Hallo Emphasis
ich bin Newbie was das PB angeht und besitze es jetzt seit ca. zwei Wochen. Bisher bin ich mit einem
Marshall* JVM410 mit MR1960AHW Box und Boss GT100a in 4CM-Mode unterwegs. Die Amps des GT100a nutze ich nicht. Mit diesem Setup hängt die Messlatte sehr hoch aber das Gewicht und der Aufwand (ich werde im März 60) haben mich dazu bewogen, mal wieder einen Versuch mit der Modellingtechnik zu wagen. Vor 10 Jahren hatte ich mal einen Line6 Pod, grausam. Auch das GT100a hat mich, wiewohl die Effekte super sind, als Modeller in keiner Weise überzeugt. Das Headrush spielt hier von Anfang an in einer ganz anderen Liga.
Nun zu deinen 99 Fruststunden ;-)
Soviel habe ich mit dem Ding noch nicht annähernd zugebracht aber dennoch schon ganz brauchbare Ergebnisse erzielt. Ich gehe dabei grundsätzlich so vor:
1. Effektkette komplett leer machen und nur den Amp mit der standardmäßig zugeordneten Box und Mikrofon wählen.
2. Mit diesem Amp rumspielen: Wie reagiert der Gain, wie Volume? Wo setzt die Klangsteuerung an etc. Meine Erfahrung zeigt, dass wenig Gain meist besser kling. Viele Amp-Modelle gefallen mir nicht, manche sind recht gut.
Tipp: Versuche nicht den Sound irgendeines Amps nachzubauen. Ich kaufe mir auch keinen
Marshall* und versuche dann so zu klingen wie ein Vox. Achte darauf, das der Eingangspegel passt. Doppelklick auf "In"
3. Einen Parametrischen EQ ganz ans Ende der Kette. Hier kann man evtl. mit Notchfiltern nochmal gezielt nach störenden Frequenzen suchen und nachregeln.
4. Ausgangspegel anpassen (Doppelklick auf "Out") -12 dB ist bei 24Bit Verarbeitungsbreite kein Problem. Auf jeden Fall in der gesamten Signalkette Klipping vermeiden. Die dabei entstehenden digitalen Artefakte klingen hässlich. Oben schrieb jemand von merkwürdigem Hochtonverhalten. Typisches Indiz für digitales Klipping.
5. Eingangssignal pimpen, also überlegen, ob etwas (Compressor, Wah, Booster, Zerre etc.) vor den Amp geschaltet werden sollte. immer nur ein Device auswählen und in Ruhe probieren.
6. Nachfolgende Effekte platzieren. Generell gilt immer so wenig wie möglich. In den Presets wird es z.B. immer mit Delay, Reverb, Chorus und ähnlichem übertrieben. Deshalb kann man die auch meist nicht brauchen. Anfangen würde ich immer, ganz hinten in der Kette (vor dem PEQ) mit Reverb. Davor dann im zweiten Schritt Delay und davor dann, wenn nötig noch Chorus etc. Und jeden einzelnen Effekt sorgfältig und alleine einstellen. Dann fragen: Muss da wirklich noch etwas zu? Und nur bei einem klaren "Ja!" noch einen Effekt einfügen.
7. Wichtig ist auch die Abhöre. In meinem kleinen Home Studio verwende ich Adam AX7, live RCF ART 745a. Für beide brauche ich am Mischer deutlich unterschiedliche EQ-Einstellungen, obwohl beide einen nahezu linearen Frequenzgang haben. Wenn ich dann mal über Kopfhöhrer spiele, um die Nachbarn zu schonen kling es wieder ganz anders. Das ist bei Röhrenamps aber auch so. Je nachdem wo der Amp oder der Zuhörer steht, klingt es immer anders und wenn es dann noch über Mikro in die PA geht ist das nochmal eine andere Nr. Also die Idee: "Ich klemme mir mein HRPB unter den Arm und egal wohin ich damit komme, es klingt immer gleich", ist eine Illusion.
8. Der vielleicht wichtigste Punkt: Sound ist immer absolut subjektiv. Was den Einen in Verzückung versetzt lässt den Anderen brechen. Und meistens finden wir das toll, woran wir gewöhnt sind. Habe ich z.B. 10 Jahre lang einen
Fender* Twin gespielt und verwende plötzlich einen Mesa Roadking finde ich den vermutlich erstmal doof. Gib dem Board also etwas Zeit dich zu überzeugen und sei bereit auch ganz anderen, neuen Sounds eine Chance zu geben.
Das HRPB ist, was ich nach zwei Wochen sagen kann, ein unglaublich geniales Teil. Ob ich meinen
Marshall* ganz abgebe weiß ich aber noch nicht ;-)
Liebe Grüße
Der Wolf