Gefühlvoller Improvisieren

von Gammlisack, 13.04.12.

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pedaltrain
  1. Gammlisack

    Gammlisack Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #1
    Hi Leute,
    ich hab ein Problem:
    Früher war ich immer nur auf Technik und schnellspielen aus und hab dann halt dies auch auf meine Improvisation ausgelegt
    Jetzt meinen meine Bandkollegen aber ich sollte weniger machen im Solo und mehr Gefühl rüberbringen.
    Zum Improvisieren benutze ich die Mollpentatonik in allen Lagen in jeder Tonart und die Moll Skala...
    Dabei fällt mir auf, dass die Sekunde gefühlvoll klingt, die Sexte wiederrum gefällt mir meistens nicht...
    Das einzige was mir jetzt spontan einfällt ist weniger zu spielen und mehr Bendings oder so zu machen...
    Was meint ihr? Gibts da vielleicht sogar irgendwelche Tricks? Andere Tonart spielen oder anderer Modus oder so?
    lg
    Alex
     
  2. MarcosGuitar

    MarcosGuitar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #2
    Hey ja gibt es sogar recht viele.

    Es ist gut das du weißt was du spielst (Theorie), du hast wie du schon sagtest ne saubere Technik, ja du könntest andere Modi testen und ja du könntest dein spiel analysieren und etwas anderes spielen und und und.
    Das alles wird aber nicht, das rüber bringen was du fühlst. Was mir hilft wenn ich Solos spiele ist, dass ich mir bildlich vorstelle was ich mit dem solo sagen will. Wie du das nun machst bleib dir überlassen. Nur du solltest nicht einfach die note spielen weil die sich gut anhört sondern weil du damit was sagen willst. Du willst was vermitteln ausdrücken. Dann musst du dir das vorstellen. Dann fühlt sich auch ein Bending ganz anderes an. Du spielst dann auch anderes.
    Du wirst vielleicht nun verdutzt gucken.

    Als wirklicher Tipp kann ich dir raten: Spiel mal das aller simpelste was du kennst. Sagen wir einfach mal einen 12 Bar blues (nur ein Beispiel) und dann fühl es. Fühl den groove stell dir z.B deinen Alltag vor oder was dich momentan bedrückt und versuche es zu veräußeren. Wenig später sollten licks und riffs von ganz alleine entstehen. Ich habe früher in meiner Band immer gecoverte Solos (Soli?) immer leicht umgeschrieben so das ich mir was vorstellen konnte. Das machen auch alle "profis" du wirst live nie wirklich eins zu eins das selbe solo hören ;) Das hängt davon ab wie man sich an dem Tag fühlt :)

    Noch ein Tipp schau dir die Clinic von John Mayer an (Auch wenn du ihn nicht magst er erklärt wirklich sehr gut wie man Gefühle rüberbringt)
    http://www.youtube.com/watch?v=c1i2vuN2dzU

    Hoffe das konnte dir helfen :)

    Viel Erfolg!
     
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  3. Ziggla

    Ziggla Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #3
    Und da ist auch schon dein Problem! Du gehst viel zu theoretisch ran. Wenn du gefühlvoll spielen willst, dann musst du auch mit Gefühlspielen, und nicht großartig darüber nachdenken ob du jetzt eine Sekunde oder eine Sexte spielst. Zumal eine Sekunde (bzw. kein Intervall alleine) meiner Meinung nach "gefühlvoll" klingen kann.
     
  4. Fusionman

    Fusionman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #4
    So siehts aus. Das Gefühl kommt halt einfach aus dem Bauch. Du musst das leben was du spielst, dann hört man das auch. Klar braucht man ne gute Technik um gut zu spielen, aber genau diese Technik darf man nicht hören. Sie muss quasi unter dem Gefühl untergehen. Ich finds immer wieder berauschend, wenn man durch die Messen läuft. An jeder Ecke steht einer, der die kompliziertesten Sachen rauf und runter shreddert, aber trotzdem nach nix klingt.
     
  5. Philmaster

    Philmaster Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #5
    und von mir mal ein paar handfeste Tipps, die mehr sind als "du musst das halt fühlen"...das is nett, aber bringt nicht ernsthaft was.

    Um gefühlvoll spielen zu lernen, solltest du als aller erstes "gefühlvolle" Sachen hören. Was auch immer das für dich ist. Für die einen ist das Santana, für die anderen Slash und für wieder andere Wes Montgomery. Wenn du eine ungefähre Vorstellung davon hast, wie du klingen willst, dann fang an deinen "Meister" nachzuspielen. Dabei möglichst ohne Tabs/Noten arbeiten, sondern nur mit den Ohren. Also anhören, nachsingen und dann versuchen zu spielen. Je nach dem, wie erfahren du darin bist, kann es sein, dass du für ein 4-Taktiges Solo einen ganzen Tag übst. Aber dfer Vorteil ist der, dass du alles, was du neu lernst direkt mit den Ohren erfahren hast. Und für eben diese machst du Musik. Der nächste Schritt ist dann, das "Erhörte" zu analysieren und die Skala dahinter zu verstehen.
     
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  6. Dummer Sack

    Dummer Sack Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #6
    Nur ein paar kleine Tipps zum ausprobieren:

    - Nimm dir einen Akkord (sprich, ein Backing was nur einen Akkord benutzt) und schaue, wie sämtliche "passenden" Noten darüber klingen. Bsp.: Em Akkord. Darüber sind jetzt als passende Skalen eigentlich E natürlich Moll (also G-Dur) oder E dorisch Moll (also D-Dur) möglich (gut, phrygisch könnte man auch noch in Betracht ziehen, das ist aber eher die unüblichere Variante).
    Die in Frage kommenden Noten sind: E, F#, G, A, B, C, D für natürlich Moll und E, F#, G, A, B, C#, D für dorisch.
    Und die kann man jetzt wirklich mal alle nacheinander ausprobieren. Dadurch entsteht natürlich noch kein Gefühl, aber man bekommt einen Eindruck davon, wie sich jede mögliche Note über dem Akkord verhält.

    - Wenn du eine Note gefunden hast, die dir gefällt, dann versuche doch mal, die auf alle möglichen Arten und Weisen "anzuspielen". Mit Anspielen meine ich hier Töne, die deine Zielnote einleiten, also quasi ein "Pickup" bzw. in deutsch "Auftakt". Dadurch können Zielnoten mehr Gewicht erhalten bzw. "plausibler" klingen.
    Auch das ist noch nicht gefühlvoll per se, aber ich bin relativ sicher, dass man dadurch ein - äh ja - "Gefühl" entwickelt, wie sich Spannungsbögen erzeugen lassen und dgl.
    Irgendwann hat man das dann hoffentlich soweit intus, dass man es intuitiv benutzen kann. In dem Moment wird's dann vielleicht gefühlvoll.

    - Der Sack

    P.S.: Ich mache vielleicht mal ein kleines Beispiel, wenn ich gleich die Zeit finde.

    ---------- Post hinzugefügt um 12:06:29 ---------- Letzter Beitrag war um 11:19:09 ----------

    Hier ein kleines Beispiel, welches hoffentlich ein wenig die oben beschriebene Methode veranschaulicht.
    Ich habe ein ganz simples Backing mit einem Em7 Akkord bemüht.
    Als Zielton habe ich ausschließlich das F# genutzt, das ist für meine Ohren ein gut klingender Sound (geht aber natürlich auch mit jedem anderen Ton der einem gefällt).
    Am Anfang gibt's nur das F#, ganz schnörkellos. Danach dann über verschiedene Töne angespielt (mal von unten, mal von oben) und mit Artikulationen (Slides, Bendings) garniert.
    Nur immer auf dem einen Ton zu landen klingt natürlich irgendwann eher langweilig, aber es dient ja hier nur der Demonstration.
    http://dl.dropbox.com/u/8682506/Sack_Pickup_01.mp3
    Auf den Sound bitte ich, nicht wirklich zu achten, das ist halt 'ne 2-Minuten-Terrine...
     
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  7. D?de

    D?de Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #7
    Ich sehe das wie Dummer Sack.
    Ein Gitarrist aus Nepal hat mir mal eine schöne Übung gezeigt.
    Er hat nur einen einzigen Ton gespielt und diesen mit Bendings immer anders verziert und somit diesen einen einzigen Ton verschiedene Stimmungen ausdrücken lassen.
    z.B Ruhig/Gelass, Hektisch, Heulend, was einem halt so einfällt.
    Das ganze solltest du sowohl ohne als auch mit Harmonischen Zusammenhang üben und ihn dann in Läufe einbinden, wie von Dummer Sack beschrieben.

    Einfach nur weniger spielen und mehr Bendings oder so bringen dich nicht weiter. Du musst eine Vorstellung haben, wo du mit deinem Solo hinwillst. Jede Note sollte fein säuberlich artikuliert werden und seinen Wert bekommen. Manche Noten stehen da in schnellen Läufen, manche brauchen Luft um ihre Wirkung zu entfalten.
    Auch Pausen sind Noten und haben ihren Wert.

    Alles zusammen, diese Vorstellung, wann(Rhythmik/Phrasierung) welche Töne(Skalen/Harmonien) wie (auf dich!) wirken, ergibt dann dieses ominöse "Gefühl"
     
  8. The Pawn

    The Pawn Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.12   #8
    Ich habe gute Erfahrungen damit machen können, Töne nicht einfach nur anzuspielen, sondern zu einem Ton hinzusliden, egal ob von einer höheren oder tieferen Note. Versuche viel Dynamik reinzubringen, wie gesagt Slides, Bendings, auch Pre-Bends kommen gut um einen Ton einzuleiten! Ich übe das häufig beiläufig, indem ich mich einfach nur ohne irgendeinen Hintergedanken hinsetze, ein paar nette arpeggierte Akkorde klampfe und dann irgendwie in ein Solo übergehe. Versuche auch rhythmisch ein paar Register zu ziehen, spiel eine Note mal länger als man denkt, oder Staccato, oder nur eine 16tel versetzt, das macht richtig angewendet viel her.
    Ich denke von dem Solo hier kann man sich sehr viel abgucken: http://www.youtube.com/watch?v=1QUUajNPb5g
    Sollte dir das Lied nicht gefallen, das Solo beginnt ab 1.57. Analysiere doch auch mal ein paar Scale The Summit Soli, falls du die noch nicht kennst. Die bringen meiner Meinung nach so viel Gefühl rein wie man nur kann.
     
  9. Sebi91

    Sebi91 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.12   #9
  10. milamber

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  11. mezzanine

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    Erstellt: 18.04.12   #11
    Sehr guter Beitrag :)

    Also, auch wenn hier und da über zuviel Theorie gemeckert wird, du machst definitiv nichts falsch, wenn du dich umfassend mit den wichtigsten Tonarten beschäftigst. Mit gefühlvoll spielen hat das erst mal garnichts zu tun, aber wenn du dich damit sehr gut auskennst, dann hast du ein Grundwerkzeug, mit dem man Gefühle leichter vermitteln kann. Ich könnte da einige Beispiele aufzählen, was allerdings eher ins Musiktheorieforum gehört. Man sollte sich nicht auf die Theorie versteifen, sie lediglich als Handwerkszeug sehen.
    Für Gefühlvolles Spiel ist vor allem der Umgang mit der Dynamik wichtig. Das ist eine weitere Ebene des Gitarrenspiels. Gespielte Noten und die Art wie du die Noten spielst, spielen hier gleichberechtigt eine Rolle. Das macht das Gitarrenspiel so besonders interessant.
    Du kannst ein und die selbe Note auf unzählbar viele verschiedene Varianten spielen. Und das solltest du üben. Du hast zum einen Volume und Tonregler an deiner Gitarre, mit denen kannst du allein schon eine breite Vielfalt an unterschiedlich Tönen erzeugen.
    Außerdem kann man allein durch den Anschlag, die gleiche Note wiederrum in dutzenden verschiedenen Weisen betonen. Mit der Greifhand hast du ebenfalls viele verschiedene Möglichkeiten. Du hast die Wahl, die gleiche note auf unterschiedlichen Saiten zu spielen. Auf jeder verfügbaren Saite klingt sie leicht anders. Über die Charakteristik lohnt es sich alle mal, viel Gedanken zu machen. Auch mit der Positionierung des benutzten Fingers kann man verschiedene Facetten erzeugen.
    Du kannst z.B. in einen engen Kampf mit deiner Gitarre gehen, indem du bewusst falsch spielst. Anstatt Schulbuchmäßig kurz vor dem Bund zu greifen, kannst du auch hier an verschiedenen Positionen zulangen. Desto weiter du vom nächst höheren Bund weggehst, desto mehr Kraft musst du aufwenden. Dadurch arbeitet man mehr und im eigenen Körper spührst du etwas mehr Spannung. Auch auf Vibratoseite kann man einiges trainieren. Es gibt nichts langweiligeres als stehende Töne ohne bewegung.
    Zwei kleine Beispiele:
    Es gibt auch auf Vibrato-Seite dutzende Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel durch zwei verschiedene Vibratotechniken eine ähnliche, aber doch subtil unterschiedliche variation ins Spiel bringen. Von der klassischen gitarre gibt es diese <--- o ----> leichte vor und zurückbewegung des Fingers entlang der Saite. Ähnlich aber doch leicht anders klingend kannst du im gleichen Dynamikbereich das für Egitarre typische leichte im Kreis Bewegen des Fingers nutzen. Was einerseits nach leichtem Vibrieren klingt, klingt auf anderem Wege mehr wie ein sanftes Schwingen.

    Du siehst also, es gibt in jedem Teilbereich der Dynamik bereits dutzende Möglichkeiten. Und die sind kombinierbar. Deswegen findet man auch keine zwei Gitarristen, die gleich klingen.

    Notentechnisch weniger spielen ist hier natürlich wichtig. Wenn du Scales rasselst, dann findest du nur wenig Platz für dynamikspielchen. Aber vor 15 Jahren hab ich in einer Gitarre & Bass zeitschrift mal eine Analyse zu Pink Floyds - shine on you crazy diamond solo gelesen. Der Verfasser hatte damals einen sehr schönen Satz formuliert. Original bekomm ich den leider nicht mehr auf die Reihe. Aber er meinte sinngemäß, dass Gilmour mit diesen zwei Seiten Notenblatt sowohl einiges mehr ausdrückt, als auch um einiges mehr zu tun hat, als Steve Vai in seinem 10-15seitigen For the Love of God Solo.
     
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  12. Dummer Sack

    Dummer Sack Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.12   #12
    Hm...

    Ich muss hier dann wohl doch einmal eine Lanze für Steve Vai brechen.
    Vorab: Es ist nicht so, dass ich wirklich auf seine Musik stehe. Auch bin ich kein echter Fan von vielen Noten in kurzer Zeit (wobei das evtl. auch nur dem Neid der Besitzlosen geschuldet ist, denn ich komme vermutlich gerade mal auf die halbe Geschwindigkeit...).
    Aber: Wenn überhaupt jemand aus der mehr oder minder hochtechnisierten Gitarristen-Liga, dann ist es für mich eben durchaus Steve Vai, der sich in erster Linie eben nicht der Masse der gespielten Noten widmet (das kann der halt einfach), sondern anstatt dessen in allererster Linie Ton und Ausdruck.
    Ich brauche wirklich nicht sehr viele Gitarren-Instrumentals, außerdem ist Pink Floyd eine der für mich einflussreichsten Bands, was alleine schon meine persönliche Geschichte angeht, aber Vais "For The Love Of God" ist meiner Meinung nach dennoch ganz ganz großartig. Da stimmt, sofern man mit dem Genre irgendwie klarkommt, einfach alles. Und zwar gerade die individuelle Kontrolle über Ton, Timing, Artikulation, etc. pp.
    Ich bin jedenfalls jedes Mal von neuem beindruckt, wenn ich die Nummer höre. Und zwar eben genau nicht, weil die so ein toller Hit ist (desbezüglich höre ich ganz andere Musik), sondern einfach, weil Vai da eine unfassbare Kontrolle über Technik samt Artikulation, Ausdruck und wasweißichnichtnoch zeigt. Bei mir reicht das durchaus, obwohl ich gar nicht mehr auf die Musik stehe, eine Gänsehaut zu erzeugen.

    - Der Sack
     
  13. rick_emmet

    rick_emmet Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.12   #13
    das seh ich ganz genauso...zieht euch mal die Flex-Able Scheibe
    rein...Ausdruck pur..egal ob schnell oder langsam gefidelt...ganz großes Kino..
     
  14. ginod

    ginod Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.04.12   #14
    Was wir im Allgemeinen als gefühlvolles Spiel bezeichnen ist eigentlich eine Kombination aus mehreren Faktoren. Das hat in erster Linie nichts mit Bendings oder mit schnell oder langsam spielen zu tun. Man kann unheimlich schnell mit viel Gefühl spielen und unglaublich langsam mit überhaupt keinem Gefühl.
    Es ist einfach die Frage ob man das richtige Gefühl für das Stück und die Musik hat (wobei hier das ja auch oft eine Geschmacksfrage ist) die gerade gespielt wird.
    Punkte wie Phrasierung, Tone, Dynamik, Melodische Ideen, Umspielungen der Guidetones (Verbindungstöne zwischen den Akkorden) und vor allem Rhythmik spielt da eine enorm wichtige Rolle.

    Was aber in allen Fällen dann doch richtig ist - !erstmal einen Gang runter zu schalten. Sprich, nimm dir mal die Akkordfolgen der Songs die ihr spielt als Backing auf - im Looper etc. Nun limitier dein Spiel sprich:

    -Du spielst nur Halbe Noten
    -Du spielst erstmal nur Viertelnoten
    -Danach spielst du nur Achtelnoten
    -Danach spielst du alles Triolisch

    Nimm dir dabei erstmal wenig Tonmaterial, am besten erstmal nur in einer Lage

    Weitere gute Übungen:
    -Spiel die Tonleiter in Sequenzen bzw. in Intervallen
    -Sprich spiel zuerst nur Terzen
    -Danach spielst du nur Quarten
    -Wenn du sicher bist spielst du nur Sexten (recht schwer)

    Ziel dieser Übungen ist es auf der einen Seite nicht in Licks zu denken sondern das Tonmaterial wirklich als Material zu verstehen um eigene Ideen zu entwickeln. Außerdem ist es wunderbar um mal Bewegungen der Finger zu machen, die man sonst eigentlich nicht macht.

    Weitere Übung:

    - Denke in Melodien
    -Singe deine Improvisationen mit (dadurch spielst du meist automatisch einen Tick langsamer und denkst mehr wie ein Sänger)
    - Singe zuerst eine Melodie und spiele sie dann bei der Impro nach oder antworte darauf "Call and Response".

    Ein letzter Tipp: Schaff dir Appregien drauf (ich rede nicht von irgendwelchem Sweepingkram sondern einfach nur die 4 Akkordtöne der Harmonie als Tonmaterial). Das gibt deiner Improvisation mehr Struktur und Sicherheit. Ein Teilziel kann es sein z. B. ein Solo zu spielen wo man euren Song erkennt obwohl man nur dein Solo hört und keine Begleitinstrumente.

    Ich denke das ist einiges an Stoff den ich hier angeschnitten habe. Das sind musikalische Grundpfeiler die einen ein Leben lang beschäftigen können wenn man das möchte
     
  15. Rockerator

    Rockerator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.12   #15
    Hier mal mein "Lieblings-Backingtrack". Wenn man da mit der Emoll-Pentatonik drübergniedelt, geht die Sonne auf - sogar bei mir...
    Da lassen sich sicher ein paar der hier genannten Tipps gleich in die Tat umsetzen... Viel Spaß - aber bitte mit Gefühl! ;-)

    http://www.youtube.com/watch?v=0TyCH5EtiBI
     
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  16. fusionjazz

    fusionjazz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.12   #16
    sehr gute und hilfreiche Beiträge hier. Danke von einem Mitleser :great:
     
  17. David Bereuther

    David Bereuther Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.12   #17
    Ich hätte auch noch eine ziemlich coole Übung anzubieten, zumindest hat mir das immer Spaß gemacht und auch sehr geholfen. Und zwar ist es die Methode, sein Solo zu singen, solieren wie ein Sänger. Sänger haben es meiner Erfahrung nach einfacher, direkt Emotionen auszudrucken, eben weil die menschliche Stimme ein noch natürlicheres und direkteres , vielleicht sogar intimeres Instrument ist als irgendein anderes Instrument.

    Um diese Übung ausführen zu können muss man nicht wirklich gut singen können, aber schon ein recht gutes Ohr haben. Nimm dir einen Akkord oder zwei und dann denke wie ein Sänger, singe eine kleine Phrase, die dir durch den Kopf geht über den Akkord, versuche verschiedene Sachen als würdest du eine Gesangsmelodie erfinden. Wenn du damit etwas warm geworden bist, kannst du anfangen kleine Melodien von drei bis vier Tönen zu singen und danach auf der Gitarre nachzuspielen.

    Wie gesagt etwas unkonventionell. Die Ergebnisse können von "interessant" bis "großartig" ausfallen. Mir hat es sehr geholfen, weil man beim Singen nunmal aufhört, in Tonleitern zu denken oder nur in Licks, man benutzt eben seine Stimme und kann diesen Vorteil auf die Gitarre übertragen.
     
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  18. FretboardJunkie

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    Erstellt: 18.04.12   #18
    Tach!

    Vieles stimmt, was ich hier gelesen habe. Bzw. vieles sehe ich genauso. Ob es objektiv und unverrückbar stimmt, das kann ich nur vermuten :)

    Was hier noch gar nicht zur Sprache gekommen ist, ist die Wirkung von entspannter Haltung, lockeren Bewegungsabläufen usw. Meist findet man ja nur Esoterisches oder Fernöstlich-Sektenhaftes zu diesem Thema.

    Es ist aus meiner Erfahrung so: Je höher der Muskeltonus bei einer Bewegung ist, desto stärker wird unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf die Bewegung an sich fokussiert. Das ist wohl ganz natürlich, so ist der Körper nun einmal gestrickt. Das ist aber beim Musikmachen fatal. Denn Musik ist zu einem großen Kommunikation und Interaktion mit seiner Umgebung, extrinsisch oder auch intrinsisch: Seien es die Mitmusiker, sei es ein Backing Track, sei es das innere Hören oder Fühlen des Grooves, des Swings oder des Ablaufs des Stücks, das oder dessen Stimme man spielt (auch das ist etwas, das mit der Aktion auf dem Griffbrett interagiert!), oder sei es das Klicken eines Metronoms, oder auch seines Gefühls für Musik an sich.

    Wenn man nicht entspannt, sondern angespannt spielt, wird man höchstwahrscheinlich ein anderes musikalisches Gefühl haben als man es hat, wenn man jemandem zuhört. Aber: Idealerweise sollte es dabei keinen Unterschied geben. Warum sollte beim selbst Spielen der Groove oder das Gefühl leiden, wenn man doch beim Zuhören von Musik aus der Konserve oder eines anderen Musikers diesen/dieses deutlich wahrnimmt?

    Je höher die Muskelspannung, desto schlechter wird die Interaktion. Man nimmt sich selbst zu stark oder überhöht wahr, die Wahrnehmung des musikalischen Umfeldes hingegen tritt in den Hintergrund. Mit "Umfeld" meine ich auch das Gefühl für Musik an sich.. siehe oben.

    Es gibt die schon oft formulierte Regel, dass man es dann wirklich im musikalischen Sinn "geschafft" hat, wenn man bei Selbstaufnahmen das Gefühl hat, man würde jemandem anderen zuhören. Das bedeutet, dass man zu allererst sein eigenes Spiel nicht an tief ins Bewusstsein und ins Gedächtnis gefrästen Fehlern erkennt. Kleine, typische Timingschwankungen, kleine zigtausendmal gespielte Licks in stets derselben Artikulation und Dynamik, kleine Ungenauigkeiten der Intonation, aber auch ungeile Rhythmik, uncoole Phrasierungen, und natürlich auch die großen Hackser.

    Es gibt so unglaublich viele Musiker, gerade Gitarristen, die dann von Feeling und Individualität anfangen.. dabei ist diese Individualität eine Individualität der Fehler, keine Individualität der Stärken. Insgeheim, glaube ich, sind sich die meisten dessen bewusst, oder ahnen es zumindest. Aber vor sich selbst, geschweige denn vor anderen es zuzugeben, daran scheitert ein Großteil (...und flüchtet sich ins G.A.S... dann hat man ja schon einmal einen Ansatzpunkt, gelle? :-) )

    Von daher: @TE Großartig und echt mutig von Dir, so ein Thema zu posten! Keine Angst zu haben ist etwas, das ich wirklich respektiere!

    Mein Gitarrenlehrer, schon 27 Jahre her, ein Jazzer, pflegte zu sagen: Swing it.. but you can't zwing it (Haha.. Kalauer-Englisch.. ;) ) Recht hatte er, das ist meine Erfahrung, die ich danach machte. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man an seiner Lockerheit arbeiten. Natürlich gibt es Techniken, die ein sattes Hinlangen erfordern. Gerade wenn es um Bendings geht. Aber man findet dieses Prinzip des entspannten Spiels überall. Ich habe es sogar in einer, oder besser gesagt "der", JS Bach-Biographie (http://www.amazon.de/Johann-Sebastian-Bach-Christoph-Wolff/dp/3596167396) gelesen, dass der olle Bach mit unglaublicher Leichtigkeit spielte, so beschrieb es ein Zeitgenosse. Frag' mich jetzt aber nicht nach der Seite, das ist ein richtig dicker Wälzer ;)

    Deshalb mein Tipp: Arbeite daran, dass Du alles möglichst entspannt spielen kannst. Das Gefühl wird sich dann eher auch beim Spielen selbst einstellen, als wenn Du es mit der Brechstange versuchst.

    Eine Übung, um sich die Kraft seines Griffes vor Augen zu führen ist folgende: Spiel eine Tonleiter, einen Akkord oder was auch immer. Dann nimmst Du die Hände von Griffbrett und tust so, als sei Dein rechter (oder linker) Unteram der Gitarrenhals und Du greifst dort in normaler Haltung. Du wirst wahrscheinlich erstaunt sein, wieviel Kraft Du aufwendest. Dann versuche, Deinen unteram nur so eben noch zu berühren, machst Dir die Kraft, die Du nun aufwendest bewusst und wechselst wieder zum Griffbrett. Versuche z.B. so locker zu greifen, dass der Ton absterben würde, wenn Du noch weniger Kraft ausübst.

    Eine andere Übung: Nimm den Daumen von der Halsrückseite und versuche ohne Daumeneinsatz zu spielen. Das geht. Sogar Barrée-Griffe funktionieren hervorragend.

    Grüße Thomas

    ---------- Post hinzugefügt um 21:59:24 ---------- Letzter Beitrag war um 21:47:46 ----------

    Nachtrag und etwas zum Gucken.

    Ein Gitarrist, der mich diesbezüglich nachhaltig beeindruckt hat, ist Nikolay Karageorgiev http://nikolaik.ch. Der ist Gitarrist der Stefanie Heinzmann-Band und ich finde seinen Groove, aber auch seine offensichtliche Lockerheit überwältigend



    Grüße Thomas
     
  19. FretboardJunkie

    FretboardJunkie Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.04.12   #19
    Noch ein jazzigeres Video



    ---------- Post hinzugefügt um 22:16:17 ---------- Letzter Beitrag war um 22:01:43 ----------

    Ach so, ich hatte den Gedankengang ja gar nicht zu Ende geführt:

    "Es gibt die schon oft formulierte Regel, dass man es dann wirklich im musikalischen Sinn "geschafft" hat, wenn man bei Selbstaufnahmen das Gefühl hat, man würde jemandem anderen zuhören. Das bedeutet, dass man zu allererst sein eigenes Spiel nicht an tief ins Bewusstsein und ins Gedächtnis gefrästen Fehlern erkennt. Kleine, typische Timingschwankungen, kleine zigtausendmal gespielte Licks in stets derselben Artikulation und Dynamik, kleine Ungenauigkeiten der Intonation, aber auch ungeile Rhythmik, uncoole Phrasierungen, und natürlich auch die großen Hackser."

    Wann man deutlich entspannt spielt, wird sich, auch das ist mein eigene Erfahrung, dieses Gefühl schneller einstellen. Das hat hat nichts, oder fast nichts mit dem Entwicklungsstand, sondern einzig mit mentalen Dingen zu tun. Man kann sich zu Tode üben, Technik ohne Ende draufschaffen, trotzdem ist man von seinem Spiel angenervt (man könnte daraus ja sogar postulieren, dass das der wahre Antrieb für Spieltechnik-Freaks und Shredder ist :D .. wäre aber wohl zu einfach und zu kurz gegriffen)

    So, ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Habe anstrengende Wochen hinter mir :)

    Grüße Thomas
     
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  20. Dummer Sack

    Dummer Sack Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 19.04.12   #20
    Der ist mal 'n ziemlicher Hammer, um ehrlich zu sein. War eben auf seiner Website und habe etwas gelauscht. Da guckt man schon komisch aus der Wäsche.
    Technisch wirklich extrem gut, stilistisch ebenso beschlagen und alles tatsächlich (jedenfalls klingt's so) sehr gefühlvoll dargebracht. Ganz erstaunlich.

    - Der Sack
     
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