Horizonterweiterung für Traditionalisten: MOEER GTRS W900

Gitarrensammler
Gitarrensammler
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
17.03.26
Registriert
30.07.17
Beiträge
4.606
Kekse
159.914
Bei Gitarren bin ich ein Traditionalist! Ich mag die Klassiker, die schon meine Helden in den 70ern und 80ern verwendet haben.
Modernisierte Versionen oder Interpretationen der Klassiker mag ich gar nicht.
Ich verwende Röhrenamps wie Mesa Boogie oder Fender und mein Pedalboard ist minimal - Okko Diablo, Strymon Brig Delay und ein Tuner, dazu eine gute Stromversorgung - fertig!
Mein Boss ME-90 Multieffekt habe ich seit längerem wieder in die Kiste verbannt, weil es mir zu kompliziert, zu modern und zu synthetisch war.

Und jetzt das:

Bei meinen täglichen Internetsuchen nach Gitarren bin ich über einen chinesischen Billigsdorfer gestolpert, der alles hat, was ich nicht mag. Sounds über eine Handy-App - igitt! Alles built in - schrecklich!
Und ich hab die gekauft, weil die Neugierde da war und jetzt hab ich die mal richtig hergenommen und sitze etwas verdattert da, weil ich so richtig Spaß hatte.

Das gibt´s doch nicht.

Dann mal von Beginn an.
Es handelt sich um eine Mooer GTRS W900 "Intelligent guitar". Die hätte es auch in Strat Form gegeben, aber wenn schon, dann gleich richtig crazy - headless, fanned frets und eine Farbe zum niederknien oder erblinden, ganz nach individuellem Geschmacksempfinden.

Aber seht mal selbst:

127 Mooer W900 16.jpg
127 Mooer W900 21.jpg


Schon irre - aber lassen wir mal alle Vorurteile beiseite und probieren wir die einfach mal aus.

Zuerst ganz oldfashioned mit einem Kabel in den Amp.
Da hat man einfach eine sehr gut verarbeitete, tadellos bespielbare, perfekt ausbalancierte Gitarre mit 2 Humbuckern, Dreiwegschalter, Volume und Tone. Nix Aufregendes.
Klingt wirklich brauchbar, ist leicht und ergonomisch und es fällt gleich gar nicht auf, dass sie fanned frets hat, so selbstverständlich spielt man da drauf.
Die Halsform ist angenehm gerundet, man hat was in der Hand und der mehrschichtige, geflammte Hals sieht auch sehr gut aus.

Und jetzt kommen wir zum speziellen Teil.

Zuerst mal hat die einen Sender eingebaut und ein Empfangsteil mit Klinkenstecker geht in den Verstärker. Ich bin im halben Haus rumgelaufen, der Amp im Kellergeschoß hatte immer Kontakt und ich bin kein einziges Mal auf ein Kabel getreten, weil keines da war.
Für manche nix Neues, für mich schon und beim nächsten Gig seh ich mich schon mit der Gitarre durch´s Lokal rennen.

Und dann ist da noch dieser Button, mit dem man die ganze eingebaute Elektronik aktivieren und die Gitarre mit dem Handy verbinden kann.
Mir graut normalerweise vor Apps, aber selbst ich Dummy war in einer Stunde in der Lage, die Gitarre zu konfigurieren.

Zuerst mal belegt man bei dem Button vier Sounds, die man sich aus einer umfangreichen preset-Bibliothek aussucht.
Bei mir sind das 1-ein cleaner Ton mit etwas Delay, 2-Crunch, 3- Rock für Chords und 4- Rock lead, schön fett mit Reverb und Delay. Das singt richtig.
Dann kann man all diese Presets noch nach seinem Geschmack bearbeiten. Amp und Cab Sims in reicher Auswahl, Equalizer und alle Effekte im Detail anpassbar. Kopf drücken, speichern, fertig.

Ja, noch was - man kann dem Pickupwahlschalter sagen, dass der PU in der Stellung 1 ein simulierter Singlecoil, in 2 ein 58er PAF und in 3 ein P90 sein soll, oder umgekehrt oder ganz andere. Kling kompliziert, ist es aber nicht.
Mit diesen 4 Sounds könnte ich einen ganzen Gig spielen. Nur mit der Gitarre, keine Pedals, keinen Amp, keine Box. Man kann das dann mit einem Fußschalter noch erweitern, aber das brauch ich gar nicht.

Ich will jetzt ja gar nicht behaupten, dass diese Mooer alles ersetzen kann, oder das einzig Wahre wäre, aber mit hat das richtig Spaß gemacht und die Sounds waren weit besser, als ich mir das je erhofft hätte.
Das Ding ist mit Kopfhörern natürlich perfekt als kompakte Reisegitarre, passt auch in den Flieger, oder für die Session, zu der man außer der Gitarre nichts mitnehmen möchte.
Ich werd sie beim nächsten Gig vermutlich als Effekt einsetzen, auch wenn sie mehr kann als das.

Und jetzt das Beste: Das Ding hat mit all dem Zubehör und einem guten und ultrakompakten Gigbag, gebraucht im Neuzustand gerade mal einen mittleren dreistelligen Betrag gekostet.

Ist das die Zukunft? Was weiß ich?
Ich hol mir jetzt eine 70er Jahre Gibson von der Wand, einen Röhrenamp, ein Kabel und versuche mich wieder zu erden.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben