

    Diverse Reviews sprechen von einer leichten Affinität zu passiven Bässen hin, daß aktive Klangregelungen noch lebloser klingen sollen; es mag etwas dran sein, denn aktive Bässe werden stärker komprimiert, aber erlaubt ist was gefällt.
    Ich z.B. erzielt mit dem Thumb tolle Synthi-Sounds bzw. kamen tonnenschwere Riffs à la Geezer Butler viel druckvoller rüber. Industrialähnliche Klänge lassen sich ihm ebenso leicht entlocken.

    Kombiniert man den Dickhäuter mit anderen Effekten, einem WahWah oder Octaver z.B., blättert der Putz endgültig von der Decke.:cool:

    Ein weiterer und wichtiger Punkt für einen zufriedenstellenden Sound ist die eingesetzte Spieltechnik. Ich sprach weiter oben zwar von plug & play, aber das Mammut will beschäftigt werden, damit es sein ganzes Potential preisgeben kann.

    Sein Charakter polaristiert und hat mit den gewohnten Fuzz-Vertretern nicht viel gemein, was bei den Bassisten, die ich kenne dazu führt, daß sie das Mammut entweder lieben oder abgrundtief hassen. Was von den einen als schrecklich oder garstig empfunden wird, beschreibe ich als mächtig und ungeschliffen. Es bringt eine gesunde Portion "Dreck"in den Sound und schiebt den Zuhörer ohne Gnade an die Wand.

    ABER: Eines muß einem bewusst sein, egal was ins Mammoth reinkommt, es kommt Mammoth raus. Sobald es aktiviert ist, ist es ziemlich egal auf was für einem Stück Holz die Drähte gespannt sind. Der jeweilige Bass ändert nur mehr Nuancen am Endergebnis, v.a. ist hier sein Mittencharakter ausschlaggebend.

    Soundbeispiele finden sich in Form eines Videos bzw. kleines Sample direkt bei Z.Vex oder auf Youtube.​

    Zuverlässigkeit:
    Obwohl mein Modell noch aus der älteren Serie stammt und auch gebraucht erstanden wurde, gab es bis jetzt nichts zu beanstanden. Sogar die Batterie ist wie gesagt noch die selbe von vor 1,5 Jahren, als ich es gekauft habe, und das obwohl ich mehrmals vergessen hatte das Kabel abzustecken. Im Internet erspäht man gelegentlich Z.Vex Pedale mit stark abgeblättertem Lack bzw. Macken. Auch dahingehend kann ich Entwarnung geben​

    Support:
    Wer mit Zachary Vex schon einmal in Kontakt stand, weiß, daß er sich um seine Kunden kümmert und das Z.Vex Forum gibt jedem bereitwillig darüber Auskunft. Hier ist der Kunde König.​

    Fazit:
    Nichts für schwache Nerven und definitiv eines der besten Pedale für Bass. Der (Neu-)Preis ist natürlich etwas happig, aber dafür bekommt man auch einen Klangerzeuger von höchster Güte, der jeden Zweifel mit mächtigen Stampfen aus der Welt schafft.:D

    Also keine Angst das haarige Biest will nur spielen :D und ich kann nur jeden Bassisten, aber auch Gitarristen, empfehlen es bei Gelegenheit anzutesten.​

    Pro
    • verwendete Bauteile
    • Verarbeitung
    • Konzept
    • Sound/-möglichkeiten
    • Sustain
    • Durchsetzungsvermögen
    • Design (man muß die Bemalung einfach lieben)
    • Zuverlässigkeit
    • geringer Batterieverbrauch

    Contra
    • (Neu-)Preis
    • färbt den Ton eines Basses für manchen Bassisten evtl. zu stark

    weitere Bilder:
    [​IMG][​IMG][​IMG]

    Outro:
    Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen soviel Spaß wie ich beim Schreiben.:)

    viele Grüße
    basster​
     
  2. kalb

    kalb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.08.07   #2
    Sehr interessant, ich habe mir schon länger überlegt es zu kaufen, aber ich zögerte, ich kannte ja keinen der es benutzt und einen Laden in der Nähe mit einen Mammoth drin gibts auch nicht. Naja, jetzt überleg ichs mir wieder.
     
  3. palmann

    palmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.08.07   #3
    Hallo bassterix,

    vielleicht hättest du noch irgendwo zu Anfang des Tests schreiben können, dass es sich um einen Verzerrer handelt. Wenn man nicht zufällig in die Übersicht-Box guckt, wundert man sich bis zur Mitte des Textes, was dieses Gerät eigentlich tut. :cool: :)

    Witzige Sache, ich möchte ja schon vorher wissen, ob es ,,lostrampelt''. Wenn nach der Feedback-Orgie die nächste ruhige Nummer kommt, halte ich es für einen Vorteil darüber informiert zu sein, ob es mir beim ersten Ton den Sänger von der Bühne bläst oder nicht. ;)

    Schönes, informatives Review. Mods bewerten gilt als schleimen, oder?

    Gruesse, Pablo
     
  4. bassterix

    bassterix Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 24.08.07   #4
    Da hast du recht, ich nahm an, das Mammoth wäre allgemein bekannt.:o Werde ich ändern.

    Stimmt schon, daß es mehr Komfort ist eine LED zu haben, aber zwingend notwendig ist sie nicht. Daran zu denken, ein Pedal aus dem Signalweg zu nehmen und zwar gleich nach dem Song ist auch nicht der Aufwand. Ich hab es mir angewöhnt und sehe vielleicht deswegen darin weniger ein Problem. :nix:

    Danke. Als Mod ist man sowieso schizophren, einerseits User andererseits der mit dem Knüppel in der Hand.:p
     
  5. palmann

    palmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.08.07   #5
    Es kommt halt immer mal was dazwischen und man ist abgelenkt. Ich bin auf jeden Fall trottelig genug, dass ich mich über ein kleines Lämpchen freue.

    Noch eine Frage, wie klingt das Teil, wenn man nur anzerrt? Das Sample geht ja ordentlich zur Sache. Ich hab meine alte Ratte sehr dezent angezerrt und hole mir kräftige Verzerrung über die Anschlagsintensität. Spielt da dein wolliges Mammut mit? Das ganze mal mit der Band ausprobiert? Liefert der Sound genug Fundament oder entsteht ein ,,Loch'', in dem Moment, wo du es einschaltest?

    Gruesse, Pablo
     
  6. bassterix

    bassterix Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 26.08.07   #6
    Also EQ zu und Wool voll aufgedreht?
    Am ähnlichsten noch wie ein verzerrter Röhrenamp aus den 70ern, wobei die Verzerrung erst mit Wool ab 3 Uhr so richtig einsetzt mit wenig Höhen.
    Ich wünschte ich könnte zur Veranschaulichung eigene Samples erstellen, aber meine Soundkarte gibt immer w.o und sie würden den tatsächlichen Sound mit Subbässe auch nicht wirklich gut transportieren.:(
    Subtil will das Mammoth größtenteils auch nicht sein. ;)

    Mit Wool sparsam eingesetzt kann man die Intensität beeinflussen, aber bei höheren Dosen geht sie verloren, weil der Effekt an und für sich schon "intensiver" ist als eine Ratte.

    Ganz im Gegenteil. Mit EQ unterhalb von 1-2 Uhr werden die Mitten angehoben bzw. bei Einstellungen bis 10 Uhr Subbässe hinzugefügt. Im Bandgefüge lehrt man den/m Gitarristen damit das fürchten. :D
     
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