[Gitarre] Squier Deluxe Jazzmaster Trem


Murxel
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Aloha und Servus verehrte Saiten-Freunde,

Die Fender Jazzmaster fand ich schon immer eine faszinierende Gitarre - in meiner Jugend sah man dieses doch etwas speziellere Modell vor allem bei den von mir geschätzen Alternative-Bands wie Dinosaur Jr oder Sonic Youth die herrlich schräge Sounds aus ihr herauskitzelten. Ich konnte mich aber nie dazu durchringen einen USA-Jazzy zu kaufen - da der Fender-Ableger Squier in den letzten Jahren aber ein paar sehr interessante und überaus günstige Varianten dieses Modells herausgebracht hatte war das alte Interesse wieder geweckt. Nachdem hier im Board schon die Affinity Jazzmaster und die Bullet Mustang der 2017er Squier Serie vorstellt wurden möchte ich euch heute die Deluxe Jazzmaster in der Tremolo-Version vorstellen die ich kürzlich im Session in Walldorf erworben habe.

IMG_3084.jpg

Christbaumkugel? Iron Man? Candy Apple?


Äusserlichkeiten


Die Jazzmaster stamt aus der "Deluxe"-Serie von Squier - neben der Jazzmaster gibt es noch eine Stratocaster - und das wars dann auch schon. Tante Jazzy gibt es in einer Stoptail- und in der hier vorgestellten Tremoloversion, gebaut wird sie in China.
Als Finish steht momentan nur Candy Apple Red mit goldenem Alu-Pickguard zur auswahl, da ists dann schnell entschieden was für ne Farbe es wird. Die einen mag das an eine "Christbaum-Kugel" (O-Ton meines Schwagers in spe) erinnern, ich finde sie hat was von Iron Man. Auf jeden Fall ist diese Farbvariante nicht so oft gesehen und das ist ja auch was :)
Unter dem Lack besteht der Body aus Linde - wieviele Teile da zusamengesetzt wurden istaufgrund der deckenden Lackierung leider nicht ersichtlich. Der Hals ist aus Ahorn, darauf ein Palisander Griffbrett und ne grosse Kopfplatte, fertig ist die Lady.
Das Halsprofil wird als "C" beschrieben, es erinnert mich an das "Mid 60 Oval C" meiner Strat und liegt prima in meiner Hand. Die Halsrückseite ist satiniert, fühlt sich prima an. Ein toller Hals, ganz ehrlich!
Auf dem Pickguard finden sich zwei "Jazzmaster-Singlecoils", die obligate Klinkenbuchse, ein 3-Weg-Schalter, Volume und Tone so wie der "Rhythm-Lead-Circuit"-Umschalter mit zwei separten Roll-Potis (Volume und Tone). Im gegensatz zur "Vintage Modified Jazzmaster" laufen die Saiten bei dieser Gitarre von den Vintage-Mechaniken eine Adjustomatic-Bridge (ein Tune-o-Matic Modell) und nicht über diese lommelige Jazzmaster-Bridge zum Tremolo.
Die Verarbeitung ist wirlich prima - tortz kritischem Blick habe ich bisher keine Schlampereien feststellen können! Die Gitarre war auch super eingestellt , ich habe nichts nachstellen müssen. Die Stimmung hält sie, solange man es mit dem Tremolo nicht übertreibt, auch gut.
Wenn ich meiner Kofferwage trauen darf dann hat die gute ca 3.6kg und hängt angenehm am Gurt - im Sitzen lässt sie sich dank der asymetischen ("offset") Form gut bespielen. Ein Gigbag wird nicht mitgeliefert was angesichts des Preises von ca 400 Euro in Ordnung geht.


Innere Werte

Eine Jazzmaster hat eine etwas eigenwillige Schaltung an die man sich aber schnell gewöhnt: am oberen Korpushorn befindet sich ein Schiebeschalter der in der Stellung unten den "Lead-Circuit" aktiviert. Dieser besteht aus dem allgegenwärtigen 3-Weg-Schalter der die Tonabnehmer wie bei einer Tele schalten (Neck / Beide / Bridge) sowie die dazugeghörige Regelung mittels Volume- und Tone-Poti. In der Stelleung oben wird der "Rhythm-Circuit" ativiert: es ist nur der Neck-PU aktiv der mittels zweier Rollpotis (Volume und Tone) geregelt werden kann. Da bei diesem Schaltkreis am Tone-Poti ein anderer Kondensator verbaut klingt es auch in der Maximalstellung deutlich dumpfer. So hat sich der seelige Leo wohl einen Jazzsound vorgestellt...auf jeden fall gibt es per Schalter zugriff auf 2 verschiede Sounds - und wenn man es nicht Nutzen möchte wird man ja nicht dazu gezwungen.
Die Pickups haben m.E. etwas mehr Output als die Singlecoils meiner Strats und Tele, ich messe das bei Gelegenheit mal nach. Auf der Homepage von Squier finden sich leider keine detaillierteren Angaben dazu.

IMG_3083.JPG

Adjust-o-Matic Bridge und Tremolo


Gesangsprobe
(mit subjektiven Soundaussagen)

Die Jazzmaster kann mit ihren beiden Singlecoils eine Bandbreite von perligen Cleansounds bis zu dreckigem Crunch abdecken. Eine gute Prise Hall und evtl den Tremoloeffekt aktiviert und auf dem Steg-PU lässt es sich hervorragend "surfen". Meine cleane Lieblingsstellung ist momentan die Zwischenposition die einen schönen, etwas angedickten Singlecoil-Clean-Sound erklingen lässt. Der Neck-PU deckt dann eher bluesige Gefilde ab.
Mit Verzerrung am Amp (oder Pedal) kommt die Lady auch gut klar - an der Bridge rockt sie ganz ordentlich, ohne jedoch den gefürchteten "Eierschneider" auszupacken, am Neck wirds eher singend. Verrzerrt gefällt mir sogar der Rhythm-Circuit gut: mit Fuzz wirds fett und dunkel-drückend (Dinosaur lässt grüssen), mit Overdrive kann man fast schon Santana-mässige Melodien aus ihr herauskitzeln. Spassig!
Auch wenn die PUs auf den ersten Blick an Gibsons P90 erinnern so unterscheiden sie sich doch im Detail. Wenn ich richtig informiert bin (sonst bitte berichtigen) ist die Spule des P90 nicht so breit und dafür etwas höher, der Magnet liegt als Barren unter der Spule und Pole sind Metallstifte wie beim Humbucker. Beim Jazzmaster-Singlecoil sind die Pole magnetischen Stifte wie beim gewöhnlichen Singlecoil.
Der P90 meiner Les Paul Junior klingt vor allem verzerrt deutlich dreckiger und ranziger - die Junior ist aber auch eine andere Gitarre daher hinkt der Vergleich ein kleines bisschen.

Jazzmaster und ihre Schwestern

In meinen Ohren bietet die Jazzy Singlecoil-Sounds die zwar ähnlich wie die Sounds einer Tele oder Strat klingen aber in den Nuancen doch anders sind. Die Strat (also meine beiden in diesem Fall) klingt etwas hohler, knochiger und hat als Alleinstellungsmerkmal die quakigen und geschätzen Zwischenpositionen. Die Tele klingt etwas twängiger (jaja....Soundbeschreibungen) und schärfer.
Ob die Zuhörer am Konzert das auf anhieb herausfinden würden ist aber eine Frage :)
Ich habe die Squier im Laden mit einer Mexio-Jazzy (mit Humbuckern) verglichen - diese hat mich überhaupt nicht gebockt. Die J. Mascis JM war leider gerade nicht vorrätig - ich hätte sie gern gegen diese ins Rennen geschickt. Wenn man div. Äusserungen im Netz glauben darf dann unterscheiden sich die Deluxe und die J.Mascis nur geringfügig (Halslackierung, Bünde, etwas heisser PUs bei der Mascis).

IMG_3082.JPG

Familienbild: Telecaster, Jazzmaster, Stratocaster


Die Squier Deluxe Jazzmaster ist tipptopp verarbeitet und eingestellt und macht eine Menge Spass. Und knappe 400 Euro ist ja auch kein Vermögen - erstaulich was man heutzutage dafür geboten bekommt! Wenn Ihr die Gelegenheit habt im Laden eine Deluxe zum anspielen in die Hand zu nehmen dann macht es!

cheers und vielen Dank fürs Lesen,

m.
 
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Informatives Review mit guten Bildern = :keks:

LG
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Beim Jazzmaster-Singlecoil sind die Pole magnetischen Stifte wie beim gewöhnlichen Singlecoil.

Die Schraubenköpfe deuten aber doch auf P-90s. Meines Wissens sind im Deluxe Jazzmaster die gleichen PUs wie im J.Mascis Jassmaster verbaut. Unter deren Cover kommt eine P-90-Konstruktion zum Vorschein.

jMascis_1.jpg


jMascis_2.jpg


Im 2012er VM Jazzmaster werden die typischen Pickups verbaut

CcsUHMp.jpg


Wq8vV5k.jpg
 
Murxel
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Interessanter Aspekt und vielen Dank für die Bilder @Ben zen Berg
witziger weise hat der P90 meiner Les Paul Junior keine einstellbaren Polepieces... der Pickup der Jazzmaster hat die Schrauben aber. Ich habe da bisher aber nicht dran dran rumgedreht - @EAROSonic du hattest da doch mal ein Malheur damit oder?
cheers
m.
 
EAROSonic
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Ja, aber nur ein ganz kurzes :). Am Polpiece des Jazzmaster-Bridge-Pickups meiner Classic Player gedreht, war er danach tot. Bei der J. Mascis konnte ich dagegen nach Herzenslust drehen, machen und tun.

An die Enforcer meiner Jaguar traue ich mich erst gar nicht ran. Selbst der Fender-Support konnte mir keine eindeutige Antwort geben, ob man darf oder nicht...
 
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Murxel
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Danke fürs Update! Würd mich ja schon interessieren ob die PUs nun "P90" oder Jazzmaster-SCs sind...auf der Fender-HP steht da leider nix zu.
 
Soulagent79
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Danke fürs Update! Würd mich ja schon interessieren ob die PUs nun "P90" oder Jazzmaster-SCs sind...auf der Fender-HP steht da leider nix zu.

Rein optisch und technisch würde ich auf jeden Fall sagen, dass das P90s sind.
Die Pole Pieces sind aus Eisen und werden von unten durch einen Balkenmagneten magnetisiert.
Sie sind einzeln mit dem Schraubendreher justierbar.
Das sind klassische P90s Eigenschaften.

Hier:
Soap_Bar_Image__13721.1460839988.380.500.jpg

Es kann natürlich sein, dass es bei den Pickups der Squier Deluxe Unterschiede in Punkto Wicklungszahl,
Drahtmaterial etc. gibt, allerdings gibt es die bei den P90s der großen Hersteller auch.
Zumal die Pickups der Deluxe ja auch nach P90 klingen, nämlich mittig und outputstark.




Jazzmaster Pickups sind anders:
Selbstständig magnetische Alnico-Polepieces, nicht verstellbar,
geringe Windungszahl, relativ großer Abstand zwischen Polepieces und Spule.
Wenig Output, sehr höhenreicher und "luftiger" Klang.

Hier:
fender-pure-vintage-65-jazzmaster-pickup-set-1825095.jpg





Das ist auch der Grund, warum ich mir vor zwei Monaten anstatt der Squier Deluxe die Squier Vintage Modified gekauft habe.
Ich habe bereits eine SG mit P90s und wollte eine Jazzmaster haben, die näher am Original ist.
Bei der Mexiko Classic Player kommen übrigens auch P90-artige Pickups zum Einsatz.
Ist ja im Prinzip nichts schlechtes.
 
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drul
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Ich finde das mit dem P90 einen guten Ansatz. Nur darauf hinweisen sollten sie den Käufer halt.

Ich hatte früher mal eine Fender Japan Jazzmaster (wegen J. Mascis und Sonic Youth ...), die klang mir damals auch zu dünn und "scooped". Habe dann den Standardfehler gemacht und heißere Pickups eingebaut (Seymour Duncan - damals hießen sie 1, 2 und 3. Den 2er für den Neck und den 3er für den Steg. letzterer war dann natürlich viel zu mulmig (tot ist das bessere Wort)für mein Spiel im Crunchbereich.

In so fern finde ich dass ein echter P90 tonmäßig eine JM genau da hin bringen düfte, wo sie diejenigen haben möchten, die Dinosaur Jr. und SY im Ohr haben oder eben generell Blues/Rock damit spielen wollen.
Zumindest Thurston Moore hat ja bei seinen auch zumeist Humbucker verwendet. Was J gemacht hat weiß ich nicht, das ist ja eher nicht der Typ der groß rumbastelt.

jedenfalls viel Spaß mit der schönen JM! (für mich übrigens immer noch eine "Sie" - wie haltet Ihr es?
 
Murxel
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vielen Dank für die Infos und die Bilder @Soulagent79 !
Die Pickups in meiner Jazzmaster (auf jeden Fall eine Lady :)) gefallen mir, sie unterscheidet sich von der LP Junior mit P90 insofern bleiben die auch erstmal drin. Gut möglich das die PUs der Deluxe die gleichen wie die aus der J Mascis sind...auch wenn man da auch was anderes drüber lesen kann.
Laut Homepage hat die J Mascis "Single-Coil Jazzmaster" PUs, die Deluxe "Jazzmaster Single Coil" und die Vintage Modiefied "Duncan Designed™ JM-101B Single-Coil Jazzmaster with Alnico 5 Magnets. Hätte es im Laden eine Vintage Modified gegeben hätte ich diese natürlich gern auch angespielt um die Unterschiede zu entdecken.
Und ja @drul - es wäre schon schön würde Fender die Käufer draufhin weisen das es P90er sind.
 
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Soulagent79
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Ich hatte früher mal eine Fender Japan Jazzmaster (wegen J. Mascis und Sonic Youth ...), die klang mir damals auch zu dünn und "scooped". Habe dann den Standardfehler gemacht und heißere Pickups eingebaut (Seymour Duncan - damals hießen sie 1, 2 und 3. Den 2er für den Neck und den 3er für den Steg. letzterer war dann natürlich viel zu mulmig (tot ist das bessere Wort)für mein Spiel im Crunchbereich.

Das Problem bei den japanischen Jazzmaster Pickups ist, dass die Japaner leider den Fehler machen und diese Pickups mit der genau der gleichen Windungszahl und den Magneten
wie für eine Strat herstellen. Im Endeffekt hat man dann einen zu dick gewickelten Jazzmaster PU, der den klassischen Klang nicht bringen kann.
Diese Fender Japan-Pickups sind bei der JM-Fangemeinde ein altbekanntes Problem und deshalb sind sie meistens auch das erste (und einzige), was bei den japanischen
Jazzmasters getauscht wird, sobald sie der Besitzer in Händen hält.

Laut Homepage hat die J Mascis "Single-Coil Jazzmaster" PUs, die Deluxe "Jazzmaster Single Coil" und die Vintage Modiefied "Duncan Designed™ JM-101B Single-Coil Jazzmaster with Alnico 5 Magnets. Hätte es im Laden eine Vintage Modified gegeben hätte ich diese natürlich gern auch angespielt um die Unterschiede zu entdecken.
Und ja @drul - es wäre schon schön würde Fender die Käufer draufhin weisen das es P90er sind.

Ich habe beide angetestet und es stand arg auf der Kippe - Vintage Modified oder Deluxe.
Wie gesagt, P90-Sound ist auch was tolles und die Gitarre sowieso.
Das war kein schlechter Kauf.
Bei den Duncan Designed-Pickups der Vintage Modified habe ich den den Verdacht,
dass es sich um dieses Set hier handelt, das unter verschiedenen Namen verkauft wird:
http://www.eyguitarmusic.com/Ivory-...-and-Bridge-for-Fender-Jazzmaster_p_1272.html
 

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