Gebrauchtakkordeonkauf

von senseo, 26.10.07.

  1. senseo

    senseo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.07   #1
    Hallo,

    wie ich an anderer Stelle schon mal erwähnt habe, bin ich derzeit auf der Suche nach einem neuen (gebrauchten) Instrument und habe dabei Kontakt zu verschiedenen Musikinstrumentenhändlern, Handzuginstrumentenmachermeistern etc. gehabt. Nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, es ist einfacher, einen Gebrauchtwagen zu kaufen, als ein gebrauchtes Akkordeon. Da kann man zumindest vom Äußeren halbwegs auf den restlichen Zustand schließen und wenn der Wagen dann noch regelmäßig in der Werkstatt war... Beim Akkordeon gibt es hingegen so viele Möglichkeiten, wo etwas nicht funktionieren kann. Wenn da beispielsweise ein oder zwei Töne haken oder nicht zeitgleich mit den anderen Chören ansprechen. Das merkt man nicht unbedingt sofort beim Probespielen. Also braucht man eigentlich einen Fachhändler, auf den man sich in Sachen Gebrauchtkauf verlassen kann.

    Mir ist jedoch aufgefallen, dass verschiedene Händler höchst unterschiedliche Auffassungen davon haben, wann ein Akkordeon in gutem Zustand ist und wieviel an Wartungsarbeiten erforderlich ist, um das Instrument verkaufen zu können.

    Wenn ich beispielsweise ein "generalüberholtes" Akkordeon ausprobiere und dabei feststelle, dass einige Tasten wackeln, dann entspricht das nicht meiner Vorstellung von "generalüberholt". Oder wenn mir ein Händler ein 20 Jahre altes Instrument anbietet, optisch in perfektem Zustand und angeblich nach dem Kauf nie gespielt und man mir auf meine Frage nach Wartungsarbeiten antwortet: "Da muss nichts dran gemacht werden, ist wie neu!" Dann frage ich mich natürlich schon, ob das wohl sein kann. Denn bekanntlich ist nichts schlimmer für ein Akkordeon, als jahrelang unbenutzt irgendwo herumzustehen. Dass nach 20 Jahren Standzeit noch alles in Ordnung sein soll, kann ich mir kaum vorstellen.

    Ein anderer Händler hingegen geht hin und wachst bei entsprechendem Alter des Instrumentes die Stimmplatten neu auf, erneuert die Filze und die Tastatur. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder. Aber andererseits ist mir das erheblich lieber, als wenn ich das Gefühl habe, der Händler versucht nur, das Instrument mit möglichst wenig Reparaturaufwand wieder an den Mann zu bringen.

    Habt Ihr Erfahrungen in Sachen Gebrauchtakkordeonkauf - böse Überraschungen, gute Eindrücke, das Gefühl, über'n Tisch gezogen worden zu sein oder ein Schnäppchen gemacht zu haben???


    Gruss, Senseo
     
  2. Sir_Falk

    Sir_Falk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.07   #2
    Ich habe in den letzten 12 Monaten drei gebrauchte Akkordeons gekauft. Zwei davon über Ebay und eines beim Händler. Ich bin sowohl mit den Akkordeons von Ebay, als auch mit dem Händlerakkordeon sehr gut gefahren. Konkret waren es: Eine Hohner Junior 40 (schätze mal so 15-20 Jahre alt), eine Paolo Soprani Superpaolo III (ca. 15 - 20 Jahre alt) und erst gestern eine Kratt343 beim Händler für meinen Sohn. Mängel hatte keines der Instrumente. Lediglich bei der Kratt habe ich gestern festgestellt, daß der Luftknopf hakt, aber das bringt der Händler noch in Ordnung.

    Ich achte auf folgende Beschreibungen: 1. Überholtes oder zumindest geprüftes Instrument. 2. Der Verkäufer räumt ein Rückgaberecht ein, bzw. garantiert mir auf Anfrage noch einmal einwandfreien Zustand. 3. Er hat in ebay entsprechend gute bewertungen. 4. Das Instrument hat vom Typ her schon den Ruf einer guten Qualität. Beim Händler gestern hätte ich sofort drei oder vier gebrauchte 72 bässige Akkordeons mitnehmen können, welche keine Mängel aufwiesen.

    Sicher ist das aber auch immer eine Preisfrage. Um 100,- € kann ich sicher kein Top Instrument erwarten. Aber mit ein bischen Recherche bei Ebay kann man relativ schnell einen durchschnittlichen Preis für ein gebrauchtes Akkordeon ermitteln.

    Richtige Schnäppchen gibt es aber nach meiner Erfahrung keine. Der Händler von nebenan weiß genau, was er fürs Akkordeon verlangen kann und bei ebay ergibt sich der Preis sowieso aus der Nachfrage. Am günstigsten bekommt man ein Akkordeon vielleicht vom Nachbarn, dessen Sohn oder Tochter das Hobby nicht weiter verfolgt hat und dessen Instrument sonst vor sich hingammelt.
     
  3. Gast75843

    Gast75843 Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 30.10.07   #3
    Servus Senseo,
    Du hast vollkommen recht, ein wirklich heikles Thema. Ich selbst bin bei eBay zwei Mal hereingefallen. Eine gute Erfahrung war eine Suchanzeige in einem lokalen Anzeigenmagazin, etwa zehn Anbieter haben sich bei mir gemeldet, und die Auswahl war ganz interessant. Ich hätte sogar ein vierchöriges Hohner für 200.- € haben können, das meines Erachtens in Ordnung war.
     
  4. senseo

    senseo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.10.07   #4

    Also ich habe jetzt Kontakt zu einem Händler (Handzuginstrumentenmacher), der jedes Akkordeon ab einem bestimmten Alter grundsätzlich komplett überprüft, defekte/verschlissene Teile austauscht und das Instrument vor Verkauf stimmt. Wenn ein Händler ein 15 Jahre altes Instrument, das vom Vorbesitzer kaum gespielt wurde, vor dem Verkauf komplett zerlegt und überprüft, dann finde ich das schon sehr vertrauenserweckend. Viele würden sicherlich einfach hingehen und das Instrument, wenn es denn noch gut klingt, einfach so weiter verkaufen. Natürlich macht sich diese Komplettinspektion nachher im Preis bemerkbar, aber mir ist schon wichtig, ein neuwertiges gebrauchtes Akkordeon zu haben. Und selbstverständlich sind solche vertrauenswürdigen Händler grunsätzlich hunderte von Kilometern von meinem Wohnort entfernt :mad:
     
  5. Sir_Falk

    Sir_Falk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.10.07   #5
    Ich habe mir erst letzte Woche für meinen Sohn ein gebrauchtes Kratt Akkordeon beim Händler gekauft, da ich im Internet nichts vernünftiges gefunden habe. Bei dieser Gelegenheit habe ich aber mein "großes" Akkordeon, welches ich über das Internet gekauft habe einmal ansehen lassen. Der Händler bescheinigte mir einen einwandfreien Zustand obwohl das Instrument sicher schon 15 - 20 Jahre alt ist - ohne daß vorher groß was repariert wurde. Ich habe ihn auch gefragt, wie oft man ein Akkordeon überhaupt stimmen oder durchsehen lassen muss. Er sagte zu mir, daß das so gut wie nie notwendig ist, vorausgesetzt man behandelt das Akkordeon so wie es sich gehört (also richtige Lagerung und zumindest hin und wieder mal spielen). Die gleiche Erfahrung habe ich mit meiner alten Atlantic gemacht. Die hatte ich nach 20 Jahren zum ersten Mal zum "Kundendienst" gegeben. Bis auf die Tatsache, daß eine Stimmzuge gangbar gemacht werden musste ist waren keinerlei Reparaturen erforderlich. Ich glaube daher, daß es nicht zwingend notwendig ist, daß ein gebrauchtes Akkordeon komplett renoviert, bzw. gestimmt werden muss, bevor es verkauft wird. Evtl. wird hier Geld für Leistungen verlangt, die überhaupt nicht - oder zumindest nicht so wie oft angegeben - erbracht werden, weil es einfach nicht notwendig ist.
     
  6. senseo

    senseo Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.10.07   #6
    Ja, da könnte durchaus was dran sein. Es hat mich ehrlich gesagt auch etwas irritiert, als mir der Akkordeonbauer erzählte, dass er ein "so gut wie garnicht gespieltes" 15 Jahre altes Akkordeon vor dem Verkauf erst mal komplett zerlegt habe.

    Man kann sich schon fragen, ob das nötig ist, bzw. ob das denn auch wirklich so gemacht worden ist oder ob es sich dabei nur um ein Verkaufsargument handelt. Insgesamt habe ich zwei Sorten von Händlern ausmachen können. Die einen, die darauf bestehen, das Instrument vor dem Verkauf von vorne bis hinten zu überholen, ggf. noch die Tastatur auszutauschen etc. Und die anderen, die das eher für nicht nötig halten und das Instrument nur vorher durchsehen und ggf. einige Kleinigkeiten reparieren.

    Nüchtern betrachtet muss man sagen, wenn man einen Gebrauchtwagen kauft, erwartet man ja auch nicht, dass der Händler den Wagen vorher komplett in seine Einzelteile zerlegt, Zylinderkopfdichtung, Zahnriemen und Kupplung erneuert und den Wagen dann wieder zusammenbaut...

    Gruss, Senseo
     
  7. WilliamBasie

    WilliamBasie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.10.07   #7
    komplett zerlegen und komplett zerlegen sind schon zweierlei!

    Das Akkordeon wird ja nicht in alle Einzelteile zerlegt, sondern in alle Baugruppen, diese werden einzeln sorgfältig in Augenschein genommen, getestet, gereinigt, Verschleißteile ausgetauscht und wieder zusammengebaut und Stimmung geprüft, eventuell (nach-)gestimmt.

    bei so einer sorgfältigen Prüfung geht man einfach sicher, daß die Mechanik, die Stimmzungen, die Dichtungen,... in Ordnung sind - in der Regel bieten die (seriösen) Händler ja auch Gewährleistung auf solche gebrauchten Instrumente.
     
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