Für eine erfolgreiche Band braucht man viel Zeit. Stimmt´s?

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qhatsup
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Halli Hallo,

ich habe mir heute ein Interview vom Rammstein Gitarristen Paul Lenders, aus dem Jahre 1994 oder 1996 angeschaut (uf jeden Fall zu den Anfangszeiten). Er sagte, ohne den genauen Wortlaut wieder zu geben: Wenn man weit rauskommen will, also über den Oster spielen will, braucht man sehr viel Zeit. Ab nem gewissen Punkt hat man die Zeit erreicht wo man sich fragt: Möchte ich nun weiter aus Fun weiter als Band machen oder will ich, ja, als Profi bzw. Musiker machen...

Ja was meint er denn genau damit? Job kündigen oder Halbtagsstelle? Ich habe mal irgendwo gelesen, glaube im Buch Bandologie, das man auf jeden Fall das ganze Neben dem Beruf aufbauen sollte.

Was sagt ihr? Also das Interview ist jetzt knapp 18 Jahre oder so her :D Aber wie sieht es heutzutage in der Praxis aus?
 
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Aber wie sieht es heutzutage in der Praxis aus?

Immer noch genauso. Kommt natürlich drauf an, was man unter "erfolgreich" versteht. Aber wenn man eine Band ERNSTHAFT so betreiben will, dass man auch Geld damit verdient, vielleicht sogar seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, dann wird das mit der Zeit ein Fulltime-Job.

Zum einen natürlich durch die Gigs an sich: Niemand kann davon leben, ein-, zweimal pro Monat auf der Bühne zu stehen, realistisch sind eher zehn bis fünfzehnmal pro Monat. Wer so viel spielen will/muss, muss zwangsläufig auch raus aus seiner Region. Also geht auch jede Menge Zeit für Hin- und Rückfahrt drauf, pro Gig rechne ich bei uns im Schnitt mit ca. 16 Stunden, die ich auf Tour bin.

Den Rest der Zeit verbringt man dann mit Akquise, Booking, Buchhaltung, Equipmentpflege und nicht zuletzt natürlich auch im Proberaum bzw. Studio. Dazu kommen noch so Kleinigkeiten wie Werbematerial erstellen (Demo/Video/DVD, Website, Flyer, Banner, Bühnendeko, Visitenkarten, ggf. Plakate ...) oder Tourbus pflegen etc. etc. etc.

Je mehr eine Band auf Tour ist, desto mehr funktioniert sie wie eine Firma. Mit allem, was dann so dazugehört.

Irgendwann kommt also jede erfolgreiche Band an den Punkt, wo der Aufwand für die Band mit dem restlichen Leben (Beruf, Partner/in, Hobbies, Freunde ...) kollidiert. Dann heißt es, sich für das eine oder das andere zu entscheiden. Und leider ist das dann auch der Punkt, an dem die meisten Bands dann zerbrechen.

Das ist zwar traurig, aber spätestens da muss man dann einfach akzeptieren, dass erstaunlich wenige Menschen dazu bereit sind, alles für die Band zu opfern. Völlig egal, was sie vorher gesagt und beteuert haben: Diesen Schritt machen nur wenige. Das sollte man von vornherein im Auge behalten, wenn sich für die eigene Band ein gewisser Erfolg abzuzeichnen beginnt.
 
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Eine kleine Ergänzung:
- Das ein erfolgreiches Projekt viel Zeit kostet ist klar.

Allerdings haben nicht alle Beteiligten den gleichen Aufwand. Ich habe in vielen Projekten erlebt, dass 1 bis 2 Personen das "wichtige Drumherum" erledigen, während der Rest musiziert und somit deutlich weniger Aufwand hat. Solange die Ihren "Musiker-Job" gescheit machen, ist das ja auch in Ordnung.

Was aber nicht unerwähnt bleiben sollte: Mit eigenen Songs ist Erfolg aber mittlerweile nicht mehr so leicht planbar und fast so schwer wie ein Lottogewinn. EGAL WIE VIEL ARBEIT MAN DA REINSTECKT! Ich kenne viele Bands, die tolle Musik machen, amtlich auftreten, ein perfektes Album haben, gute Pressearbeit usw und dennoch nicht auf einen grünen Zweig kommen. Das Angebot an eigenen Songs übersteigt deutlich die Nachfrage, so dass es nur sehr wenige schaffen.

Aus diesem Grund bin ich froh, dass ich (mittlerweile) nur noch in Coverbands spiele - da ist es viel leichter auf große Bühnen zu kommen.
 
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... dann wird das mit der Zeit ein Fulltime-Job.

Ein Fulltime-Job ist etwas, was in der Woche, je nach Tarif, zwischen 35 und 40 Std. beansprucht,... ein sogenannter "Nine-to-Five".

Profi-Musiker oder besser die, die es werden wollen, sollten sich gaaaanz schnell von der zeitlichen Vorstellung des gerade genannten Jobs verabschieden. Da ist eher 60, 80 oder mehr Stunden realistisch ;)
 
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Das rückt mal wieder die Kernfrage in den Mittelpunkt: Was ist Erfolg?

Von Musik (materiell anständig) leben zu können? Überhaupt sein Hobby zum Beruf machen zu können (während ein ordentliches Teil der arbeitenden Bevölkerung arbeitet, weil sie muss)? Sein eigenes Ding machen und seinen Wahnsinn bzw. seinen Traum leben zu können? In die Charts zu kommen? Mit einem Hit ausgesorgt zu haben? Etwas völlig neues geschaffen zu haben, das Leute in 10, 20, 50 Jahren noch hören?

Für die einen sind Coverbands der Inbegriff von Scheitern (ich bitte, mich hier nicht mißzuverstehen: im Sinne der Musiker, die Musik machen, um IHRE Musik zu machen), für die anderen sind sie genau das richtige: nämlich es erlaubt ihnen, der zweischönsten Sache der Welt zu fröhnen, Leuten etwas zu geben und dafür noch Geld zu bekommen, während andere sich täglich bei irgendwelchen Arbeiten krücken und bücken und vor irgendwelchen Chefs buckeln zu müssen.

Jack White: was ist für den Erfolg? Ich denke, er macht sein Ding so oder so. Und das ist sein Weg. Für tausend andere auch. Und ich gebe da gmaj7 und LeGato völlig recht: für viele ist der Scheideweg der Verzicht auf ein sonstiges Auskommen (dazu später noch mehr) und planbar ist das alles nicht, keineswegs.
Zu dem später mehr: Unser Bassist wurde Vater und er hörte mit Musik auf. Für ihn die richtige Entscheidung. Nun spielt er wieder. Es ist oft nicht die "böse" Entscheidung zwischen Ideal und Kohle - es sind ganz andere Gründe, die für Entscheidungen in einem Lebensweg stehen.

Meine Entscheidung, die ich nie bereut habe, fiel vor etlichen Jahren. Ich war damals drummer und viel unterwegs in der "Szene", dem bewegten Berlin. Die meisten Musiker, die ich da mitbekommen haben, waren technisch besser als ich. Das wäre aber nicht der Hinderungsgrund gewesen. Alle Musiker waren richtig klasse, hatten CDs rausgebracht, mehrere Bands oder Projekte am Start, haben dazu noch Musik-Nachhilfe gegeben und meist noch einen flexiblen Brot-Job und sie haben (auch) 40-Top-Hits- Mucke gespielt. Und es gab keine Garantie - nicht im Mindesten - und keine angebbare Wahrscheinlichkeit, ob sie irgendwann den Durchbruch schaffen. Durch irgendwas: einen Hit, eine Film- oder Studiogeschichte, ein Projekt, was einschlägt ... Und sie haben es gemacht. Weil sie es wollten. Dazu braucht es eine Portion Leidenschaft und Wahnsinn, die nicht meins war. Zudem wollte ich einfach keine Hits der 60er, 70er, 80er, 90er etc. spielen.
Wie gesagt: ich habe es nie bereut.

Ich denke, es ist was, was Du unbedingt willst. Dann machst Du´s. Ob jetzt als Coverband-Musiker oder indem Du Deine songs und Projekte und Bands machst und Dich bis zu dem vielleicht nie kommenden Durchbruch durchschlägst.
Man kann das natürlich mehr oder weniger risikoreich gestalten oder mehr oder weniger abfedern.

Erfolg braucht Zeit?
Ich weiß nicht. Sicherlich Engagement. Leidenschaft. Vielleicht auch einfach Kalkül und ein Stück Glück auf jeden Fall. Nimm die Atzen. Erfolg? Klar!
Drum gekämpft? Die Ochsentour durchgemacht von kleinen Gigs bis zu großen Stadien? Mit Sicherheit nicht. Aber mit Sicherheit die Ohren am Zünder der Zeit gehabt - und dann kräftig draufgedrückt.

Musik ist ein weites, verdammt weites Feld. Und es gibt immer auch die, welche das große Los ziehen.
Aber es gibt eben auch verdammt viele, die sozusagen Lose in die Trommel werfen - mit ihrer Band, ihrem täglichen Üben, ihren Ideen, ihrem Machen und Tun.
Eine Möglichkeit ist: Du machst es und es ist wurst, ob Du irgendwann das große Los ziehst oder nicht.
Eine andere Möglichkeit ist: Du machst es und schaust, dass sich Risiko und Aufwand in einem überschaubaren Verhältnis bewegen.
Eine dritte Möglichkeit ist: Du machst es eine Weile, weil Du es sowieso machst. Und Du entscheidest Dich dann, wenn eine Entscheidung ansteht. Und die kommt irgendwann unweigerlich auf Dich zu.

Und das ist gut so.
 
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Mr. Pickles
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1. Man sollte erstmal den Begriff Musikalischen Erfolg definieren.
Ich denke hier ist in den meisten Fällen gemeint "von der Musik leben", somit also eine Art Grundeinkommen

2. dann muss man definieren: wie viel Brauch ich zum leben.
Mal ganz krass gesagt, wenn jemand Manager bei einem Internationalen Unternehmen ist und monatlich 20000 Euro nach Hause bringt, dann wird er bestimmt keine Lust haben von seinem Managergehalt auf 2000 Euro Monatsbrutto zu reduzieren, nur damit er sein Einkommen durch Musik bestreitet. wenn jemand Hartz 4 Bekommt wäre ein Monatsgehalt von 2000 Euro dann doch ganz lukrativ.

3. Wie groß sind die Chancen???
Du sprichst gerade Rammstein an. Es gibt gerade im bereich Metal Rock etc. mittlerweile so eine Große Fülle an verdammt guten Bands, und bei denen tut sich auch nur selten was in Richtung Berufsmusiker.

4. Was willst du dafür Opfern???
Viele Musiker, die Eigene Musik machen verdienen ihr Geld durch ihre Band, machen dann noch ein Tonstudio auf und mischen evtl an den 5 Freien Wochenendtagen die sie im Jahr haben, bzw. erarbeiten sich einen Ruf als Studiomusiker und haben möglicherweise noch irgendwo einen Minijob. sowas wie Urlaub existiert dann erstmal nicht, zumindest solange du keinen wirklich großen namen erarbeitet hast.
Bei meiner Band geht beispielsweise auch nicht viel (in den Letzten 12 Monaten vielleicht 20 Gigs) und selbst da hat man schon enormen Aufwand um im Gespräch zu bleiben, bzw. Auftritte an Land zu ziehen. Privatleben hab ich eigentlich nicht mehr wirklich viel.

5. Zieht auch deine Band mit? Den Verzicht auf Lebensstandard, Touren usw. will nicht jeder mitmachen. Vor allem nicht(mehr) wenn sich dann mal Nachwuchs anmeldet.

6. ist deine Band überhaupt fähig mit zu ziehen??? ich kenne enorm viele Musiker und habe Kontakt zu vielen Bands. das Thema Band sieht jeder anders.
hier nur ein paar Dinge die Leute mit ihrer Band wollen:
- Biertreffen einmal die Woche und 2 Auftritte im Jahr
- bei Weibern sagen ich hab ne Band (ungeachtet dessen, dass gerade 3 Leute und 10 Songs für ein komplettes Lineup fehlen)
- einfach nur Musik machen (der geschäftliche kram interessiert nicht)
- kultig besoffen auf der Bühne stehen
- etc.....

7. sind die Leute überhaupt fähig die Leistung zu bringen??? könnt ihr überhaupt 3 Tage hintereinander spielen ohne dass euch Rheuma und muskelkater plagt
also damit meine ich probier das mal aus...
- freitag um 7.30 Uhr auf Arbeit, danach los auf den Gig, aufbauen mit 2 weiteren Bands zusammen spielen und um 4 Uhr dann langsam ins bett kommen,
- samstags dann wieder ab 12.00 Uhr fit sein duschen fertig machen los zum nächsten aufbau wieder frühestens um 4 Im bett
- und dann das gleiche am Sonntag. Montag noch nutzen um das Auto leer zu räumen, und Dienstag wieder arbeiten.
Mach das mal 2 Wochen hintereinander, ist echt anstrengend. dann lass bei den gigs nochmal 2 demotivierende Nullnummern dabei sein, und überleg dir dann, ob du das noch 2 Jahre machst, bis du dir nen Namen erarbeitet hast und dann nochmal 3 Jahre bis du auch außerhalb von Deutschland spielst, dann lass mal 3 Bandmitglieder aussteigen und der Käse geht von vorne los.... da ist es hart sich wieder am Riemen zu reißen und darauf zurück zu besinnen warum man das tut und dass es ja doch Spaß macht.

so ich denke da kann jemand der mehr Erfahrung als ich hat noch 100 Punkte und mehr mit dran hängen, aber Finanzieller Erfolg, bzw. Musik als Vollerwerb ist sehr hart verdientes Brot und eine Garantie gibts nie, d.H: die Ganze Arbeit, Emotion etc., kann auch vollkommen fürn Arsch investiert sein, wenn ihr nicht den Zahn der Zeit trefft.

Sicherlich gibt es auch immer wieder Leute, Bands, Komiker etc. die einfach Glück haben und groß rauskommen. Metallica sind zum Beispiel bei ihren Anfänge quer durchs Land zu einem Label und hätte das Label nicht "ja"gesagt, hätten sie nicht mal die Kohle gehabt wieder heim zu fahren. ich mag nicht wissen wie viele Bands das nach metallica gemacht haben und danach wieder heim gelaufen sind.
bzw. Die Ärzte haben auch lange zeit zu dritt unter ganz ärmlichen Verhältnissen gelebt, alles für die Band natürlich.

ich will dich hier nicht demotivieren aber die leute sehen die Bilderbuchgeschichte von Senkrechtstartern und denken ja schön... den ganzen tag Gitarre spielen und unheimlich reich sein, aber die Heerschaaren an Musikern, die den ganzen Tag Ackern, damit ihre Band ein bisschen rumkommt, sieht man nicht.

Und damit ich nicht falsch verstanden werde:
Ich gönne es absolut jeden, der es schafft mit seiner Band das zu erreichen was er sich vorgenommen hat (ausgenommen Musikantenstadl), und freue mich für jeden der seinen Lebensunterhalt mit Musik bestreiten kann (Musikantensatdl ebenfalls ausgenommen) ;-)

so dann noch eine Gute nacht euch allen ;-)
Greetz Sebi
 
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Man muss bereit sein nach dem Olli Kahn Mantra ("weita! imma weita!") die ganze Zeit vollgas zu geben. Man rennt gegen unendlich viele Wände, Absagen, Misserfolge... und davon darf man sich nicht beirren lassen.
Versuch einfach mal so ca 36 Gigs im Jahr zu organisieren. Das sind nur 3 im Monat. Aber alleine diese zu organisieren ist eine gehörige Menge Arbeit. Von der Zeit die man braucht diese Gigs auch zu absolvieren mal ganz abgesehen...
 

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