[Gitarre] - Ibanez SZ520-DAS

von Rock'n'Roll Rudi, 15.07.07.

  1. Rock'n'Roll Rudi

    Rock'n'Roll Rudi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.07.07   #1
    Seid gegrüßt,
    ich lese jetzt schon längere Zeit in diesem Forum und denke, dass es jetzt an der Zeit ist selbst etwas konstruktives zu der Community beizusteuern. Da ich gerade zufälligerweise eine neue Ibanez SZ520-DAS neben mir stehen hab, werde ich das in Form eines Reviews zu dem besagten Instrument tun. Genug geschwafelt, los geht's...


    1. Vorgeschichte

    Rund zwei Jahre lang spielte ich eine relativ günstige (ca. 140 €) Gibson SG-Kopie der Marke Coxx. Als Anfängermodell ist diese sicherlich zu gebrauchen, obwohl mein Modell einige Mängel , wie z.B. lockere Potiknöpfe (die sogar einige Male während des Spielens einfach abgefallen sind :D) oder etwas unsauber eingearbeitete Bundstäbchen, aufwies. Soundmäßig war sie für mich aber immer in Ordnung, da sie stets einen guten (Hard-) Rocksound lieferte.
    Trotzdem ereilte mich nach einiger Zeit die Kaufsucht und so musste ein neues Modell ins Haus. Meine Vorstellungen gingen ungefähr in Les-Paul-Richtung. Also testete ich Gibsons
    (die ich mir sowieso nicht leisten kann), Epiphones und Hagströms bis ich merkte, dass mir die Paula-Form nicht so liegt. In weiteren Versuchen probierte ich eine Gitarre zu finden, die sehr vielseitig ist, da ich inzwischen auch den Single-Coil-Sound zu schätzen gelernt hatte. Jedoch wollte meine Suche keinen Erfolg haben, irgendetwas störte mich immer bei den angetesteten Modellen.
    Nach einiger Zeit stieß ich hier Forum auf den Thread der Ibanez-SZ-Gemeinde. Von den Soundbeschreibungen und der Optik sagte mir diese Serie sehr zu. Beim lokalen Musikladen klimperte ich einige Zeit darauf herum bis schließ feststand: "Die nehm' ich!"
    Warum ich mich für die Klampfe entschied? Das könnt ihr im nächsten Kapitel lesen...


    2. Der erste Eindruck

    Ich halte dieses Kapitel etwas kürzer, damit ich nachher bei der ausführlichen Beschreibung nicht alles wiederholen muss. Ich testete im Laden ein schwarzes SZ320-Modell an, was mir von der Optik schon sehr zusagte. Auch das Gewicht empfand ich als sehr angenehm, ich hatte mir die Gitarre deutlich schwerer vorgestellt. Schon die ersten Powerchords klangen sehr voll, satt und vor allem sehr lange. Schon irgendwie geil. Ein guter Output, aber eben kein beinhartes Metalbrett, das schon den Cleankanal verzerrt. Auch den Tone (oder wie man das sonst nennen mag) mochte ich: nicht zu dumpf, nicht zu schrill. Eben genau richtig.
    Trotz der schicken Optik der schwarzen SZ320, wollte ich dann doch lieber eine geflamte Ahorndecke haben, weshalb ich mich dann für die ca. 55 € teurere SZ520-DAS entschied.


    3. Fakten zur Gitarre

    - Dark Amber Sunburst (DAS)
    - Korpus und Hals (eingeleimt) aus Mahagoni
    - geflammte Ahorndecke
    - Palisandergriffbrett
    - 22 Bünde
    - Mensur: 638mm bzw. 25.1 inch
    - 2 Duncan/Ibanez Humbucker
    - 2 Volume- und ein Tonepoti
    - 3-Wege-Wahlschalter für die Pickups
    - GibraltarIII-Brücke
    - Saitenführung durch den Korpus
    - mitgeliefertes Zubehör: Gigbag, Gurt und Kabel
    - Preis: 545 €


    4. Verarbeitung, Technik und Einstellung

    Der Lack ist überall sauber und gleichmäßig aufgetragen, was sehr zu der tollen Optik der Gitarre beiträgt. Die Potiknöpfe wackeln nicht und lassen sich mit einem angenehmen Widerstand drehen, das Gleiche bei den Stimmmechaniken. Zudem entsteht beim Drehen an Ersteren kein Kratzen oder Rauschen, sehr angenehm. Der Pickup-Wahlschalter lässt sich gut bedienen, wobei es besser wäre, wenn er mehr Weg hätte, sodass die einzelnen Stellungen besser voneinander unterscheidbar sind.
    Zwischen Saiten und Bundstäbchen hätte man Anfangs ein Butterbrot schieben können, so hoch war die Saitenlage eingestellt. Dank der einfach zu bedienenden GribraltarIII-Bridge konnte ich dieses Problem jedoch schnell beheben. Ein anderes Problem ist allerdings nicht
    so leicht zu lösen. Wenn man die hohe E-Saite im ersten Bund anspielt schnarrt es sehr stark, selbst bei einer hohen Saitenlage. Ziemlich störend, ich werde das zum nächstmöglichen Zeitpunkt reklamieren, da es sich dabei um einen groben Verarbeitungsfehler handelt. An anderen Bünden bzw. Saiten besteht das Problem nicht.


    5. Bespielbarkeit

    Der Hals ist genau richtig für mich. Es handelt sich nicht um einen dünnen Wizard-Hals wie man es bei Ibanez vermuten könnte. Er ist relativ dick, aber nicht klobig. Eine leichte Abflachung bietet eine angenehme Ablagefläche für den Daumen. Der Hals ist lackiert, was mich aber nicht stört, da er dadurch nicht klebrig wird, sondern trotzdem noch sehr glatt ist. In den höheren Gefilden (15. Bund) wird der Hals einigermaßen gleichmäßig dicker bis er schließlich in den Korpus übergeht. Das heißt, dass man keinen dicken Klotz am Hals-Korpus-Übergang hat, sodass sich der Hals bis in die hohen Bünde gut bespielen lässt.
    Zumal die Cutaways dafür weit genug reichen.
    Die Bundstäbchen sind recht hoch und schmal. Das war für mich vorerst etwas ungewohnt. Nach zwei bis drei Tagen gingen die Slides dann aber gut von der Hand. Der Vorteil ist, dass man in den Bünden mehr Platz hat. Sehr gut bei Griffen, die es erfordern mehrere Finger in einen Bund zu quetschen.
    Ein Bierbauchshaping an der Rückseite des relativ dicken Korpus sorgt dafür, dass die Gitarre nahe am Körper anliegt. Ein weiteres Shaping an der Stelle, wo der rechte Unterarm auf dem Korpus aufliegt, wäre angenehm gewesen, da man hier die Korpuskante immer recht deutlicht spürt. Das ist bei anderen Gitarren, wie z.b. bei einer Strat, besser gelöst.
    Die GribraltarIII-Brücke ist nahezu perfekt. Sie ähnelt einer Tune-O-Matic-Bridge (z.b. Gibson Les Paul), hat aber keine harte Kante an der Oberseite, sondern bietet eine abgerundete, große Ablagefläche für den Handballen. Einfach und extrem komfortabel.
    Die Gitarre ist sehr gut ausbalanciert und bleibt, auch wenn sie an einem rutschigen Gurt hängt, in einer angenehmen Position.
    Ein wenig störend empfand ich anfangs das obere Horn (oder wie man das auch nennt) der Gitarre, welches gegen den Brustkorb drückte. Inzwischen habe ich aber eine Position gefunden, wo es nicht stört.
    Ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig sind die Griffbretteinlagen, denn in höheren lagen sind die Heartbeats manchmal nicht so gut zu sehen.


    6. Sound

    Kommen wir jetzt zum wichtigsten Teil des Reviews, zum Sound. Ich spiele die Ibanez hauptsächlich über einen Marshall Valvestate 40V 8040 und manchmal auch über einen Roland Micro Cube.
    Es geht jedoch erstmal unverstärkt los. Unplugged ist der Klang sehr warm und voll, das Mitschwingen des Korpus wird im Klang sehr deutlich. Andere Gitarren klingen hier etwas kalt und flach. Die SZ ist unverstärkt allerdings nicht sonderlich laut.
    Weiter geht's mit dem Cleankanal des Marshalls. Der Bridge-PU deckt das gesamte Frequenzspektrum gut ab, wobei nach meinem Empfinden die Mitten am stärksten sind, was den warmen Klang nochmals unterstreicht. Jedoch mischen sich dazu einige spitze Höhen, was dem Sound etwas mehr Attack und Transparenz verleiht. Der Klang ist damit ein wenig aufdringlicher als bei einer Les Paul. Zumal dieser Pickup sehr laut ist.
    In der Mittelposition des 3-Wege-Schalters werden die Humbucker gesplittet, jeweils eine Spule vom Bridge-PU und eine vom Neck-PU. Mit meiner Vermutung, dass ein gesplitteter Humbucker wie ein Single-Coil klingt, lag ich daneben. Der Output und damit auch die Lautstärke ist vergleichbar. Ansonsten ist der gesplittete Humbucker viel bassiger als ein Single-Coil und bietet auch nicht diese brillianten Höhen. Er hat dennoch einen sehr interessanten hohl (schwierig zu beschreiben) klingenden Sound.
    Der Neck-PU klingt, wie zu erwarten, sehr bassig, hat aber trotzdem wieder spitze Höhen im Klang, sodass der Sound nicht Dumpf wird. Wenn nun etwas am Toneregler rumdreht kann man den Klang noch deutlich weicher machen, sodass er in Richtung Jazzgitarre geht.

    Nun wechsle ich zum Boost Channel des Marshalls. Erstmal probiere ich es mit weniger Gain. Bereits hier kommt der Klang recht kräftig und hart rüber und der Bridge-PU verzerrt gut. Jedoch ist er noch sehr klar definiert und nicht matschend, d.h. man hört z.b. bei Arpeggios jeden Ton sehr deutlich, auch wenn die anderen Saiten noch schwingen.
    Mit dem Volumepoti kann man dem Klang gut die Aggressivität nehmen, sodass hier auch super Crunchsounds möglich sind, die ihren kraftvollen Charakter jedoch behalten (gut für Classic Rock).
    Mit starker Verzerrung kommt die SZ auch gut zurecht. Denn sie behält ihre Transparenz, während Palm Mutes kräftig und nicht dumpf rüberkommen. Der Klang hat einen gewissen Biss und setzt sich somit gut durch. Ein deutlicher Unterschied zu meiner alten Gitarre lässt
    sich auch in der Artificial-Harmonic-Tauglichkeit feststellen: die SZ kann quieken wie ein Ferkel (was für ein schlechter Vergleich:screwy:).
    Der Neck-PU macht den Sound zurückhaltender ohne den Klang zu dumpf oder zu matschig zu machen, weshalb er sich gut für Rhythmusgitarristen eignet. An einen superwarmen Paulasound wie bei Sweet Child O' Mine kommt man aber damit nicht ran. Wenn man den Tonepoti weit zurückdreht, kann man aber ebenfalls sehr weiche mittige Leadsounds erzeugen.

    Bei allen Einstellungen fällt das enorme Sustain der Gitarre auf, der Ton steht besonders bei Akkorden sehr lange und kippt, die richtigen Ampeinstellungen vorrausgesetzt, recht gut in die Obertöne.

    Einen negativen Aspekt habe ich aber noch zu erwähnen. Die Gitarre neigt relativ leicht zum Feedback, wenn man mit starker Verzerrung spielt. Die Rückkopplungen kann man zwar noch kontrollieren und treten nur auf, wenn man für einige Zeit die Hand von den Saiten nimmt, aber ich weiß nicht wie das bei extremen Lautstärken ist.


    7. Zusammenfassung/Fazit

    + voller, satter Sound
    + viel Sustain
    + gute Erreichbarkeit der hohen Bünde
    + komfortable Bridge
    + saubere Verarbeitung (bei meiner SZ leider mit einer Ausnahme)
    + Gewicht gut ausbalanciert
    + edles Aussehen (jaja, ich weiß, das ist subjektiv)

    - schnarren im 1. Bund ( bei meiner SZ)
    - Feedbackanfälligkeit
    - Inlays manchmal nicht gut zu sehen


    Fazit: Die Ibanez SZ520-DAS ist für den Preis eine wirklich gute Gitarre mit tollen Klangeigenschaften (Sustain!), einer sauberen Verarbeitung und einem ordentlichen Spielkomfort. Ihr Schwerpunkt liegt auf härterem Rock, sie beherrscht aber auch andere Stilrichtungen.

    So, das war mein erstes Review. Eine ganze Menge Schreibarbeit war das. Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und vielleicht auch weiterhelfen konnte. Lob, Kritik, Ergänzungen, Korrekturen etc. sind erwünscht.

    Bis denn!
     
  2. James Root

    James Root Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.07.07   #2
    schönes review!
    hab die gleiche sz und hatte anfangs auch das problem mit den heartbeat-inlays... man gewöhnt sich aber einigermaßen schnell daran ;)
    die pickups haben bei mir auch sehr schnell feedback gefangen und wurden ziemlich schnell durch dimarzios ersetzt. was nicht heißt, dass die ibz/duncans unbedingt schlecht waren.... ich wollte nur meeeeeehr ^^
     
  3. Rock'n'Roll Rudi

    Rock'n'Roll Rudi Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.07.07   #3
    danke für die positive rückmeldung.:)
    wird also die feedbackanfälligkeit nur durch die pickups verursacht? oder bekommt man auch mit den dimarzios schnell eine rückkopplung?
     
  4. James Root

    James Root Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.07.07   #4
    Also meine Dimarzios haben sich immer brav verhalten :)
     
  5. O.B.I.Hörnchen

    O.B.I.Hörnchen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.12.07   #5
    Geile Gitarre, kein Zweifel, mit 10er Saiten kommt man schon sehr nah an einem Guns n Roses Sound ran :)
    Ich hab sie jetzt schon ein Jahr und irgendwie wächst sie mir immer mehr ans Herz, ich werde bald eine SG bekommen und sie aus finanziellen Gründen verkaufen müssen, schade eigentlich, ist ne echt coole Gitarre ^^
     
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