[Gitarre] Donner DJP-1000 Review

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Hi. Anbei meine erste Review..

Warum Donner?
Aus Neugier und weil sie vielseitig, schön und günstig ist (derzeit 240 Euro). Heutzutage ist es keine Kunst mehr, brauchbare Gitarren für wenig Geld herzustellen, was die vielen günstigen, in China produzierten Modelle verschiedener Marken beweisen.
Donner möchte auf dem Instrumentenmarkt Fuß fassen. Mit günstigen Pedalen haben sie es (fast?) schon geschafft, mit Synthesizern hapert es etwas an der Verarbeitung, wie es mit anderen Instrumenten aussieht weiß ich nicht und hinsichtlich Gitarren wollte ich es herausfinden.

Auf Youtube habe ich wahrscheinlich alle Reviews gesehen, die es zu der DJP-1000 gab. Oft wurde sie gelobt und zu selten kritisiert, sodass ich mich entschied sie selbst auszuprobieren. Zumal ich auf der Suche nach einer Gitarre mit Split-Coils war, bei der beide Pickups eigenen Volume und Tone Poti haben. Und eine Semi-Hollow hatte ich noch nicht.

Von einer der günstigsten eGitarren auf dem Markt erwartet man nicht viel. Sollte man auch nicht. Aber unabhängig vom Preis sollte alles was man kauft seinen Zweck erfüllen. Wenn nicht gleich, dann zumindest nach wenigen Handgriffen oder notfalls nach dem Austausch von ein paar Teilen.
Die kritischen Sachen, bei denen früher gravierende Fehler auftraten, übernehmen heute automatisierte Prozesse, sodass man eigentlich jede eGitarre mit überschaubarem Aufwand spielbar machen können müsste.

Als ich die Donner bestellte, hoffte ich auf ein Instrument, bei dem Hals und Korpus gut aufeinander abgestimmt, die Bauteile an den richtigen Stellen montiert sind und alles Standardmaße hat, damit man es bei Bedarf leicht austauschen kann. Spoiler: Ich bekam nicht mehr, aber auch nicht weniger als das.

Auslieferungszustand:
- Furztrockener Hals
- Saitenlage 2mm (E-Saite)
- Leicht gekrümmter Hals (wie man es selbst einstellen würde)
- Oktavreinheit stimmte bei 2 von 6 Saiten
- Bundreinheit nicht kontrolliert. Wird schon stimmen..
- Drei Bundstäbe leicht höher

Aus dem Karton heraus schnarrte sie im Bereich der drei Bundstäbe und insbesondere an der Brücke, was an lockeren Saitenreitern und/oder deren Schrauben lag. Die zu großzügigen Bauteiltoleranzen waren dem Hersteller wohl bekannt, da er die Stellschrauben mit einem Draht spannte, aber das hätte er sich auch sparen können, da es nicht all zu viel brachte.

Als sie sich akklimatisierte wurde das Schnarren an Bünden weniger bis ganz weg. Die Brücke blieb sich treu und gab ihr Bestes mir die Gitarre madig zu machen, aber sie ahnte nicht, dass ich mir noch vor dem Kauf vornahm Vibrato und Roller Bridge anzubringen und die Teile gleich mitbestellte.
Der Umtausch verlief problemlos, da es wie erhofft Standardmaße waren, aber man sollte bedenken, dass die Brücke Bolzen mit M8 Gewinde und 6mm Stiften hat und die Ersatzbrücke somit auch 6mm Bohrungen haben oder mit passenden Teilen mitgeliefert werden sollte, denn die Gewindebolzen lassen sich die renommierten Hersteller teuer bezahlen.

Sonst ist die allgemeine Verarbeitung ok, aber mit teuren Gitarren kaum zu vergleichen, was ja keine wirkliche Überraschung ist.
Wer nach Fehlern im Lack sucht, wird sie auch finden und wer sie übersehen möchte, wird das auch können, weil sie nicht so offensichtlich sind. Die üblichen Stellen wie Hals/Korpus-Verbindung und der Aufdruck auf der Kopfplatte oder dem Binding entlang sind davon betroffen. Nichts was sofort auffällt oder mich stören würde.

Herausragende Stäbe oder scharfe Kanten hat man hier nicht zu befürchten, weil die Enden nicht mit der Halskante abschließen und wie ins das Material eingelassen sind. Raffiniert wie sie Nachbesserungen entgegenwirkten. Die Stäbchen kommen mir beim Spielen etwas rau vor.. Ich hätte sie wohl gleich polieren müssen, aber das ist mir leider entgangen.. Hole ich bald nach.

Der Hals ist glänzend lackiert und fühlt sich nicht anders an, als andere lackierte Hälse unterer bis mittlerer Preisklasse, die ich bislang in der Hand hielt. In den Spezifikationen steht, dass Palisander eingebaut ist, aber es hat nicht die gängige rötliche Farbe, sondern ist eher schwarz. Da das nicht mein Spezialgebiet ist, verlasse ich mich mal auf die Angaben und wundere mich nicht weiter.

Die Drehwiderstände sowie Push/Pull Funktionen sind etwas schwergängiger, als ich es von CTS gewohnt bin und von der Funktionsweise sind die Potis eher wie Schalter als "Dimmer" zu gebrauchen. Aber zumindest kratzen sie (noch) nicht und der Pickupschalter ist auch frei von Störgeräuschen. Irgendwann werde ich die gesamte Elektronik austauschen, um vernünftige Potis zu haben, aber das eilt nicht.

Wie alles andere an der Gitarre, sind die Mechaniken wahrscheinlich auch nicht die besten, aber momentan fallen sie nicht negativ auf, sodass kein akuter Handlungsbedarf besteht. Der Sattel scheint auch keine Nachbearbeitung nötig zu haben. Er bekam nur etwas Soße spendiert.

Da ich sonst geschmeidigere 10er Saiten auf Jumbo Frets spiele und hier Medium verbaut sind, war es anfangs etwas ungewohnt, aber statt sie an meine Gewohnheiten anzupassen, entschied ich mich für das Gegenteil und zog 11er Flatwounds auf. Das gibt der Gitarre einen anderen Charakter und bringt Vielfalt ins Sortiment. Durch die höhere Saitenspannung ließ sich eine tiefere, schnarrfreie Saitenlage erzielen. Ob es sich auf Dauer bewährt, wird sich zeigen..
Der gewölbte Rücken und auf der Rückseite angebrachte Gurtpin runden das eigenartige Gefühl auf. Es drückt Wampe gegen Wampe..

Zubehör:
Das mitgelieferte Kabel sieht ziemlich gut aus und ist um Welten besser, als das was man zu Harley Benton* bekommt. Der Sicherheitsgurt mit Lederenden ist zwar nicht das Bequemste was es gibt, aber durchaus brauchbar. Die Tasche hat eine (etwas zu) dünne Polsterung und macht keinen wertigen Eindruck, aber sie ist besser als die günstigsten Thomanntaschen. Für zu Hause ist das vollkommen ausreichend. Für Unterwegs sollte man was besseres nehmen oder besonders gut aufpassen.

Und der Sound?
Der ist in erster Linie Geschmackssache und nicht nur von der eGitarre abhängig. Zudem lässt er sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen, indem man die Pickups tauscht, was auch bei teuren Gitarren die gängige Praxis ist. In meinen Ohren klingt sie gut, sodass ich noch unsicher bin ob ich beim Elektronikumbau die Pickups tausche oder nicht.. Kommt Zeit, kommt Rat.

Fazit:
Durchaus brauchbar, aber "Gut für das Geld" ist sie wegen der schnarrenden Brücke nicht, weil sie deswegen für den vorgesehenen Zweck nicht uneingeschränkt einsetzbar ist, aber wenn man paar Dutzend Euro für die Brücke drauflegt, wird sie gut. Nicht nur für das Geld.
Ob man das Risiko eingehen und sich selbst die Arbeit machen, andere damit beauftragen oder gleich was anderes kaufen möchte, ist jedem selbst überlassen. Ich bereue meine Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Nach den paar Modifikationen spielt sie sich prächtig, wenn auch etwas ungewohnt, wegen dickeren Flatwounds, Medium Frets und der ES-335 Bauform, aber das soll so sein.

Alternativen:
Harley Benton* HB-35 liegt bei 200 Euro (ohne Tasche, Kabel, Gurt), aber sie kam für mich nicht in Frage, weil der PU-Schalter nicht unten bei den Potis platziert ist. Außerdem habe ich mit den billigsten Modellen von HB schon etwas Erfahrung gesammelt und würde sie nicht höher bewerten als Donner.

Alle anderen, die ich mir angesehen habe (Ibanez*, Gretsch, Vintage, Epiphone) liegen preislich über der DJP-1000 einschl. neuer Brücke. Manche sogar über dem Komplettumbau und man weiß nie welche Überraschungen dort auf einen warten, wenn man sie blind bestellt und nicht vorher im Laden ausprobiert.


Alt:
Brücke demontiert.jpg

Alte Brücke und Halter.jpg


Nach dem Umbau:
Kopf.jpg

Rosewood.jpg

Neue Brücke und Vibrato.jpg

Korpus.jpg

Klampfe auf Tasche.jpg

Klampfe in Tasche.jpg

Bei Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
 
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  • #2
NACHTRAG:

Nach dem Brückentausch fiel mir auf, dass beide Aufnahmelöcher für die Brückenhülsen schräg gebohrt wurden, sodass die Brücke leicht nach hinten geneigt ist und zwar genau so viel, dass mit meiner Rollerbridge die Intonation nicht eingestellt werden konnte und ich wieder eine Tune-O-Matic anbringen musste, mit der es gerade noch so einzustellen war.
Das ist ein sehr grober Verarbeitungsfehler, den man nicht schönreden kann.

Die Mechaniken haben sich auch als austauschwürdig erwiesen. Sie sind einfach nicht straff/präzise genug, sodass leichte Drehungen manchmal nichts bewirken. Das ist zwar nicht schön, aber unter Umständen zu verkraften.

Anfangs war ich mir unsicher ob ich die Pickups tauschen sollte. Mittlerweile weiß ich, dass ich es machen werde, weil ich deren Sound als etwas zu schrill empfinde. Den Tonerider Alnico II Satz habe ich mir bereits bestellt und hoffe, dass sie mir besser zusagen werden.

Ich bin guter Hoffnung, dass die geplanten Upgrades alle Schwachstellen beseitigen werden und die Gitarre endlich uneingeschränkt eingesetzt werden kann. Vom Design und Spielgefühl her gefällt sie mir ja, und da ich gern bastle, relativiert sich der Aufwand.
Die Kaufentscheidung bereue ich weiterhin nicht, obwohl ich wahrscheinlich mit dem Kauf eines Bausatzes weniger beschäftigt wäre :)

Fazit 2.0:
Aus dem Karton heraus kann man schon sagen, dass sie Scheiße ist, aber es lässt sich was draus machen.
 
Danke für das sehr aufschlussreiche Review!

Die Kernaussagen sind für mich:
Fazit...
Aus dem Karton heraus kann man schon sagen, dass sie Scheiße ist, aber es lässt sich was draus machen.

...

Vom Design und Spielgefühl her gefällt sie mir ... und da ich gern bastle, relativiert sich der Aufwand.
Die Kaufentscheidung bereue ich weiterhin nicht, obwohl ich wahrscheinlich mit dem Kauf eines Bausatzes weniger beschäftigt wäre...

Mit anderen Worten provoziere ich das mal als Gedanken des Herstellers: "Ich schmeiße Gut-und-günstigst, wie es gerade noch geht, auf den Markt. Kann ich aber von leben. Sollen sich dann Bastler drum kümmern, davon lebt dann auch noch die Zulieferindustrie."

Interessanterweise kommt offenbar das Phänomen dazu, dass inzwischen selbst hochpreisige Gitarren bekannter Hersteller nicht davon verschont sind, dass man Hand anlegen muss, um sie spielbar zu machen (auch provoziert bzw. hier überspitzt).

Hm. Lasse ich jetzt mal so stehen. Vielleicht ergibt sich ja draus eine Diskussion? :gruebel:
 
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  • #4
Mit anderen Worten provoziere ich das mal als Gedanken des Herstellers: "Ich schmeiße Gut-und-günstigst, wie es gerade noch geht, auf den Markt. Kann ich aber von leben. Sollen sich dann Bastler drum kümmern, davon lebt dann auch noch die Zulieferindustrie."
Ich bezweifle, dass sich der Hersteller über Bastler und Zulieferer Gedanken macht. Das ist eher "ich biete mal was an, wovon ich keine Ahnung habe, weil ich es kann".
Heutzutage kann ja jeder ein "Gitarrenhersteller" sein. Man muss sich nur mit einer der vielen chinesischen Gitarrenfabriken in Verbindung setzen und um den Vertrieb kümmern. Als Beispiel nenne ich mal Jet Guitars und Slick.

Wie gut das Produkt am Ende wird, hängt davon ab, was man aushandelt und wie man sich darum kümmert, dass es eingehalten wird (eigene Qualitätskontrolle). Die günstigsten Harley Bentons kosten unter 50 Euro in der Produktion. Bei Donner wird es nicht anders sein. Es ist also kein Wunder, dass es Qualitätsschwankungen gibt und die Bauteile wie Attrappen wirken.
Obwohl man in China nicht nur schlecht und günstig fertigen lassen kann, entscheiden sich viele dennoch dafür, weil es sich selbst dann rechnet, wenn das Produkt Scheiße ist. Dazu muss man nur paar bessere Exemplare an die renommierten "Beeinflusser" schicken und der Rest erledigt sich von selbst.

Außerdem zieht die unterste Preisklasse Anfänger an und wenn man keine Ahnung hat, wie eine Gitarre sein soll, erkennt man die Fehler nicht. Ich habe damals auch ne Weile gebraucht um zu merken, dass mein Harley Benton* JB-20 (alte Serie mit Fender*-Kopfplatte) bestenfalls als Wanddeko was taugt.

Interessanterweise kommt offenbar das Phänomen dazu, dass inzwischen selbst hochpreisige Gitarren bekannter Hersteller nicht davon verschont sind, dass man Hand anlegen muss, um sie spielbar zu machen (auch provoziert bzw. hier überspitzt).
Bei Fender und Gibson gab es auch schon Fälle, wo die Gitarren nicht den Qualitätsstandards entsprachen, aber das kann man kaum mit Donner vergleichen, denn bei hochpreisigen Gitarren sind das eher die Einzelfälle. Die haben ja auch was zu verlieren. Donner dagegen stellt einfach die Produktion ein und fertigt was anderes wovon die keine Ahnung haben.

"Hand anlegen" muss man aber bei jeder Gitarre, wenn wir die Einstellung mitzählen. Das liegt in der Natur der Sache, da bei Lagerung und Transport das Material "arbeitet". Demnach wird eine in den USA perfekt eingestellte Gitarre, in Europa nicht mehr diese Einstellung haben. Darum sollte man auch nicht aus dem Karton heraus an der Gitarre schrauben, sondern ihr mal einen Tag Ruhe gönnen.
 
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  • #5
Letzter Nachtrag:

Mittlerweile habe ich die Pickups samt Elektronik und die Mechaniken getauscht. Jetzt habe ich tatsächlich nichts mehr zu beanstanden.

Da es mich auch selbst interessiert, stelle ich mal die Kosten hier zusammen:
- Gitarre 239,00 Euro
- Tonerider Alnico 2 Classic Set (Nickel Cover) 115,00 Euro
- Duesenberg Les Trem II Nickel TM85N 99,00 Euro
- Mechaniken Gotoh SG301-04 MG Locking 3L/3R C 49,00 Euro
- Brücke Grover 520N 35,00 Euro
- 2 Stück Push-Push Potentiometer, 500k log/audio mit DPDT Schalter 25,80 Euro
- Thomastik JS-111T Flatwounds 20,90 Euro
- 2 Stück CTS-HTQ-A500K-MK (LOG) 18,70 Euro
- 4 Stück Potikappen 12,99 Euro
- Pure Tone Mono Output Jack Nickel 6,90 Euro
- Harley Benton Security Locks NI 5,90 Euro
- Verbrauchs-/Gebrauchsmaterial: Nicht viel
- Nerven wie Drahtseile: Unbezahlbar

Macht insgesamt 628,19 Euro zzgl. nicht viel und unbezahlbar. Dafür hätte man schon eine richtige Gitarre kriegen können :D

Abzgl. Les Trem, Flatwounds, Pure Tone Jack, Potikappen und Security Locks läge ich bei 487,40 Euro, also etwas unter beim aktuellen Preis einer Epiphone ES-335, in der wahrscheinlich günstigere Teile verbaut ist, aber man davon ausgehen kann, dass die PUs und Potis nicht danach schreien ausgetauscht zu werden. Die Abstriche wären Locking Tuner und Coil-Split. Achja, und Gigbag als Staubschutz sowie restliches Zubehör, welches es zur Donner gab, wenn man damit was anfangen kann.

Bin froh, dass das Experiment endlich vorbei ist und ich die Gitarre nach meinen Wünschen und Vorstellungen zusammen- und eingestellt bekam. Da sie sich jetzt ziemlich angenehm spielt, ausgewogen klingt und zudem noch gut aussieht, werde ich sie regelmäßig einsetzen.

Schlusswort: Kauft euch lieber was anderes. Ich habe mir die Donner gekauft, damit ihr es nicht müsst :D
 
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Nochmals meinen Dank!

Alles in allem wirklich sehr aufschlussreich und abseits vom oft sinngemäß geschriebenen: "Meine Gut-und-Günstig ist ja ab Werk sowas von goil, wozu braucht man da noch teure Gitarren.".
 
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