Improvisation am konkreten Beispiel

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ratm2nd
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Hallo,

ich bin Autodidakt, spiele seit ca. 10 Jahren Gitarre.
Von Anfang an träumte ich davon, das Instrument losgelöst von "Hilfsmitteln" jeder Art zu beherrschen. Dies war auch stets mein Argument gegen Unterricht und Theorie - das Ergebnis würde verfälscht.
Ich suchte eigenständig nach Mustern und Strukturen, die meiner Meinung nach "gut passen". Und dann und wann löse ich mich wieder von dieser Idee.
Das als kleiner Einstieg.
Ich denke, dass dadurch erklärt wird, was einigen sicherlich auffällt: "Hat der denn 0-Ahnung?" oder "Wie kommt er von dieser Basis auf jenen Schluss?"

Ich denke, dass jeder ein paar kleine "geheim-" Regeln hat und bitte euch, diese mit mir zu teilen. So komme ich auf neue Ideen und wir können vielleicht alle ein bisschen Neuland schnuppern.

Stellt euch also folgendes vor:
Wir spielen zu einem Stück mit sehr einfachem Grundrhythmus: Scraps von Buckethead.
Ich würde als Basis die Bassline nehmen:
4/4-Takt ,
"Strophe": 1. Takt: 1/16 Note: e, nochmals: 1/16 Note: e, Pause 1/4, 1/16 Note E, nochmals: 1/16 Note E, Pause: 1/2 Diesen Takt 2*,
2. Takt: 1. Takt: 1/16 Note: c, nochmals, Pause 1/4, 1/16 Note E, nochmals, Pause: 1/2 Diesen Takt 2*,

"Refrain": d über 2 Takte, c über 2 Takte

Es gibt eine "Basismelodie". Diese verwendet man als EInstieg und als Ende (und wenn man irgendwie nicht in das Stück hineinfindet zwischendurch).

Das Solo spiele ich (wie die "Basismelodie") in E-Moll.

Das nehme ich als Grundlage.

Weiter gehts so:

E,C und D sind die Grundnoten, von denen ich neue Melodien beginne. Ich orientiere mich dabei an die Bassline.
Ein paar Licks habe ich für alle Fälle in der Hinterhand und starte ebenfalls mit der jeweiligen Bassnote.


Manchmal bin ich damit ganz zufrieden, manchmal überhaupt nicht xD
Mein Gerüst ist auch nicht sonderlich komplex. Aber weil ich für gewöhnlich sehr nervös werde, wenn ich vor Leuten spiele, darf es auch keine Rocketsience sein, die ich nebenbei im Kopf habe...

Jetzt habe ich vor einiger Zeit angefangen eine Struktur bei Buckethead zu finden...
Nun verwunderte es mich doch: Er startet (scheinbar) unpassend zum Bass:

Zum Bass-e spielt er ein G, zum C ein A... Dann manchmal wiederum doch passend, also E zu E

Ich füge mal ein paar Videos an, um zu zeigen, worum es geht.
Ich finde Bucketheads Spielweise sehr inspirierend.Seine Konzerte klingen nicht wie vom Tonband. Es gibt hier und da mal eine schiefe Note. Ich finde seine Musik aber sehr authentisch. Meine Beschreibung wäre folgende: Während viele das Instrument auf der Bühne beherrschen möchten, spielt er wirklich damit - und da geht halt auch mal etwas schief...

Und so erschließt sich auch mein eigentliches Ziel: Ich will das Instrument beherrscht spielen. Wer von euch schafft es, sich vom Korsett der Musiktheorie zu befreien und sie gleichzeitig zum freien Spiel zu nutzen? Wie macht ihr das? Gebt mir Tipps, füttert mich mit Infos :engel:

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Ein bekannter Jazzer (wer genau das war, will mir gerade nicht einfallen:gruebel:) hat einmal etwas gesagt, was meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopp trifft: Man muss alles lernen und dann alles wieder vergessen!

Und genau so ist es.

Ich bin großer 'Autodidaktikfan' und habe mir selbst Gitarre und Schlagzeug beigebracht. Ich hatte zwar schon 10 Jahre klassischen Klavierunterricht auf'm Buckel, aber das war mir als Kind und Jugendlicher zu festgefahren...dieses pure 'nach-Anleitung-spielen' ging mir so auf den Keks, dass ich das Klavierspielen lange sogar hasste! Aber ich liebe Musik(machen) und deshalb habe ich mich an die Gitarre und ans Schlagzeug gesetzt. Von Theorie, Tonleitern und jeglicher Kopfarbeit war ich dermaßen gebranntmarkt, dass ich einfach nur Spielen wollte. Ohne Anleitung - einfach nur das, was ich höre und was mir gefällt auf einem neuen Instrument. Fehler waren mir egal (sind sie mir heute auch noch :prost:) !

Als ich (durch die Gitarre und das Schlagzeug) wieder zum Klavier fand und schließlich auch Klavier studierte, habe ich mich auch dazu entschieden 'mein persönliches' Instrument auch zu studieren: Meine geliebte Gitarrenwelt wird also auf völlig 'durchtheoretisiert'. Also vielleicht sogar 'kaputt' gemacht?

Das Gegenteil war der Fall. Ich habe soviel neues gelernt, auf das ich nie gekommen wäre. Ich habe aber stehts darauf bestanden das zu spielen, was mir wirklich gefällt. (Und vorallem solche Stücke, bei denen ich den Eindruck hatte, dass ich etwas wichtiges für meinen eigenen Sound und meine Kompositionen dazu gewinnen könnte).

Ich denke es ist wichtig, wie bei wahrscheinlich allen Aspekten des Lebens, sich nicht für schwarz oder weiß zu entscheiden, sondern für beides. Die Mischung machts!

Nimm dir deine Zeit, stoß dir die Hörner ab, bilde deine eigenen Eselsbrücken und hab Spaß an dem, was du spielst. Aber sobald du merkst, dass nicht mehr soviel geht, wie du es gern hättest (der eigene Anspruch steigt nämlich überproportional zum Können :D) such dir einen (guten!) Lehrer! Und zwar am besten nicht einen Lehrer der seinen Kopf in Büchern verloren hat, sondern einen bei dem du denkst, dass er eben Gitarre SPIELT und gleichzeitig Ahnung davon hat. Nimm ein paar Stunden und dann verdau die ganzen Sachen und bring sie mit 'deiner' Gitarren-Welt in Einklang.

Theorie und Gehörbildung bringen dich wahnsinnig weit! Verschließe dich auf keinen Fall davor! Aber bleib bei deinem 'autodidaktischen Spaß'!

-Man muss alles lernen und dann wieder vergessen-

Das ist der beste und wahrste Satz, den es über das Musiküben gibt!

Viel Spaß, bei Fragen fragen :)

Liebe Grüße,

MMH :m_piano1:
 
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dubbel
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Und so erschließt sich auch mein eigentliches Ziel: Ich will das Instrument beherrscht spielen. Wer von euch schafft es, sich vom Korsett der Musiktheorie zu befreien und sie gleichzeitig zum freien Spiel zu nutzen? Wie macht ihr das? Gebt mir Tipps, füttert mich mit Infos
ich verstehe nicht, was du gegen theorie hast.
mein tip wär, die theorie anzuschauen und das rausziehen, was für dich brauchbar ist.

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ratm2nd
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Danke euch beiden!

Dubbel, wenn du den Beitrag von MMH liest, dann verstehst du vlt. ein wenig meiner "Abneigung" gegen Theorie.

Beruflich habe ich viel mit Theorien zu tun und es gibt viele Momente, in denen man deutlich die Grenze jeder noch so guten Theorie spürt. So habe ich mich in der Musik gegen die Grenzen der Theorie gewandt, um nur meine eigenen Grenzen zu erkunden. Aber wir kommen vom Thema ab und mir sind die Widersprüche in meinen Aussagen bewusst.

Was würdet ihr im Kopf haben? Wie orientiert ihr euch im Musikstück? Das ist meine Frage. Ich kann nicht genau erkennen, was Bucket nutzt. Meinen Ansatz habe ich notiert...

Stellt euch vor, ich gebe ich eine Gitarre in die Hand und im Hintergrund spielt dsa Schlagzeug und der Bass... Dum dum... dum dum... Dum dum... dum dum... Was machst du? Für welche Note "entscheidest" du dich? Und warum?
 
x-Riff
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Hmmm - ich möchte mal einen dritten Weg einwerfen: Jammen

Das hab ich immer wieder phasenweise, manchmal jahrelang gemacht und das ist für mich der praktische Königsweg: denn in der Jetzt-Zeit kommst Du gar nicht dazu, alles zu planen und Dir vorher zu überlegen - Du nutzt das, was Dir zur Verfügung steht mit dem, was Du gerade hast und mit wem Du gerade spielst und oft genug - auch das ist Übung und Einfindung - fließt es wie von selbst. Das angestrebte Gefühl des flow entsteht bei mir (und bei anderen, die durchaus eifrig die Theorie drauf haben, wie beispielsweise Jazzer) vorwiegend im Zusammenspiel und im Jam.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
turko
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Stellt euch vor, ich gebe ich eine Gitarre in die Hand und im Hintergrund spielt dsa Schlagzeug und der Bass... Dum dum... dum dum... Dum dum... dum dum... Was machst du? Für welche Note "entscheidest" du dich? Und warum?

Wer sich für eine NOTE entscheiden will, ist meiner Meinung nach schon mal gründlich auf dem Holzweg.

Denkt der Geschichtenerzähler/Redner über seinen ersten Buchstaben nach ? Nein, das tut er nicht.
Stattdessen wird er die Inhalte überlegen, dann die Satzstruktur des ersten Satzes planen, dann die konkreten Worte suchen, die zu beidem (Inhalt und Satzstruktur) passen. Aber nie wird er sich gedanklich auf die Ebene eines Buchstabens begeben ...

Und wie macht er das ?
Durch dauerndes Zuhören anderer und durch dauerndes eigenes Gerede (= Übung) hat er sich einen großen Wortschatz an eigentlich schon bestehenden Worten erworben, die er dann während seiner eigenen Erzählung zu einer neuen Geschichten re-kombinieren kann.

Jedenfalls: Sein Lernprozeß geschieht zuhörenderweise, dabei lernt er in Einheiten von Worten oder gar Sätzen. Keinesfalls jedoch in Buchstaben.

Ich nehme an, die Analogie sollte klar geworden sein. Nur, falls nicht ... :

Buchstabe = Ton
Wort = Motiv, Figur, Lick
Satz = Phrase, Linie, Passage
Rede = Solo

LG, Thomas
 
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Dubbel und x-Riff haben letztendlich genau das nochmal gesagt, was ich versucht habe auszudrücken. "Theorie & Jammen" wäre die Kurzfassung meines Posts :) Ich verstehe sehr gut deine Abneigung gegen Theorie. Viele wollen das Musikmachen schließlich auch nur als Hobby um mal Abstand vom lästigen Alltag zu bekommen. Da will man sich ja Abends nach der Arbeit nicht noch hinsetzen und Stücke analysieren:igitt: meine Schüler berichten oft genug davon...

Leider muss man auch erkennen, dass man ohne Lesen zu können niemals das Ganze eines Buchs erfassen wird. Oder wieso hat Da Vinci bei diesem Bild jenen Strich so gemalt und nicht anders? Das wird man nur verstehen wenn man sich wirklich mit der Materie befasst. Klar kann man selbst einfach Bilder malen bis sie irgendwann so gut sind, dass sie einem gefallen. Aber warum die großen Meister es so machen wie sie es machen, wird man nicht durchs reine Malen begreifen. Vielleicht irgendwann, aber sehr wahrscheinlich eher nicht.

TROTZDEM zählt vorallem der Spaß! Ohne Spaß keine Leidenschaft, ohne Leidenschaft keine Kunst. Ying und Yang eben :)
 
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Wer ist damit gemeint ?

LG
Thomas

Der Threadersteller :)

Grüße!
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Wer sich für eine NOTE entscheiden will, ist meiner Meinung nach schon mal gründlich auf dem Holzweg.

Denkt der Geschichtenerzähler/Redner über seinen ersten Buchstaben nach ? Nein, das tut er nicht.
Stattdessen wird er die Inhalte überlegen, dann die Satzstruktur des ersten Satzes planen, dann die konkreten Worte suchen, die zu beidem (Inhalt und Satzstruktur) passen. Aber nie wird er sich gedanklich auf die Ebene eines Buchstabens begeben ...

Und wie macht er das ?
Durch dauerndes Zuhören anderer und durch dauerndes eigenes Gerede (= Übung) hat er sich einen großen Wortschatz an eigentlich schon bestehenden Worten erworben, die er dann während seiner eigenen Erzählung zu einer neuen Geschichten re-kombinieren kann.

Jedenfalls: Sein Lernprozeß geschieht zuhörenderweise, dabei lernt er in Einheiten von Worten oder gar Sätzen. Keinesfalls jedoch in Buchstaben.

Ich nehme an, die Analogie sollte klar geworden sein. Nur, falls nicht ... :

Buchstabe = Ton
Wort = Motiv, Figur, Lick
Satz = Phrase, Linie, Passage
Rede = Solo

LG, Thomas


Hatte diesen Post noch gar nicht gelesen:D ich hatte angefangen meinen zu schreiben, war dann kurz mit dem Hund draußen, und hab ihn danach erst abgeschickt (auf der noch nicht akualisierten Seite)

Aber ich fand's lustig als ich gerade gelesen hab, dass du auch aufs Schreiben eingehst als Vergleich :D Deine Ausführung triff es sehr gut!
 
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E,C und D sind die Grundnoten, von denen ich neue Melodien beginne. Ich orientiere mich dabei an die Bassline. (...) Nun verwunderte es mich doch: Er startet (scheinbar) unpassend zum Bass:

Zum Bass-e spielt er ein G, zum C ein A... Dann manchmal wiederum doch passend, also E zu E

Mit der Denke bist du freiwillig dogmatischer als jede Theorie, die du ablehnst. Es steht nirgendwo festgeschrieben, dass ein Melodieton exakt mit dem Ton des neuen Akkords (bzw. Basstons) identisch sein muss.

Wie Turko schon schrieb, Melodien entstehen aus Bausteinen, die von innen, aus der Vorstellung, der musikalischen Phantasie erwachsen. Was man innerlich nicht hört, kann man nicht spielen. Spiel einfach mal einige Minuten die Akkorde (Em - D - C) und summe oder singe lautmalerisch dazu, wiederhole Motive/Melodieteile, die dir besonders gefallen und bau Variationen ein usw. Lass den Hund von der Kette! Und das Schema "Wenn der Bass den Ton C spielt muss ich wohl auch den Ton C spielen" solltest Du schnellstens aus deinem Gedächtnis streichen.
 
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Ich habe alles nur grob überflogen. Wenn ich mich am Titel orientiere wünschst du dir Ideen für die Impro bei diesem Stück.
Meine Vorschläge: Wechsel von Skalen zb von Moll zu Dorisch oder auch Harmonisch Moll, für Gitarristen auch sehr einfach ist das Verschieben der Mollpentatonik um einen Ganzton nach oben, so bleibt man in der Tonart sieht aber eher die None als Fixpunkt (hier also fis moll), Vierklänge ausspielen ist auch eine recht einfache Methode um Spannung zu erzeugen durch die Intervallsprünge...
Es gibt sicherlich noch vieles mehr, aber das fällt mir spontan ein.

Noch ein paar Anmerkungen. Woher hab ich oben genannte "Methoden"? Durch Unterricht, durch Transkriptionen (was Gehörbildung voraussetzt), durch theoretisches Wissen. Im Pop und Rockbereich kommt man sicherlich auch ohne Theorie zurecht, aber Theorie ist kein Korsett. Ich selber habe jahrelang autodidaktisch gespielt, war dann im Bluespenta-Geschrammel recht gut würde ich sagen, einen enormen Wissenszuwachs habe ich aber wirklich erst durch Unterricht bekommen UND durch das Anhören und Nachspielen von Licks und Soli.

Er startet (scheinbar) unpassend zum Bass:

Zum Bass-e spielt er ein G, zum C ein A
Basston und Melodieton müssen nicht übereinstimmen. Das wäre ja langweilig. Zumal handelt es sich ja um konsonante Intervalle, aber selbst Dissonanzen wären kein Weltuntergang. Vlt fehlt dir hier das theoretische Wissen. Meine Empfehlung: lerne die basics, denn dann verwirren dich solche Sachen wie unterschiedlicher Melodie- und Basston nicht mehr und du hast Zeit um am Instrument zu spielen. ;)
 
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ratm2nd
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Danke für die vielen Antworten.
Besonders die Letzte geht einigermaßen in die Richtung, an die ich beim Erstellen dachte.

Natürlich spiele ich nicht jeden Ton an die Bassline angepasst. Aber ich habe oft den Eindruck, dass der Übergang von einem Lick zu einem neuen Anfang einer Melodie bei mir oft der Punkt ist, bei dem ich evtl die Selbstsicherheit verliere. Stimmt der erste Ton (gefühlt) nicht, dann hemmt es das Spiel. Und deswegen habe ich mir diese kleine Regel bereitgelegt.

Viele Antworten sind mir ehrlich gesagt zu abstrakt. Also "jammen" sagt ja doch nichts aus, oder?
Wie spielst du Gitarre? Ich spiele. - Ich habe mir konkretere Antworten gewünscht. ;)
 
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Viele Antworten sind mir ehrlich gesagt zu abstrakt. Also "jammen" sagt ja doch nichts aus, oder?
Es ist eine andere Art der Antwort auf Deine Frage.
Es zeigt nicht die Lösung auf, sondern einen Weg. Wenn Du öffentlich - so habe ich es verstanden - unter Strom gerätst, wenn Du nicht genau weißt, was Du spielen wirst oder nicht genug Anker für Dein Spiel hast, dann ist das jammen schon ein Weg, sich in Improvisationen zu üben, vor allem, wenn das Jammen im Proberaum oder im nicht- oder halböffentlichen Bereich stattfindet.
Weil es da zum einen - ähnlich wie bei der Improvisation auf der Bühne bzw. bei einem Auftritt - nicht darauf ankommt, nach Noten zu spielen bzw. etwas zu spielen, das nicht vorher ausgetüftelt war, aber zum anderen eine gute Übungsweise zur Improvisation und auf eine sehr pragmatische Herangehensweise zur Reduzierung von Unsicherheit ist (was zum größten Teil eine Übungssache ist - die Scheu vor dem Wasser schwindet mit jedem erneuten Sprung ins Becken).

Wenn Dir die anderen Hinweise besser taugen - alles in Ordnung.

x-Riff
 
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Ich habe mir konkretere Antworten gewünscht.
Ich habe die Antworten nur überflogen habe aber den Eindruck, das du dich, obwohl du dich gegen Theorie aussprichst, nur diese benutzt, nur dich auf diese beziehst.
Ich kann dir nur empfehlen dem Weg zu folgen, den @turko aufzeigt.
Das was ich meine von Leuten wie Victor Wooten und Guthrie Goven gelernt zu haben ist hinzuhören.
Es ist nicht wichtig, in welchem Verhältnis eine Note in einer Skala steht, sondern wie sie im Verhältnis klingt und was sie (für dich) ausdrückt.
Wenn du das erforscht hast kannst du dich in deinen Solos ausdrücken.
Musik ist halt nicht nur Geräusch sondern immer auch, nennen wir es der Einfachheit halber so, Geschichten erzählen.
Es ist schwierig, dir da ein allgemein gültiges Vorgehen zu beschreiben, da jeder seine Geschichte anderst erzählt.
Konkrete Antworten wird es nicht geben können.
 
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Dein Buckethead versteht es, dominante Töne schön zu halten, seine ein, zwei Melodien zu präsentieren, zu modifizieren und dem Ganzen einen Sinn zu geben, echt schön,

trotzdem für mich etwas zu wenig, aber schon weit mehr als die Meisten mit ihrer Daddelei :), also sehr gut hörbar, aber nicht zehnmal hintereinander,

ich kannte ihn gar nicht, viell hat youtube noch anderes von ihm, ich schaue mal ...
 
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ich bin Autodidakt, spiele seit ca. 10 Jahren Gitarre.

E,C und D sind die Grundnoten, von denen ich neue Melodien beginne. Ich orientiere mich dabei an die Bassline. Ein paar Licks habe ich für alle Fälle in der Hinterhand und starte ebenfalls mit der jeweiligen Bassnote.

Ich bin dreist, populistisch und verallgemeinernd mit der folgenden Behauptung: Hättest du einen guten Lehrer gehabt, müsstest du dich nach 10 Jahren nicht an Grundnoten festbeissen.
Zweite fiese Behauptung: Eben weil du dich der Theorie als vermeintliches böses Korsett verweigerst, steckst du jetzt in deinem engen Rahmen von Grundtönen fest.

Musiktheorie: Lernen, verstehen, anwenden und gezielt davon abweichen.
 
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dubbel
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sehe ich auch so.
ich glaube, wichtiger als die "geheim-"Regeln, nach denen im eröffnungspost gefragt wird, sind die stinknormalen regeln der einfachen musiktheorie.
und die kann man dann individuell verbiegen, wenn man sie erst mal kennt.
 
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Dem will ich mich - ungefragterweise - anschließen .

Meine persönliche Herangehensweise ist: Lerne erst mal Jahrzehnte, Deine Drei- und Vier- und Fünfklänge zu beherrschen. Also sie in den Ohren, in den Fingern, und im Hirn zu haben.

Während dieses Lernprozesses wird ohnehin als Nebenprodukt schon jede Menge an Füllmaterial zwischen den Vierklangstönen anfallen. Und damit kann man erst mal schön arbeiten/spielen.

DANACH kann man beginnen, sich mit Skalen/Tonleitern aller Arten zu beschäftigen ...

Thomas
 
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Dein Buckethead versteht es, dominante Töne schön zu halten, seine ein, zwei Melodien zu präsentieren, zu modifizieren und dem Ganzen einen Sinn zu geben, echt schön,

trotzdem für mich etwas zu wenig, aber schon weit mehr als die Meisten mit ihrer Daddelei :), also sehr gut hörbar, aber nicht zehnmal hintereinander,

ich kannte ihn gar nicht, viell hat youtube noch anderes von ihm, ich schaue mal ...

Welcome to bucketheadland ;)

Der Kerl hat ein kleines Musikuniversum aufgebaut. Um einen kleinen Überblick über die verschiedenen Facetten zu zeigen, empfehle ich:

Electric tears
Population Override
Thanatopsis
Death Cube K
Decoding the tombs of bansheebot
 
J
Johhof
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Hallo,

ich bin Autodidakt, spiele seit ca. 10 Jahren Gitarre.
Von Anfang an träumte ich davon, das Instrument losgelöst von "Hilfsmitteln" jeder Art zu beherrschen. Dies war auch stets mein Argument gegen Unterricht und Theorie - das Ergebnis würde verfälscht.
Ich suchte eigenständig nach Mustern und Strukturen, die meiner Meinung nach "gut passen". Und dann und wann löse ich mich wieder von dieser Idee.
Das als kleiner Einstieg.
Ich denke, dass dadurch erklärt wird, was einigen sicherlich auffällt: "Hat der denn 0-Ahnung?" oder "Wie kommt er von dieser Basis auf jenen Schluss?"

Ich denke, dass jeder ein paar kleine "geheim-" Regeln hat und bitte euch, diese mit mir zu teilen. So komme ich auf neue Ideen und wir können vielleicht alle ein bisschen Neuland schnuppern.

Stellt euch also folgendes vor:
Wir spielen zu einem Stück mit sehr einfachem Grundrhythmus: Scraps von Buckethead.
Ich würde als Basis die Bassline nehmen:
4/4-Takt ,
"Strophe": 1. Takt: 1/16 Note: e, nochmals: 1/16 Note: e, Pause 1/4, 1/16 Note E, nochmals: 1/16 Note E, Pause: 1/2 Diesen Takt 2*,
2. Takt: 1. Takt: 1/16 Note: c, nochmals, Pause 1/4, 1/16 Note E, nochmals, Pause: 1/2 Diesen Takt 2*,

"Refrain": d über 2 Takte, c über 2 Takte

Es gibt eine "Basismelodie". Diese verwendet man als EInstieg und als Ende (und wenn man irgendwie nicht in das Stück hineinfindet zwischendurch).

Das Solo spiele ich (wie die "Basismelodie") in E-Moll.

Das nehme ich als Grundlage.

Weiter gehts so:

E,C und D sind die Grundnoten, von denen ich neue Melodien beginne. Ich orientiere mich dabei an die Bassline.
Ein paar Licks habe ich für alle Fälle in der Hinterhand und starte ebenfalls mit der jeweiligen Bassnote.


Manchmal bin ich damit ganz zufrieden, manchmal überhaupt nicht xD
Mein Gerüst ist auch nicht sonderlich komplex. Aber weil ich für gewöhnlich sehr nervös werde, wenn ich vor Leuten spiele, darf es auch keine Rocketsience sein, die ich nebenbei im Kopf habe...

Jetzt habe ich vor einiger Zeit angefangen eine Struktur bei Buckethead zu finden...
Nun verwunderte es mich doch: Er startet (scheinbar) unpassend zum Bass:

Zum Bass-e spielt er ein G, zum C ein A... Dann manchmal wiederum doch passend, also E zu E

Ich füge mal ein paar Videos an, um zu zeigen, worum es geht.
Ich finde Bucketheads Spielweise sehr inspirierend.Seine Konzerte klingen nicht wie vom Tonband. Es gibt hier und da mal eine schiefe Note. Ich finde seine Musik aber sehr authentisch. Meine Beschreibung wäre folgende: Während viele das Instrument auf der Bühne beherrschen möchten, spielt er wirklich damit - und da geht halt auch mal etwas schief...

Und so erschließt sich auch mein eigentliches Ziel: Ich will das Instrument beherrscht spielen. Wer von euch schafft es, sich vom Korsett der Musiktheorie zu befreien und sie gleichzeitig zum freien Spiel zu nutzen? Wie macht ihr das? Gebt mir Tipps, füttert mich mit Infos :engel:

1996:


1998:


2004:


2009:

Cool, der Beitrag ist zwar schon älter, aber das Thema bleibt ja an sich und immer wieder aufs Neue interessant.

Hier gibt es viele schöne Antworten. Ich möchte meine daher auch lediglich ergänzend hinzufügen.

Ich spiele auch schon seit Jahrzehnten Gitarre, prinzpiell auch als Autodidakt. Aber das heißt in meinen Augen nicht, dass man nicht von Anderen lernt, ganz im Gegenteil, ich habe immer gefragt, wenn ich was wissen wollte, und habe mir auch etliches abgeschaut.

Ich hatte auch immer den Eindruck, dass manche Theorie eher etwas komisch und manieriert daher kommt. Bestimmte Effekte scheint man auch den meisten Theorieabhandlungen gar nicht entnehmen zu können. Dass sich z.B. das Gehör auf Töne einstellt, und man von daher z.B. im modalen Kontext, ja das als „passend“ empfundene Tonmaterial formen kann, ähnlich wie bei einer Skulptur. So mancher Ton wirkt an der richtigen Stelle sehr schön, etwas früher gespielt an einer ungünstigen Stelle im Taktgefüge hätte er vlt. grauselig und schrecklich und echt falsch geklungen.

Es gibt derer Effekte viele. Aber will nicht so weit abschweifen. Meines Erachtens eine sehr „untheoretische“ Theorie stellt Pat Martino vor. Es ist oft schwer seine Tutorials zu ertragen, aber er ist wirklich richtig in die Tiefe gegangen, was die Struktur der Gitarre betrifft. Seine Abhandlungen zur „Nature of the Guitar“ halte ich für großartig, und er war ein richtiger Profi, und wusste wie man auf der Bühne abfeuert.

Jammen wurde ja schon erwähnt.

Vieles, das meiste habe ich über Transkribieren gelernt.

Ich glaube der eigentlich Quell ist einfach das „innere Hören“. Das wurde in manchen Antworten auch angerissen.

Was ganz fantastisch ist: Nehme mal ein Backing Track auf. Vielleicht auch eine kurze Akkordsequenz, welche geloopt oder mehrfach wiederholt wird. Lasse es laufen, improvisiere singend dazu, nehme das aber auch wieder auf. Im nächsten Schritt hörst du dir einfach raus, was du gesungen hast, und überträgst es auf die Gitarre.

Glaub mir, du wirst erstaunt sein, was du alles über Theorie weißt :D. Daneben kann man solche eigenen Melodien auch ganz leicht mit den entsprechenden Akkorden verlinken. Damit kann man hervorragend sein eigenes harmonisches und theoretisches Verständnis reflektieren ( ... das ist ja quasi auch „Theorie“) .. und sehr spielerisch lernen.
 

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