Ideen und Inspiration

MOtega
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Hallo liebe Komponisten!

Ich wollte mal fragen, wie und wo ihr so eure Inspirationen und Ideen für eure Kompositionen
herholt? Stellt ihr euch Szenen vor? Wartet ihr, bis was zu euch kommt?

Zum Beispiel für "freie" Filmmusik (ohne Film) fehlt es mir oft an Inspirationsquellen, wo ich
die Ideen herholen soll.

Danke schonmal für eure Hilfe! :)

Grüße,
MOtega
 
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Filmmusik ohne Film ist einfach nur Musik. Was soll das denn sein?
Diese extrem programmatischen Ansätze gibt es nicht bei mir. Ich stelle mir also keine "Szenen" vor.
Musik hat für mich ganz viel mit Emotionen und Stimmungen zu tun. Ich versuche also eine bestimmte Stimmung zu transportieren. Die Ausarbeitung ist dann aber reines Handwerk. Man sollte sich von der Vorstellung lösen den musikalischen Schaffensprozess als geniehafte Eingebung zu sehen.
Natürlich gibt es eine Idee; diese reicht aber oft nur für ein Thema oder Motiv. Der Rest ist Arbeit und hat relativ wenig mit Genie zu tun. Es gibt natürlich immer wieder einen kreativen "Flow", dann geht es schneller, aber man sollte sich auch öfter dazu zwingen nicht darauf zu warten bis etwas passiert.
Meiner Erfahrung nach scheitern die Meisten schon daran eine kleine Idee richtig zum Abschluss zu bringen.
Wenn ich keine spontane Idee habe, improvisiere ich einfach ein wenig und nehme das ganz auf. Beim Durchhören fällt mir dann vielleicht ein kleiner Melodiefetzen auf den ich dann ausarbeiten kann.

ps: Ideen aus andere Stücken zu "klauen" ist auch keine Schande. Man sollte sie dann aber entweder so verfremden, dass es eine Eigenkreation wird, oder wenn man sich neues Material erarbeitet hat, sie einfach wieder rausnehmen. Also eine Fremdidee als "trigger" zur eigenen Kreativität.
 
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Danke für deine Antwort! :)
Um z.B. eine gewünschte Stimmung zu vermitteln, gehört zum Handwerk auch, dass z.B. bestimmte Intervalle bestimmte emotionale Wirkungen haben (z.B. Tritonus = böse, teuflisch; Sexte = sehnsüchtig, charmant usw.), wie eine Melodie genau verläuft (z.B. kriegerische Melodien enthalten oft Quarten und Quinten) und natürlich auch die Wirkung der Kirchentonarten (lydisch für leicht und hell), Akkordtypen (und ob die Melodie akkordfremde Töne enthält oder nicht) und vorallem Instrumentation. All das trägt ja zur gesamten Stimmung bei.

Wenn ich jetzt z.B. die Schöpfung des Lebens oder so musikalisch vermitteln wollte, könnte man sich über die eben genannten Punkte schonmal Gedanken machen und sehen, wie die Musik das ausdrücken könnte? Also ganz ohne Idee oder "göttliche Eingebung".

Danke! :)
 
Deine Auffassung ist mir etwas zu esotherisch. Jedem Akkord oder jeder Tonart eine bestimmt Charakteristik aufzuerlegen ist irgendwie nicht so das wahre. Sonst versucht man zwanghaft an diesem sklavischen Regelwerk festzuhalten ohne dabei den Blick für innovatives zu öffnen.
Das beste Beispiel, dass das einfach nicht so funktioniert, wie es oft stark vereinfacht vermittelt wird, zeigt sich bei Beethovens 3. Sinfonie, der "Eroica". Seit diesem Zeitpunkt wurde der Tonart Es-Dur etwas "göttliches" zugeschriben, wurde davor aber hauptsächlich für Trauermärsche verwendet. Was ist nun also die "richtige" Zuschreibung? Gar keine. Es liegt doch immer in der Interpretation selbst.
Aber sich vorher Gedanken zu machen ist nie schlecht.
 
Ja hast recht, an diese Charakteristiken glaube ich eigentlich auch nicht...
Mein Problem ist halt, dass wenn ich ohne eine Idee komponiere, es meist nicht "aus dem Herzen" kommt bzw.
einfach zu konstruiert klingt, weil man sich eben über all diese Dinge Gedanken macht und ihnen Charakteristiken
zuordnet und alles hin und her schiebt, bis es einigermaßen dem entspricht, was man machen will - gerade weil
es so viele Möglichkeiten gibt, eine Stimmung auszudrücken, denke ich mal.

Also es gibt einige Komponisten, die auf eine Idee warten und dann anfangen, sie auszuarbeiten. Zum Beispiel
Nobuo Uematsu, Ron Jones oder Hans Zimmer und auch ein paar Komponisten, die ich kenne. Sie versetzen sich in die Lage
hinein, also erzeugen die Emotion bei sich selbst und erhalten dann die richtigen Ideen, die direkt die richtige
Stimmung beinhalten.
Nur wie man das so bewusst erzeugt...
 
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Dazu muss ich ein Zitat von Herbert von Karajan bringen: "Ich hasse Kameras; außer die, die ich kontrollieren kann." Das sind meiner Meinung nach Marketingtricks. Grade diese Filmkomponisten warten nicht auf Ideen. Die haben knallharte Deadlines, ein ganzen Team an Komponisten und Arrangeuren um sich, und erarbeiten sich ihre Materialien. Es gibt eine schöne Aufnahme von Zimmer wie er am Soundtrack von Fluch der Karibik arbeitet. Dort improvisiert er über eine Szene, bestimmt 6 mal komplett andere Sachen und zieht dann lediglich zwei Akkorde aus dieser Arbeit heraus. Und zudem haben diese Komponisten ihre Inspirationsquelle immer vor sich. Die komponieren nicht im luftleeren Raum. Sie haben das Filmmaterial, haben vorher ausgiebig mit der Produktion und dem Regisseur gesprochen und haben dann schon bestimmte Vorgaben, die sie erfüllen sollten.
Und der Schlüssel dahin, wie man ganz bewusst komponiert, ist schlicht und einfach Übung und Erfahrung. Ganz viel davon.
 
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Kannst du mir den Link zu diesem Interview mit Fluch der Karibik mal geben? Würde mich interessieren!

Ich komponiere aber auch nicht im luftleeren Raum, sondern schreibe ja auch Filmmusik (wenn ich gerade kein Projekt habe, dann stelle ich mir das alles vor) und daher habe ich dann auch Inspirationsquellen. Habe gestern auch mal in Google nach Bildern gesucht, die meine gewünschte Emotion / Thema gut ausdrücken. Das klappt auch ganz gut finde ich.

Natürlich hast du recht und die meisten Komponisten arbeiten bewusst. Davon kenne ich auch mehr, als von denen, die auf Ideen warten.
Ja ich denke es ist gut, wenn man bestimmte Emotionen immer wieder übt, musikalisch auszudrücken.

Doch widersprichst du dir damit nicht? Zum einen sagst du, dass diese Charakteristiken und Eigenschaften der Musikelemente zu esotherisch ist, zum anderen aber sagst du, dass man das bewusst komponieren soll, sprich genau zu wissen, was welche Charakteristiken und Emotionen vermittelt? Das ist ja dann wieder esotherisch, oder nicht? Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.

Danke für deine Hilfe und Tipps! :great:
 
Jetzt drehst du mir etwas die Worte im Mund um. Das habe ich so nicht gesagt. Man kann bewusst komponieren, muss ja aber nicht zwangsläufig auf diese Tonartencharakteristika zurückgreifen. Und man kann eben nicht genau sagen was diese oder jene Emotion hervorbringt, weil jeder Mensch anders empfindet. Das hat mit der Kopplung des emotionalen Gedächtnis zu tun, aber das würde zu weit führen.
Bei welchen Projekt hast du denn zuletzt mitgearbeitet. Würde mich wirklich sehr interessieren.
 
Nee, die Tonartencharakteristik hatte ich auch nicht erwähnt :)
Hatte nur erwähnt mit Melodieverläufen, Akkordtypen, Instrumentation usw. und da denke ich schon, dass die gewisse Emotionen haben.
Der dorische Modus klingt nun mal nicht so traurig, wie normales Moll - und das bei jedem denke ich.
Genau wie der Tritonus, Kleine Sekunde und die Kleine None IMMER für böse und dunkle Themen verwendet werden und die Quarte und die Quinte sich super für kriegerische Melodien eignen.
Also daran haften seit jeher Emotionen und Charakteristika und genau die setzt man dann bewusst ein, um bei jedem Zuhörer die gewünschte Emotion zu erzeugen. So machen das ja auch die Filmmusik-Komponisten.

Alles über meine letzten Projekte auf meiner Webseite:
http://www.steven-settinger.de/de/projects.html
 
Sehr gute Beiträge von ColdDayMemory. Chapeau:)

Ja hast recht, an diese Charakteristiken glaube ich eigentlich auch nicht...
Mein Problem ist halt, dass wenn ich ohne eine Idee komponiere, es meist nicht "aus dem Herzen" kommt bzw.
einfach zu konstruiert klingt, weil man sich eben über all diese Dinge Gedanken macht und ihnen Charakteristiken
zuordnet und alles hin und her schiebt, bis es einigermaßen dem entspricht, was man machen will.

Das löst sich irgendwann, dauert halt etwas Zeit bis man seine Arbeitsweise herausgefunden hat.
Einfach mal anfangen ist übrgens auch angesagt. Je mehr du bastelst desto eher komponierst du. Also weg von der Tastatur und ran ans Klavier.
 
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Kannst du mir den Link zu diesem Interview mit Fluch der Karibik mal geben?
Ich weiß natürlich nicht, auf was sich der Kollege konkret bezieht, aber ich habe da eine Doku auf YT gefunden, die ich ganz interessant fand und einst auf Arte gesehen habe.
Es sind vier Teile, die weiteren Links stehen unter dem Videofenster.



Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=D3gpzGiSnGQ
Teil 3: https://www.youtube.com/watch?v=oMexPuL_LMY
Teil 4: https://www.youtube.com/watch?v=EMNIuQ-1q4Y
 
Danke zonquer!
Ahja das Video kenne ich :)
Dachte es wäre ein anderes. Ja da sieht man ihn improvisieren, stimmt.

Mittlerweile bin ich auch überzeugt, dass das bewusstere Komponieren wesentlich kreativer ist und man wirklich mehr ausprobieren, verbessern, lernen kann, um etwas neues zu erschaffen. Es macht außerdem mehr Spaß (da stimmt ihr mir sicher zu ;)). Die Ideen, die man aus der "geniehaften Eingebung" kriegt, klingen auch irgendwie ganz anders, als bewusst komponierte Ideen.

Habe auch gemerkt, dass ich vorher noch kein Template in meinem Sequenzer (Cubase) hatte. Immer nur das reingeladen, was ich gerade brauchte.
Mit Template finde ich es noch inspirierender zu arbeiten, da man das ganze Orchester zur Verfügung hat und direkt vieles ausprobieren kann!
Seht ihr das auch so?

Vielen Dank nochmal an alle für eure Hilfe! :) :great:
 
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