Geschichte eures richtig versauten Gigs!

  • Ersteller jonas S.
  • Erstellt am
Um mal wieder zurück zum Thema zu kommen, hier nun meine Geschichte:

Wir, damals "Wrist" (Ja, ich weiß das kann man kaum aussprechen - engl. Handgelenk, weil die meiste Musik aus dem Handgelenk kommt), waren alle so um die 15 herum und coverten bekannte Rock- und Popsongs. Die Mutter des Sängers hatte uns unseren allerersten Gig besorgt, die Einweihung eines Dorfgemeinschaftshauses, von den Dorfbewohnern eingerichtet, u.a. auch mit Jugendräumen. Da das ganze Projekt sowieso aus Spenden geschaffen war, akzeptierten wir die null Euro Gage. Allerdings versicherte man uns kostenloses Catering für alles. Da wir jung waren und bekannt werden wollten, stimmten wir zu. Publikum sollten Jugendliche sein.

Naja, wir also die PA vom Vater des Bassisten ausgeliehen und am Tag der Veranstaltung dort aufgebaut. Ich hatte mir extra nen schönen Verstärker vom Kumpel ausgeliehen, da mein 15-Watt Chester es nicht so toll brachte.

Als wir aufbauen, sehen wir schon, dass von den 70 Besuchern, vielleicht 20 Jugendliche sind, 5 davon nochmal Freunde, denen wir Bescheid gesagt hatten. Naja, wir fingen an zu spielen und bereits nach dem 2. Song kam der Organisator, wir sollten doch bitte die Anlage leiser stellen, wegen den"älteren" Gästen... Nach dem 6. Song dann nochmal das Gleiche. Als wenn wir eine Art Musikanlage wären, die man mal eben so im Hintergrund dudeln lässt :screwy: Naja, in der ersten pause hatten wir dann alle Hunger und Durst, also ab zu den Ständen - und was müssen wir feststellen: den ganzen Tag gibt es für ALLE Besucher Essen und Trinken frei! Tolle Gage! Nach den Titeln gabs zwar immer Applaus, aber so richtig gefreut hat sich glaube ich keiner.

Nach dem Gig hatten wir das Gefühk, nichts erreicht zu haben. Gemein, wenn man seinen ersten Gig hat. Naja, wessen regnete es keine Tomaten ^^
 
Im Vergleich zu den vorangegangenen Geschichten sind meine regelrecht lahm, aber was solls.


So lahm fand ich Deine nu auch net , aber Du bist in guter Gesellschaft, ich weiß nämlich seit einer halben Stunde (richtich festgelesen ) auch, daß mein desaströsester Gig eigentlich ziemlich...

Na egal, Senf dazu geben muß ich trotzdem - auch wenn ich net mehr alle Details weiß... ist immerhin mal ein Rand-Genre (Jazz):
Der Jazzclub Krefeld feiert (glaub ich) demnächst mal die 150te (oder 1500ste?) seiner monatlichen Jam Sessions, und auf einer der frühesten (November 91, DAS weiß ich noch) sollten wir (tp, git, b, d) den Aufmacher machen. An sich alles nett, wir kannten uns zwar vorher nicht, nur eine Probe, aber da paßte die Band (paar Standards zum Anlaufnehmen) gut zusammen.

Was spielen die Leute normalerweise auf Sessions?? Gassenklopper, Blues in F (oder Bb), II-V-I bis der Arzt kommt, manchmal sogar Rhythm Changes (damals grassierten noch nicht so unausrottbare Sachen wie "Cantaloupe Island", das kannten allenfalls Fans der alten Herbie-Hancock-Sachen).

Nun war der Kopf unserer Band allerdings
nicht der Trompeter (versiert)
nicht die Schlagzeugerin (Ersatz für den Drummer, der plötzlich nicht konnte, aber gleichfalls versiert)
sondern:
der Gitarrist (ebenso versiert)
Der bereitete sich gerade auf die Aufnahmeprüfung vor.
Und komponierte.

Die Konsequenzen letztgenannter Umstände sahen so aus, daß wir die Sessioneröffnung eben nicht mit Blue Bossa, Black Orpheus, All Blues oder Blue Monk machten. Was an sich eine gute Idee war.
Sondern mit Stücken unseres Gitarristen. Was dann... nun ja.

Hat mal jemand Stücke von fusionorientierten Gitarristen gespielt, die sich auf Jazz-Aufnahmeprüfungen vorbereiten? In unserem Fall sah das ungefähr so aus:
a) Ausnotierte Geschichten nicht unter zwei Seiten
b) Aufbau besteht je nach Stück aus 7 bis 15 unterschiedlichen Teilen
c) Vielsagende Titel wie "Zick-Zack" oder "Trick-Track" (könnte auch "Schrängel" gewesen sein)
d) Kein Akkord unter 3 Optionstönen.
e) Beispielthema: Unisono-Arpeggio vier Töne rauf, Pause, dreieinviertel Schläge mitzählen, Akkordrückung in punktierten Vierteln nach unten (Halbtöne), zweimal Kaschengel vom Schlagzeug, Bassist - nein, Gitarrist spielt ein 17teiliges Bassostinato mit laut reingedrehten Bässen, ab dem 11. Ton darf der Bassist unisono mitspielen, muß aber vom 14. bis 16. aussetzen (eigentlich egal, ihn hört ohnehin keiner, weil die Gitarre zu laut eingestellt ist und alles zumatscht).
Das Thema an sich: 37 vollständige 4/4-Takte, Hälfte von Trompete, andere von Gitarre, die Mitte unisono, dann kommen fünf Takte 9/8 und zwei 15/16tel. Beim zweiten Durchgang in den Kopf nach dem 29. Takt (3 Takte, davon spielt das Schlagzeug den zweiten zur Hälfte und die Gitarre den dritten komplett allein). Dann Soli bis zum Abschmieren über den Vamp E13 (b5) - Cmaj9#11b13. Zum Schluß das Thema mit leicht veränderten Akkorden (noch mehr Optionstönen), die Brücke einen Halbton rauf und 4 1/3 Takte verkürzt.

Bis heute ist der Krefelder Jazzclub bei solchen Sessions (außer bei Fußball-WM etc.) im allgemeinen gut gefüllt. (N.B. Solltet Ihr mal vorbeigehen, jeden letzten Donnerstag im Monat - besonders gute, SENSIBEL SPIELENDE SCHLAGZEUGER sind von genervten Bassisten und dem Rest der Versammlung händeringend gesucht .) War er an dem Abend auch. Alles war schon früh genug aufgebaut. Bierchen oder Wasser getrunken, dann 21 Uhr, wir losgelegt.
Ich hatte mit einer anderen Band vorher schon mal in einem Jugendzentrum gespielt, vor 9 Leuten, die sogar blieben (oder es wechselten sich welche ab, die Zahl blieb jedenfalls konstant).
Aber an dem Abend war es phänomenal, wie schnell wir aus 90 Leuten erst mal 9 gemacht haben.
Irgendwann stieg unser Trompeter aus, ging sich einen zwitschern und überließ das Publikum dem vollendeten Desaster: Fusion/Jazz-Gitarren-Trio. Was wir dann wie viele Chorusse lang gespielt haben, hab ich verdrängt.

Aber halt, dann sollte irgendwann ja noch die Session losgehen, es war bloß kein Schwein mehr da, was einsteigen wollte, und ich seh noch Jan und Uli, eine der damals besten b&dr-Rhythmusgruppen weit & breit, auf dem Podium stehen und bedröppelt in die Landschaft gucken, "Äh, will hier jetz gar keiner mehr mitspieln??? --- Hm, ja, kömmaja eigntlich auch gehn, ne?"
Als alles vorbei war, haben wir (vor schätzungsweise 7 Zuhörern und dazugehörigen angewärmten Bieren) noch Miles Davis "Nefertiti" gespielt. Wenigstens das hat geklappt. Zum Glück hatte unser Gitarrist vorher keine Gelegenheit gehabt, ein Arrangement zu bauen .


<SPAN style="FONT-SIZE: 8pt; COLOR: black; mso-bidi-font-size: 6.0pt">In der Lokalpresse gab's übrigens einen Artikel über das Fiasko. Ich bewundere die Autorin bis heute, wie phänomenal sie positive Reste des Ereignisses zu verdichten verstand. Über mich stand was drin von einer "Vielzahl schneller Baßphrasen" (das waren alles die 17-, 26-, und 37-teiligen Linien, die unser Gitarrist auskomponiert hatte)... klang auch ein bißchen nach "warjan netter Bass-Minenarbeiter, aber das kleine silberne Roland-Teil hätts eigentlich auch getan" (stimmte ja auch irgendwo).
 
So, nachdem das System meinen Textschluß partout nicht schlucken will und außerdem meine ganzen Smileys versaubeutelt hat ;-):
der Schluß des Ganzen:

Bis heute hab ich den festen Vorsatz, dem Jazzclub Krefeld irgendwann noch(wenn ich gut bei Kasse bin) die Gage zurückzuzahlen. (Oder vielleicht die Hälfte und für den Rest einen Dankeschön-Blumenstrauß für die Zeitungsreporterin kaufen...??) Echt, es war unsäglich... Wenn Ihr also mal eine Jazz-Session eröffnen müßt, tut dem Publikum den Gefallen und spielt einfach Blue Bossa...

Michael

 
Ich rede hier nicht von Musikgeschmäckern, sondern von Verhaltensweisen.
Dass jeder das spielen soll, was ihm selbst am besten passt, ist klar. Auch wenn ich bis vor ca. nem halben Jahr da noch anders eingestellt war (so auch meine Wortwahl der damaligen Sichtweise entsprechend. Aber mittlerweilse mach ich ja selbst ziemlich weichgespültes Zeug ^^).

Also zur Richtigstellung: Diese Leute haben sich an dem Abend verhalten wie der Kaiser und der König. Eingebildete Sprüche hoch zehn (und keine Sorge, ich kann Einbilding von Professionalitätsdingen unterscheiden) in alle Richtungen - seien es die Sound- und Lichtleute oder sonstwer -, da wäre mir fast die Hutschnur gegangen. So und jetzt ist gut hier :D

letztens hab ichn albaner gesehen, der war total gemein.. alle albaner sind gemein. manno.
 
Wenn Ihr also mal eine Jazz-Session eröffnen müßt, tut dem Publikum den Gefallen und spielt einfach Blue Bossa...
Richtig. Und wenns was unbekanntes sein soll, dann wenigstens was einfaches, wo sich jeder halbwegs dranklinken kann :)
 

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