[Grundlagen] Klangfarbe von Skalen: wie klingt man nach einem Modus?

Als mir dann meine Frau (mit ihrem absoluten Gehör) verraten hat, um was es sich handelt, hab ich dann auch den Tritonus erkannt... ;)
Allerdings benutzt er den meines Erachtens immer nur als Durchgangston und kaut nicht besonders lange drauf herum.

Hat sie gnadenlos erkannt :)

Muss man auch nicht lange draufbleiben. Es ist ja gerade das Verblüffende, wie ein einziger Ton, der einen anderen "gewohnten" dauerhaft ersetzt, gegen die Hörgewohnheit wirken kann, selbst wenn er nur gelegentlich vorkommt: "Huch, irgendwas ist hier anders. Aber was ...?.
 
Genuch geredet, liebe Leute :). Nun mal in die Praxis: Hören, hören, hören.

Folgende Aufgabe: Im Video bespielt der Bluesgitarrist Derek Trucks eine sogenannte Flächenkomposition ohne Harmoniewechsel (Tonales Zentrum: durchgängig Bb). Und das äußerst meisterhaft. Stattdessen wechselt er die Modes (es kommen zwei vor, erst der eine, dann ein anderer). Versucht das mal rauszufinden, Instrument zur Hand ist sicher hilfreich:

- Welcher ist der anfängliche Modus? Hilfen: Irgendein Dur oder Moll? Welche Töne kommen vor? Und welcher Ton drückt immer wieder merkwürdig gegen das "übliche" Empfinden? Auf welchen Modus verweist er?

- Wann wechselt er fast unmerklich - mit der Zeit aber spürbar - den Modus? Und in welchen? Welche Töne kommen vor?

Lasst euch von den Slides nicht irritieren, die eigentlichen Töne sind immer sonnenklar anvisiert. Es sind keine "exotischen", orientalischen Leitern oder harmonisch MOll oder melodisch Moll-Modi. Sondern 2 "stinknormale" Kirchentonarten aus dem Basislehrbuch, mit erheblicher Rafinesse und unglaublicher Musikalität verarbeitet.

Anyway: Lasst euch von Dereks schönen Sounds in angewandter Modalität von der Theorie in die Praxis ziehen - oder auch umgekehrt! Denn jeder tickt und lernt anders. Der eine von A-Z, der andere von Z-A und der nächste von der Mitte nach außen.

Oder, um die Threadfrage aufzugreifen: So klingt man nach einem Modus.



zumindest würde ich mal sagen, dass lydisch vorkommt. Warum ? Weil es verdächtig nach Satriani klingt ( Anfang ), und der spielt wohl öfter lydisch.
Vielleicht liege ich auch komplett falsch ;-)
 
DIY - Do It Yourself - TIY - Try It Yourself - Backingtrack

2012 hat Rockbuster69 unter User-Musik -> Jam-Sessions einen Jam unter dem Titel »Best Take AC/DC Alike Jam« gepostet. Der Backingtrack zu diesem Jam zeichnet sich dadurch aus, dass er ohne Harmoniewechsel auskommt, auf dem tonalen Zentrum A basiert und sowohl mit Dur als auch mit Moll bedient werden kann. Darüber hinaus ist er hochelastisch und hyperflexibel, so dass man sich in allen möglichen Modes darüber austoben kann. Nachdem er relativ kurz ist, zwingt er einen, sich quasi auf die Hauptaussage der eigenen Idee zu konzentrieren.

Für alle die nach dem Prinzip »I Try It Myself« experimentieren wollen, habe ich den Backtrack und einige Takes von Usern im Board aus dem Archiv gekramt und auf youtube hochgeladen. Der Backingtrack muss nicht zwingend AC/DC alike bespielt werden. Er kommt auf jeden Fall all jenen entgegen, die eine etwas härtere Gangart versuchen wollen, beispielsweise auch 3-Notes-per-String in unterschiedlichen Modi. Etwas strange ist lediglich die Taktzahl, die mit 18 gewöhnungsbedürftig ist. Wer Lust hat, kann seine Versuche auch hier oder im Thread von Rockbuster69 posten.

Backingtrack
Der Backingtrack ohne Harmoniewechsel zum tonalen Zentrum A für einen AC/DC alike oder auch gar nicht AC/DC alike (vulgo AC/DC »unlike«) »Do It Yourself« Jam:




Beispiele User Jams
Der Take von mir im 1. Video wechselt von aeloisch nach phrygisch dominant, dann wieder auf aeolisch und noch einmal nach phrygisch dominant. Die Beiträge im 2. Video von PhilipH, Rockbuster69 und eDHa waren darauf ausgerichtet, nach AC/DC zu klingen, und nicht mit Skalen oder Modes zu experimentieren, dennoch hört man bei Rockbuster69 einen Ausflug von Moll nach Dur und wieder retour. Miles Smiles wollte primär nach sich selbst klingen. :D






@Derek Trucks Flächenkomposition
Die Flächenkomposition von Derek Trucks erinnert mich atmosphärisch in einigen Passagen an Yo Mama von Frank Zappa. :great: Wenn ich zu dem Video dazu spiele bekomme ich die Klangfarbe am authentischsten hin, wenn ich von Bb lydisch nach Bb mixolydisch wechsle. Mal taucht das E auf (wie von Zak McKrackens Frau analysiert), später dominiert dann das Ab. Der streckenweis orientalische Charakter läßt sich bei mir durch das bewußte Betonen und Kombinieren des lydischen E mit dem Halbtonschritt F bzw. des mixolydischen Ab mit dem Halbtonschritt G erzeugen. Macht definitiv Laune, dazu zu jammen.

Falls noch jemand threadthemendienliche Backingtracks oder Beispiele hat, bitte gerne auch posten.

Weiterhin viel Spass und gutes Gelingen!
 
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Hallo @relact

also das kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Ich will hier nichts kaputtmachen, aber so funktioniert es einfach nicht.

Dieser Backingtrack hat doch ganz klar einen Blues(Rock) Charakter. Akkorde: G - D/F# - A.
Also kann man darüber praktisch alles spielen, was einen Blues-Charakter aufweist und auch alles was über A(7) passt.
Eben Rock in allen Fassetten mit allen Mitteln. Dur-Penta, Moll-Penta, dorische Skala etc... es gibt viele "richtige" Möglichkeiten.

Aber phrygisch-Dominant? Oder Äolisch? Das passt überhaupt nicht und das klingt einfach nur falsch. Nein, es liegt nicht an meinem ungeübten Ohr, es ist einfach falsch. Sorry.
Wenn Du die Akkorde mal für sich isoliert und ganz langsam alleine aufnimmst und dann dazu phrygisch-dom spielst, dann hörst Du schon bei der b9, dass da etwas grundlegend falsch ist. Du befindest Dich in einem A-Blues Tonraum und Deinen beiden Skalen haben da nichts verloren.


Hier wäre mal ein weiteres Beispiel, wie man einen "Mode" ausspielt. Ist schon sehr "advanced", aber dies mal als Beispiel.



Und hier ein Link zu einem PDF-Auszug aus einem Buch namens "Voicing Modes" von Noel Johnston.

http://www.noeljohnston.com/Voicing Modes eBook SAMPLE.pdf

Hier findet man dann ein paar Beispiele für phrygische Akkord-Voicings und die passenden Arpeggios. Ich habe mir das komplette Buch vor ein paar Tagen für 10 Euro als iBook geholt und kommen aus dem Staunen nicht heraus.
 
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Wow, super Artikel!!!!
Bitte mehr davon. Vielleicht zu andere Skalen wie Ganztonhalbton oder Ganzton.
 
Titel war "wie klingt man nach einem Modus?"

da fallen Ganztonhalbton und Konsorten nicht darunter !!

Ich denke mal Emelytim meint damit, dass er sich einen Artikel wünscht, in dem auch GT- und HT-Skalen erklärt werden.

Wäre es eigentlich möglich, im Startbeitrag mal zumindest die gröbsten Fehler als solche zu kennzeichnen? Oder wenigstens den Threadtitel zu ändern? Wie Hans_3 und Christof Berlin ja schon erklärt haben ist da einiges einfach nicht richtig. Da sollte das dann vielleicht nicht zum "Referenzthread" werden, der dann von jedem Gitarristen gelesen wird, der anfängt sich mit modalem Spiel zu beschäftigen.
(Beim Pentatonik-Thread wurde der Titel ja auch ständig "angepasst"...)
 
@Philmaster ja das ist was dran, da sollte man zumindest drüber nachdenken. Leider bleiben in Foren oft Dinge unkorregiert stehen. @relact hat sicherlich mit bestem Wissen und Gewissen gearbeitet so wie ich sonst seine Beiträge kenne, aber machmal wäre das tatsächlich notwendig....

Die Allgemeine Frage ist aber eigetlich doch die: Warum überhaupt nach einem Mode klingen wollen, wenn man gar keine Modale Musik spielt. Da wird teilweise zwanghaft versucht ein Konzept überzustülpen. Man kann ja dewegen einen Modus trotzdem als Bezeichung für einen "Tonvorat" verwenden, spielen muss man aber dann in den Gesetzmäßigkeiten der Diatonik bei einem diatonischen Stück. Stimmführung wäre da mal viel elementarer als Modes...

Zudem ist die ewige Ableitung von Modes aus dem Dur-Moll System einfach quatsch, nicht nur Musikgeschichtlich sondern auch didaktisch. Das führt immer wieder zu irgendwelchen Annahmen wie: Ja aber das sind ja dann die gleichen Töne wie xy, also kann ich doch einfach auch bla bla und dann kommt irgendwas wildes dabei raus....

Ich frage mich bei Gitarristen manchmal einfach warum sie sich nicht in Gottes Namen ein verdammtes Harmonielehrebuch kaufen, sich das durchlesen und das Thema ist Geschichte... Das ist ja kein Herrschaftswissen, jeder kann sich sowas ganz einfach durch lesen aneignen. Wenns dann noch Verständnisfragen gibt kann man die ja besprechen. Es ist ansich auch nicht so schwer zu verstehen. Wer einen Schulabschluss hat oder vll studiert/einen Beruf erlernt hat der bekommt das doch wohl hin sich in so ein System reinzulesen. Das dann zu hören ist wieder ein anderes Thema aber die reine Theorie ist jetzt nicht schwieriger als Mathe in der Schule...
Irgendwie habe ich das gefühl das hat mit dem Internet zu tun, dass man erwartet dass einem immer wer die Inhalte leicht verdaulich präsentiert und aufbereitet

grüße b.b.
 
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Ich frage mich bei Gitarristen manchmal einfach ...

Ich vermute, bzw. erinnere aus ungezählten Threads uz dem Thema, dass der größte Teil, der nach "Modes" fragt, noch nicht viel aus seinem Instrument herauszuholen in der Lage ist und auch den tonalen Zusammenhang einfachster Akkordverbindungen nicht kennt. Manche können ja nicht einmal was mit dem Begiff "Grundton" einer Tonart was anfangen, weshalb dann z.B. C ionisch und G-lydisch in ihren Ohren dann auch völlig gleich klingen.

Aber irgendwie wird "Modes" oder "Kirchentonarten" dann mal aufgeschnappt, weil man gehört hat, dass es noch "andere" Tonleitern gibt (neben der, die man bislang auch noch nicht zum klingen gebracht hat). Auf dem mageren eigenen Background wächst dann automatisch die Illusion, mit 2 oder 3 schnellen Infos (für die man logischerweise nicht extra ein Lehrbuch kaufen muss ...) interessanter spielen zu können.

Wenn dann gemerkt wird, dass das eben doch etwas Arbeit machen könnte, wird die Materie dann schnell mal überhöht ("ist für Musikstudierte"), um sich von der bedrohlichen Erkenntnis zu schützen, dass es sich um absolute Grundlagen handeln könnte, die in einschlägigen Lehrbüchern folgerichtig oft bereits das 1. Kapitel bilden und mitnichten Stoff für die Abschlussprüfung an der Hochschule sind. Man möchte halt nicht so richtig wahrhaben, wie weit man noch am Anfang steht (oder gar noch weiter davor) - das ist andereseits auch ein Bisserl verständlich und ist mir in jungen Jahren auch so gegangen. :D
 
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Christof Berlin und Hans_3 Beiträge sollte man sich hier sehr zu Herzen nehmen. Dieses Vermischen von Modaler Denkweise auf funktionaler Harmonik kritisiere ich seit einer halben Ewigkeit im Forum. Alle paar Tage werden hier Threads aufgemacht, wo Leute zwanghaft versuchen Modalitäten auf völlig funktionalen Stücken anzuwenden und reden sich dann ein, irgendwelche modalen Spielweisen anzuwenden.

... Es hilft aber alles nichts, was soll man hier jeden Satz aus Halbwissen kommentieren und neu diskutieren. Alles ganz nett, aber alles nicht ganz richtig. Der beste Tipp den man geben kann ist - Frank Sikoras Harmonielehre kaufen und durchpauken.
 
Ohhh...... hier ist die Musikpolizei unterwegs und macht Razzia :D

Relact, hat es sehr gut und verständlich erklärt was er meint und macht - auch wenn nicht jeder etwas mit den Farbbeispielen anfangen kann - so hat er sich doch Gedanken darüber gemacht wie man das verständlich erklären kann. Und das macht er besser, als sehr viele andere.

Wenn ein Anfänger das von Relact nun liest und so versucht zu praktizieren, und dabei feststellt, es gefällt ihn nicht, dann soll er es in Zukunft anders machen! Wenn er meint es sei falsch, kann er sich woanders umsehen, die Welt ist offen. Oder er fragt die "Musikpolizei" :D

Sofern wir hier nicht die Klassische Musikschule diskutieren sollten wir Begriffe wie "Falsch", "nicht Richtig" mal bei Seite lassen!
Oder irre ich, sind hier überwiegend Gitarristen der Klassischen Gitarre unterwegs?
Es gibt gewiss Dinge die sich nicht für jeden gut anhören oder aussehen, aber es gibt kein "Falsch" in der Kunst!


Aber ja, Theorie pauken, Bücher lesen, dann, und erst dann, weiß jeder was Richtig oder Falsch ist....;)
Ich male meine Sonne immer Gelb, wer sie rot malt oder gar blau, ist ein Dummkopf und hat keine Ahnung von der Malerei :D.

Ich bin ganz bei Relact. Hat er gut gemacht!
(wobei ich die späteren Video beispiele leider zZ nicht hören kann)
 
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jetzt bräuchte ich mal den dislike Button ....... :evil:
 
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jetzt bräuchte ich mal den dislike Button ....... :evil:

Sprich dich aus, wo klemmt der Schuh?..:D.
Ich kann nichts "Falsches", an dem was Relact erzählt, erkennen.

Edit: auch nach mehr maligem lesen, ich bin bei Relact!

Oder ich frage mal all die Jenigen die anderer Meinung sind und die erzählen wie es nicht geht: Wie geht es dann "richtig"? Was muss ich, oder wir, machen um in einem Modi zu spielen?

Nebenbei, weil ich das hier, so ähnlich, gelesen habe.: Ist eine Kirchentonleiter/ Modi der Ionischen keine Diatonische Tonleiter? Ich denke schon! Das sind alles Diatonische/Heptatonische Tonleitern.
 
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Soll der Startbeitrag geändert werden?
Ich denke der Verlauf der Diskussion bringt Klarheit in das im Titel genannt Thema. Verändert man den Einstieg, geht die erkenntnisleitende Dynamik verloren. Ich meine, dass die meisten die sich für das Thema interessieren und hier mitlesen schlau genug sind, aus dem Geschriebenen Erkenntnis zu gewinnen und nicht vor vermeintlich grobem Unfug geschützt werden müssen. Das Musiker-Board ist ein Forum zum Meinungsaustausch und keine Gegenpublikation zu Franz Sikoras Neuer Jazz-Harmonielehre.

Wird zwanghaft versucht ein Konzept überzustülpen?
Nach B.B »ist die ewige Ableitung von Modes aus dem Dur-Moll System einfach quatsch«.»Das Vermischen von Modaler Denkweise und funktionaler Harmonik« nervt ginod. In meiner Wahrnehmung geht es vielen, die dieses Thema interessiert, aber um was anderes. Nämlich um den Versuch, eine Abgrenzung zu dem vorzunehmen, was man schon kennt. Und das Dur-Moll-System ist bekannt und von Kind auf intuitiv gelernt. Ich finde es darum nicht dumm, diese Abgrenzung zu suchen, sondern im Gegenteil sehr intelligent. Verbesserungswürdig sind die Antworten, die diese Abgrenzung oft nicht klar genug auf den Punkt bringen.

Gibt es richtig und falsch?
Und wie lernt man etwas als falsch Etabliertes von empfohlenem Richtigen zu unterscheiden? Lightnig09 empfiehlt, »wenn ein Anfänger das von Relact nun liest und so versucht zu praktizieren, und dabei feststellt, es gefällt ihn nicht, dann soll er es in Zukunft anders machen!« Ich finde diesen Zugang sehr selbständig, ein Ausruck von mündigem Lernen. Eigentlich hätte ich erwartet, dass jemand postet: beim praktischen Versuch die mixolydische Septime (kl. 7) und die lydische Quarte (#4) auf einem »I - V - IV - IV / I - V - II - II« Schema zu etablieren, hat es mir die Zehennägel aufgedreht, bei dieser Empfehlung verweigern meine Ohren. Ich meine, etwas als falsch angekreidetes ganz vorsätzlich und bewusst zu tun, bringt einen rascher weiter, als in vorauseilendem Gehorsam das als falsch etablierte vermeiden zu wollen.

Wir befinden uns nicht im Straßenverkehr. Fehler bringen keine Menschen um. Also bleibt in der Diskussion geschmeidig. Es ist in meinen Augen nicht dumm, die Abgrenzung zum Dur/Moll-System zu erfragen, sondern im Gegenteil ein Zeichen von Intelligenz. Wenn es gelingt, die Wand, vor der manche stehen aus der Sicht des Suchenden zu verstehen, wird man didaktisch bessere Antworten und Lösungsmöglichkeiten liefern können als dies das gebetsmühlenartige Herunterleiern von Pauschalerkenntnissen kann.
 
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Edit: auch nach mehr maligem lesen, ich bin bei Relact!

Das sei Dir unbenommen.


Aber hier ist mein Problem mit relacts Ausführungen:

Variante 2) modale Spielweise: Ich verändere bei jedem Akkordwechsel meine Tonleiter

Wie klingt eine Improvisation nach einem bestimmten Modus?

Möchte man seiner Improvisation von »Knocking On Heavens Door« beispielsweise eine lydische oder eine mixolydische Klangfarbe geben, so orientiert man sich an der modalen Spielweise und verwendet dabei die modus-typischen Intervalle:

Um nach dem lydischen Mode zu klingen, spielt man zunächst die lydischen Quarte (#4) konsequent über den einzelnen Akkorden. Über der Tonika (C-Dur-Akkord) den Ton F#, über der Dominante (G-Dur-Akkord) den Ton C#, über der Sub-Dominante (F-Dur-Akkord) den Ton H, über der Sub-Dominante parallele Moll (D-Moll-Akkord) den Ton G#. Rund um diese lydische Quart baut man dann seine Melodien und Licks, aufbauend auf dem Tonmaterial des lydischen Mode.

Um nach dem mixolydischen Mode zu klingen, spielt man zunächst die mixolydischen Septime (kl. 7) konsequent über den einzelnen Akkorden. Über der Tonika (C-Dur-Akkord) den Ton Bb, über der Dominante (G-Dur-Akkord) den Ton F, über der Sub-Dominante (F-Dur-Akkord) den Ton Eb, über der Sub-Dominante parallele Moll (D-Moll-Akkord) den Ton C. Rund um diese mixolydische Septime baut man dann seine Melodien und Licks, aufbauend auf dem Tonmaterial des mixolydischen Mode.

Das *klingt* einfach nicht gut. Das ist die ganz einfache Antwort.



Ich kann auch gern ein anderes Beispiel formulieren.

Nach der o.g. Theorie kann ich ja im Sinne einer "farbigeren" Improvisation einige verschiedene Modes über alle möglichen Akkorde anwenden. Und weil ich ja viele viele viele Jahre anstatt ganz "free" zu spielen, dummerweise nur Bücher über die fürchterlich einengende und beschränkende Harmonielehre gelesen haben und inzwischen meinen unnützen Bachelor-Kurs dazu bedauerlicherweise bald zum Abschluss bringen werde, kam mir der Tage eine Idee und dazu nehmen wir die Akkorde von "With or Without You" von U2.

C - G - Am - F (jeweils 1 Takt lang)

C: hier spiel ich C-lydisch, also die lydische #4, oder auch - ganz simpel gesprochen - die Töne von G-Dur. Klingt einfach hipper.
G: sehr interessant. Hier kann ich alteriert spielen, also die Töne von Ab-melodisch moll. G ist ja schliesslich die Dominante und ich bin extrem frei!
Am: klasse. Hier deute ich den Akkord als Am-maj7 und ich kann A harmonisch moll spielen. Sehr interessant.
F: wie wäre es mit ionisch, also den Tönen von F-Dur? Ha, super einfache Lösung. Da muss mal erst einmal drauf kommen.

Und das klingt jetzt wie? Naja, meiner bescheidenen Meinung nach ungefähr wie ein Haufen gequirlter Kacke. Vielleicht hätte ich mir all die Jahre des intensiven Studiums sparen und einfach Töne aus C-Dur darüber spielen sollen? Oder noch besser einfach das, was sich für mich gut anhört?

Ja, Ich denke ja. Genauso, so hätte ich es machen sollen. Und am Ende würde ich anhand einer tonalen Analyse feststellen, dass ich tatsächlich nur C-Dur gespielt habe. So könnte es gehen...
 
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Edit: auch nach mehr maligem lesen, ich bin bei Relact!
Naja das ist dein gutes Recht. Was ich an deiner Antwort nicht mag, ist das du alle die relacts Erklärungsansatz kritisieren,
gleich als Musikpolizei abstempelst.


Natürlich kann man jeden der 12 Töne , und jeden irgentwie gebendeten Ton, zu jedweder Zeit spielen. Aber
es kommt darauf an wann und wie lange UND wie dann aufgelöst wird.

Dieses Vermischen von Modaler Denkweise auf funktionaler Harmonik kritisiere ich seit einer halben Ewigkeit im Forum.
Alle paar Tage werden hier Threads aufgemacht, wo Leute zwanghaft versuchen Modalitäten auf völlig funktionalen Stücken
anzuwenden und reden sich dann ein, irgendwelche modalen Spielweisen anzuwenden.

Eben
Wir reden hier eigentlich über 2 Paar verschiedener Schuhe : Modale Spielweise und funktionale Harmonik !!!
Und bei einem Song mal ein Dominant Lick über einen Dur Akkord zu spielen, macht noch kein Mixolydischen Modus daraus

Relact hat sich viel Mühe gegeben, und auch ne Menge richtig zusammengefasst, aber "Knocking on heavens door"
und da dann lydisch z.B. zu spielen zieht mir nur die Schuhe aus ......... =>

Das *klingt* einfach nicht gut. Das ist die ganz einfache Antwort.

!!
 
Oder ich frage mal all die Jenigen die anderer Meinung sind und die erzählen wie es nicht geht: Wie geht es dann "richtig"? Was muss ich, oder wir, machen um in einem Modi zu spielen?

Hier ist ein möglicher Einstieg unter Zuhilfenahme eines YouTube-Tracks.



Da hier nur eine Note (ein E) als Pedalton gespielt wird, kannst Du alle Skalen anwenden, deren Grundton auf E liegt.
penta moll/Dur
Blues moll/Dur
Dur-/Moll-Skala und deren Stufen (E-ionisch, e-dorisch, e-phrygisch, E-lydisch etc..)
Harmonisch Moll auf allen Stufen
Meldodisch Moll auf allen Stufen
Vermindert,GT, GTHT, HTGT
etcpp.

Eben alle Skalen, die Du Dir vorstellen kannst bzw. von denen Du je gehört hast oder die Dich möglicherweise interessieren.
Mit jeder Skala erzeugt Du einen spezifischen Sound.
Und jeder kann sich die Freiheit nehmen, bei so einem Beispiel (welches keine funktionale Harmonik und damit keinen spezifischen Sound oder eon spezifisches Genre vorgibt !), zu spielen, was immer er/sie möchte. Nur der Ton "E" zählt. Alles andere ist im Prinzip optional - immer der Nase nach.

Hier noch ein zweiter Track - diesmal auf G.

 
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Ja, Ich denke ja. Genauso, so hätte ich es machen sollen. Und am Ende würde ich anhand einer tonalen Analyse feststellen, dass ich tatsächlich nur C-Dur gespielt habe. So könnte es gehen...

Na dann analysiere mal. In der Klassik hat sich Dur/ Moll durchgesetzt. Vielleicht nicht zu Unrecht?
Ich nehme an "Grundton", "Tonales Zentrum", sind Begriffe die du kennst.
Eigentlich, genau genommen, sprechen wir hier über nichts anderes.

nun mal meine beschränke Sicht:
Da gibt es eine Diatonische/ Heptatonische Tonleiter.... oder Skala (die nennen wir gern C-Dur). Diese verändert ihren Namen und ihre Farbe, ihre Stimmung, jenachdem was ich damit anstelle. Und diesen "farbkindern" geben wir Namen. Über nichts anders sprechen wir hier.

Und ob sich für mich etwas gut oder weniger gut anhört, stelle ich erst dann fest, wenn ich es ausprobiert habe. Wenn ich von Vornherein etwas nicht mache, weil es als "falsch" gilt, kann ich nie herausfinden ob es mir nicht vllt. doch gefällt. Und wenn's mir nicht gefallen sollte, na dann ist es deswegen immer noch nicht falsch. Im Jazz werden manches Mal Töne gespielt, da ziehte es dem einem oder anderm die Schuhe aus (Jazz ist ja weit gefechert). Aber von "falsch" spricht darüber keiner......... nur: Das ist eben Jazz:D. Das ist Kunst. Und Kunst ist nicht, und darf auch niemals dogmatisch sein. Das wird sie aber, in dem Moment, wo wir von "Richtig" und "Falsch" sprechen.

Wie Relact auch schon erwähnte, man kann auch die Penta färben. Für uns gibt es nur Dur/ Moll Penta. Und offenbar auch Einiges was wir gar nicht mehr benennen, weil es außerhalb des Dur/ Moll scheint.
In anderen Kulturkreisen gibt man der Penta (5 Tonleiter) auch andere Färbungen, Stimmungen und benennt diese bei Namen. Frage mal hier, bei uns, ob es sowas wie "Modi" der Penta gibt.......nee las das lieber bleiben:D.

Also was haben wir? Wir haben eine diatonische/heptatonische (Ich liebe den Begriff) Tonleiter und wir haben eine pentatonische Tonleiter.
Und mit beiden kann man sehr viel anfangen, und jenachdem WAS man damit anfängt, verändert man Begrifflichkeiten.
(ich spreche über Dur und deren Modi. Von alterierten Tonleitern u.s.w also mal ganz abgesehen)

Letzten Endes kann man schon sagen: Alles eine Mumpe:D
Nur hört sich eben nicht alles gleich an. Da gibt es ja diese unterschiedlichen Färbungen. Und um diese benennen zu können, benötigen wir Begriffe, Namen.

Relact hat nun einfach und verständlich erklärt, ohne großes Gehirnfritirendes Theorie Gequatsche, aus dem sowieso nicht alle Schlau werden. Und wichtiger noch, man kann das was er erklärt, gleich praktisch ausprobieren.

Was ich an deiner Antwort nicht mag, ist das du alle die relacts Erklärungsansatz kritisieren,
gleich als Musikpolizei abstempelst.

Ahje... das war mit einem breitem Grinsen geschrieben. Nimm es nicht sooo ernst;)

EDIT: Christof Berlin, hat in der Zwischenzeit auch schon gepostete.

ÄH...aso.... das Moll, von dem wir alle immer Sprechen, auch wenn wir alle Modi ausklammern. Ist doch auch nur der äolische Modi vom Dur.
Ich mach noch mal ein Edit: durch was, unterscheiden sich nun die einzelnen Modi?
Doch nur durch das festsetzten des jeweiligen Grundtons, des Tonalem Zentrums. Die Zusammenhänge, der Kontext ist jeweils ein anderer.
 
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