Ein paar Fragen...

von Nicolas, 03.02.05.

  1. Nicolas

    Nicolas Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.02.05   #1
    Liebe Musiker!

    Wie stelle ich die Bundreinheit ein?

    Habe da verschiedene Varianten gehört.

    1. Im 12. Bund mus Seite genau wie leer klingen (natürlich ne Okt. höher)
    2. der 12. Bund muss genau in der Mitte der mensur liegen-dann die anderen
    Seiten versetzt , G- Seitenritter wieder auf Höhe von Hoher E-Saite..etc..
    welche Varinte ist nun die ichtige??
    Wie stellt ein Gitarrenbauer die Saitenlage ein? Was muss ich sonst noch beachten?

    Danke für eure raschen Antworten!

    Gruss
    Nicolas
     
  2. NOMORE

    NOMORE Registrierter Benutzer

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  3. KlausP

    KlausP HCA Gitarre HCA

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    Erstellt: 03.02.05   #3
    die Antwort 2 klingt interessant aber die kenne ich nicht, sinnvoll ist jedenfalls Methode 1 anzuwenden, d.h. jeden Saitenreiter (engl "bridge") so einstellen daß am 12. Bund gegriffener Ton und Flageolett identische Frequenz haben (natürlich mit dem von dir erkannten Oktavunterschied).

    Das ist übrigens Oktavreinheit (nach meinem Verständnis), nicht Bundreinheit.

    Wenn eine Gitarre nicht bundrein ist ist das ein fertigungsbedingtes Problem, d.h. Sattel sitzt nicht richtig, Steg sitzt nicht richtig oder Bünde sind falsch aufgesetzt, in diesem Fall hat man ein ernstes Problem das mit Einstellen nicht zu beheben ist.
     
  4. thommy

    thommy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.05   #4
    Jep, nach meinem Verständniss auch :great:
     
  5. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 04.02.05   #5

    Gar nicht, du verstimmst stattdessen kontrolliert deine Gitarre. Erst stellst du die Leersaiten mittels Oktavreinheit ein. Da aber gegriffene Töne dann gerne falsch klingen, versuchst du danach, eine pseudo-Bundreinheit zu erzielen, indem man die Gitarre leicht verstimmt.

    Das kennt man ja auch vom normalen Stimmen:

    Wenn du z.B. die Gitarre in der Leersaite exakt angepasst hast, kann es sein, dass sie gegriffen 2 cent zu hoch klingt. V.a. bei open E-moll und E-Dur fällt das auf der g-Saite auf. E-Moll stimmt, bei E-Dur ist das g, sagen wir mal, 2 cent zu hoch.

    Dann kannst du die Saite natürlich gegriffen stimmen. dann passt E-Dur, aber bei E-Moll ist die g-Saite 2 cent zu tief.

    Oder aber du VERstimmst die Gitarre so, dass die g-Saite bei E-Moll 1 cent zu tief ist und bei E-Dur 1 cent zu hoch. Dann ist sie zwar generell immer falsch, aber das fällt weniger auf, als wenn es einmal stimmt und einmal 2 cent falsch ist.

    So, und genauso macht man es jetzt bei der Grundeinstellung mit den Saitenreitern. Erst mal die Oktavreinheit, aber da die nur für die Leersaiten und am 12. Bund halbwegs passen wird, nicht für andere gegriffene Akkorde, verschiebt man wieder alles leicht. Anstatt dass ein Akkord passt und ein anderer dann um den Wert X verstimmt ist, ist durch die Fein-Verstimmung am Ende die ganze Gitarre quasi immer leicht verstimmt, aber dafür um einen geringeren Faktor.

    Sofern es eine gescheite Gitarre ist und X ziemlich niedrig ist, kann man quasi fürs menschliche Ohr fast eine Bundreinheit erzielen.

    Voraussetzung ist allerdings ein optimal niedrig eingestellter Sattel. Sonst geht zumindest für den ersten und zweiten Bund gar nix, da wird sich e-Dur und e-Moll immer flasch anhören.


    Einstieg in die Materie:


    ------------schnippel----------------

    Oktavreinheit

    Eine Gitarre oder ein Bass sind oktavrein eingestellt, wenn der am 12-ten Bund gegriffene Ton gleich dem am 12ten Bund angerissenen Flageaulett-Ton ist. Diesen Ton bekommt man, indem man den Zeigefinger der linken Hand sanft auf die Saite genau über dem zwölften Bund legt (die Saite nur schwach berühren), die Saite sanft anschlägt und IM ANSCHLAGEN den Finger weg nimmt. Es gibt noch mehr solche Töne, prinzipiell sind sie fast überall, besonders aber über dem 5-ten, 7-ten, 17-ten, 19-ten und 24-ten Bund. Uns kommt es jetzt aber auf den 12-ten Bund an! Ist der gegriffene Ton höher als der Flageaulett-Ton, so muß das Brückchen weiter zurück gestellt werden. Ist der gegriffene Ton tiefer, so muß das Brückchen weiter vor (in Richtung Sattel) gestellt werden. Bei der Einstellung der Oktavreinheit kann man sich notfalls auch mit einem Stimmgerät helfen, es sollte aber schon ein einigermaßen vernünftiges Teil sein. Die aus der Billigabteilung sind für solch diffizile Arbeiten absolut nicht zu gebrauchen. Viel besser ist es natürlich, das eigene Ohr soweit zu schulen, daß man dieses Tuning nach Gehör durchführen kann.

    Nach erfolgter Oktavreinheitseinstellung wird man feststellen, daß die Saitenreiterchen nach einem bestimmten Muster auf der Brücke verteilt sind. Das hängt damit zusammen, weil das Schwingungsverhalten einer Saite in starkem Maße von ihrem Kerndurchmesser abhängig ist. Je dicker der Kern, desto höher die "Steifigkeit". In der Praxis macht sich das so bemerkbar, daß Saiten mit dickeren Kernen erst kurz hinter dem eigentlichen Auflagepunkt anfangen zu schwingen. Und so ergibt es sich, daß die Reiterchen für die G- und die tiefe E-Saite am weitesten nach hinten gestellt werden müssen, schließlich sind das die Saiten mit dem größten Kerndurchmesser.
    [...]


    PS: Wenn man anstatt einer blanken G-Saite eine mit Umspannung nimmt, muß das Reiterchen natürlich viel weiter nach vorne gestellt werden , da der Kerndurchmesser einer umsponnen G-Saite wesentlich kleiner ist.


    Bundreinheit

    Die Gitarrenmensur, insbesondere der Abstand der Bünde zueinander, ist eine rechnerisch ermittelte Abstandsfolge. Musik ist ja auch Mathematik - sagen zumindest die alten Meister! Als Indiz für uns mag dafür stehen, daß z.B. die Oktave genau die Mitte der schwingenden Saite ist. Greift man auf der E-Saite im 5-ten Bund das A, so hat man an diesem Punkt genau 1/4 der Saitenlänge. Leider ist es nun so, daß unser Tonalitätsgefühl diese Mathematik nicht ganz mitmacht. Es gibt - bei ordentlich gestimmter Gitarre - immer Akkorde, die angenehmer, sauberer klingen, und welche, die nicht so angenehm sind, irgendwie eine kleine Qual für das geschulte Ohr. Vom Klavierstimmer kennt man auch das Problem, daß das Klavier - wenn es nicht von Meisterhand gestimmt worden ist - in bestimmten Tonarten sauber und in anderen unsauber klingt. Ja, und auch bei Gitarre und Bass müssen wir nun versuchen, die tonalen Ungereimtheiten mittels Feineinstellung der Saitenreiterchen in erträglichen Grenzen zu halten.

    Haben wir das Instrument erstmal oktavrein eingestellt, so ist das ein guter Ausgangspunkt für eine weitere Optimierung. Von jetzt an führen mehrere Wege zum Ziel, ich persönlich bevorzuge folgenden:

    Zunächst werden die Leersaiten der Gitarre gestimmt. Dazu darf man nochmal das Stimmgerät benutzen, welches dann aber tunlichst beiseite gelegt wird. Für die Feineinstellung vertrauen wir bitte nur unserem Ohr! Jetzt auf der A-Saite den Flageaulett-Ton im 12-ten Bund anreißen und auf der G-Saite das A im 2-ten Bund dazu anschlagen (wenn dieser Ton nicht stimmt, G-Saite nachstimmen). Danach wieder Flageaulett-Ton der A-Saite und dazu das gegriffene A der G-Saite im 14-ten Bund. Ist dieser Ton zu hoch (ich meine natürlich höher als die Oktave), muß das Brückchen der G-Saite ein wenig nach hinten geschraubt werden, ist dieser Ton zu tief, wird das Brückchen nach vorn geschraubt. Hier können schon minimale Veränderungen etwas bringen. Nach jeder Veränderung des Brückchens muß die dazugehörige Saite erneut gestimmt werden. Diesen Vorgang solange wiederholen, bis die beiden gegriffenen Töne 100%ig mit dem Flageaulett der Leersaite übereinstimmen.

    Für die Einstellung der H-Saite schlägt man den Flageaulett-Ton der D-Saite im 12-ten Bund an und dazu das D auf der H-Saite im 3-ten bzw. 15-ten Bund, für die hohe E-Saite ist es der Flageaulett-Ton der G-Saite und das gegriffene G auf der E-Saite (3-ter und 15-ter Bund). Für die D-Saite ist es der Flageautt-Ton der tiefen E-Saite und das gegriffene E der D-Saite (2-ter und 14-ter Bund).

    Für die tiefe E-Saite und die A-Saite wird´s ein bißchen komplizierter, da man keine tieferen Flageaulett´s mehr hat. Also: auf der tiefen E-Saite das G im 3ten Bund greifen und mit der leeren G-Saite vergleichen, notfalls E-Saite nachstimmen. Dann auf der E-Saite das G im 15-ten Bund greifen und mit der leeren G-Saite vergleichen. Danach das Brückchen der tiefen E-Saite einstellen. Für die A-Saite wird das gegriffene H (2-ter und 14-ter Bund) mit der leeren H-Saite verglichen.

    Anschließend spielt man zur Endkontrolle noch ein paar Akkorde, die nur aus Grundton, Quinte und Oktave bestehen, wie z.B.:





    Leere G-Saite, gegriffene H- und E-Saite im 3-ten Bund



    Leere G-Saite, gegriffene H- und E-Saite im 15-ten Bund (alternativ auch mit gegriffener G-Saite im 12-ten Bund)




    Leere D-Saite, gegriffene G-Saite im 2-ten Bund, gegriffene H-Saite im 3-ten Bund



    Leere D-Saite, gegriffene G-Saite im 14-ten Bund, gegriffene H-Saite im 15-ten Bund (alternativ auch mit gegriffener D-Saite im 12-ten Bund)



    Nachdem man sich ein paar solcher Dreiklänge zurecht gelegt hat (natürlich auch welche, mit denen sich die tiefen Saiten überprüfen lassen), wiederholt sich der ganze Nerv unter Umständen von vorne. Besonders in den höheren Lagen hört man eventuelle Unstimmigkeiten innerhalb des Dreiklangs ziemlich gut heraus. Also wieder der gleiche Akt: ist der Ton oben zu hoch - Brückchen minimal zurück, nachstimmen und nochmal checken.

    Nach Abschluß dieser Prozedur ist die Gitarre so eingestellt, daß einen zumindest bis zum 14-ten Bund keine Überraschung mehr erwartet. Meiner Erfahrung nach reicht das im allgemeinen aus, da hinter dem 14-ten Bund eh fast nur noch Einzeltöne gespielt werden und da verzieht man sowieso meist ein bißchen.

    Die Einstellung der Bundreinheit ist mitunter eine recht langwierige Geschichte, aber es lohnt sich! Zumal man das ja nicht täglich machen muß. Sollten sich allerdings die Rahmenbedingungen ändern (andere Saitenstärke/marke, Einstellung der Halskrümmung), kommt diese Tortur wieder auf einen zu, alles muß neu eingestellt werden. Bei alledem bitte darauf achten, daß man die Saiten sauber herunter drückt, also seitlich nicht verzieht. Ach ja, und man führt diese Einstellung natürlich nur mit neuen Saiten durch.

    Auch bei gut eingestellter Gitarre wird man feststellen, daß insbesondere bei Dur-Akkorden die gegriffene Terz etwas zu hoch ist. Das ist leider ein grundsätzliches Problem bei Saiteninstrumenten (hängt mit der oben beschriebenen Mathematik zusammen). Das kann man eigentlich nur umgehen, indem man entweder seine Spielweise darauf einstellt oder aber die Gitarre auf die gewünschte Tonart stimmt (kann im Studio recht nützlich sein).

    -------schnappel--------------
     
  6. Nicolas

    Nicolas Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.02.05   #6
    Danke für die tolle Ausführung!

    Super Sache!

    Vielen Dank!
     
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