Eine Testreihe zur Frage: Was beeinflusst die Schwingung einer E-Gitarrensaite?

  • Ersteller Miles Smiles
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Müsste die Gitarre denn dann nicht auch anders klingen, wenn man sie auf dem Schoß spielt?

Das tut sie in der Tat. Kenner sprühen deshalb auch ihre Jeans mit hauchdünnem Nitrolack ein, damit die Baumwollfasern freier schwingen können! ^^
 
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Leute, wenn es die "Weltenformel" (Stichwort "Laplacescher Dämon" - für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Laplacescher_Dämon) gäbe, könnte man den Klang oder das Saitenschwingverhalten einer Gitarre schon bei der Auswahl des Samens für den Baum bestimmen, aus dem einmal der Korpus werden wird.

Aktuell kann man doch nur nachweisen, dass es Unterschiede gibt, ohne auch nur den Hauch einer Begründung für solche Unterschiede angeben zu können. Z.B. können zwei völlig verschiedene Gitarren deutlich ähnlicheres Saitenschwingverhalten haben als zwei nahezu identische.

"Was beeinflusst die Schwingung einer E-Gitarrensaite?" Das ist die Themenfrage.

Spontan schoss mir sofort durch den Kopf: "DAS GITARRIST" (frei nach S. Raab DER GERÄT)

Beim Nachdenken kommt man dann aber leicht darauf, dass das nicht nur stimmt und sogar essenziell ist, sondern dass das nicht nur das Greifen und das Anschlagen der Saiten betrifft. Nehmen wir mich: Bei mir ruht der Gitarrenkorpus gut gedämpft auf einem hervorstehenden Bauch. Bei meinen Jungs liegt eine Gitarre nur an ein paar Knochen und Muskeln lokal an. Über die Dämpfung des Gitarrenkorpus erfolgt sicher auch ein Einfluss auf die Schwingung der Saiten. HAT DAS SCHON MAL JEMAND UNTERSUCHT? Saitenschwingverhalten in Abhängigkeit von der Körperform des Gitarristen!

Mir nützt es ja nichts, wenn eine "alleinstehende" (doppeldeutig, hihi) Gitarre toll klingt, und sobald sie an meinen Korpus angeschmiegt ist, unterirdisch wird. Soll ich dann mich austauschen? Was hätte ich von letzterem - eine gut klingende Gitarre und keinen Spaß mehr beim Spielen?

By the way: Natürlich beeinflusst auch die Saite sich selbst beim Schwingen und hat die Saitenart, bis hin zur Produktionsstreuung, Einfluss. Dann die gesamte so genannte Hardware. Und, nicht zu vergessen die Umwelteinflüsse. Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Temperatur wirken sich auf das Schwingverhalten aus, und das in Kombination untereinander und mit anderen Faktoren nicht vorhersagbar.

Letztlich sagt das Schwingverhalten (das steht doch im Thema, oder?) auch noch nichts über den Klang aus - da gibt sich der Threadstarter realisitisch. Es ist aber auch zu überlegen, was denn wirklich gemessen wurde. Du hast das Signal von Audio-Out der Gitarre hinsichtlich der Intensität visualisiert. Dieses Signal repräsentiert aber mitnichten direkt und ausschließlich die Schwingung einer E-Gitarrensaite. Neben den Effekten der anderen Massen des Instruments wirken sich auch die PUs und selbst die Kabel aus. Dann ist doch fraglich, wie die übrigen Versuchsbedingungen waren. Wo hast Du die Gitarre gehalten und gegen das Bücherregal gedrückt? Halte sie mal am Hals und mal am Korpus (und da mal an verschiedenen Stellen bei unterschiedlichen Formen ...) und Du bekommst für den Versuchsaufbau "mit dem Hals gegen das Bücherregal gedrückt" verschiedene Ergebnisse. Für Würfeln gilt die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die aber das betrachtete Gitarren-Thema nicht abbilden kann ( -> Laplacescher Dämon).

Da hat man eine Gitarre, und - schwubbs - hat man ein vieldimensionales Problem am Hals. Aber es ist nett, Eure Spekulationen zu lesen :D
 
In deinem Fall ist es ja nicht so, dass der Hals in irgendwas eingegossen wurde, sondern du hast ihn mit Kraftaufwand irgendwohin gedrückt. Alleine durch die aufgewendete Kraft, den Hals so zu halten, ändert (verringert) sich natürlich schon die Schwing- und Dämpfungsfähigkeit.

Hatte ich vorher vergessen richtigzustellen. Ich habe das Halsende, welches bei dieser Gitarre ein Saitenhalter aus Aluminum ist, mit einem Finger seitlich gegen das stehende Regalbrett (@smartin: Ist übrigens ein IKEA Billy, also Pressspan mit Buchenfurnier ;)) gedrückt, mit dem anderen Finger, wie eine Zwinge dagegendrückt. Also hat sich in Bezug auf Dämpfung durch Druck auf den Halse nichts geändert. Die Berührungsfläche Gitarre, Brett war dabei sehr klein, weil nur die Line am Scheitelpunkt der Krümmung des Halsrückens. Mit den restlichen Fingern habe ich genau, wie bei den Tests davor nur die anderen 5 Saiten abgedämpft. Ich habe auch versucht kurz vor dem Aluteil mit dem Lack/Holz aufzulegen, da ändert sich aber auf den ersten Blick nichts.

Beim Versuch mit Korpus am Regalbrett, habe ich die Gitarre mit der Zarge hochkant gegen die schmale Kante des Regalbretts gedrückt. Den Druck habe ich mit dem Brustkorb ausgeübt. Also auch hier möglichst wenig auf Biegen und viel Fläche. Natürlich könnte man hier professioneller Versuchsaufbauten kreieren, aber das ginge über das Ziel weit hinaus.

Und ich habe es ja schon geschrieben, das Regal dämpfte nicht, sondern hat den akustischen wahrnehmbaren Ton deutlich verstärkt und zwar in beiden Fällen. Also auch Pressspanplatten können schwingen und gar nicht schlecht. ;)

Zur inzwischen aufgetauchten Frage ob die Gitarre am Körper anliegend anders klingt, ich würde sagen ja. Ich habe bei meinem Experiment darauf geachtet, dass sie nicht bei mir anliegt, sondern frei am Oberschenkel steht, weil ich gemerkt habe, dass sich dabei etwas ändert, habe diesen Faktor aber einmal nicht berücksichtigt, man will ja nicht ganz wahnsinnig werden. ;)
 
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Also, ich bin ja Experimentalphysiker, sogar mit Diplom. Was Du da an Versuchsbedingungen beschreibst, lässt eigentlich keine Aussagen zu. Du müsstest schon mal Versuchsreihen machen, die unterschiedliche Versuchsbedingungen z.B. mit Hals am Regal und Brust unterm Kinn und was weiß ich untersuchen. Dass Du die Dämpfung gewesen sein kannst, als Du "Druck habe ich mit dem Brustkorb ausgeübt" gemessen hast, kam Dir noch nicht in den Sinn?

Für mich ist die Sache klar: Ich spiele lieber :D
 
…habe diesen Faktor aber einmal nicht berücksichtigt, man will ja nicht ganz wahnsinnig werden. ;)

Tja, Wahnsinn ist aber i.d.R. die zwangsläufige Konsequenz, wenn man versucht, diese Diskussion zu Ende zu denken. Wenn man versucht, die Auswirkungen der einzelnen Faktoren nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu erforschen, dann darf eigentlich an keiner Stelle ein Mensch (als "hässliche, mit Wasser gefüllte Beutel" nicht imstande, Dinge exakt reproduzierbar zu wiederholen) involviert sein. Du darfst etwas nicht halten, weil du einmal ein bisschen mehr und einmal ein bisschen weniger drückst. Oder weil die Druckstelle um ein paar Millimeter verrutscht. Du darfst auch die Saite nicht anschlagen, weil du weder die gleiche Stelle exakt triffst noch die exakt gleiche Anschlagskraft und -geschwindigkeit erreichst. Streng wissenschaftlich müsste alles mit Vorrichtungen und Maschinen geprüft werden, bei denen reproduzierbar Testbedingungen wiederholbar sind.

Streng unwissenschaftlich betrachtet macht das aber nur begrenzt Sinn, weil's immer noch darum geht, wie sich der Spieler mit dem Gespielten fühlt ;)
Ich sag's nochmal, in dieser ganzen Diskussion geht es eigentlich immer nur um eines: Erfolg (tolle Gitarre) reproduzierbar machen, um noch mehr gleichermaßen tolle Gitarren herstellen zu können. Wäre das erzielbar (und Steinberger war verdammt nahe dran), dann gäbe es nur noch die Einheitsgitarre. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr müsstet alle meine Paddel spielen. Grmmmmmmpffhihihi… :D

Bernd
 
Du hast das Signal von Audio-Out der Gitarre hinsichtlich der Intensität visualisiert. Dieses Signal repräsentiert aber mitnichten direkt und ausschließlich die Schwingung einer E-Gitarrensaite. Neben den Effekten der anderen Massen des Instruments wirken sich auch die PUs und selbst die Kabel aus.

Ja aber für alle Situationen gleich. Die liegenden Eiszapfen in dem Bild stellen ja keine Absolut-Ergebnisse dar, sondern sind in Relation zueinander zu sehen. In denselben 10 Minuten, bei derselben Temperatur, mit demselben Kabel, demselben Daumen, derselben Gitarre usw. Dann das Direktsignal vom Pod, welches durch keine Regler, außer der auf der Gitarre selbst beeinflussbar ist. Und die beiden Regler habe ich bei jedem Versuchsstart kontrolliert. Weil ich klang nicht messen kann, sondern nur die Schwingungsdauer, habe ich mich darauf beschränkt.

Das Ziel war zudem nicht, festzustellen welche Maßnahmen sich wie auf bestimmte Art auswirkt, sondern dass sich etwas überhaupt auswirkt.

Und einer der Gründe für den Versuch, war diese Webseite, die im anderen Thread verlinkt worden ist: http://www.guitarsite.com/news/music_news_from_around_the_world/electric-guitar-wood-myth-busted/
Die Meldung von dem Forscher dort, ist natürlich lächerlich, denn ein Forschungsergebnis einer Universität, sollte zumindest irgendwie dokumentiert sein und eine Forschung existiert meiner Meinung nach daher gar nicht oder er hat aus Spass den Test mit Freunden gemacht und erforscht in Wirklichtkeit das Paarungsverhalten von Pfeilgiftfröschen. :)

Aber es war das Video auf das dort verlinkt ist, was mich am meisten gestört hat. Der Typ ist offenbar einer dieser «gefährlichen» Halbwissenden. :D
Aber bevor ich ihn endgültig abstemple, wollte ich wissen, ob ich mit meiner «Weltanschauung» recht habe. :)

Jetzt frage ich mich, wie ich Youtube beibringen kann, dass mich bestimmte Videokanäle nicht interessieren, die schlagen mir jetzt laufend Videos von dem Mann vor und die sind alle in diesser Art. :D

- - - Aktualisiert - - -

Dass Du die Dämpfung gewesen sein kannst, als Du "Druck habe ich mit dem Brustkorb ausgeübt" gemessen hast, kam Dir noch nicht in den Sinn?
Doch, deshalb habe ich versucht, den Kontakt so gering wie möglich zu halten und ich wollte nicht Schraubzwingen holen gehen um die Gitarre irgendwo festzuschrauben. Außerdem ändert nichts an der Tatsache, dass die Saite unterschiedlich lange schwingt.

Und wenn man den letzten Test weglässt, bleiben immer noch 3 verschieden Verhalten. Beim ersten und zweiten bin ich genau gleich im Kontakt mit der Gitarre, der Unterschied ist rein die angeschraubte Stütze. Sustain bricht ein, obwohl die Masse größer wird. Das angeschraubte Teil schwingt spürbar mit. Im dritten Versuch schwingt noch mehr mit, man hört es akustisch, die Schwingungsdauer verlängert sich hier wieder drastisch. Wo ist da die vorhersagbare Gesetzmäßigkeit?
 
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Ich schlage vor den Ton für die Analyse in Abschnitte aufzuteilen. Vergleichbar mit dem Modell der Keyboarder.
ADSR http://de.wikipedia.org/wiki/ADSR

Attack: Anschlagsphase der Saite.
Dekay: Die Saitenschwingungen werden homogener, das Prellen der Saite auf Bünden und Sattel hört auf. Nicht harmonische der Saite verschwinden aus dem Spektrum
Sustain: Die Seite verliert Energie und wird leiser
Release: Die Saite wird gedämpft. In dieser Phase ist die Art wie gedämpft wird maßgeblich, (Greifhand, Ballen, ...)

Zu untersuchen sind nun welche Eigenschaften einer Gitarre welchen Teil des Tones beeinflussen.

Der PU hat auf alle Phasen Einfluss
Attack: überwiegt Anschlagsmethode, Saitenmaterial, Satinenaufbau, Bundbaterial, Brücke, Saitenlage.
Dekay: Saiteneigenschaften, Rückwirkungen aus dem Korpus?
Sustain: Dämpfung der Saite (Luft, Auflagepunkte der Saite, Boddy, ...)
(Release: größtenteils vom Musiker abhängig)



Dein Test fokussiert das Sustain. Das Verhalten ähnelt einem Deadspot, der durch äußere Einflüsse verändert werden kann. Daher die Frage, verändert sich das Verhalten bei Dir mit der Tonhöhe?
 
Ich dachte früher immer, der Attack hätte etwas mit dem Schraubhals zu tun, weil Fender-style Gitarren eine "zackigere" Ansprache haben als Gibson-style mit eingeleimten Hals. Aber mittlerweile habe ich Zweifel ob das wirklich so ist. Meine Rickenbacker 330/12 hat zum Beispiel auch einen eingeleimten Hals, aber sie hat unheimlich viel Twang und eine "knackige", perkussive Ansprache.
 
Meine Rickenbacker 330/12 hat zum Beispiel auch einen eingeleimten Hals, aber sie hat unheimlich viel Twang und eine "knackige", perkussive Ansprache.

Mach doch mal den Hals raus und schraub ihn rein - nur so testhalber. Das würde gut zum Thread passen :rofl:
 
Eine Schraubhalsgitarre wird halt oft assoziiert mit einer Fender Strat oder Tele. Den Sound kennt jeder. Und der hat halt mehr Twang und weniger Sustain als bei einer normalen Les Paul.

Nur:

Die Strat hat ein Vintage Vibrato und der Hals sitzt in der Regel recht locker in der Halsaufnahme.

Wenn man mal eine Gitarre mit Schraubhals nimmt, bei der der Hals auch ohne Schrauben schon bombenfest in der passgenauen Halsaufnahme sitzt, dann sieht das schon mal ganz anders aus! Auch mit ner festen Bridge.

Ich würde auch jederzeit eine solche Schraubhalsverbindung einem eingeleimten Hals vorziehen, insbesondere dann, wenn man mal schaut, wie ab Werk bei den original Les Pauls der Tenon grob zurechtgeschnitzt wird, so dass er halt reinpasst und der Rest mit Leim und Sägemüll zugespachtelt wird. Da gibts mehrere nette Videos dazu bei Youtube.

Abgesehen davon ist ein Schraubhals natürlich leicht austauschbar, wenn er irreparabel kaputt ist.

Auf die Saitenschwingung hat das natürlich einen Einfluss, wie fest der Hals am Korpus sitzt. Ich hab im benachbarten Forum irgendwann vor ein, zwei Jahren sogar gelesen, dass mehrere Leute in einem Thread darüber berichtet haben, dass sie die Schrauben bei ihrer Strat an der Halsbefestigung extra gelockert haben, um so einen noch "stratigeren" Sound zu haben. Kann ja jeder mal probieren, der eine hat. Mich persönlich würde es stören, wenn ich wüsste, dass da irgendwas nicht wirklich fest dran ist. Aber was macht man nicht alles für den gewünschten Sound... gerade das "Unperfekte" ist ja wiederum das oft Charakteristische, das angestrebt wird. Sonst gäbs auch keinen Grund, 50 Jahre alte Gitarren mit all ihren Schwächen und Tücken genau so wie damals auch heute noch zu bauen und für ein Heidengeld zu verkaufen. Schwingen tun die Saiten auch auf ner modernen Ibanez RG für 600 Euro. Nur klingts halt anders.
 
Aber man darf ja nicht vergessen, dass bei einem eingeleimten Hals ("set neck") der Hals nicht einfach so geleimt ist, wie er bei anderen Gitarren geschraubt würde, sondern dass er ja richtig in den Korpus eingesetzt wurde, mit viel mehr Berührungsfläche.
Ich merke z.B. wenn ich meine Strats mit meiner SG vergleiche, dass die SG einheitlicher schwingt und irgendwie auch "angenehmer" als die zickige Strat. :D
 
darwin_video.jpg

Ich weiss ja, wie sehr solche "Tests" hier beliebt sind, aber sie sind halt nur eine Spielerei, ohne wirkliche Aussagekraft!

... Die Aufnahme ist über ein Pod X3 gemacht, ... Das bedeutet, das Pod macht keinerlei bearbeitung, außer dem Digitalisieren ...

Vor allem die Jüngeren haben sich schon so sehr an dieses Format gewöhnt, dass niemand mehr darüber nachdenkt, wie es funktioniert.
Die Entwickler schreiben dazu:
"Gehörangepasste Audiocoder wie mp3 oder AAC können die Datenrate eines Musikstücks ohne hörbare Verluste reduzieren. Denn jedes Musikstück enthält Elemente, die vom Menschen nicht wahrgenommen werden - unabhängig von der Erfahrung des Hörers. Das Ohr ist also kein perfekter Empfänger und Audiocoder machen sich dies bei der Reduzierung der Datenmenge zunutze, indem sie die für den Menschen hörbaren Signale erkennen und bevorzugt speichern. So wird die Datei deutlich kleiner, ohne dass die Qualität hörbar leidet. Dies ermöglicht die kompakte Speicherung der Audiodaten mit nur rund einem Zehntel der Ausgangsgröße."
Die Erkenntnisse auf denen dieses Prinzip gründet, wurden aus der Psychoakustik gewonnen. Die wenigsten Zeitgenossen werden das Fehlen von Daten erkennen, schon gar nicht, wenn sie es nicht anders gewohnt sind. Es gibt aber Foren, in denen einige Leute behaupten, dass sie einen Unterschied bemerken. Man kann nicht ausschliessen, dass mancher Hörer den Datenverlust bemerkt.
Davon mal abgesehen wären Schlüsse, die man aus manipulierten Aufnahmen zieht, immer angreifbar. Das macht mögliche Interpretationen wertlos! ;)
Der Blick in ein modernes Labor zeigt die Ausstattung, die wissenschaftliches Arbeiten erfordert.
Die Projektarbeit eines Gymnasiasten im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht" mit dem Titel "Ist guter Klang messbar? - Klangentstehung an und Klangbewertung von Musikinstrumenten" macht deutlich, was für ein Aufwand betrieben werden muss, um verwertbare Messergebnisse zu erhalten.
Ich unterstelle gewiss nicht, dass in diesem Thread eine umwerfende Neubewertung des Themas angestrebt wurde, aber man sollte sich schon mal durchlesen, auf welchen (theoretischen) Grundlagen derartige Forschungen beruhen und trotzdem bleibt der letzte Höreindruck subjektiv. Der Mensch hat ein gutes musikalisches, aber nur ein schwaches akustisches Gedächtnis. Er hat kein Gedächtnis für Schalldrücke oder Lautstärke. Nach einer Pause von ein paar Sekunden kann er ein zuvor gehörtes Geräusch nicht mehr mit dem nächsten vergleichen - das sollte man wissen!
Die andere Sache ist: Es gibt bereits Versuche mit Messergebnissen, die man nur noch zu studieren braucht. Das Institut für Musikinstrumentenbau (IfM) e.V. an der Technischen Universität Dresden in Zwota führt schon seit Jahrzehnten Untersuchungen mit modernen Methoden zur Akustik und auch zur Schwingungstechnik durch.
Dazu gehören Mittel wie die Modalanalyse mit Hilfe der Finite-Elemente-Methode und die Fourier-Analyse, die übrigens auch schon ein paar hundert Jahre auf dem Buckel hat! Mit ein paar Sekunden anhören, ist es dabei allerdings nicht getan - da kommt schon noch ein wenig Physik/Mathematik hinzu:"Da Musikinstrumente relativ komplexe Schwingungen durchführen können und auch die akustischen Signale von Musikinstrumenten nicht gerade einfache Strukturen aufweisen, kann die Analyse der Schwingungsmechanik oder des akustischen Signals eine mathematisch schon recht anspruchsvolle Aufgabe darstellen. Gleiches gilt für die Analyse der hiervon hervorgerufenen Wahrnehmungen des Menschen."! Siehe hier!
Was mich immer wundert: Orientierte sich die E-Gitarrenherstellung vor einem halben Jahrhundert noch an modernen Techniken, wie sie in der Industrie (z.B. im Automobilbau) eingesetzt werden, so ist das heute eher selten geworden. Oft scheint man in dieser Zeit stehen geblieben zu sein, während Instrumentenmacher, die ich konservativer eingeschätzt hätte - wie Geigenbauer - diese Techniken schon nutzen. Ausnahmen bestätigen die Regel! Nur an den Herstellern wird es wohl nicht liegen, denn wenn die Kunden keine neuen Entwicklungen kaufen, wird sie auch niemand produzieren! Für mich eine Form von gitarristischem Kreationismus!
Das IfM arbeitet schon immer mit den Herstellern zusammen, schliesslich sollen diese von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren.
"Musikinstrumente objektiv zu prüfen und im Ergebnis Hinweise für gezielte konstruktive Veränderungen, die Beseitigung von Fehlern oder die Sortimentseinstufung zu geben, ist seit der Gründung eines der Hauptziele unseres Institutes. Die Untersuchungen erfolgen dabei derart, daß der subjektive Einfluß des Menschen weitestgehend ausgeschlossen wird. Andererseits sind in den Auswerteverfahren Vorstellungen, Bewertungen und Geschmäcker von Musikern und Zuhörern implementiert.
Aus der ursprünglichen Hauptaufgabe des IfM resultieren Forschungsvorhaben bei denen es im wesentlichen darum geht, die Entstehung von Schwingungen und die damit verbundenen Abstrahlung von Schall zu verstehen, zu beschreiben und gezielt zu beeinflussen."
Würde es wirklich jemanden interessieren, wäre es also kein Problem, die Berichte und Arbeiten zu lesen. Sie sind nicht nur in Papierform erschienen, einiges ist auch im Netz abrufbar. Zugegeben: Es ist leichter ein paar Töne anzuhören und seine Vorurteile bestätigt zu sehen, als sich mit komplizierten Messungen abzugeben. Können es im Alltag nie "Schwingungen" genug sein, in dieser Form sind sie wohl nicht so gern gesehen!
Ein Auszug:
"Halbresonanzgitarren mit elektromagnetischen Tonabnehmern können gegenüber Solid-Body-Modellen (früher "Brettgitarre") besondere Klangeigenschaften aufweisen. Bei beiden Bauformen erreicht den Zuhörer ausschließlich ein via Tonabnehmer, Verstärker und Boxen übertragenes Signal. Von einem evt. vom Korpus abgestrahlten Schall nimmt er nichts wahr. Wie können die Korpusschwingungen bei Halbresonanzgitarren den Klang beeinflussen ? Der durch die Saiten über den Steg angeregte Korpus bevorzugt bestimmte Schwingungen und unterdrückt andere. Die Korpusschwingungen wirken ihrerseit auf die Saiten zurück und färben damit die Saitenschwingungen was wiederum der Tonabnehmer registriert. Der Effekt tritt aber merklich nur dan ein, wenn der Korpus im relevanten Frequenzbereich auch hinreichend gut schwingen kann. Bei Solid-Body-Gitarren ist dies nicht der Fall. Ob ein konkretes Halbresonanzmodell entsprechende Eigenschaften aufweist, kann man über die Messung des Eingangsimpedanzverlaufes am Steg feststellen."
Die Wissenschaft hat also schon lange entsprechende Erkenntnisse und wer sich wirklich informieren will, dem empfehle ich z.B. diese Arbeit zur Akustik, von der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. dieses "Kompendium zur Durchführung von Hörversuchen", zum Instrumentenbau und von Helmut Fleischer, die schon im anderen Thread empfohlenen Arbeiten zu Deadspots und zu den Schwingungen einer E-Gitarre. Dort sind soviel gemessene Schwingungen, die dürften lange Zeit reichen! ;)
 
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Zitat Myxin:
Ich würde auch jederzeit eine solche Schraubhalsverbindung einem eingeleimten Hals vorziehen, insbesondere dann, wenn man mal schaut, wie ab Werk bei den original Les Pauls der Tenon grob zurechtgeschnitzt wird, so dass er halt reinpasst und der Rest mit Leim und Sägemüll zugespachtelt wird. Da gibts mehrere nette Videos dazu bei Youtube.

Abgesehen davon ist ein Schraubhals natürlich leicht austauschbar, wenn er irreparabel kaputt ist.

@ Myxin: Diese Aussage kann ich nur 100% unterstreichen! Nicht aus Langeweile mache ich mir die Mühe, für jeden Hals die Halstasche durch einstellen der Frässchablone mit Probefräsungen so zu fräsen, das der Hals STRAMM darin sitzt. Und zu den 4 Schrauben und Platte, noch zwei zusätzliche Schrauben in Muffen darunter zu setzen. Mehr geht dann nicht!
 
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"Gehörangepasste Audiocoder wie mp3 oder AAC können die Datenrate eines Musikstücks ohne hörbare Verluste reduzieren.
Ja, ja, aber was hat MP3 mit dem Analog/Digital-Wandler im Pod zu tun? Komprimiert wurde erst beim Export der Dateien für den Upload. Und dieser ist nicht für den Hörvergleich gedacht, sondern falls jemand sich die Wellenform näher ansehen will. Falls Bedarf besteht, kann ich auch die ursprünglichen WAV-Dateien zur Verfügung stellen. Audacity hat auch ein Werkzeug zur Spektrumanalyse dabei. Mit dem habe ich mir die Aufnahmen auch angesehen, es gibt Unterschiede, ich kann sie aber nicht deuten, deshalb lasse ich das. ;)

Der Effekt tritt aber merklich nur dan ein, wenn der Korpus im relevanten Frequenzbereich auch hinreichend gut schwingen kann.
Aha, merklich ist also eine persönliche Wahrnehmung und kann daher wohl gestrichen werden. ;)

Zu merklich und relevant habe ich hier aber auch ein Video eingestellt, bei dem jeder selbst beurteilen kann, was Korpusform und Material im Kontext bzw. Praxis gesehen bewirken.

dem empfehle ich z.B. diese Arbeit zur Akustik, von der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V.

Abgesehen davon, dass die Untersuchung mit einer einer einzigen beliebigen Stratocaster gemacht worden ist und diese mit einer ebenso beliebig ausgewählten Akustigitarre verglichen wird, was den Nutzen ein wenig einschränkt, da wir ja nicht wissen, ob diese Stratocaster eine Gute E-Gitarre oder akustische Totgeburt war. Die Tester gehen wohl schon einmal davon aus, dass diese Strat stellvertretend für alle "Brettgitarren" steht.

Aber egal, diese Feststellung hier picke ich einmal heraus: (S27-28)

Anders als bei der akustischen Gitarre ist der Transfer von Schwingungsenergie in den Korpus bei der E-Gitarre
prinzipiell unerwünscht, da er keinen Nutzen in Form von abgestrahltem Schall bringen kann, sondern lediglich die
Saite vorzeitig ausschwingen lässt.


Das vorzeitige Ausschwingen ist ja genau das, was ich in dem einfachen Versuch auch festgestellt habe und eben, dass dieses Verhalten sehr variabel ist, abhängig von einfach durchführbaren "Erweiterungen" von Korpus und. Dazu genügt es, Teile anzuschrauben oder dagegenzuhalten. Anleimen und festes Verschrauben ist also nicht unbedingt nötig. Die Feststellung habe ich aber eben mit der Traveler gemacht. Eine aus mehr Holz bestehende reagiert eventuell nicht so sehr.

Ich habe im Übrigen nicht behauptet, irgendeine weltbewegende Entdeckung gemacht zu haben. Es ist ein einfaches Experiment, mit einfachen Mitteln, das jeder selbst auch durchführen, verbessern oder widerlegen kann, wenn er mag. ;)

Aber die Dokumente werde ich mir beizeiten genauer durchlesen. :)
 
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(...)
Die Tester gehen wohl schon einmal davon aus, dass diese Strat stellvertretend für alle "Brettgitarren" steht.

(...)

Die Feststellung habe ich aber eben mit der Traveler gemacht. Eine aus mehr Holz bestehende reagiert eventuell nicht so sehr.

Zur bisherigen "Diskussion": Du pickst Dir vor allem Aussagen (Argumente mag ich sie nicht nennen) heraus, wie sie Dir gerade in den Kram passen. Du hast selbst mit nur einer Gitarre "rumgemacht", kritisierst das aber bei anderen. Du machst Mutmaßungen, wie "reagiert eventuell nicht so sehr" ohne Nachweis zu vermeintlichen Tatsachen. Das Ganze ist inzwischen nur ein sich hin und her Winden, um Recht zu bekommen.

Und - vielleicht freut es Dich - ich gebe Dir Recht: Du hast ein Experiment gemacht.

Und ich nehme mir MEINE MEINUNG heraus: Weder ist das Exeriment zur Nachahmung zu empfehlen, weil die Gefahr der Beschädigung des Instruments und anderer Sachen besteht, noch sind die Voraussetzungen ausreichend reproduzierbar, noch basiert die zu belegende These - wenn denn überhaupt eine solche konkret formuliert wurde - auf belegten Gegebenheiten und Zusammenhängen, noch ist die Durchführung reproduzierbar, noch sind Messwerterfassung und -auswertung ausreichend fundiert. Damit hat das Experiment FÜR MICH die Aussagekraft des Penälerwitzes: "Ein Frosch ohne Beine hüpft nicht weg, wenn man in die Hände klatscht => ein Frosch ohne Beine kann nicht hören".

Mein Fazit: Deinen Glauben muss ich Dir eben lassen. predigt.gif
 
Du hast selbst mit nur einer Gitarre "rumgemacht", kritisierst das aber bei anderen.
Zum Unterschied der "Anderen" habe ich keine wissenschaftliche Studie herausgebracht.

Und wenn du so willst, habe ich eben nur gezeigt, dass ein Frosch ohne Beine nicht hüpfen kann, egal, es gibt ja welche, die selbst dies nicht glauben wollen. ;)
 
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Eben. Ich hab den Eingangspost als hilfreich bewertet. Einfach aufgrunddessen, dass sich der Threadersteller die Mühe gemacht hat, einfach bisschen was auszuprobieren und das auch noch aufzunehmen.
Ich selbst wäre nicht auf die Idee gekommen, meine Gitarre gegen ein Bücherregal zu drücken und zu schauen, wie es klingt. Jetzt weiß ich es so ungefähr. Das ist doch ne gute Sache! : )
 
Zum Unterschied der "Anderen" habe ich keine wissenschaftliche Studie herausgebracht.

Und wenn du so willst, habe ich eben nur gezeigt, dass ein Frosch ohne Beine nicht hüpfen kann, egal, es gibt ja welche, die selbst dies nicht glauben wollen. ;)

Siehste, sprichst Du schon wieder von was anderem als dem, worauf Du Dich beziehst. Bezug war: In der angesprochenen Arbeit UND bei Dir wurde jeweils nur mit einer Gitarre getestet, was Du aber der Arbeit ankreidest. Es geht also um die Inkonsequenz: Jetzt sprichst Du davon, dass Du keine wissenschaftliche Studie herausgebracht hast. Ist es deshalb angemessen, anderen die Verwendung nur einer Gitarre vorzuwerfen, was Du selbst aber auch nicht übertroffen hast, weil die anderen fundierter arbeiteten und die Arbeit publiziert haben? Diese Logik verstehe ich überhaupt nicht.

By the way: Armer Frosch, musste seine Beine wegen einer Trivialität opfern :weep:

Eben. Ich hab den Eingangspost als hilfreich bewertet. Einfach aufgrunddessen, dass sich der Threadersteller die Mühe gemacht hat, einfach bisschen was auszuprobieren und das auch noch aufzunehmen.
Ich selbst wäre nicht auf die Idee gekommen, meine Gitarre gegen ein Bücherregal zu drücken und zu schauen, wie es klingt. Jetzt weiß ich es so ungefähr. Das ist doch ne gute Sache! : )

Jou, ist absolut super

... für Deinen nächsten Event mit der Billy-Regal-Combo. Lass beizeiten mal hören, wie die ganze Truppe so zusammen klingt :rofl:

PS: Nur dass Du nicht was falsch verstanden hast, der Threadersteller hat betont, dass es gar nicht darum geht, wie es klingt, sondern wie es "swingt"!!!
 
Ist der "Swing" nicht auch für den "Kling" äh "Klang" entscheidend? ^^

Ich glaub ich sollte darüber nicht weiter nachdenken und lieber Gitarre spielen... oder ein Buch lesen. *g*
 

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