Gleichmäßige Saitenspannung oder nicht?

von mariobl, 01.06.18.

  1. mariobl

    mariobl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.06.18   #1
    Hallo zusammen,

    seit einiger Zeit plane ich den Eigenbau einer Bariton-Ukulele mit Westernbesaitung. Das Angebot an bezahlbaren Exemplaren solcher Instrumente ist dünn, die Preise beginnen bei etwa 700 €. Das Saitenangebot sieht auch nicht besser aus, es scheint, als wäre es besser, sich selbst aus einzelnen Gitarrensaiten etwas zusammenzustellen.

    Zum Berechnen der passenden Stärke habe ich hier einen entsprechenden Online-Rechner gefunden. Dort muss ich natürlich die gewünschte Spannung eingeben. Das ist das Problem: Schaue ich in den Pyramid-Saitenkatalog, so finden sich dort sowohl Sätze mit gleicher Spannung aller Saiten als auch welche, bei denen die Spannung ungleichmäßig ist. Zum Beispiel gibt es einen Stahlsaitensatz für Tenor-Ukulele (Art.-Nr. 501 100), bei dem alle Saiten 5,0 kg Spannung haben. Beim Nylonsaitensatz 505 200 für die Baritonmensur dagegen steigt die Spannung von 3,7 auf 5,3 kg, von der tiefsten zur höchsten Saite. Was ist nun besser, wenn ich mir schon mal Saitenstärken selber errechnen muss, gleichmäßig oder ansteigend? Oder wie ich bei einigen Western-Sätzen gesehen habe, im Zickzackkurs von 10,2 über 14,7 wieder zurück zu 10,4 kg... Das würde nahelegen, dass selbst renommierte Saitenhersteller das Thema weit weniger ernst nehmen als ich. Na ja, vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken.

    Das Instrument: Es soll eine Solidbody werden, mit Baritonmensur (ca. 51 cm), Piezo-Pickup und verstellbarer Brücke mit kompensierter Stegeinlage. Zunächst wird sie in DGHE gestimmt, wie üblich, ich möchte mir aber auch – dank der verstellbaren Brücke – die Möglichkeit offenhalten, zum Beispiel Drop-C oder auch GDAE/CGDA wie bei einer Tenorgitarre auszuprobieren. Deshalb wäre es gut, wenn ich über die Geheimnisse der Ermittlung der richtigen Stärke Bescheid wüsste...

    Ein paar verwertbare Infos dazu liefert D'Addario, aber eine konkrete Antwort finde ich dort auch nicht. Der auf der verlinkten Saite erwähnte Beispielsatz hat ebenfalls Spannungsschwankungen zwischen 16.2 und 19.5 lbs, so dass es für diesen Hersteller wohl auch kein Thema ist. Also, wer sich damit auskennt oder vielleicht selbst schon mal vor dem Problem stand, vielen Dank im voraus für eure Antworten.

    Gruß Mario
     
  2. saitentsauber

    saitentsauber Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 01.06.18   #2
    Entscheidend dürfte sein, was das jeweilige Material hergibt. Das (in dieser Hinsicht) beste Material muss aber nicht den besten bzw. gewünschten Klang haben...

    Die Bedeutung des Saitenzugs ist wiederum von der Bauart des Stegs abhänging. Was ist denn geplant?
     
  3. mariobl

    mariobl Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.06.18   #3
    Das Instrument soll möglichst reisetauglich und kompakt werden. Bei einer 51cm-Mensur und nicht größer als eine Mandoline (ca. 66 cm), da muss man Kompromisse machen. Zwei Varianten habe ich im Sinn:

    1. Eine kurze gedrungene Kopfplatte mit den Mechaniken im kleinstmöglichen Abstand. Dann würde ich die Saiten einfach durch den Body fädeln.
    2. Headless-Konstruktion mit Saitenbuchsen in einem Kopfplattenstummel, dann am anderen Ende eine Umlenkrolle und die Mechaniken im Body, wie von Traveler Guitars oder Risa Solid Uke bekannt.
    Beide Varianten gemein ist eine längs verschiebbare Holzbrücke mit Knocheneinlage und Untersteg-Piezo. In der ersten wird die Spannung ziemlich schroff fast im rechten Winkel in den Body abgeleitet, im zweiten Fall ist es sanft wie bei einer Archtop. Wenn es in der ersten Variante der Korpusüberstand hinter der Brücke noch hergibt, wäre auch ein Tailpiece denkbar. Was besser für meine Zwecke ist, weiß ich auch noch nicht.
    Als dritte Variante hatte ich noch eine E-Ukulele mit gewöhnlichen Magnettonabnehmern im Sinn. Aber das Hauptziel ist der Akustiksound, und da klingt ein mittelmäßiger, mit einem mittelmäßigen Preamp aufgepeppter Piezo immer noch akustischer als die gängigen, halbwegs erschwinglichen Akustiksimulatoren (zumindest anhand Youtube-Videos und Hörbeispielen in Onlineshops).
     
  4. saitentsauber

    saitentsauber Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 02.06.18   #4
    Wenn ich momentan nicht völlig auf der Leitung sitze, ist die Aussage
    mit Variante 2 ja wohl kaum unter einen Hut zu kriegen - oder?
     
  5. mariobl

    mariobl Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.06.18   #5
    Warum nicht? Die Art der Saitenführung hat doch nichts mit der Art der Brücke zu tun. Unter den Kopflosen von Traveler Guitars gibt es Instrumente mit Magnettonabnehmer, mit Untersattel-Piezo und auch Hybriden mit Beidem. Letzteres wäre vielleicht auch eine Option, aber das ist nur wieder ein fauler Kompromiss, weil Bronzesaiten für den Humbucker zu wenig hergeben und Nickelsaiten auf dem Piezo sicher zu flau klingen. Ich würde eher bei Piezo mit Akustiksaiten bleiben.
     
  6. Toxxi

    Toxxi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.18   #6
    klugschei*modus an

    Es wird leider immer wieder falsch gemacht. Die 5,0 kg sind nicht die Spannung, sondern die Zugkraft (Saitenzug). Die Spannung ist Zugkraft durch Querschnittsfläche (Einheit N/mm²), und die bestimmt zusammen mit der Länge (=Mensur, die ist ja fest) die Schwingfrequenz der Saite.

    klugschei*modus aus
     
  7. mariobl

    mariobl Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.18   #7
    Ob Zug oder Spannung, die Frage ist, ob ich beim Berechnen der Saitenstärke auf gleichmäßige Werte innerhalb eines Satzes achten sollte oder nicht.
     
  8. hatschipu

    hatschipu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.06.18   #8
    Nein, das machen die Hersteller schon richtig. Allerdings kann ich nur für Bass- oder Gitarrensaiten sprechen, mit der Ukulele kenne ich mich nicht aus. I.d.R. sind die dünneren Saiten immer etwas härter, also innerhalb des Satzes leicht ansteigend. Klang ist immer ein Kompromiss aus Material, Masse und Zugkraft.

    Die ideale Saite so dünn wie möglich bei möglichst hohem Massegewicht. Viel Massegewicht geht aber leider meist mit hohem Materialaufwand einher, was zu hoher Dämpfung führt. Eine Saite mit weniger Material hat hingegen häufig weniger Zugkraft. Die Zusammenstellungen sind daher eher so wie beschrieben, woebi die Unterschiede nicht allzu groß sein sollten. Eine hohe E-Saite mit z.B. 70 Newton wird nicht mit einer g-Saite mit 40 Newton kombiniert werden, das passt nicht. Unterschiede von 10-15 Newton sind aber nicht ungewöhnlich.

    Tailpiece finde ich für ein Reiseinstrument unpraktisch.
     
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