Hanging on a Letter

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Eidolon

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Tut mir leid, dass die deutsche Übersetzung meines Textes an einigen Stellen so holprig klingt - mir sind keine besseren Übersetzungen eingefallen, insbesondere, was den Titel angeht.
Jedenfalls bin ich sehr dankbar für technisches Feedback. Darüber hinaus würde ich mich auch für eure Interpretationen interessieren. Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich ausdrücken will, tatsächlich auch ankommt. Ich möchte den Song nämlich definitiv nicht aufführen, wenn er komplett anders als intendiert bei den Zuhörern ankommt.

"Hanging on a Letter"
How I love writing stories
Always turn out in a way
Even I understand them
Deciding what they have to say

So I crafted a message how I feel it
Babbling like it’s some sort of art

And now I am hanging on a letter
Strung myself up to your hands
Waiting for my words to finally matter
Trying to write another end


I’m my therapist’s favourite soap opera
Subscription-free, my treat, it’s on the house
Yes, I have fucked up expectations
Got them as a kid from Mister Mouse

Don’t you know there’s no point to argue?
Cause as the author I’m always right

But in fact I am hanging on a letter
Strung myself up to your hands
Trying to change for the better
Trying to make amends


Tell me about the stories you’ve lived
Feed me the scraps, I’m glad for every gift
What do you imagine would have happened had you stayed?
Please continue this story - won’t you write you saved the day?


So now I’m hanging on a letter
Strung myself up to your hands
Could you please finally cut the tether
Trying to write another end
„An einem Brief hängend“
Wie sehr ich es liebe, Geschichten zu schreiben
Sie entwickeln sich immer so,
dass selbst sie verstehen kann
Ich entscheide, was sie aussagen sollen

Also habe ich eine Botschaft so verfasst, wie ich sie empfinde
Plappere, als wäre es eine Art Kunst

Und jetzt hänge ich an einem Brief
Habe mich an deinen Händen angebunden
Warte darauf, dass meine Worte endlich Bedeutung bekommen
Versuche, ein anderes Ende zu schreiben


Ich bin die Lieblingsseifenoper meines Therapeuten
Ohne Abonnement, auf meine Kosten, geht aufs Haus
Ja, ich habe verkorkste Erwartungen
Die habe ich als Kind von Mister Mouse bekommen

Weißt du nicht, dass es sinnlos ist, zu streiten?
Denn als Autor habe ich immer Recht

Aber tatsächlich hänge ich an einem Brief
Habe mich an deinen Händen angebunden
Versuche, mich zum Besseren zu verändern
Ich versuche, Wiedergutmachung zu leisten


Erzähl mir von den Geschichten, die du erlebt hast
Füttere mir die Krümel, ich bin dankbar für jedes Geschenk
Was glaubst du, wäre passiert, wenn du geblieben wärst?
Bitte schreib diese Geschichte weiter - schreibst du, dass du den Tag gerettet hast?


Jetzt hänge ich an einem Brief
Habe mich an deinen Händen angebunden
Könntest du bitte endlich die Leine durchtrennen
Versuchen, ein anderes Ende zu schreiben
 
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Tut mir leid, dass die deutsche Übersetzung meines Textes an einigen Stellen so holprig klingt - mir sind keine besseren Übersetzungen eingefallen, insbesondere, was den Titel angeht

Dich von einem Brief (wie auch immer ) fesseln zu lassen…. Hm…Gefällt mir!

Allerdings,würde Ich die Übersetzung sofort ,metrisch (Text) und rhythmisch Musik) anpassen. So fange ich schneller Feuer bzw. locke, viele aktuelle Stimmungen,in meinen jeweiligen Text….

Metrisch singe ich anfangs pausenlos einen wachsenden Text in beiden Sprachen laut vor mich hin. Ich spinne mal:


on a letter. (Eingehüllt in Briefen)
Wie mich der Alltag in sich zieht,
kaum dass ich auf dem Wege bin
Vielleicht in Farbenpracht gehüllt
vielleicht für fremde Schönheit blind

Du ahnst es vielleicht: ich definiere nicht DIE Zeit, DEN Tag
sondern eher MEINE ART, Alltag wahrzunehmen, zu fühlen, zu verändern
Und die.Endreime jagen mich durch jegliche Gezeiten. Je offener der Ausgang, umso,spannender das Schreiben. Die Vielfalt zufälliger Beobachtungen, beim Lesen, vielleicht aus einem Buss heraus

Was wichtig ist, ich gönne mir für die Verse meist nur wenige Minuten. Damit viele Gefühl geweckt werden,'Tempi teils traurig, teils optimistisch lass ich mich vom alltäglichen Fluss treiben.

Nun zu DEINEM Text. Mir gefällt deine Idee, dich gegen die Wirkung eines Briefes zu wehren.
Du schilderst dein LI in meinen Ohren recht gefesselt Was wäre, wenn der Ausgang offener wäre. Manche Menschen wollen sofort ,Krieg, manche setzen sofort auf Verhandlungen. Krieg oder Frieden machen Platz für unterschiedlichste musikalische Stimmungen.

Mir gehen immer Neuanfang und Ende gleichzeitig durch den Kopf. Wie bei einem Filmanfang… . Das erweitert gleich am Anfang eine Geschichte mit vielen Bildern…Naja, das machst dun ja auch…Toi toi toi
 
Zuletzt bearbeitet:
Hanging by a Letter
 

Moin, nächtliche Intervention:

Bitte einmal um Präzisierung, was du mit "hängen" genau meinst. Ich dachte erst, du meinst "festhängen" - aber irgendwie las sich der Refrain dann mehr wie "an etwas hängen" im Sinne von nicht loslassen können.

Das hat Auswirkungen darauf, wie man das im Englischen sagt. Dein "hanging on" trifft's in keinem Fall, allenfalls könnte "hang onto" Sinn ergeben.

Später mehr - gute Nacht! 💤
 
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Dich von einem Brief (wie auch immer ) fesseln zu lassen…. Hm…Gefällt mir!

Nun zu DEINEM Text. Mir gefällt deine Idee, dich gegen die Wirkung eines Briefes zu wehren.
Du schilderst dein LI in meinen Ohren recht gefesselt Was wäre, wenn der Ausgang offener wäre. Manche Menschen wollen sofort ,Krieg, manche setzen sofort auf Verhandlungen. Krieg oder Frieden machen Platz für unterschiedlichste musikalische Stimmungen.
Hey, danke für dein Feedback!
Nun bin ich tatsächlich sehr verunsichert, ob die Bedeutung meines Textes tatsächlich ankommt. Also ja, mein lyrisches Ich ist sehr gefesselt, aber versucht nicht unbedingt, sich gegen die Wirkung eines Briefes zu wehren.
Vielmehr ist es so, dass es selbst einen Brief verfasst hat ("So I crafted a message how I feel it / Babbling like it’s some sort of art") und nun alle Hoffnungen in den Brief legt, dass er eben tatsächlich Wirkung entfaltet: "Waiting for my words to finally matter / Trying to write another end".

Moin, nächtliche Intervention:

Bitte einmal um Präzisierung, was du mit "hängen" genau meinst. Ich dachte erst, du meinst "festhängen" - aber irgendwie las sich der Refrain dann mehr wie "an etwas hängen" im Sinne von nicht loslassen können.

Das hat Auswirkungen darauf, wie man das im Englischen sagt. Dein "hanging on" trifft's in keinem Fall, allenfalls könnte "hang onto" Sinn ergeben.

Später mehr - gute Nacht! 💤
Danke auch für deine Nachfrage.
Im Englischen sagt man ja z.B. "I'm hanging on every word you say". Das schildert die emotionale Abhängigkeit, die ich gerne ausdrücken möchte. Mein lyrisches Ich hat den Brief wie ein rettendes Seil ausgeworfen, hofft dass er sich "verankert" (= die Worte ankommen) und die Dinge geradestellen. "Strung myself up to your hands" ist der Wink mit dem Zaunpfahl, dass das LI auf die (vergebende) Antwort des Empfängers hofft.
 
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Ich versuche 'mal ein paar minimale Anpassungen vorzuschlagen, die hoffentlich stimmig und in deinem Sinne sind @ Eidolon
Beim Partizip und den Ellipsen gibt es im Englischen schnell Bezugsunklarheiten.

Meines Erachtens geht es darum, dass das LI seine Hoffnung auf einen Brief als Wiedergutmachung setzt und sich nicht richtig traut, sich diese Hoffnung einzugestehen, ja teilweise sogar "herunterspielt".
Und diese Hoffnung hängt ja daran, dass, obwohl man selbst der Meinung ist, dass man seines Schicksalsbriefes Schmied ist, es vom anderen abhängt, wie der Brief wohl so ankommt und ob der Brief überzeugt.

Hanging onto a Letter/(feeling) Attached to a Letter
Oh, how I love writing stories/How much I love writing stories
they always turn out in a way
so that Even I understand them
I decide what they have to mean
So I crafted a message the way I feel it
I babbled like it’s some kind of art

And now I am hanging onto/I'm attached to a letter
Strung myself up to your hands
Waiting for my words to finally matter
Trying to draft another end

I’m my therapist’s favourite soap opera
Subscription-free, my treat, it’s on the house
Yes, I have fucked up expectations
Got them as a kid from Mister Mouse

Don’t you know there’s no point in arguing?
Cause I'm the author, I’m always right

But in fact I am hanging onto/I'm attached to a letter
Strung myself up to your hands
Trying to change for the better
Trying to make amends

Tell me your stories, did you live?
Feed me the scraps, I’m grateful for every gift
What do you imagine would have happened had you stayed?
Please continue this story - will you write you saved the day?


So now I’m hanging onto/I'm attached to a letter
Strung myself up to your hands
Could you finally cut the tether
and stop me from drafting another end
 
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Nun bin ich tatsächlich sehr verunsichert, ob die Bedeutung meines Textes tatsächlich ankommt. Also ja, mein lyrisches Ich ist sehr gefesselt, aber versucht nicht unbedingt, sich gegen die Wirkung eines Briefes zu wehren.
Das habe ich aus dem Text herausgelesen.
Vielmehr ist es so, dass es selbst einen Brief verfasst hat ("So I crafted a message how I feel it / Babbling like it’s some sort of art") und nun alle Hoffnungen in den Brief legt, dass er eben tatsächlich Wirkung entfaltet: "Waiting for my words to finally matter / Trying to write another end".
Das ist auch folgerichtig. Im weiteren Verlauf des Lesens passieren bei mir allerdings zwei Dinge, die sich miteinander vermischen:
Erstens ist mein Englisch nicht gut genug, um diese Art von Englisch zu dechiffrieren - mir persönlich fiele es leichter, dem Text zu folgen, wenn es im Grunde einfacher verständliches Englisch wäre. Daran hängt sich eine weitere Frage, nämlich die, für welches Publikum Du schreibst. Ist es vorwiegend ein deutsches Publikum, dann vermute ich, dass es nicht nur mir alleine so geht. Und dann kenne ich zwei Verläufe: Im einen ist die Musik und die Umsetzung so packend, dass ich irgendwann den Text einfach verstehen will und mich daran setze, anhand eines Wörterbuchs dahinter zu kommen, was gemeint ist. Das kenne ich von mir durchaus. Im anderen Verlauf belasse ich es bei dem, was ich im ersten Moment verstehe und fülle es mit meiner Phantasie, was der Text oder mir bedeuten könnte.
Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort, sondern es ist eher die Entscheidung, worauf man als Autor Wert legt und was bzw. wen man errreichen möchte.

Zweitens gibt es im weiteren Verlauf Schilderungen, die mich irritieren und mich zu Schlüssen verleiten, die von Dir (vermutlich) nicht intendiert sind und die nicht (alleine) an der Sprache liegen. Ein für mich wichtiger Aspekt liegt darin, dass ich keinen für mich deutlichen Hinweis finde, dass es ein Brief ist, mit dem bei einer anderen Person Vergebung erzielt werden soll. Es könnte auch ein Liebesbrief sein oder generell ein Brief, von dem ich zwar spüre, dass er dem Lyrischen Ich wichtig ist, ich als Lesender aber zu wenig vom Kontext weiß, um das konkreter auszufüllen.

Irritierend finde ich beispielsweise folgende Strophe:
Babbling like it’s some sort of art
Wieso spielt bei dem Vorgang des Vergebens eine Rolle, dass es Kunst ist oder sein soll? Oder:
I’m my therapist’s favourite soap opera
Subscription-free, my treat, it’s on the house
Yes, I have fucked up expectations
Got them as a kid from Mister Mouse
Die favorite soap opera zieht das in eine Ecke, aus der mir das Lyrische Ich - entgegen der Bedeutung, die dem Brief zu Anfang attestiert wird - als flach und wenig reflektiert erscheint, was durch das a kid from Mister Mouse noch verstärkt wird. Und beziehen sich die fucked up expectations auf den Brief - genauer auf ambivalente Gefühle zu dessen Wirkung oder generell auf das Leben des LI?
Don’t you know there’s no point to argue?
Cause as the author I’m always right
Während diese beiden Zeilen das LI als fordernd und über der Situation stehend und eine Wirkung, die nicht der Erwartung des LI als Autor oder Autorin des Briefes entspricht als dem Unvermögen des Briefempfängers oder der Briefempfängerin geschuldet erscheinen lässt: Das LI hat ja immer Recht ...
Tell me about the stories you’ve lived
Feed me the scraps, I’m glad for every gift
What do you imagine would have happened had you stayed?
Please continue this story - won’t you write you saved the day?
Dieser Part haut mich, ehrlich gesagt, aus der Kurve: Findet dort ein Wechsel der Perspektive statt? Äußert sich hier der oder die Adressat/in des Briefes? Oder sind es die inneren Gedanken des LI?

Übrigens torpediert aus meiner Sicht das Intro des Textes die Absicht, es ginge um einen ernsthaften Brief mit einer ernsthaften Absicht (dem der Vergebung), denn
How I love writing stories
Always turn out in a way
Even I understand them
Deciding what they have to say
erscheint mir aus dem Kosmos des fiktiven Schreibens entlehnt: Ich verbinde damit ein Lyrisches Ich, das sich eine Geschichte ausdenkt, die alle möglichen Wendungen nehmen mag und dass das, was die zu schreibende Geschichte sagen soll, dem völligen Belieben des LI geschuldet ist und nicht einem konkreten Zweck, nämlich dem der Vergebung ...

Kurz: Ich als Lesender bekomme reichlich Lunten gezeigt, die für mich aber keine konkrete story ergeben, in der es um eine Person geht, die einer anderen schreibt, mit dem Ziel, dass diese ihr/ihm vergeben solle, sondern in alle möglichen Richtungen führen. Das ist alles durchaus interessant und gut geschrieben, mit überraschenden und treffenden Wortspielen und die unterschiedlichen Lunten geben von sich aus auch Sinn - alleine: ich bekomme sie nicht recht zusammengefügt.
Hier wäre die Frage, ob Du nicht zu viel erzählen willst? Als Songtexteschreiber lege ich in den meisten Texten Wert darauf, dass die Basis der story auf jeden Fall rüberkommt. Das ist - so wie Du über den Text schreibst - eine Person, die mittels eines Briefes die Vergebung vom Empfänger oder der Empfängerin erhalten will. Alles andere rankt sich drumherum. Eine Möglichkeit der Überarbeitung wäre, dieses Kernstück klarer herauszuarbeiten. Von da aus kann ich einer Entwicklung folgen, die ein ambivaltentes LI zeigt: zwischen Größenwahn (Ich schreibe einen Brief, dessen Folge auf jeden Fall Vergebung ist) und Scheitern oder Formen der Distanz (soap opera, Mister Mouse) zum Vorhaben. Letztlich wäre mir auf der Handlungsebene noch eine Konkretion wichtig: Wird hier der Akt des Briefeschreibens beschrieben - und wird der Brief überhaupt fertig oder gar abgeschickt?
Und auf Ebene der Perspektive kann ich mir vorstellen, dass mehr Klarheit reinkommt, wenn deutlicher wird, auf wen jeweils fast gleichlautende Passagen gemeint sind. So verstehe ich die letzten beiden Zeilen als inneren Wunsch des LI an die briefempfangende Person gerichtet: Could you please finally cut the tether // Trying to write another end in dem Sinne, dass diese Person im realen Leben dieses umschreiben soll, und zwar am besten so, dass diese tatsächlich der briefschreibenden Person vergibt. Tatsächlich gibt es aber mehrere Passagen, deren Perspektive (also: wer handelt, denkt, wünscht etc.) mir nicht deutlich wird.

Wie Du siehst, arbeite ich mich an dem Verständnis des Textes ab bzw. Dir mein Verständnis des Textes zu erläutern, um Antworten auf Deine Eingangsfrage zu finden:
Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich ausdrücken will, tatsächlich auch ankommt.
Ich bin mir sehr unsicher, ob bei mir der Text so ankommt, wie Du ihn intendiert hast.
Insofern bin ich skeptisch, ob die minimalen Änderungen von @ice_star die ich insgesamt alle nachvollziehbar und gut finde, diese eher grundlegenden Zweifel meines Textverständnisses aufzulösen in der Lage sind.

Allerdings: Ich bin mir sehr sicher, dass in dem Text sehr viel steckt und die Grundsituation finde ich stark. Also unbedingt dranbleiben!

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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So tiefgründig und wohldurchdacht wie @x-Riff werde ich mich nicht mit dem Text auseinandersetzen können. Ich denke aber auch, dass Du @Eidolon unbedingt dranbleiben solltest, weil - wie bereits gesagt - viel im Text steckt. Genug Gedankenkost zum Verdauen gibt es ja nun. :)

Für mich als Zuhörer ist wichtig, dass der Text in Echtzeit, also beim Zuhören, bereits funktioniert, damit ich dann gegebenenfalls in Ruhe 'mal genauer in den Text reinschauen will und kann. Diese Echtzeit-Klarheit, also schon beim Zuhören die Hauptbotschaft verstehen zu können, ist ja für die Zugänglichkeit wichtig. Offen gestanden hapert es bei mir selbst auch daran. Allerdings liegt das zum guten Teil auch an der Tatsache, dass wir selbst wissen, was wir schreiben und meinen (wollen) und deshalb sind der Blick und das Gehör von außen ja so wertvoll.
 
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  • #9
Also, ich habe mich nochmal mit der Grammatik auseinandergesetzt und ich glaube @dubbel hat recht, "hanging by a letter" ist die korrekte(ste) Form. Vergleichbar mit "Hanging by a thread".

Danke für das Feedback erstmal @ice_star und @x-Riff und dass ihr euch so intensiv mit meinem Text auseinandergesetzt habt!
Daran hängt sich eine weitere Frage, nämlich die, für welches Publikum Du schreibst. Ist es vorwiegend ein deutsches Publikum, dann vermute ich, dass es nicht nur mir alleine so geht. Und dann kenne ich zwei Verläufe: Im einen ist die Musik und die Umsetzung so packend, dass ich irgendwann den Text einfach verstehen will und mich daran setze, anhand eines Wörterbuchs dahinter zu kommen, was gemeint ist. Das kenne ich von mir durchaus. Im anderen Verlauf belasse ich es bei dem, was ich im ersten Moment verstehe und fülle es mit meiner Phantasie, was der Text oder mir bedeuten könnte.
Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort, sondern es ist eher die Entscheidung, worauf man als Autor Wert legt und was bzw. wen man errreichen möchte.
Das ist erstmal eine sehr berechtigte Frage. Ja, im Live-Kontext ist es definitiv deutsches, bzw. in Deutschland ansässiges Publikum. Mir war gar nicht so bewusst, dass ich mich an Wörtern bediene, deren Bedeutung generell eher unbekannt ist. Ich habe auch schon Texte auf deutsch geschrieben, aber für mich hat englisch - und das ist komplett subjektiv - eine poetischere Klangfarbe. Möglicherweise sollte ich aber trotzdem wieder verstärkt auf deutsch schreiben, auch, wenn ich die Details von dem, was ich verarbeiten möchte, nicht an die Öffentlichkeit tragen will, die Gefühle und grundlegenden Konflikte eben schon. Und um das tun zu können, muss ja mindestens sprachlich verstanden werden, was ich mitzuteilen versuche.

Für mich als Zuhörer ist wichtig, dass der Text in Echtzeit, also beim Zuhören, bereits funktioniert, damit ich dann gegebenenfalls in Ruhe 'mal genauer in den Text reinschauen will und kann. Diese Echtzeit-Klarheit, also schon beim Zuhören die Hauptbotschaft verstehen zu können, ist ja für die Zugänglichkeit wichtig. Offen gestanden hapert es bei mir selbst auch daran. Allerdings liegt das zum guten Teil auch an der Tatsache, dass wir selbst wissen, was wir schreiben und meinen (wollen) und deshalb sind der Blick und das Gehör von außen ja so wertvoll.
Ja, da pflichte ich dir absolut bei, das ist auch der Grund, warum ich meinen Text hier offen stelle und euch dankbar dafür bin, dass ihr mir mitteilt, dass euch der Text hauptsächlich eher verwirrt.

Ich gehe mal die Abschnitte durch und erkläre mich dabei, vielleicht könnt ihr mir dann dabei helfen, die Dinge nach außen hin verständlicher zu machen oder eurer Meinung nach unnötigen Text-Ballast loszuwerden:

How I love writing stories [...]
Hier geht es mir darum, zu etablieren, dass mein LI das Schreiben/Erzählen benutze, um sich in Welten zu versetzen, die für es Sinn ergeben und über die es eine narrative Kontrolle verfügt.
Das greife ich später nochmal auf in:
Don’t you know there’s no point to argue? Cause as the author I’m always right

Hier kommt der Übergang vom Schreiben für das LI zum Schreiben für die Person, die dessen Nachricht erhalten soll:
So I crafted a message how I feel it, babbling like it’s some sort of art
"Crafting" soll hier die Absurdität ausdrücken, dass es das LI wie eine Kunstform behandele, obwohl es im Grunde genommen einfach nur vor sich hinplappert, womit ich zum Ausdruck bringen möchte: Obwohl sich mein LI beim Schreiben in meinem Element fühlt, sobald es diesen Brief schreibt, ist es mit Selbstzweifel und Unsicherheit erfüllt und befürchtet, dass seine Worte nur wie gestelltes Gerede rüberkommen.

And now I am hanging on a letter, strung myself up to your hands
Waiting for my words to finally matter, trying to write another end
Damit will ich sagen, dass die Gedanken und Hoffnungen am Brief und damit letztlich an der Person hängen, die ihn erhält - und von der ich sich mein LI eine Antwort erhofft, bzw. dass dessen Worte das erwünschte Ergebnis erzielen, die zur Antwort führt und es die Dinge damit geradestellen kann. Im zweiten Chorus verdeutliche ich, dass es sich um Dinge handelt, die das LI verbockt hat, bei denen es versucht, sich zu verbessern.

I’m my therapist’s favourite soap opera, subscription-free, my treat, it’s on the house
Yes, I have fucked up expectations, got them as a kid from Mister Mouse
Okay, ich verstehe, warum das verwirrend wirkt. Ich sollte vielleicht nicht von "writing stories" sprechen, sondern von "telling stories", dann macht das mehr Sinn, insbesondere im Kontext der Therapie. Mit der zweiten Zeile beziehe ich mich darauf, dass das LI als Kind durch Disneyfilme einfach unrealistische Vorstellungen bekommen habe, dass alles auf ein Happy End hinausläuft. Damit soll auch deutlich werden, wie pessimistisch das LI eigentlich ist: "Mir ist klar, dass meine Hoffnungen, aus uns beiden ein besseres Ende zu machen, völlig unrealistisch sind und ich sollte langsam mal erwachsen werden."

Tell me about the stories you’ve lived
Feed me the scraps, I’m glad for every gift
What do you imagine would have happened had you stayed?
Please continue this story - won’t you write you saved the day?
Hier möchte ich verdeutlichen, wie sehr das LI die Person vermisst, die den Brief erhalten soll. Es ist bereits viel Zeit vergangen, das Lyrische Ich fragt sich, was passiert wäre, wenn die angesprochene Person immer noch in seinem Leben wäre.
Schließlich wünscht es sich, dass die andere Person die Geschichte weiterschreibt und - in Anspielung darauf, dass der Autor ja immer Recht hat - die Geschichte sohingehend weiterschreibt, dass alles gut ist. Alles gut endet.
Das soll im finalen Chorus nochmal verstärkt werden durch das:
Could you please finally cut the tether, trying to write another end
Das Lyrische Ich möchte nicht weiter an der Schuld hängen, die es empfindet und dass die Sache einfach in einem Happy End abgeschlossen werden kann.

Ich hoffe, dass das für euch Sinn ergibt. Ich fühle mich jetzt tatsächlich ziemlich verunsichert, dass das so gar nicht angekommen zu sein schien 😅 Ich glaube, ich war da beim Schreiben einfach zu sehr in meinem eigenen Kopf.
 
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  • #10
Also, ich habe mich nochmal mit der Grammatik auseinandergesetzt und ich glaube @dubbel hat recht, "hanging by a letter" ist die korrekte(ste) Form. Vergleichbar mit "Hanging by a thread".

Ah, 30 shades of 'hanging'....

Ich wäre mir da nicht so sicher.

Hanging by -> depending
hanging on -> staying
hanging onto -> keeping

Und es gibt noch viele (!) weitere andere lustige Varianten. Aus deiner deutschen Übertragung (war dein englischer Text wirklich als erstes da, oder hast du rückübersetzt?) lese ich 'hanging onto' - aufgrund der Erläuterung tatsächlich auch eher 'hanging by'.

(...) Mir war gar nicht so bewusst, dass ich mich an Wörtern bediene, deren Bedeutung generell eher unbekannt ist.
Die Wörter für sich sind nicht das Problem, eher ihre Wahl für das, was du ausdrücken möchtest.

Ich habe auch schon Texte auf deutsch geschrieben, aber für mich hat englisch - und das ist komplett subjektiv - eine poetischere Klangfarbe.
Der Reiz des Fremden. Verliert sich ganz schnell, wenn es täglicher Umgang ist...

Möglicherweise sollte ich aber trotzdem wieder verstärkt auf deutsch schreiben, auch, wenn ich die Details von dem, was ich verarbeiten möchte, nicht an die Öffentlichkeit tragen will, die Gefühle und grundlegenden Konflikte eben schon. Und um das tun zu können, muss ja mindestens sprachlich verstanden werden, was ich mitzuteilen versuche.
Du ringst hier in der Tat sehr mit der Fremdsprache. Das kann helfen, um sich selber zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Text zu zwingen, ist aber kein Allheilmittel, wenn du grundsätzlich nicht sicher genug bist.

(...)
"Don’t you know there’s no point to argue? Cause as the author I’m always right"
Hier kommt der Übergang vom Schreiben für das LI zum Schreiben für die Person, die dessen Nachricht erhalten soll:
Extrem steile These. :D

"Crafting" soll hier die Absurdität ausdrücken, dass es das LI wie eine Kunstform behandele, obwohl es im Grunde genommen einfach nur vor sich hinplappert, womit ich zum Ausdruck bringen möchte: Obwohl sich mein LI beim Schreiben in meinem Element fühlt, sobald es diesen Brief schreibt, ist es mit Selbstzweifel und Unsicherheit erfüllt und befürchtet, dass seine Worte nur wie gestelltes Gerede rüberkommen.
Finde ich gut, und fand ich auch schon ohne Erläuterung nicht unverständlich. Ist dir der Kontrapunkt zu dem "as the author I'm always right" bewusst, hattest du das dem mit Absicht gegenübergestellt?

Damit will ich sagen, dass die Gedanken und Hoffnungen am Brief und damit letztlich an der Person hängen, die ihn erhält - und von der ich sich mein LI eine Antwort erhofft, bzw. dass dessen Worte das erwünschte Ergebnis erzielen, die zur Antwort führt und es die Dinge damit geradestellen kann. Im zweiten Chorus verdeutliche ich, dass es sich um Dinge handelt, die das LI verbockt hat, bei denen es versucht, sich zu verbessern.
Das war die Begründung für das nun hoffentlich korrekte "Lesen" (i.e. Interpretieren) von "hanging" als "von etwas abhängen" wie in "am seidenen Fadcen hängen".

(...)
".... Mister Mouse"
Okay, ich verstehe, warum das verwirrend wirkt. Ich sollte vielleicht nicht von "writing stories" sprechen, sondern von "telling stories"
Ja, absolut!
, dann macht das mehr Sinn, insbesondere im Kontext der Therapie. Mit der zweiten Zeile beziehe ich mich darauf, dass das LI als Kind durch Disneyfilme einfach unrealistische Vorstellungen bekommen habe, dass alles auf ein Happy End hinausläuft. Damit soll auch deutlich werden, wie pessimistisch das LI eigentlich ist: "Mir ist klar, dass meine Hoffnungen, aus uns beiden ein besseres Ende zu machen, völlig unrealistisch sind und ich sollte langsam mal erwachsen werden."
Was als Bildsprache doch ganz mächtig ist. Du malst das Bild nur noch nicht plastisch genug. Dieser Textteil darf gerne nochmal ins Labor.

(...)
"Tell me about the stories you’ve lived
Feed me the scraps, I’m glad for every gift
What do you imagine would have happened had you stayed?
Please continue this story - won’t you write you saved the day?"

Hier möchte ich verdeutlichen, wie sehr das LI die Person vermisst, die den Brief erhalten soll. Es ist bereits viel Zeit vergangen, das Lyrische Ich fragt sich, was passiert wäre, wenn die angesprochene Person immer noch in seinem Leben wäre.
Schließlich wünscht es sich, dass die andere Person die Geschichte weiterschreibt und - in Anspielung darauf, dass der Autor ja immer Recht hat - die Geschichte sohingehend weiterschreibt, dass alles gut ist. Alles gut endet.
"lived" und "gift" reimen sich nicht. Nicht einmal das i klingt gleich - vorsicht, falls das deine Absicht gewesen sein sollte.
Außerdem ist hier das participle falsch, es müsste simple past sein: "the stories you lived".
Die beiden weiteren Zeilen klingen umständlich, hölzern, konstruiert. Und dein "won't you write you saved the day" passt nicht zu deiner deutschen Übersetzung sondern konnotiert eher, "du wirst ja (wohl) nicht schreiben, du wärest meine Rettung?" (To save the day: jds. Rettung sein)

Oh, und bitte ganz allgemein: es heißt "to write an ending" - nicht "... an end".

Nun hast du noch mehr Input, bin gspannt, was du draus machst :hat:

Beste Grüße
Markus
 
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  • #11
Hanging by -> depending
hanging on -> staying
hanging onto -> keeping

Und es gibt noch viele (!) weitere andere lustige Varianten. Aus deiner deutschen Übertragung (war dein englischer Text wirklich als erstes da, oder hast du rückübersetzt?) lese ich 'hanging onto' - aufgrund der Erläuterung tatsächlich auch eher 'hanging by'.
Danke für dein ausführliches Feedback!
Ja, der englische Text war als erstes da, auch mit den Reimen wäre es mir ein zu großes Hin- und Her, während des Schreibens zwischen den Sprachen zu wechseln. Ich denke "by" im Sinne von "depending" trifft es tatsächlich am besten.

Extrem steile These. :D
Findest du nicht? Hm, wenn es nicht so offensichtlich ist, dann scheint ein "*So* I crafted a message" merkwürdig zu klingen. Möglicherweise ändere ich es stattdessen in ein neutrales "Now" ab.

Finde ich gut, und fand ich auch schon ohne Erläuterung nicht unverständlich. Ist dir der Kontrapunkt zu dem "as the author I'm always right" bewusst, hattest du das dem mit Absicht gegenübergestellt?
Da bin ich erleichtert. Ja, habe ich, aber ich denke, ich werde es sowohl aus hermeneutischer Sicht, als auch wegen rein musikalischen Zwecken zusammenlegen und generell als Pre-Chorus verwenden:
Don’t you know there’s no point to argue?
As the author I’m always right
(So? Now?) I crafted a message, show you how I feel it
Babbling like it’s some sort of art


Was als Bildsprache doch ganz mächtig ist. Du malst das Bild nur noch nicht plastisch genug. Dieser Textteil darf gerne nochmal ins Labor.
Noted, ich versuch's mal, aber momentan will mir nichts einfallen, das wird noch eine Weile brauchen.

"lived" und "gift" reimen sich nicht. Nicht einmal das i klingt gleich - vorsicht, falls das deine Absicht gewesen sein sollte.
Außerdem ist hier das participle falsch, es müsste simple past sein: "the stories you lived".
Die beiden weiteren Zeilen klingen umständlich, hölzern, konstruiert. Und dein "won't you write you saved the day" passt nicht zu deiner deutschen Übersetzung sondern konnotiert eher, "du wirst ja (wohl) nicht schreiben, du wärest meine Rettung?" (To save the day: jds. Rettung sein)
Oh, und bitte ganz allgemein: es heißt "to write an ending" - nicht "... an end".
Jetzt bin ich verwirrt. Wird "lived" nicht quasi "livd" ausgesprochen? Aber ja, "the stories you lived", ich weiß nicht, woher das "'ve" kam, danke für den Hinweis.
Und du hast Recht, die weiteren Zeilen klingen merkwürdig konstruiert. Da muss ich auch nochmal ran. Oder ich lass es einfach. Ich könnte mir vorstellen, dass die ersten zwei Zeilen auch genügen, es ist ohnehin schon eine Flut an komprimierten Informationen.

Aus dem "write another end" würde ich vielleicht ein: "Trying to put this to an end" machen, auch korrekt, "end" wird ja eher als Verb gelesen, beim Schreiben habe ich da an "The End" gedacht. Im Sinne davon, dass diese ganze Story hoffentlich abgeschlossen wird.
 
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  • #12
Jetzt bin ich verwirrt. Wird "lived" nicht quasi "livd" ausgesprochen?

Nicht ganz falsch, aber noch nicht da: Das i in "lived" ist näher am Schwa-Laut [ə] und das v ist stimmhaft und das ausklingende d butterweich. "gift" hingegen hat hein helles, klares i, ein stimmloses, scharfes f und ein klar artikuliertes t.

lived ≠ lift

Dieser Abspannblödsinn "The End" verwirrt viele.

Zwar kann eine Geschichte ein "end" haben - das ist dann der Endpunkt. Aber wenn es darum geht die Geschichte als solche zu beschreiben, heißt es "ending", da gibt es kein Vertun.

Und "put this to an end" ist schon sehr hart und abrupt, von der Konnotation her ein diametraler Widerspruch dazu, die Geschichte zu einem guten Ende bringen zu wollen, einen Abschluss zu finden.

"Write a different ending" ist vom Ausdruck her das, worauf du im Text hingearbeitet hast.
 
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  • #13
Hallo @Eidolon
da sind jetzt einige Sachen zusammengekommen, aber letztlich gehören sie auch alle zusammen ... Vorab vielleicht folgendes: Ich selbst schreibe deutsche und englische Texte, wandere also zwischen den Welten und es ist offensichtlich, dass sehr viele Aspekte dabei eine Rolle spielen, und subjektive oder gefühlsmäßige spielen eine berechtigt große Rolle - denn man selbst muss sich ja mit dem Text wohl fühlen. Bei mir ist es einfach so, dass mir die Ausgangszeilen entweder auf deutsch oder auf englisch einfallen - und so mache ich dann in der Regel weiter.
Für mich bieten beide (und wahrscheinlich jede aller) Sprachen, die Möglichkeit, sich poetisch auszudrücken.
Möglicherweise sollte ich aber trotzdem wieder verstärkt auf deutsch schreiben, auch, wenn ich die Details von dem, was ich verarbeiten möchte, nicht an die Öffentlichkeit tragen will, die Gefühle und grundlegenden Konflikte eben schon.
Bei mir hat eine Rolle gespielt, dass englisch bei der Rockmusik historisch und von den Vorbildern her gesehen sozusagen die "Ursprungssprache" ist - erst später habe ich dann für mich die deutsche Sprache entdeckt (wobei Udo Lindenberg, Krautrock, Nina Hagen, die neue deutsche Welle seinerzeit und etliche in der Nachfolgende da schon wichtig waren) und vermehrt genutzt, auch weil mein Sprachhorizont, weil es eben meine ursprüngliche Sprache ist, deutlich breiter und differenzierter ist. Den Vorteil, den Du in der englischen (oder einer Zweitsprache) siehst, dass diese Dir ermöglicht, Details wegzulassen, die Gefühle und grundlegenden Konflikte aber sichtbar werden zu lassen, würde ich persönlich nicht so sehr darin verorten, welche Sprache man wählt, sondern wie man die jeweilige Sprache einsetzt. Im Grunde handelt es sich in meinem Verständnis ja darum, was man (konkret und deutlich) erzählt, was man nur andeutet und was man offen läßt. Das ist eigentlich in jeder Sprache möglich.
Und um das tun zu können, muss ja mindestens sprachlich verstanden werden, was ich mitzuteilen versuche.
Das sehe ich auch so. Und das ist für mich der Ausgangspunkt: Was muss den Zuhörenden auf jeden Fall deutlich werden, damit sie ein angemessenes Verständnis für das Lyrische Ich, seine Situation und seine Gefühle und Handlungen bekommen?

So wie ich den Text verstanden habe, besteht er aus einer Mischung aus storytelling und den ambivalenten Gefühlen des LI. Zum storytelling zähle ich: Das LI schreibt gerade einen Brief, der eine andere Person (an die der Brief gerichtet ist) bewegen soll, dem LI zu vergeben. Ich hatte ja schon beschrieben, dass ich den Vergebungsaspekt nicht in Deinem Text finde. Und auch nicht das von Dir weiter oben benannte Detail, dass dies schon länger her ist. Wenn beides wichtig ist, würde ich den Text so verändern, dass beide Informationen darin gut verständlich zum Ausdruck kommen. Das storytelling entwickelt sich entlang einer Handlung. Diese empfinde ich in Deinem Text als nicht so wichtig: es gibt keine Begegnungen (also denen des LI mit sich selbst bzw. seinen ambivaltenten Gefühlen), keine twists, keine äußere Handlung, die sich im Innern des LI niederschlägt. Gleichwohl gäbe es eine Möglichkeit, das storytelling immer wieder kurz anzudeuten: Das LI sucht einen Anfang (und alle wissen: jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...), will im Brief etwas schildern (vielleicht den Grund der Trennung oder die Beweggründe des LI) und kommt schließlich zum Schluss (das Ende eines Briefes enthält ja oft das, was man von jemandem will) und zu guter (oder schlechter letzt): schmeißt man den Brief in den Briefkasten oder in den Papierkorb, nachdem man ihn zerrissen hat?
Was ich hier beschreibe, ist nur eine Möglichkeit - für zwingend halte ich letztlich nur das, was zum Verständnis des LI, seiner Situation, Gefühle, Handlungen und Intentionen nötig ist.

Man muss das auch nicht chronologisch „abarbeiten“ - mir schwebt (auch bei meinen eigenen Songtexten) eher vor, es wie bei einem guten Krimi zu handhaben: im Laufe der Erzählung werden Details gelüftet, die neu sind und das Verständnis der Lesenden und die Handlung vorantreiben (und die nicht selten einen twist enthalten, einen auf eine neue Spur setzen). Das Format Krimi finde ich auch dafür eine gute Orientierung, wenn es darum geht, zu entscheiden, welches Detail man wann einfließen lässt (bzw. ob es überhaupt einfließt): das ist für mich mehr eine Frage der Konstruktion eines Textes als die Frage, in welcher Sprache der Text geschrieben wird.

Das Obige betrifft eher die Grundlage von Deinem Songtext. Ich habe schon verstanden, dass im Folgenden die wiederstrebenden und ambivalenten Gefühle, Stimmungen und Haltungen des LI geschildert werden und habe damit auch grundsätzlich kein Problem. Und meine Erfahrung ist, dass es hier auch sehr stark auf die musikalische und gesangliche Umsetzung ankommt: Bei einigen Songs erschien mir der reine Text bruchstückhaft, während vor allem die gesangliche Umsetzung dann dazu führte, dass ich alles als stimmig und interessant empfunden habe. By the way: Machst Du auch die Musik zu Deinen Songtexten, trägst Du sie selbst vor?

Im folgenden beziehe ich mich nur auf den Text und frage mich, was von dem, was Du passagenweise jeweils rüberbringen willst, bei mir auch so ankommt.

Dass man als Briefschreiber alleiniger Autor und damit Schöpfer ist und etwas so oder anders aus- oder fortführen lassen kann, ist bei mir angekommen - und ich sehe es auch so. Die Diskrepanz, die darin liegt, dass es eine konkrete Vergebungsabsicht des Briefes gibt, während die Lust des/der Briefeschreibenden, zu fabulieren, möglicherweise damit zusammenhängt, doch nicht so genau auf das schauen zu wollen, was das LI tatsächlich getan hat bzw. sich eine Geschichte erdenkt, die es selbst in einem guten Licht dastehen lässt und die damit die erwünschte Vergebung konterkariert, weil Vergebung das Einräumen einer Schuld, zumindest eines Versäumnisses bedingt, ist des Schilderns wert - allerdings ist das schon ein recht komplexer innerer Vorgang …

Ähnliches gilt für den Zwiespalt, Recht haben zu wollen, aber gleichzeitig der anderen Person das Recht einzuräumen, selbst zu entscheiden, was sie davon annimmt oder nicht.

In Bezug auf zwei Bilder oder Metaphern bin ich mir unsicher, ob sie bei mir das auslösen, was sie auslösen sollen.
Zum einen ist das die Micky Maus Metapher. Ich habe schon verstanden, dass dies zur Kinderwelt gehört und zudem ausdrücken soll, dass die Dinge einen glücklichen Verlauf nehmen sollen. Allerdings ist Micky Maus eine kluge, tatkräftige und eher überlegene Figur, und das scheint mir wenig zum LI zu passen, auch wenn es eine Phantasie ist. Eingängiger erschiene mir beispielsweise Jerry (aus Tom & Jerry), weil Jerry per se die Underdog-Rolle innehat und eher durch List und Phantasie obsiegt.
Zum anderen der Bezug zur Therapie: Die Skizzierung des LI als soap-opera-Objekts seines/ihres Therapeuten weckt in mir letztlich das Gefühl, das LI wird hier als lächerlich dargestellt, und ich bin mir unsicher, was das in Bezug auf das ganze Anliegen der durch einen Brief um Vergebung bitten wollenden Person letztlich sagt - verwirrend finde ich dann die Zusatzbemerkungen Subscription-free, my treat, it’s on the house ...

Grundsätzlich denke ich, einige Bezüge, die Du setzen willst, könnten in Frageform ganz gut aufgehoben sein: Kann ich auf Vergebung hoffen? Wie kommt mein Brief beim anderen an? Warum mischt sich so viel Phantasie in das, was ich schreiben will? Kann ich mir selbst glauben? Das sind nur Beispiele, aber sie können verdeutlichen, dass gerade wenn es um das Schildern von inneren Ambivalenzen geht, Fragen an sich selbst gute Dienste leisten können. Zum einen, weil sie gar nicht darauf aus sind, Antworten zu geben, zum anderen weil sie die Lesenden stärker einbeziehen - denn unwillkürlich stellt man sich als Lesende/r diese Frage auch selbst und dadurch entsteht quasi eine Beziehung der Lesenden zum LI, was insbesondere wichtig ist, wenn es darum geht, eine Außenansicht aufzulösen zugunsten eines Zugangs zu einer inneren Welt.

Okay - das war jetzt sehr viel, und ich sehe gerade, dass zwischendurch andere posts reinkamen ... Anyway: konkret geht es natürlich immer darum, dass ein Feedback Dir helfen kann, die Wirkung Deines Textes auf die Lesenden besser einzuschätzen und damit den blinden Fleck, den alle Schreibenden haben - dass sie nämlich immer mehr wissen als ein Text transportiert - etwas zu erhellen.

Mit herzlichen Grüßen

x-Riff
 
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Ja, der englische Text war als erstes da, auch mit den Reimen wäre es mir ein zu großes Hin- und Her, während des Schreibens zwischen den Sprachen zu wechseln.
So gehe ich auch vor, wenn das Original ein englischer Text von mir ist. Bei der deutschen Rück-Übersetzung lege ich Wert darauf, was ich aussagen wollte, ich lege keinen Wert darauf, dass Sprachrhythmus oder Reime oder ähnliches erhalten werden, weil es ja kein deutscher Songtext sein oder werden soll. Aus Erfahrung ist für die Feedback-Gebenden entscheidend, was Du eigentlich ausdrücken wolltest, um hilfreiche Hinweise zu geben. Aus diesem Grund entstand auch die Grundregel, dass anderssprachigen Texten eine deutsche Übersetzung beigegeben werden soll.

Eine Ausnahme und gleichzeitig eine sehr beeindruckende Erfahrung war, dass ich einen englischen Text, den ich, als ich wieder vermehrt auf deutsch geschrieben habe, schließlich nicht nur übersetzt, sondern einige Zeit später in einer eigenständigen deutschen Version geschrieben habe. Da lagen dann, weil es schon eine Musik zu dem englischen Text gab, die Silbenanzahl, die Zeilen und das Reimschema schon fest. Zu meiner Überraschung fand ich und viele andere den deutschen Text dann stärker als den englischen, was mich noch mal ins Grübeln gebracht hat in Bezug auf die Frage, in welcher Sprache ich einen Text angehe.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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Nicht ganz falsch, aber noch nicht da: Das i in "lived" ist näher am Schwa-Laut [ə] und das v ist stimmhaft und das ausklingende d butterweich. "gift" hingegen hat hein helles, klares i, ein stimmloses, scharfes f und ein klar artikuliertes t.

lived ≠ lift

Dieser Abspannblödsinn "The End" verwirrt viele.

Zwar kann eine Geschichte ein "end" haben - das ist dann der Endpunkt. Aber wenn es darum geht die Geschichte als solche zu beschreiben, heißt es "ending", da gibt es kein Vertun.

Und "put this to an end" ist schon sehr hart und abrupt, von der Konnotation her ein diametraler Widerspruch dazu, die Geschichte zu einem guten Ende bringen zu wollen, einen Abschluss zu finden.

"Write a different ending" ist vom Ausdruck her das, worauf du im Text hingearbeitet hast.
Okay, ich verstehe jetzt, was du meinst, "lived" ist weicher und tendenziell klingt das Vokal länger. Ich muss allerdings sagen, dass mich das persönlich nicht stört, in meinen Ohren passt es. "Letter" und "matter" reimen sich z.B. auch nicht direkt, das "tt" bei "letter" ist viel härter. Da haben wir aber wahrscheinlich einfach andere Ansprüche.

Ja, dass "put this to an end" hart und abrupt ist, stimmt. Ich sehe es zwar nicht so ganz im Widerspruch zu einem "guten Ende", v.a. wenn man die ohnehin extrem pessimistische Sichtweise des LI in Betracht zieht, aber "Write a different ending" würde mir von der Bedeutung schon besser gefallen. Es passt nur (noch) gar nicht in Metrik und ich will "strung myself up to your hands" auf keinen Fall rausnehmen. "Write a different ending" würde aber überhaupt nicht passen. Darüber muss ich mir nochmal intensiv Gedanken machen.

Für mich bieten beide (und wahrscheinlich jede aller) Sprachen, die Möglichkeit, sich poetisch auszudrücken.

Bei mir hat eine Rolle gespielt, dass englisch bei der Rockmusik historisch und von den Vorbildern her gesehen sozusagen die "Ursprungssprache" ist - erst später habe ich dann für mich die deutsche Sprache entdeckt (wobei Udo Lindenberg, Krautrock, Nina Hagen, die neue deutsche Welle seinerzeit und etliche in der Nachfolge da schon wichtig waren) und vermehrt genutzt, auch weil mein Sprachhorizont, weil es eben meine ursprüngliche Sprache ist, deutlich breiter und differenzierter ist. Den Vorteil, den Du in der englischen (oder einer Zweitsprache) siehst, dass diese Dir ermöglicht, Details wegzulassen, die Gefühle und grundlegenden Konflikte aber sichtbar werden zu lassen, würde ich persönlich nicht so sehr darin verorten, welche Sprache man wählt, sondern wie man die jeweilige Sprache einsetzt. Im Grunde handelt es sich in meinem Verständnis ja darum, was man (konkret und deutlich) erzählt, was man nur andeutet und was man offen läßt. Das ist eigentlich in jeder Sprache möglich.
Du hast völlig Recht, ich denke, es spielt auch eine große Rolle, dass ich fast ausschließlich englischsprachige Musik höre. Ich sollte mir tatsächlich ernsthaft überlegen, verstärkt auf deutsch zu schreiben. Ironischerweise wäre das ein wenig ein Sich-Herausbegeben aus meiner Komfortzone, weil ich schon immer den Großteil meiner Songtexte auf englisch verfasst habe. Auch, wenn es um wissenschaftliches Schreiben geht, ziehe ich es vor, meine Paper auf englisch zu verfassen. Aber es macht eigentlich auch Sinn, sich auf die Vorteile der Muttersprache zu beziehen.
So wie ich den Text verstanden habe, besteht er aus einer Mischung aus storytelling und den ambivalenten Gefühlen des LI. Zum storytelling zähle ich: Das LI schreibt gerade einen Brief, der eine andere Person (an die der Brief gerichtet ist) bewegen soll, dem LI zu vergeben. Ich hatte ja schon beschrieben, dass ich den Vergebungsaspekt nicht in Deinem Text finde. Und auch nicht das von Dir weiter oben benannte Detail, dass dies schon länger her ist. Wenn beides wichtig ist, würde ich den Text so verändern, dass beide Informationen darin gut verständlich zum Ausdruck kommen. Das storytelling entwickelt sich entlang einer Handlung. Diese empfinde ich in Deinem Text als nicht wichtig: es gibt keine Begegnungen (also denen des LI mit sich selbst bzw. seinen ambivaltenten Gefühlen), keine twists, keine äußere Handlung, die sich im Innern des LI niederschlägt. Gleichwohl gäbe es eine Möglichkeit, das storytelling immer wieder kurz anzudeuten: Das LI sucht einen Anfang (und alle wissen: jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...), will im Brief etwas schildern (vielleicht den Grund der Trennung oder die Beweggründe des LI) und kommt schließlich zum Schluss (das Ende eines Briefes enthält ja oft das, was man von jemandem will) und zu guter (oder schlechter letzt): schmeißt man den Brief in den Briefkasten oder in den Papierkorb, nachdem man ihn zerrissen hat?
Was ich hier beschreibe, ist nur eine Möglichkeit - für zwingend halte ich letztlich nur das, was zum Verständnis des LI, seiner Situation, Gefühle, Handlungen und Intentionen nötig ist.
Mir fällt auf, wie sehr du damit recht hast. Es kommt tatsächlich überhauptnicht herüber. Ich denke, du sprichst auch einen wichtigen Punkt mit der zweiten Strophe an. Es schien mir wichtiger zu sein, mein Lyrisches Ich hier komplett herunterzuziehen und als lächerlich zu portraitieren, als mich auf den eigentlichen Inhalt zu konzentrieren. Ich glaube, ich werde die zweite Strophe erstmal streichen und noch etwas darüber reflektieren, wie ich das "storytelling" etwas kohärenter gestalten kann.

By the way: Machst Du auch die Musik zu Deinen Songtexten, trägst Du sie selbst vor?

Ja, mache ich alles selbst. Es ist schon ein paar Jahre her, bin seit gut drei Jahren nicht mehr auf der Bühne gewesen, weil ich mittlerweile einen anderen Karrierepfad gewählt habe, aber ich merke, dass es ein Teil von mir tatsächlich braucht, mich ab und an künstlerisch vor anderen auszudrücken. Das hat einen gewissen therapeutischen Effekt für mich. Ich weiß gar nicht, ob ich es wöllte, dass andere unabhängig von mir meine Lieder vortragen, da die schon sehr persönlich sind.

Auf jeden Fall vielen Dank für das Feedback und die vielen Ratschläge! Ich nehme gerade enorm viel mit.
 
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  • #16
Gerne - und freut mich. Man merkt auf jeden Fall, dass Du selbst die Bereitschaft hast, an Deinem Text zu arbeiten und ihn so weiterzufeilen, dass er auch so ankommt wie Du es möchtest - dann macht es auch Spaß, Feedback zu geben und etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Für mich ist es im Übrigen auch hilfreich, andere Songtexte zu lesen und mich mit ihnen zu beschäftigen, weil es auch zu einer stärkeren Reflexion der eigenen Texte führt.

Dazu noch ein Hinweis: Es gibt hier einen workshop Songtexte, den mehrere Autor*innen von diesem Board zusammengetragen haben. Er ist so aufgebaut, dass man sich einfach die Themen heraussucht, die einen selber gerade interessieren und es dient vor allem dazu, die eigenen Gedanken dazu etwas zu erweitern. Der link dazu ist in meiner Signatur - er liegt als PDF vor, so dass man ihn auch ausdrucken kann, wenn man mag.

Cool, dass Du selbst auch Musik machst und auf diese Art und Weise mit Deinen Songtexten umgehst, auch wenn das gerade bei Dir in den Hintergrund gerückt ist. Es gibt hier auch Leute, die nur Songtexte schreiben - für die ist es ganz spannend, dass hier auch Kollaborationen und Kooperationen mit Leuten möglich sind, die sich vorwiegend mit der Musik und dem Gesang beschäftigen.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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