Fehlerfrei spielen. Wie krieg ich's hin?

Band ist anders. In einer 4-Köpfingen Musikkapelle sind 4 Leute, die Fehler machen und es kann alles Mögliche passieren. Sänger, die den Refrain anstimmen, wenn du ein Solo spielen willst, Drummer, die einen Stick kaputt machen, gerissene Saiten...
Am Ende muss der Song trotzdem gespielt werden und wie man auf all die Situationen reagiert, lernt man nicht vor einem Playback Track. Also Band suchen und Erfahrung sammeln. Das ist das, was hilft.
 
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Band ist anders. .... Also Band suchen und Erfahrung sammeln. Das ist das es, was hilft.
Und wenn dann auch noch Aufritte anstehen hast Du auf einmal eine ganz andere Motivation (y)

Evtl. gibt es ja auch Bandprojekte einer Musikschule in Deiner Nähe. Mich hat das aus einer ähnlichen Situation befreit.
 
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Fehlerfrei spielen geht das überhaupt? Unter Mehreren fällt der Einzelne nicht so auf wenn er mal daneben haut. Eine Musikgruppe oder Band ist sicher von Vorteil.
Man sollte sich jedenfalls nicht so sehr selbst unter Druck setzen, wenn die Freude am Spiel fehlt kommt Frust auf und für Streß und Frust bin ich zu alt😇.
 
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Finde das Pick of Destiny.
 
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Vielleicht kennst Du die Methode schon: langsam spielen bis zum ersten Fehler. Falls dieser immer wieder kehrt die Passage noch langsamer wiederholen. Falls es nicht besser wird aufhören und vertagen.
Zusätzlich habe ich mir angewöhnt die Noten namentlich mitzusingen, wenn auch nur in Gedanken.
Sobald ich es so beherrsche werde ich schneller bis etwas über das wirklich erforderliche Tempo hinaus.
Das ist anfangs nervig, aber man gewöhnt sich dran und die Stolpersteine verschwinden.
 
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....hey genau das hier:
Sobald ich es so beherrsche werde ich schneller bis etwas über das wirklich erforderliche Tempo hinaus.
...ist ne goldrichtige Methode!
Ich übe gerade für ne Top Coverband bei uns in der Region, mit denen ich Juli nen Gig spiel und danach als Sub einsteigen kann. Hab`s hier schon paarmal erwähnt:
Seit über 40 Jahren hab ich meinen eigenen Stiefel gespielt...nun steh ich plötzlich vor Dingen wie dem Anfang von "Don`t Stop Believin" oder dem Dudelriff von "Sweet Child Of Mine". Und mit dem Gun`s Roses-Riff hab ich`s genau so gemacht: selbst rausgehört - dabei lernt man mehr als bei nem Video!
Am Anfang dachte ich fuck, jeder Depp spielt das...du spielst viel heftigere Sachen...doch irgendwie kriegst du das kaum hin weil es für dich so ungewohnt ist so zu greifen. Halbe Stunde später ging es schon ohne Knoten im Kopf, Stunde später ohne Knoten im Hirn und Fingern. Am nächsten Tag lief es.
Dieses Riff spiele ich nun jeden Tag 10 Minuten Minimum seit ca. 4 Wochen. Mittlerweile läuft es ohne zu haken je nach Tagesform in ca. 1,5 facher bis doppelter Geschwindigkeit. Ich mach mir dann ein Intervall: 2/3 Minuten Normalgeschwindigkeit, 2/3 Minuten 1,5 oder doppelte Geschwindigkeit. Dabei verbinde ich die Töne unterschiedlich, vor allem da wo das Riff beim Refrain die Lagen wechselt.
Macht mehr Spass als ich dachte und klappt erstaunlich gut.
Ähnlich mache ich es mit den Arpeggios des Solo`s von "Burn" usw, usw....

Wenn ich das kann, dann kann das jeder!

Gruß,
Bernie
 
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Hallo zusammen,

@all, erst mal vielen Dank für die zahlreichen Tips und Hinweise! Da ist viel wertvolles dabei, was mir sicher weiter hilft. Ich kann jetzt nicht auf alle Postings eingehen, möchte aber ein paar Anmerkungen machen:

Suche Dir eine Band. Es macht schon einen sehr großen Unterschied ob man für sich alleine oder in einer Band spielt. Du wirst da auch Fehler machen. Aber du wirst lernen müssen über die Fehler drüber zu spielen. Und das ist eine der wichtigsten Eigenschaften wenn man mit anderen Leuten oder auch vor Publikum spielt.

DIe Sache mit der Band kam ja von einigen hier. Vermutlich habt ihr recht, das täte mir gut und wahrscheinlich sollte ich jetzt "einfach mal machen". Das mit dem Wohnzimmer-Spielen ist schön und gut, aber es befriedigt mich nicht wirklich. Als ich vor 6 Jahren nochmal anfing zu spielen, dachte ich "Ok, such dir jetzt ein schönes Hobby, dann hast du was zu tun." Aber es bringt mir irgendwie nichts, für mich alleine zu spielen. Ehrlich gesagt, langweilt es mich sogar und ich lande dann doch wieder bei irgendwelchen Songs, Licks, Solos o.ä. die ich noch nicht kann, einfach um es interessant für mich zu halten. Mein einziger Zuhörer ist mein Kater und dessen Begeisterung hält sich eher in Grenzen...

Doch, klappt. Garantiert. Nur machst du es wahrscheinlich nicht richtig. Übe bei dem Tempo, bei dem alles ABSOLUT EINFACH UND OHNE NACHDENKEN von den Fingern geht. Und wenn es die Hälfte des eigentlichen Tempos ist, mach. Das wird am Anfang frustrierend sein und keinen Spaß machen. Weiß ich. Lohnt sich aber im Long Run. Denn dann steigerst du das Tempo, immer 5 bpm rauf. Und dann wieder solange, bis es ABSOLUT EINFACH UND OHNE NACHDENKEN von den Fingern geht. Das kann durchaus auch mal Tage dauern. Denn
Ich hatte im Ausgangsposting eines nicht geschrieben. Die Fehler betreffen fast ausschließlich die "schnellen Parts". Also die 16tel, 32stel ab so 120bpm. Will jetzt nicht "shredding" sagen, da bin ich noch Lichtjahre davon entfernt, aber ihr wisst, was ich meine. Und dazu höre ich von den "Profis" eben auch, dass dieses allmähliche steigern des Tempos genau das falsche wäre und eben genau nicht zum Ziel führt. Von "Bernth" z.B. falls den jemand kennt.
Das wollte ich eben vermeiden, wenn ich das Tempo soweit drossel, dass ich es problemlos schaffe. Es kommt mir vor wie ein Rückschritt und ich bin dann irgendwann immer bei den 80% an Tempo über die ich einfach nicht rüber komm. Andererseits hab ich auch selbst schon die Erfahrung gemacht, dass manches, was ich dann ein paar Tage nicht gespielt habe, auf Anhieb erst mal schneller geht, als die Tage zuvor. Also ich bin da hin und hergerissen, wie es denn nun richtig ist.

Möchte Dich verweisen auf Rebecca Bogarts YT . Als Pianistin geht's zwar um die Tastatur, aber das mechanische und denkerische Element ist für alle Musiker gleich, zB:
Danke!!! Genau sowas suche ich! Ich habe mich zwar schon vorher ziemlich ausführlich mit Lerntheorie, dem sogenannten "operantem Lernen" (Lernen am Erfolg, Belohnungsmechanismen etc beschäftig), denn ich war mal Hundetrainer und hab viel Biologie und Psychologie Bücher gewälzt, aber das war ja ein ziemlich anderes Metier und wenn man selbst der Trainer und Trainee gleichzeitig ist, fällt das Umsetzten nochmal schwerer. Also da sind mir solche Videos eine enorme Hilfe, vielen Dank dafür!

Kennst Du das Buch "Learn faster, perform better" von Dr. Molly Gebrian? Falls es Dich interessiert, mal googeln. Ich habe mir das als E-Book gekauft, und da sind tolle Tipps drin. Sie erklärt die "Neuroscience" für Musiker, weil sie selbst professionelle Musikerin ist.
Kannte ich nicht, schau ich mir an, danke!


Seit über 40 Jahren hab ich meinen eigenen Stiefel gespielt...nun steh ich plötzlich vor Dingen wie dem Anfang von "Don`t Stop Believin" oder dem Dudelriff von "Sweet Child Of Mine". Und mit dem Gun`s Roses-Riff hab ich`s genau so gemacht: selbst rausgehört - dabei lernt man mehr als bei nem Video!
Ja, Dich hatte ich immer im Hinterkopf, ich hab den Thread verfolgt und da kam mir vieles sehr bekannt vor. Also auch sowas hilft mir, zu sehen, wie machen's denn die anderen in ähnlicher Situation. Super, dass du das hier teilst! Wenn ich hier solche Leute wie Dich finden würde, hätt ich richtig Lust auf so ein Band-Projekt... :)

Also wie schon gesagt, vielen Dank euch allen!
LG Perkeo
 
...danke für die Blumen.
Leider ist Ansbach weit weg von der Pfalz...und für mein eigenes "Dreamprojekt" hab ich ne sagenhafte Sängerin, nen super Mitgitarristen, interessanten Basser...aber leider (noch) keinen Drummer...die scheinen hier rar zu sein... :rolleyes:
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Mein einziger Zuhörer ist mein Kater und dessen Begeisterung hält sich eher in Grenzen...
....und da darfst du dir nichts draus machen...für Katzen ist was wir Gitarristen machen prinzipiell nur störender Lärm:biggrinB:
 
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Repetoirpflege oder "Einfach so" mal spielen hatte für mich eigentlich gar keinen Reiz
Genau das ist aber was du machen musst, wenn du einen Song auf Abruf spielen können willst. Ein Song festigt sich über die Zeit, nicht nur über die Anzahl an Wiederholungen.
 
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Finde das Pick of Destiny.
Das war ernst gemeint und geht so in die Richtung "Links auftragen, rechts polieren" aus Karate Kid.
Einfach machen, nicht nachdenken, oft, so lange bis es sitzt.
 
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16tel, 32stel ab so 120bpm. Will jetzt nicht "shredding"
Hui, das ist ziemlich flott. Klar, 16tel gehen, aber 32tel bei dem Tempo, das schaffe ich nicht. Chapeu, wenn das klappt!

Klar, krasser Typ. Deutlich besser als ich und natürlich auch deutlich mehr Erfahrung. Meine Erfahrung ist allerdings eine andere, ich habe mit der von mir beschriebenen Methode Erfolg gehabt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass ich ein gewisses Plateau erst überwunden habe, als ich folgende, kontraintuitive Methode angewendet habe: Nimm den Teil, der aktuell die Hürde darstellt (also irgendein Lauf, Sweep, wasauchimmer) und stell das Metronom ETWAS (5-10bpm) schneller ein als das Tempo, was du aktuell kannst. Dann spielst du 2x den Lick in halber Geschwindigkeit bzw. in doppelter Notenlänge und dann 1x in 'richtiger' Geschwindigkeit zum Metronom. Die Zahlen sind natürlich debattierbar, ich hab mit der Aufteilung 2 & 1 gute Erfahrungen gemacht. Das wird natürlich am Anfang etwas unsauber und ungewohnt sein, sorgt aber im Gehirn dafür, dass das bisherige Plateau nicht mehr als 'Ich komm nur bis hierhin und absolut auf gar keinen Fall weiter' angesehen wird, sondern sich an die neue Geschwindigkeit gewöhnt.

Falls du das in Videoformat nachgucken möchtest: Burst Methode ist das Zauberwort :)
 
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opa_albin
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  • Grund: Userwunsch/selbst editiert
langsam spielen bis zum ersten Fehler. Falls dieser immer wieder kehrt die Passage noch langsamer wiederholen. Falls es nicht besser wird aufhören und vertagen.

Hm, hier fehlt doch was .... Vertagen soll also die einzige Lösung sein?

Langsam spielen ist schon mal gut. Neue Stücke enthalten in der Regel Sachen, die man so noch nicht gespielt hat - und die muss man sich in Ruhe erarbeiten und automatisieren.
Das sind mehrere Schritte, nicht einfach "Üben" oder "100 mal spielen". Effektiv üben ist wichtig: Wenn etwas nicht geht, muss man analysieren, was da genau hakt, dieses Element isolieren und üben.

Erster Merksatz: Langsam, exakt und locker - das Tempo kommt von alleine.
Das ist ganz wichtig. Nur dann sind Wiederholungen wirklich sinnvoll, wenn man sich die richtigen Sachen einübt.

Für die Sicherheit sagte mir mal ein Lehrer: Die Schwimmer trainieren mit Gewichten an den Füßen. Keine Ahnung ob das stimmt ;) aber wenn man nahe 100% sicher sein will, muss es leicht sein - das heißt, Dein eigentliches Niveau muss ein ganzes Stück darüber liegen. Wenn Du an der Leistungsgrenze spielst, kann das gut gehen, aber es besteht eben auch das Risiko, dass man Fehler macht / rausfliegt.

Also um möglichst sicher zu sein, kann man ein kritisches Element "schwerer" üben - das kann heißen
. mit Augen zu oder aus dem Fenster sehen
. nebenbei die 13er Reihe oder den Zauberlehrling aufsagen
. in anderen Tonarten üben (ich übe schwere Elemente mindestens einen Halbton höher oder tiefer, im Ideal in allen Tonarten)
. schneller (aber immer kontrolliert und locker, nicht schludern und sich dadurch Fehler einüben!)
. andere Fingersätze
. eine "Notvariante", dh. wenn ich in einer schnellen Passage rausfliege, weiß ich, wo ich wieder einsteigen kann, oder wenn ich wirklich im Ernstfall Schiss bekomme und merke, ich kann das nicht spielen, dann gibt es eine vorher zurechtgelegte leichtere Version
. allgemein für Jazz-Rock-Pop Stücke, wo es keine 100% festgelegten Töne gibt wie bei der Klassik: Das Stück auf möglichst viele Arten üben. Melodie, Akkorde, Bass, Bass mit Melodie, Bass mit Akkorden, in andern Tonarten, in anderen Stilistiken, Taktarten. Bass spielen Melodie singen. Melodie spielen, Bass singen. usw.
. Auftritts-Situationen simulieren: Aufnahmen machen, wo man durchspielt und nciht stückelt. Freunden, Nachbarn was vorspielen. Die Aufregung dabei ist individuell verschieden, aber kann einen echt in seltsame Situationen bringen. Mir passiert es manchmal, dass die Gedanken dann plötzlich abschweifen, ich an etwas völlig anderes denke und zack bin ich irgendwo kurz raus. Das kann man aber trainieren bis zu einem gewissen Grad, und je mehr man drübersteht, desto einfacher ist es - und macht dann irgendwann eben auch Spaß, dass man vor Leuten spielt.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Du so rangehst, ratterst Du nicht nur die eingelernten Fingersätze runter, sondern hast das Stück verinnerlicht.
Das geht natürlich nicht in ein zwei Wochen. Das wächst über die Zeit, und natürlich fließen auch Dinge wie Theoriekenntnisse ein oder Musik, die Du hörst und kennst und wenn man improvisieren kann.

Trotz aller Tricks denke ich, dass es Leute gibt, deren Gehirn anders verschaltet ist und die viel einfacher an die 100%ige Sicherheit herankommen.
Wir können aber nur mit dem arbeiten, was uns mitgegeben ist, und daraus das beste machen.
Wichtig ist auch, dass falsche Töne nicht so schlimm sind - es muss für Deine Zuhörer musikalisch interessant sein. Und das ist live viel besser als mit einer Aufnahme, wo heutzutage mMn viel zu viel Perfektion erwartet wird.
 
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Bei Fehlerfreiheit sollte ich nicht mitreden. Bei allen (eher wenigen) Bühnenauftritten gab es von irgendwem irgendwo einen Fehler. Wie geht man mit Fehlern der anderen um? Indem man nicht hadert.
Gitarre spiele ich "eigentlich" erstaunlich fehlerfrei. Wichtig ist, dass andere Gitarristen das möglichst nicht fehlerfrei nachspielen können🤪
Dennoch litt/leide ich unter dem "Red Light Syndrom" beim Recording. Hat sich aber extrem gebessert, bis hin zur Fehlerfreiheit. In der DAW ist ja jeder Fehler kein Fehler mehr. Cut and Copy, hört niemand.
Alles Repertoire habe ich komplett vergessen. Ich brauche keins mehr. Repertoire, die Setlist, muss man üben und folglich exakt dokumentieren.
Ich übe - sehr unregelmäßig - noch Piano.
Folgende Symptome lassen sich beobachten:
Ich spiele ein einfaches Übungsstück, das ich seit 2 Jahren nicht berührt habe. Der erste Durchlauf klappt fehlerfrei, der zweite auch, der 3. und plötzlich fliege ich raus.
Oder: Ich spiele ein Stück fehlerfrei mehrmals hintereinander. Ich erhöhe das Metronomtempo ganz minimal: Plötzlich, grundlos, verknoten die Finger an einer musikalischen Schlüsselstelle, verlieren vollkommen die Orientierung im Fingersatz.
Mein liebster Fehler: Ich spiele fehlerfrei und rhythmisch korrekt, klingt super. Ich schalte das Metronom dazu: Rien ne vas plus. Nichts geht mehr.
Natürlich kenne ich alle Übe-Tricks. Die hängen aber von dem jeweiligen Instrument, der Tagesform und vielleicht der Uhrzeit ab. Ich glaube fest, jeder Mensch findet seine eigene Methode, um möglichst effektiv zu üben.
Für mich gilt: Was ich nicht übe, das lerne ich nicht.
Ich versuche möglichst ein Erfolgerlebnis in die verdiente Übepause mitzunehmen.
 
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Wie geht man mit Fehlern der anderen um? Indem man nicht hadert.
Tonhöhen und "Fehler" sind ja nur ein Teil der ganzen Sache.

Ich spiele regelmäßig mit mehreren Bassisten (Band, Sessions usw.)

Einer davon spielt einiges an "unklareren" Töne - manche "falsch" im klassischen Sinn, manche "verwaschen". Aber rhythmisch 1 a, man kann quasi das Schlagzeug weglassen ohne dass was fehlt.

Ein anderer spielt alles richtige Töne, alles sehr ordentlich, aber es klingt halt auch ein bisschen brav. Und manchmal kommt er rhythmisch aus dem Tritt, es hängt manchmal im Mikrotiming, oder es wird immer langsamer, bei Latin kommen die Töne kommen nicht exakt auf den Punkt.

Und nun ratet mal, mit wem es Spaß macht, wo die Leute Spaß haben, und mit wem es sich eher nach Arbeit anfühlt ...
 
Jeder spielt anders...womit auch jedem eine andere Grundlage passt.
Ich bin zB prinzipiell ziemlich am (teilweise recht "garstig") "Rumschleudern" beim Spielen. Das hat bei mir über die Jahre zu so nem ...sagen wir mal... Gallagher-artigen Stil mit zusätzlichen Palmmutes geführt.
Dem Publikum gefällt das, weil dieser aufgekratzte Bluesrock Shred Style interessant und mitreißend wirkt.
Sauber ist allerdings anders, teilweise sogar gegenteilig.
Nun muss ich daran arbeiten zumindest Standard Teile der gewünschten Songs in ne saubere Form zu bringen.
Mucke wie Pink Floyd zB wo gitarristisch jeder Ton sauberst sitzen muss wäre mir spieltechnisch ein Graus und in diesem Leben sicherlich unerreichbar😉
Soll heißen: fühl in dich hinein was dir liegt. Spiele sauber was sein muss, lass den Dreck und die Fehler drin wo dir zu viel Perfektionismus die Musikalität nimmt. Dann nämlich bist du authentisch und das mögen die Zuhörer!
Gruß,
Bernie
 
Die Diskussion berührt viele Ebene und Instrumente.
"Die Musikalität suchen", ist immer der beste Rat.
Wiedererkennungswert im Spielspiel zu besitzen, ist Gold wert.
Perfektionsstreben bewahrt nicht vor totlangweiliger Musik.
Aber, all das muss die Fehlerfreiheit erst ermöglichen bzw. unterstützen. Und beim Klavier muss man nunmal die richtige Taste zur richtigen Zeit im richtigen Fingersatz berühren. Mundharmonika ist anders.😅
 
Lerntheorie, dem sogenannten "operantem Lernen" (Lernen am Erfolg, Belohnungsmechanismen etc
sorry für halb off-topic, aber bei operantem Lernen geht's um Dressur, Zuckerbrot und Peitsche und so.

Beim Gitarre-Spielen-Lernen geht's eher um kognitive Prozesse (= Lernen durch Denken, Verstehen, Erinnerung, anstatt auf einen Reiz zu reagieren), Motivation und eben Übung / Wiederholung.
 
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sorry für halb off-topic, aber bei operantem Lernen geht's um Dressur, Zuckerbrot und Peitsche und so.

Beim Gitarre-Spielen-Lernen geht's eher um kognitive Prozesse (= Lernen durch Denken, Verstehen, Erinnerung, anstatt auf einen Reiz zu reagieren), Motivation und eben Übung / Wiederholung.
Zum einen geht's da um weit mehr, wie nur Dressur. Konditionierungen findest du im Alltag zu Hauf, zum anderen sind die Lernmechanismen (egal ob operant, instrumentell, kognitiv) weitgehend gleich. Aber das wäre wirklich off-topic und ein Fass ohne Boden, das will ich den Mods hier nicht antun.
 
Hi @Perkeo, schau doch mal ob Du in dem Video die ein oder andere Situation von Dir selbst kennst:

View: https://www.youtube.com/watch?v=w7M-lMtWvlQ

Ich bin da vor ein paar Wochen drüber gestolpert und hab wirklich so ein paar Situationen an mir selbst wiedererkannt. Also Buch bestellt. Das liegt jetzt hier aber leider noch ungelesen, also kann ich dazu erstmal nix sagen.

Prinzipiell wird da geschildert dass man so 2 "Ich's" in sich hat.
Das eine ist das kritische Ich, das ständig beim Spielen/Üben mitdenkt, mithört, kritisiert was alles grad nicht funktionier hat etc. - auf jeden Fall hilfreich beim Üben.

Beim Performen sollte man aber ein 2. Ich aktivieren das den Kopf frei hat und sich auf den Moment konzentriert (also so eine Art Zen-Meister). Da soll man auch gar nicht drüber nachdenken dass jetzt gleich die Stelle kommt die man beim Üben schon 10x verkackt hat oder ob jetzt nochmal eine Strophe kommt oder gleich der Refrain - einfach im Moment sein und laufen lassen. Das selbst erfordert natürlich wiederum sehr viel Übung, weil (und das sagt auch der Autor) - wenn ich über solche Dinge noch nachdenken muss bin ich vielleicht noch nicht soweit den Song richtig gut zu performen.

Und andererseits trainiert man sich ja beim Üben das kritische Ich an und hat das dann auch während der Performance im Kopf. Also muss man ja wieder extra Üben wie man spielen kann und das andere ich dabei in den Kopf kriegt. Der Autor beschreibt das in dem Video ähnlich dem Zustand beim "Einschlafen" - wenn man drüber nachdenkt und sich einhämmert dass es doch schon so spät ist und der Tag morgen sehr früh los geht wird es nix mit dem Einschlafen, aber sobald man es schafft solche Gedanken zur Seite zu schieben klappt's - einfach so :)

Ich find das Thema sehr interessant und bin mal gespannt was das Buch da noch zu Tage fördert. Wie gesagt, vielleicht ist das ja genau das Thema das Dich grad umtreibt?
 
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Ich bin da vor ein paar Wochen drüber gestolpert und hab wirklich so ein paar Situationen an mir selbst wiedererkannt. Also Buch bestellt. Das liegt jetzt hier aber leider noch ungelesen, also kann ich dazu erstmal nix sagen.
Danke, das Buch kenn ich nicht. Klingt spannend, werd ich mir mal ansehen. Ich kenn aber die Gitarristin aus dem Video, die streamt manchmal bei Twitch.

Beim Performen sollte man aber ein 2. Ich aktivieren das den Kopf frei hat und sich auf den Moment konzentriert (also so eine Art Zen-Meister). Da soll man auch gar nicht drüber nachdenken dass jetzt gleich die Stelle kommt die man beim Üben schon 10x verkackt hat oder ob jetzt nochmal eine Strophe kommt oder gleich der Refrain - einfach im Moment sein und laufen lassen. Das selbst erfordert natürlich wiederum sehr viel Übung, weil (und das sagt auch der Autor) - wenn ich über solche Dinge noch nachdenken muss bin ich vielleicht noch nicht soweit den Song richtig gut zu performen.
Ja, das ist faszinierend, wie so ein Gehirn arbeitet und einem manchmal im Weg steht. Wäre jetzt auch wieder ein off-topic Thema. Aber allein wie sich Fehler "festfressen" und die Vehemenz mit der das Hirn Unsicherheit und schwieriges Terrain vermeiden will und "Gefahr" signalisiert (wo tatsächlich überhaupt keine Gefahr ist), find ich total spannend.

Ich bin jetzt dazu übergeganen, mich selbst öfter mal auf Video aufzunehmen. Also ich lass einfach die Cam beim üben laufen und schau's mir hinterher nochmal an. Und ich nehme mich da völlig anders wahr, wie in dem Moment in dem ich spiele. Ich hab plötzlich die Distanz zu mir selber, seh viel besser, wie ich in die Fehler "reinlaufe" und seh auch, ob ich angespannt, genervt, gefrustet oder locker aussehe. Ich merk auch viel besser, wenn mir irgend ein Part richtig gut gelungen ist, sowas nehm ich beim Spielen eher nicht wahr.

Irgendeiner von den Guitar Heroes (ich glaub Vai war's) bringt ja auch immer die "Kompetenzpyramide" in seinen Workshops unter.

Also ganz unten ist die unbewusste Inkompetenz, Du hast keine Ahnung vom Gitarrespielen und es ist dir wurscht.
Die nächste Stufe ist die bewusste Inkompetenz, Du weisst, du kannst es nicht und fängst an zu üben.
Als nächstes dann die bewusste Kompetenz, Du kannst es spielen, aber musst dich konzentrieren um es abzurufen. Es ist im Kurzzeitgedächtnis.
Master Class dann die unbewusste Kompetenz, Du spielst es mit der Selbstverständlichkeit, mit der Du beim Autofahren den nächsten Gang einlegst. Es ist zum automatisierten Vorgang geworden, über den du nicht mehr nachdenken musst.

Naja und all so Zeug... Blöderweise bin ich nicht mehr der jüngste, meine Spielzeit ist limitiert und mein Tag hat auch nur 24 Stunden. Aber so ist es halt... :)

LG Perkeo
 
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