Gitarre aus geöltem/gewachstem Holz?

  • Ersteller ingobert
  • Erstellt am
Danke, habs nachgelesen. Der Grundanstrich ist dann vermutlich Porenfüller.
Ich denke es gibt auch Menschen, die auf eine ökologische Herstellung Wert legen.
Keine giftigen Lacke/Ausdünstungen usw.
By the Way ... Was machen eigentlich die Veganer? Fisch- oder Knochenleim, das geht ja mal garnicht.....
 
Dr_Martin
  • Gelöscht von peter55
  • Grund: Spam
Ja ... und wir gehen hier im Thread da auch nicht weiter drauf ein, weil das OffTopic wäre ... ;)

Danke!
 
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Ich habe heute mal bei einem Hersteller von Westerngitarren angefragt, warum sie keine geölten/gewachsten Gitarren anbieten. Man antwortete mir folgendes:

Erstens wegen der mangelnden Dauerhaftigkeit. Eine geölte/gewachste Gitarre, die intensiv gespielt wird, würde sich - auch wenn man sie regelmäßig nachwachst/ölt - mit der Zeit schlicht zu sehr abnutzen, zudem könne die Oberfläche verschmutzen.

Zweitens wegen schlechteren klanglichen Eigenschaften. Je glatter die Oberfläche, desto besser würden die Töne abgestrahlt. Eine geölte/gewachste Holzoberfläche könne nie so homogen und glatt sein, wie eine lackierte. Aus dem gleichen Grund sei Hochglanz-Lack auch Mattlack klanglich überlegen.

Nochmal ein Kommentar dazu: die Gründe des Herstellers klingen für mich plausibel. Trotzdem ist es ganz nüchtern betrachtet eben so, dass eine Lackierung (egal ob Farb- oder Klarlack) eine Kunststoffbeschichtung ist. Und dünnes, lackiertes Holz, so wie es üblicherweise für einen Gitarrenkorpus verwendet wird, ist ein Hybridmaterial aus Holz und Kunststoff. Man darf sich also durchaus fragen, ob das Holz oder Lack wichtiger ist für den Klang.
 
Trotzdem ist es ganz nüchtern betrachtet eben so, dass eine Lackierung (egal ob Farb- oder Klarlack) eine Kunststoffbeschichtung ist.
Was ist für Dich an Schelllacken oder Öllacken "Kunststoff"?
 
Was ist für Dich an Schelllacken oder Öllacken "Kunststoff"?

Zugegebenerweise ist eine Beschichtung aus natürlichen Stoffen letztlich auch eine Beschichtung, die den Klang beeinflusst. Vollkommen unbeeinflusst wäre also nur komplett unbehandeltes Holz, und das geht natürlich nicht.

Letztlich geht es mir um die Frage, wie hoch der Anteil der "Tonhölzer" am Klang einer Gitarre tatsächlich ist. Diesen wird ja - gerade im Premium-Segment - eine sehr hohe Bedeutung zugeschrieben. Wenn die Tonhölzer aber letztlich komplett zugekleistert sind (dass meist Klarlack verwendet wird, und die Instrumente dadurch holzig-natürlich aussehen, ändert daran nichts) ist der Lack am Ende vielleicht wichtiger als das Holz. Ich würde gerne mal einen A/B Vergleich machen zwischen 2 genau gleichen Gitarren, die eine ganz normal lackiert, die andere mit komplett unbehandeltem Holz.
 
Kauf' Dir eine billige vom Flohmarkt für ein paar €, spiele sie, schleife sie ab, lackiere sie neu, lackiere sie innen. Sicherlich ist es nicht ganz leicht, daraus ein "exaktes Experiment" zu machen (identische Aufnahmesituation, identisches Spielen, ...), aber die Unterschiede sind da, wenngleich m.E. nicht bombastisch (bei meinem Versuch habe ich eine dünne, z.T. schon abgewrackte Lackierung halbwegs abgezogen und neu Schelllack aufgebracht, dünne Fichtendecke auf einer Nylonstring). Bei einer billigen 1970er-Korea- oder oder 1990er-China-Gitarre dürften die Unterschiede größer sein, da hier die Werks"beschichtung" (ich sage bewusst nicht "Lackierung") häufig glossy und (damit) sehr dick war.
Du kannst aber durch die Lackierung weder aus einer Mahagoni- eine Palisander-Gitarre machen, noch auch einer 49€ HB eine Martin etc.
 
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Gewissermaßen OT:
ich habe bei der Restaurierung meiner Kleinanzeigen-Mandoline (Siehe: Mandoline Deckenriss reparieren) im 2. Anlauf einen anderen (härteren) Lack auf Kunstharzbasis benutzt. Im ersten Anlauf wollte ich auch eine möglichst "natürliche" Optik mittels Wachslasur behalten, was sich leider nicht durchgesetzt hat.

Nach gut 1 Woche ist der Lack endgültig ausgehärtet, also so hart, dass man mit dem Fingernagel nicht mehr rein kommt. Spielbar war sie schon nach 1 Tag, weshalb ich auch täglich munter an ihr herumklimpere.
Es war in dieser Zeit eine hörbare Veränderung am laufen. jetzt, wo die Decke komplett ausgehärtet ist klingt die Mandoline deutlich "schärfer" und weniger "matt" bzw "Schnarrend". Dies war insbesondere bei höheren Tönen sehr unangenehm.

Aber: Billiges, altes Instrument, Fichtendecke, Reparatur. Also keine Referenz zu "echten" Instrumenten mit entsprechender Qualität. Dennoch ein Hinweis, in wie weit die Oberflächenbehandlung eine Rolle beim Klang spielt.
 
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Ich schätze aufgrund seiner sehr wissenschaftlich orientierten Denkweise und seiner "Schnauze" den Gitarrenbauer Walter Kraushaar und seine ziemlich informative Internetseite sehr (insbesondere die "Tipps" Sektion!)
Primär bezieht er sich oft auf E-Gitarren, aber auch akustische Instrumente werden öfter mal erwähnt.
So auch sein Blickwinkel auf Gitarrenlacke: https://www.kraushaar-gitarren.de/cms/lack.html

In Kurzform: Natürlich verändert jeder Lack den Klang irgendwie.. aber es ist nicht umbedingt klar in welche Richtung.
Ich ergänze gerne noch: Sound ist Geschmackssache: Für den einen ist der Sound durch eine dicke Lackschicht "dumpf", während der nächste dies als "warm und weich" und angenehm empfindet.
Es ist sehr schwierig hier ein allgemeingültiges Ästhetisches Urteil zu fällen.
 
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Rein technisch gesehen:
Dem Holz ist egal ob Öl, Wachs oder Lack, erfüllt im ersten Moment den gleichen Zweck, das Holz zu schützen.
Eine gewachste Oberfläche kann man z.B. auch auf Hochglanz polieren.
Entscheidend is t die aufgetragene Masse/das Gewicht
Bei fein zerstäubten Lack und nach Abgabe der Lösungsmittel ist die Masse um einiges geringer.
Das ist bei E-/solid body-Gitarren weniger auschlagbendend als bei A-Gitarren
 
Entscheidend is t die aufgetragene Masse/das Gewicht
Nicht alleine, es hängt auch noch von der "Verankerung" der Oberfläche im Holz und von der Flexibilität der Oberfläche als solcher ab. Hochviskose Öle dringen tief in das Holz ein, sind - ebenso wie 1k-Lacke, die aber nicht so tief eindringen (vgl. auch @Flyboy s Äußerungen zu Fillern) - flexibler, als 2k-Beschichtungen. Diese können schon mal ein in sich so zusammenhängende Schicht bilden, dass man diese komplett abziehen kann. (Das beschreibt Kraushaar ja in @Disgracer s Link auch.)
 
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Entscheidend is t die aufgetragene Masse/das Gewicht
Dass die Masse einer Beschichtung einen signifikanten Einfluss auf das Schwingungsverhalten von Holz hat, steht, denke ich, ausser Zweifel. Gleichzeitig haben wir es aber auch mit einem "Sandwich" aus Materialien unterschiedlicher Elastizität zu tun. Eine unelastische Beschichtung wirkt einer Biegung und damit der Schwingung des Holzes entgegen. Bei einer einseitigen Beschichtung (Lackierung) ist dieser Effekt sogar asymetrisch, d.h. die Decke biegt sich nach aussen weniger als nach innen. In diesem Licht ist ein bestimmungsgemäß sehr harter Parkettlack wohl keine optimale Wahl und verändert wie Laiendarsteller berichtet deutlich den Klang.
Und siehe da, Wachs ist hier klar im Vorteil, denn es bleibt recht weich und elastisch ... Aber das gilt nur, solange es auf dem Holz und nicht darin ist. Eine dickere Lackierung ist sowohl schwerer, als auch unelastischer als eine dünne und Nitrolack wird gerne verwendet, weil Nitrocellulose sehr leicht ist und dünn aufgetragen werden kann.. Die Wahl des Lackes und dessen Dicke haben jedenfalls großen Einfluss af den Klang und wie immer hängt alles mit allem zusammen ...
 
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Lack spielt sicher eine Rolle für den Klang.
Bei meiner Alhambra Z-Nature Nylon Akustik wurde ein extrem dünner Lack aufgetragen (offenporig). Da merkt man schon, dass die Decke freier schwingt. Die Gitarre spricht sehr leicht an und hat einen sehr ausgewogenen und doch vollen Ton. Die Oberfläche hat einen matt-seidigen Glanz und ist nicht durch einen dicken Lack abgedeckt. Im Video in meinem verlinkten Review wird etwas zum Lackierverfahren erzählt.
 
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Ich greife diesen Thread noch mal auf, da ich derzeit auch wieder vor einer Kaufentscheidung stehe.

Ob nur geölt oder gewachst, oder häufig vorkommende open pore oder matt lackierte Oberflächen bei Akustikgitarren ... geht bei mir gar nicht. Wie auch immer, trotz aller guter Eigenschaften solcher Instrumente, stört mich definitiv die Geräuschentwicklung bei Berührungen der matten Oberflächen. Hört sich nun mal an, wie über Pappe zu streichen, was bei mikrofonischer Abnahme dann ebenso hörbar ist.

Also: High Gloss 😎
 
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Offenpoorig werden diese Lacke gerne genannt und dazu auch gerne suggeriert das Holz könne so besser atmen.

Beides ist falsch.

Man verwendet bei industriell gefertigten Gitarren gerne matte Lackierungen weil man darunter leichter Verarbeitungsmängel verbergen kann. Der im Lack enthaltene Mattierer ist ein Feststoff der auch etwas füllen kann.

was bei mikrofonischer Abnahme dann ebenso hörbar ist.

...und besonders deutlich über Piezo- und ähnliche transducer.

Ich kann allerdings versichern dass eine gern gespielte Gitarre an den entsprechenden Stellen recht schnell von Hand und Unterarm poliert wird und sich dann auch die Störgeräusche legen.
 
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...und ich kenne das Quietschen der Haut auf hochglanzlackierten Gitarren. *wutschweg*
 
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Tja lieber Jiko, da musst Du Dich wohl mal besser pudern...
 
Zweitens wegen schlechteren klanglichen Eigenschaften. Je glatter die Oberfläche, desto besser würden die Töne abgestrahlt. Eine geölte/gewachste Holzoberfläche könne nie so homogen und glatt sein, wie eine lackierte. Aus dem gleichen Grund sei Hochglanz-Lack auch Mattlack klanglich überlegen.
Echt jetzt?
Sorry, welche Firma hast du da gefragt? Und wen ? - den Pförtner?
Das mag im besten Fall physikalisch messbar sein. Und selbst wenn wahrnehmbar, wie soll das den Klang verändern?
Sorry, da wirkt sich vermutlich deutlicher aus ob ich einen Dicken XXL Wollpullover oder ein leichtes enges Seidenhemd beim spielen trage.
Schließlich berührt meine Oberbekleidung mindestens 50% der Rückseite und einen Teil der schwingenden Decke nah an der Brücke.

Das ist echt unglaublich - so ein Unfug-

Kann das mal wer mit Sachverstand, faktisch erläutern oder uns davon erlösen?

Das wäre glatt nen Beitrag hier Wert:https://www.musiker-board.de/thread...istenthreads-die-keiner-braucht.689937/unread
Beitrag automatisch zusammengefügt:

A/B Vergleich machen zwischen 2 genau gleichen Gitarren, die eine ganz normal lackiert, die andere mit komplett unbehandeltem Holz.
Der ist vielleicht schon da aber signifikant wird sich da nichts ändern.

Komm gerne rum, du kannst mein , gut klingende Alltags Klassik (ca 50Jahre alt, sehr dünner Nitrolack) lackiert spielen und dann entlacken( ist eh nicht mehr viel drauf) .
Das wäre es mir Wert
 
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