langsam spielen bis zum ersten Fehler. Falls dieser immer wieder kehrt die Passage noch langsamer wiederholen. Falls es nicht besser wird aufhören und vertagen.
Hm, hier fehlt doch was .... Vertagen soll also die einzige Lösung sein?
Langsam spielen ist schon mal gut. Neue Stücke enthalten in der Regel Sachen, die man so noch nicht gespielt hat - und die muss man sich in Ruhe erarbeiten und automatisieren.
Das sind mehrere Schritte, nicht einfach "Üben" oder "100 mal spielen". Effektiv üben ist wichtig: Wenn etwas nicht geht, muss man analysieren, was da genau hakt, dieses Element isolieren und üben.
Erster Merksatz: Langsam, exakt und locker - das Tempo kommt von alleine.
Das ist ganz wichtig. Nur dann sind Wiederholungen wirklich sinnvoll, wenn man sich die richtigen Sachen einübt.
Für die Sicherheit sagte mir mal ein Lehrer: Die Schwimmer trainieren mit Gewichten an den Füßen. Keine Ahnung ob das stimmt

aber wenn man nahe 100% sicher sein will, muss es leicht sein - das heißt, Dein eigentliches Niveau muss ein ganzes Stück darüber liegen. Wenn Du an der Leistungsgrenze spielst, kann das gut gehen, aber es besteht eben auch das Risiko, dass man Fehler macht / rausfliegt.
Also um möglichst sicher zu sein, kann man ein kritisches Element "schwerer" üben - das kann heißen
. mit Augen zu oder aus dem Fenster sehen
. nebenbei die 13er Reihe oder den Zauberlehrling aufsagen
. in anderen Tonarten üben (ich übe schwere Elemente mindestens einen Halbton höher oder tiefer, im Ideal in allen Tonarten)
. schneller (aber immer kontrolliert und locker, nicht schludern und sich dadurch Fehler einüben!)
. andere Fingersätze
. eine "Notvariante", dh. wenn ich in einer schnellen Passage rausfliege, weiß ich, wo ich wieder einsteigen kann, oder wenn ich wirklich im Ernstfall Schiss bekomme und merke, ich kann das nicht spielen, dann gibt es eine vorher zurechtgelegte leichtere Version
. allgemein für Jazz-Rock-Pop Stücke, wo es keine 100% festgelegten Töne gibt wie bei der Klassik: Das Stück auf möglichst viele Arten üben. Melodie, Akkorde, Bass, Bass mit Melodie, Bass mit Akkorden, in andern Tonarten, in anderen Stilistiken, Taktarten. Bass spielen Melodie singen. Melodie spielen, Bass singen. usw.
. Auftritts-Situationen simulieren: Aufnahmen machen, wo man durchspielt und nciht stückelt. Freunden, Nachbarn was vorspielen. Die Aufregung dabei ist individuell verschieden, aber kann einen echt in seltsame Situationen bringen. Mir passiert es manchmal, dass die Gedanken dann plötzlich abschweifen, ich an etwas völlig anderes denke und zack bin ich irgendwo kurz raus. Das kann man aber trainieren bis zu einem gewissen Grad, und je mehr man drübersteht, desto einfacher ist es - und macht dann irgendwann eben auch Spaß, dass man vor Leuten spielt.
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Du so rangehst, ratterst Du nicht nur die eingelernten Fingersätze runter, sondern hast das Stück verinnerlicht.
Das geht natürlich nicht in ein zwei Wochen. Das wächst über die Zeit, und natürlich fließen auch Dinge wie Theoriekenntnisse ein oder Musik, die Du hörst und kennst und wenn man improvisieren kann.
Trotz aller Tricks denke ich, dass es Leute gibt, deren Gehirn anders verschaltet ist und die viel einfacher an die 100%ige Sicherheit herankommen.
Wir können aber nur mit dem arbeiten, was uns mitgegeben ist, und daraus das beste machen.
Wichtig ist auch, dass falsche Töne nicht so schlimm sind - es muss für Deine Zuhörer musikalisch interessant sein. Und das ist live viel besser als mit einer Aufnahme, wo heutzutage mMn viel zu viel Perfektion erwartet wird.