Guidetones brauch Hilfe und viele Fragen

von mos, 10.05.08.

  1. mos

    mos Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.05.08   #1
    Ich soll für Lullaby of Birdland die Guidetones rausschreiben. Ich habe leider nicht viel Ahnung von Harmonielehre und der ganzen Theorie. Während ich das jetzt versucht habe, sind auf einmal sehr viele Fragezeichen aufgetaucht.

    Vielleicht könnt ihr ja ein paar davon lösen.

    Wenn ich das richtig verstanden haben, dann muss ich die Terz und die Septime aufschreiben. Ist es jetzt immer die große Septime? Also, hat z.B. A7 und Amaj7 die gleichen Guidetones oder hat das eine eine große Septime und der andere eine Kleine?

    Wie weiß ich, ob ich einen Ton z.B. mit einem # oder einem b notieren muss. Also welche Enharmonischeverwechselung ich nehmen muss?

    Wie weiß ich am Ende, wenn ich alle Guidetones aufgeschrieben habe, was jetzt meine Linie ist?

    Irgendwo habe ich gehört, dass man immer die Terz und Septime Abwechselnd nehmen soll oder eben liegen lassen soll. Also z.B. Dm7 und G9 hätten ja das F gemeinsam.

    Ich habe jetzt mal meinen ersten Versuch als jpg hochgeladen. Hoffe es klappt. Habe die Töne in Biab eingegeben. Zuerst die Terz und dann die Septime zu jedem Akkord. Die Vorzeichen wurden von Biab geändert, ich hatte fast immer das andere Vorzeichen. Schätze aber mal Biab hat da eher recht :).

    Ich weiß z.B. auch nicht, welchen man Ton man auschreibt, z.b. das höhere oder das tiefere e oder so?

    Ich finde das so kompliziert.
     

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  2. Roland Kramer

    Roland Kramer Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 10.05.08   #2
    Hallo!

    Mit den Guidetones hab' ich nur innerhalb von Blues Erfahrung insofern, als ich sie "bringen" kann, wenn mein lehrer sagt "und Du spielst die Guidenotes".

    Hör die mal alte Tradjazz (Dixieland)-Aufnahmen an. Da spielt der Posaunist oft mal einfach nur einen Halbton 'runter und wieder hoch:

    C7 => Posaunist spielt E (Terz)
    F7 => Es (Septime)
    C7 => E

    (Die andere Lösung B => A => B funktioniert auch.)

    Macht also nur eine Minimalveränderung (Halbton 'runter und wieder rauf), aber hilft, den Akkord "klar zu machen" (Grundton ist ja 'trivial' und die Quinte meistens auch, weil's fast immer 'ne grosse Quinte ist), indem er gezielt Terz und Septime abwechelnd anspielt.

    Der Posaunist kann also die ganzen Akkordwechsel in einem Blues-Schema unterstützen. Der bass walked, der Katzendarmspieler schrammelt die Akkode, in einem C-Blues kann der Posaunist also durch blosses spielen von E, Es und F (oder B, A und H) den Akkord durch Guidetones unterstüzen.

    Soweit die Grundidee.

    Der erste Schritt ist also: was sind Guidetones? I.d.R. die Terze und Septime. Und zwar die vom gerade aktuellen Akkord - ist die Terze oder Septime gross/klein, isses auch der Guidetone, denn der muss aus dem Tonmaterial des gerade aktuellen Aktuellen Akkordes stammen.

    Der zweite Schritt: Man kann sich die Guidetones mal aufschreiben, in deinem Beispiel nehme ich mal den Moll-Tornaround der ersten zwei Takte:

    Cm (Es und B, obwohl B nicht auftaucht, das müsste man hören, wie's klingt)
    Am7b5 (C und G)
    D7b9 (Fis und C)
    G7b9 (H und F)
    => VI, II, V, I in Moll

    Dritter Schritt:
    versuchen, eine Guidetonelinie mit minimalen Veränderungen zu bastelen:
    So das B gut klingt B, C, C, H
    (in diesem Fall tatsächlich abwechselnd Septime => Terz => Septime => Terz)
    Andere Lösung: Die fallende chromatische Linie der letzten drei Akkorde (G => Fis => F) klingt reizvoll, also wäre auch möglich:
    Es => G => Fis => F
    Die zweite Lösung gefällt mir besser. Ausprobieren, selber testen.

    Für die nächsten Takte:
    Cm7 (Es, B)
    Abmaj7 (C, G)
    Fm7 (As, Es)
    Bb9 (D, As)
    z.B. B => G => As => As oder Es => G => Es => D, wobei natürlich das Anspielen der ersten grossen Septime der vier Takte besondern schön sein kann (aber nicht muss => ausprobieren).

    Die Guidetones kann man halt wunderbar zum improvisieren benutzen, als Zielnoten sind sie viel interessanter als Grundton und Quinte.

    Ich muss dann doch mal den herrn Sikora auskramen und Lesen, was da steht ... ich hoffe, ich hab keinen Blödsinn geschrieben.

    Grüße aus der Provinz
    Roland
     
  3. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 10.05.08   #3
    Ich würde Unterscheiden zwischen Guidetones im Akkord und Guide Tone Lines über mehrere Akkorde.

    Guide Tones sind die akkordeigenen Terz und Septime, die den Klang des Akkordes maßgeblich bestimmen. Damit sollte klar sein, daß A7 und Amaj7 verschiedene Guide Tones verwenden.

    Guide Tone Lines sind Verbindungen zwischen Akkordtönen aufeinanderfolgender Akkorde und haben nicht direkt etwas mit den Guide Tones zu tun. Akkordverbindungen klingen dann besonders schlüssig, wenn die einzelnen Akkordtöne zwischen den Akkorden in engstmöglicher Weise miteinander verkettet werden.

    In einer Quintfall-Progression (z.B. Vollkadenz) sind das immer die von dir angesprochenen 3<->7 und 1<->5. Das heißt, Terz und Septime wechseln sich ab, Grundton und Quinte wechseln sich ab.


    Die Vorzeichen der Töne sollten dem richtigen Intervall im Akkord entsprechen. Die Terz ist immer der 3. Ton, die Septime der 7. Ton.

    Beispiel: Die Terz in Gm ist immer Bb, nicht A#. Begründung über die Stammtöne:

    Von g nach b sind es drei Schritte => g a b => Terz
    Von g nach a sind es nur zwei Schritte => g a => Sekunde


    Ich weiß nicht genau, was deine Aufgabe ist. Bei "Guide Tones" denke ich eher an eine sehr einfache Begleitung. Ich bastel mir für jeden Akkord ein dreistimmiges Voicing, das aus Grundton Terz und Septime besteht. Ich würde hier die Töne gleichzeitig spielen und als Akkord aufschreiben.

    Dabei entstehen natürlich auch einige Guide Tone Lines zwischen den Akkorden, die im Quintverhältnis zueinander stehen. (3<->7)

    Ich hoffe, du hast etwas verstanden von meinem Geschriebsel... ;)
    Gruß
     
  4. Roland Kramer

    Roland Kramer Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 10.05.08   #4
    Jo genau ... wenn man ein tasten instrument zur Verfügung hat, kann man mal spielen:

    Rechts: chromatisch fallende Trotoni
    Links: Quinte runter, Quarte rauf, Quinte Runter ...

    z.B.
    r.H.: E, B
    l.H.: C
    =>
    r.H.: Es, A (also, Tritonus einen halben Ton tiefer)
    l.H.: F
    =>
    r.H.: D As
    l.H.: B
    usw.

    Wer Klavier spielt, hat Glück bei der .... Theorie ... oder so ähnlich. Da kann man das nämlich alleine im Zusammenhang ausprobieren.

    Grüße
    Roland
     
  5. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 10.05.08   #5
    Guide Tone Lines in Quintfall-Progressionen haben die Eigenschaft, immer tiefer abzusacken, da diese Linien nur aus gleichen Tönen und fallenden Sekund-Schritten bestehen.

    Ich habe ein Notenbeispiel der ersten Hälfte angehängt. In den Noten sind die Guide Tone Lines grafisch hervorgehoben.
    Übrigens habe ich an einigen Stellen den Grundton statt der Septime für die Linie verwendet. Das sind die Stellen, in denen die Linie steigt. Wenn das unerwünscht ist, kannst du auch die Septime verwenden. Ich habe nur gedacht, da im Akkordsymbol auch keine Septime enthalten ist...

    (Würde man in den Guide Ton Lines auch die übrigen Akkordtöne und Optionstöne mit einbeziehen, könnten man auch aufsteigende Linien bilden.)
     

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