[Gitarre] Jackson SL2P MAH HT Pro Soloist TBB

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Moin zusammen!

Ich war auf der Suche nach einer modernen Powerstrat, möglichst aus dem Hause Jackson. Ich spiele Jackson seit vielen, vielen Jahren und hatte schon diverse Gitarren von denen (Dinky, Warrior, RR, King V etc.) und mir war mal wieder danach, mich von einer King V zu lösen und wieder was Bequemeres in Ergänzung zu meiner Jackson Juggernaut HT6 haben zu wollen.

Eigentlich dachte ich, dass meine Wünsche sehr einfach zu befriedigen sind:

  • Moderne Powerstratform
  • 24 Bünde
  • Kein (!) Tremolo, aber auch keine TOM-Bridge. Die HT6 auf meiner Juggernaut finde ich perfekt.
  • Keine deckende Lackierung oder Satinlook. Letzteres sieht zwar erstmal „cool“ und „modern“ aus, aber am Ende ist es doch unvermeidbar so, dass an den Stellen, an denen man oft den Korpus berührt (z. B. Handballen) glänzende Stellen entstehen.
  • Inlays – zusätzlich zu den Bundmarkierung am seitlichen Headstock finde ich Inlays zur Orientierung auf dem Griffbrett nicht nur sinnvoll, sondern auch einfach schick. Ja, ist vielleicht nicht mehr modern, aber das bin ich ja auch nicht mehr ;)
  • Rosewood-Fretboard (dazu später mehr…)
  • Passive Pickups

Die Suche

Bei der Suche musste ich dann feststellen, dass es wohl gar keine Gitarre gibt, die alle meine Anforderungen erfüllt – zu meiner großen Überraschung. Ich habe wirklich gedacht, dass da nichts Exotisches dran sei.

Die erste Streichposition war das Rosewood-Fretboard, also Palisander. Früher ja absolut normal und ich finde halt, man kann es schöner pflegen als ein Ebony-Fretboard, das vom Spielen irgendwann immer „fleckig“ aussieht. Nach etwas weiterer Recherche musste ich dann feststellen, dass Palisander unter das Artenschutzabkommen fällt und daher nicht mehr verbaut werden darf. Aha, das erklärt auch, warum so viele auf das vormals als edler empfundene Ebony setzen. Na gut, damit muss ich dann leben und am Ende ist das ja auch in Ordnung und nachvollziehbar.

Speziell bei Jackson kommt das Problem hinzu, dass viele Gitarren nur mit Floyd Rose verkauft werden. Versteht mich nicht falsch, ich habe über 30 Jahre Floyds gespielt, es zuletzt aber gar nicht mehr benutzt und wollte zu etwas einfacherem übergehen – gerade auch beim Saitenwechseln, beim Setup etc. Die Auswahl fiel also nochmal deutlich kleiner aus.

Nächster großer Filter war mein Pickupwunsch. Auch Jackson verbaut gerne aktive Pickups, inzwischen ja sogar Fishmen (früher war ja immer EMG gesetzt). Auch wenn aktive Pickups bekanntermaßen ihre Vorteile haben, so habe ich schlicht keine Lust, nach dem Spielen immer das Kabel zu ziehen und zu überlegen, wieviel Stunden die Batterie jetzt wohl auf der Uhr hat. Im Sound sehe ich für mich ebenfalls keine Vorteile, von daher waren passive PUs gesetzt. Damit fiel die ansonsten echt schicke Jackson Dinky DK Modern Ash HT6 im Baked-Finisch auch weg. Naja OK, im Grunde war die wegen des Preises von 1.250€ eh nicht ganz im Rennen…:rolleyes:

Am Ende habe ich dann meine Suche auch noch auf weitere Marken ausgedehnt. Aber, um es kurz zu machen: mein Herz will eine Jackson. Und auf das Herz soll man immer hören :love:

Das finale Ergebnis – Tadaaaaaa: die Jackson SL2P MAH HT Pro Soloist TBB!

Im Rahmen einer kleinen Kaufberatung hier im wie immer sehr hilfreichen Forum hat mir der User @jrn dann den entscheidenden Tipp gegeben: „Schau Dir doch mal die SL2P MAH an!“

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Und siehe da, Heureka! Genau das war es! OK, die eigentlich gewünschten Sharkfin-Inlays gibt es nicht ganz, aber Jackson scheint sich insgesamt davon wegbewegen zu wollen. Gibt außerhalb der günstigen JS-Series ja kaum noch welche damit. Warum auch immer…aber die Pro-Series war schon immer mein Favorit bei Jackson: genau der richtige Kompromiss aus Preis und Leistung.

Da die Gitarre bei Thomann mit wochenlanger Lieferzeit versehen war, habe ich sie am Ende dann beim Kölner Musicstore bestellt, die mir sogar kostenlos (!) das gute Stück auf mein Wunschtuning (C-Standard) eingestellt haben. Für meine Begriffe zwar nicht perfekt (Saitenlage war mir immer noch deutlich zu hoch), aber dafür wurde der Sattel ordnungsgemäß aufgefeilt, da die Ernie Ball „Not even slinky“ (012-056) widerstandslos aufgenommen werden können. Danke an dieser Stelle dafür und an Gawain vom Musicstore! (y)

Der Korpus

Der Korpus der Solist ist typisch Jackson und kommt hier mit einer – für meine Begriffe – sehr, sehr geilen Pappeldecke daher, die aus jeder SL2P ein echtes Einzelstück macht. Dazu passend die sehr schön ausgeführte Glossy-Lackierung in Transparent Burst Black. Das Ganze besteht standesgemäß aus Mahagoni.

Die Potis, Bridge etc. sind schwarz vernickelt, was ebenfalls perfekt dem Look der gesamten Gitarren entspricht. Die feste Brücke vom Typ „Jackson HT6“ kannte ich ja schon meiner Juggernaut. Für mich die perfekte Brücke – in Sachen Bedienung und Spielkomfort. Die Saiten werden dabei durch die Bridge und den Korpus geführt und rückseitig gehalten.

Vervollständigt wird das Package durch werksseitig verbaute Dunlop Straplok, ebenfalls schwarz vernickelt. Feiner Zug, denn die normalen Gurtpins habe ich ansonsten sofort gegen Schaller Securitylocks getauscht.

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Der Hals / Das Griffbrett

Der Hals ist ebenfalls typisch Jackson – Compound Radius mit Griffbrettradius: 305 - 406 mm (12" - 16"), 25,5“ Mensur und der schön schlanken Form. Für mich weiterhin die perfekten Hälse – kommt meinen naturgemäß recht kurz gewachsenen Finger sehr gut entgegen. Hier sogar als durchgehender Hals, was für viel Sustain spricht!

Wie schon erwähnt war Palisander raus – also war Ebony gesetzt, da ich kein Freund von Maplefretboards bin. Hier wurden zusätzlich Alumiloid Piranha Tooth Inlays verwendet, so dass ich am Ende immerhin zu Inlays gekommen bin…auch wenn man die beim Spiel kaum sieht. Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht verstehe, warum Jackson kaum noch Sharkfins verbaut? :unsure:

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Die Bünde waren insgesamt in Ordnung. Wie schön häufiger bei Jackson gesehen, könnte die Entgratung am Bundende besser sein – aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Passt so!

Kommen wir zum einzigen Wermutstropfen bei der SL2P: da der durchgehende Hals naturbelassen ist und der Korpus lackiert, muss es einen Übergang Lack/Nichtlack geben. Dieser ist bei der SL2P etwa im Bereich des XX. Bundes und deutlich fühlbar. Ich fürchte auch, hier wird sich Dreck festsetzen, was irgendwann nicht mehr so schön wird. Über die Langlebigkeit einer solchen Ausführung kann ich leider ebenfalls nicht sagen. Dieser doch sehr harte Übergang fühlt sich irgendwie nicht ganz passend für ein Instrument an, dass immerhin knapp 1k kostet.

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Der Headstock

Machen wir also mit etwas Erfreulicherem weiter – endlich wieder der schon legendäre pointy 6-in-line-Headstock! Mehr Jackson geht für mich nicht! Außerdem kommt mir entgegen, dass ich beim Nachstimmen nicht immer umdenken muss, weil drei Mechaniken oben und 3 unten sind…Monk halt!

Der Headstock kommt mit geschlossenen Jackson DieCast Mechaniken, die ihren Dienst gut versehen. Solche Locking Tuner liebe ich! Die Pappeldecke wurde im Headstock übrigens schön gematcht fortgeführt.

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Die Pickups

Volltreffer! Hier sind nur passive Pickups verbaut, sondern meine absoluten Lieblingspickups – die Distortions aus dem Hause Seymour Duncan. Genauer der TB-6 und der SH-6N. Die Distortions liefern definierten und dabei hohen Output, perfekt für die Musik, die ich mache – METAL!

Ich habe mich bei vielen Jacksons, die ich in den letzten Jahren so hatte immer wieder gefragt, warum Jeff Becks etc. verbaut werden. Jackson ist für mich Metal und da ist der Distortion einfach eine ausgezeichnete Wahl! Ich bin jedenfalls mehr als happy mit dieser Bestückung.

Geschaltet wird mit einem knackigen 3-Way-Toggle, zusätzlich kann man Volume und Tone mit schön geriffelten und schwarz venickelten Potis einstellen. Tone bräuche ich zwar immer noch nicht (nutzt das ernsthaft irgendjemand???), aber ansonsten wirklich TOP!

Fazit

Mit der SL2P habe ich die für mich perfekte Gitarre gefunden! Sicherlich entspricht sie nicht mehr dem heute gängigen Ideal, das oft mit Satinfinishes, ohne Inlays und Reversed Headstocks daherkommt. Aber genauso mag ich es! Und da ich mir die Gitarre selbst zum 50. Geburtstag geschenkt habe, passt das genauso auch zu mir!
Anmerken möchte ich noch, dass die Verarbeitung der in Indonesien hergestellten Soloist unterm Strich absolut in Ordnung ist. Man hört momentan ja doch recht viel über QS-Probleme, auch bei Jackson. Der Lackübergang am Hals ist so gewollt und dafür auch gut ausgeführt. Andere offensichtliche Verarbeitungsnachlässigkeiten konnte ich gottlob nicht feststellen.

Am Ende bedanke ich mich für Eure Lesezeit und die tolle Community hier – nur so habe ich dieses Prachtstück ja überhaupt finden können…:hail:

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Sehr schöner Bericht und vor allen Dingen - Sehr schöne Gitarre :great:
 
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Schönes Review. Ist nur die Decke des Korpus aus Pappel oder der ganze Body?
 
buesing_de
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Schönes Review!
Ich erlebe selbst immer wieder, wie schwer es ist, "seine" Gitarre zu finden, wenn man spezielle Anforderungen hat ;).
Nur als Ergänzung: Soweit ich weiß, ist Palisander für Musikinstrumente seit 2019 wieder verwendbar, der Dokumentationsaufwand für die Hersteller ist aber erheblich, weshalb sie auch heute noch gerne auf weniger streng geschützte Arten ausweichen; Quelle z. B.: https://www.kirstein.de/blog/palisander-ausnahmeregelung-fuer-musikinstrumente/
 
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jrn
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Schönes Teil, viel Spaß damit :biggrinB:
 
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Super Review und sehr schicke Gitarre!
Ich mag die Jackson Dinky und Soloist Modelle sehr gern!

Und cool, dass der Music Store einen Ritter der Tafelrunde in seinen Reihen hat, der mit seinem Schwert (oder war es doch eine Feile?) den Sattel zurechtgeschnitzt hat. :D
 
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